Page archived courtesy of the Geocities Archive Project https://www.geocitiesarchive.org
Please help us spread the word by liking or sharing the Facebook link below :-)


Hobuschiade 3 :

 

Hobusch nimmt die "Parade" ab

 

Obwohl Hobusch sein Leben lang den Kommiß fürchtete wie der Teufel das Weihwasser, hinderte ihn das nicht, nach Möglichkeit mehrmals in der Woche um die Mittagszeit Ecke Schlossstrasse die "Parade" abzunehmen.So nannte man die Wachablösung, die täglich in Richtung Schloß unter Vorantritt einer kleinen Kapelle erfolgte.Die Musiker, allgemein das Hoboistenkorps genannt, waren gut ausgebildet und wurden sogar aushilfsweise der Theaterkapelle zugeteilt.Anhalt war ein souveräner Staat und hatte das Recht, einige Kompanien Militär zur Schau zu stellen. Diesen Aufmarsch ließ sich Hobusch nicht entgehen, und er war immer an der selben Stelle zu finden. Ein gewohntes Bild für das Musikkorps.Mit der Zeit wurde das todenrste Zeremoniell für die Zuschauer stinklangweilig, darum entschloß sich die Maurerbrüderschaft mit einem solide ausgeheckten Streich, die todernste Prozedur ins Wackeln zu bringen. Hobusch, der in gewisser Beziehung eine Art Schwejk verkörperte, wurde dazu ausersehen. Ihm, der sonst in billigen Arbeitsklamotten rumlief, wurde ein Frack auf Taille übergezogen. Um den Hals bekam er einen stocksteifen Vatermörder, und sein Haupt krönte ein feierlicher, schwarzer Chapeon claque. So ausstaffiert nahm er seinen Stammplatz in der Schlossstrasse ein. Die "Grünröcke" kamen in hartem Gleichschritt mit klingelndem Spiel angerückt.Aber was war das? – Das sonst gewohnte Bild, wo Hobusch immer zu stehen pflegte, war heute ein anderes. Der todernste Aufputz dieser Figur ging über das Vorstellungsvermögen. Vor allem die Bläser brachen einer nach dem anderen das Spiel ab, und schallendes Gelächter marschierte eine Weile mit.So hat auch auf diesem Gebiet einmal der unsoldatische Hobusch die gottgewollte, militärische Disziplin ins Wanken gebracht.

 

 

1