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1.      Politische Themen haben historische Grundlagen

 

Alle aktuellen innen- und außenpolitischen Problemlagen und Diskussionen haben ihr geschichtliches Fundament; in Analysen, Stellungnahmen und politischen Positionen zu diesen Themen finden sich immer geschichtliche Bezüge.

Indem Sie den öffentlichen Diskurs verfolgen und an ihm teilnehmen, erarbeiten Sie sich auch historisches Wissen! Die ernst zu nehmenden Medien, wie etwa seriöse Fernsehsendungen, überregionale Tages- und Wochenzeitungen oder politische Magazine, bieten dabei gute Informationsmöglichkeiten.

Beispiele für aktuelle Themen, die sich auch aus ihren geschichtlichen Hintergründen verstehen lassen, sind:

·        Der Kosovo-Konflikt: Er erklärt sich auch aus der Geschichte des Balkans seit dem späten Mittelalter; und seine Problemlagen sind eng verknüpft mit historischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts. Die momentane Situation lässt Aussagen über die Rolle der UNO, der NATO, der EU und über die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik zu; und auch dabei sind geschichtliche Entwicklungen mit im Spiel.

·        Die Krise Afrikas: In der schwierigen, teils katastrophalen wirtschaftlichen, innen- und außenpolitischen Lage vieler Länder Afrikas und in den Kriegen im Kongo, in Angola und vielen weiteren Krisenherden werden historische Wurzeln wie der "Imperialismus", der "Kolonialismus" oder der Ost-West-Konflikt sichtbar.

·        Der Nahost-Konflikt: Im latenten Konflikt zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten verknüpft sich die neuere Geschichte des Judentums mit der des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs; aber auch die überkommenen Frontlinien aus der Zeit der Dekolonisation und des "Kalten Krieges" erklären manches Detail des Nahost-Konflikts.

·        Die Belastungen Deutschlands durch den Nationalsozialismus und die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs: Die Aufarbeitung der politischen, wirtschaftlichen und moralischen Folgen der NS-Zeit durchzieht die deutsche Nachkriegsgeschichte bis heute. Aktuelle Beispiele sind die Diskussion um die Entschädigungen für Zwangsarbeiter, die während des Krieges nach Deutschland verschleppt wurden, oder die Diskussion um die zentrale Gedenkstätte für die ermordeten europäischen Juden in Berlin. Zum Verständnis dieser Themen gehört natürlich die genaue Kenntnis ihrer historischen Wurzeln in Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg.

 

 

 

2.      Heutige Entwicklungen und Parallelen zur Geschichte

 

Viele aktuelle Themen, mit Sicherheit aber politische Begriffe, gesellschaftliche Zusammenhänge, Denkweisen und Mentalitäten unserer Gegenwart, besitzen ähnliche Strukturen wie historische Situationen. Die Verstädterung in der "Dritten Welt" mit der Verelendung großer Bevölkerungsteile lässt sich sehr gut mit den frühen Folgen der Industrialisierung in Europa vergleichen. Die unterschiedlichen Technologieschübe in der Geschichte der Industrialisierung und ihre Wirkungen sind strukturell gesehen dem ähnlich, was im Moment durch Schlagworte wie "Globalisierung", "New Economy" oder "Informationsgesellschaft" ausgedrückt wird. Die Analyse aktueller Entwicklungen kann deshalb die Grundlagen für das Verstehen komplexer geschichtlicher Situationen legen; auf jeden Fall sind aber viele Fachbegriffe und Erklärungsweisen die gleichen.

Auch dieser Zusammenhang verweist also auf die Chance, sich durch Kenntnisse zu heutigen politischen Themen und Problemen die Grundlage für ein besseres Verständnis geschichtlicher Entwicklungen anzueignen.

 

 


3.        Die wichtigsten Analysebegriffe

 

Das Verständnis der folgenden Begriffe erleichtert die Analyse einer Fragestellung, die Einschätzung des Erwartungshorizontes und die Gestaltung der schriftlichen Antwort:

 

·        Historische Situation: Sie besteht aus allen möglichen Fakten eines durch einen bestimmten Raum und einen umgrenzten Zeitabschnitt definierten historischen Zusammenhangs.

·        Struktur: Eine Struktur ordnet die vielen Fakten einer historischen Situation nach einer definierten Perspektive.

·        Strukturvergleich: Er vergleicht die Strukturen unterschiedlicher historischer Situationen.

·        Chronologie: Das ist ein Ordnungsmuster, das geschichtliche Ereignisse nach dem Ablauf der Zeit erfasst.

·        Prozess: Dieses Ordnungsmuster gliedert Abläufe nach einer sinnhaften inneren und zeitlichen Logik.

·        Kontinuität: Sie behauptet das Weiterbestehen einzelner Strukturen im Ablauf mehrerer historischer Situationen.

·        Kontinuitätsbruch: Der Begriff bezeichnet das Zusammenbrechen einer über einen längeren Zeitraum bestehenden Entwicklung in einer bestimmten historischen Phase.

 

 


4.       Analyse von Bildquellen

 

Um eine Bildquelle systematisch auszuwerten, sollten folgende Arbeitschritten folgen:

 

·        Herkunft und Wahrheitsgehalt der Bildquelle:  Nenne Entstehungszeit und -ort, den Quellen-Produzenten oder -Herausgeber und die Quellenart.

 

·        Inhalte der Bildquelle und deren historische Bezüge: Bestimme das Thema der Bildquelle und beschreibe die abgebildeten Inhalte. Erkläre die historischen Bezüge der wesentlichen Inhalte.

 

·        Gestaltungsmittel: Beschreibe zuerst immer die besonderen Gestaltungselemente der Bildquelle. Bestimme anschließend die Funktion der einzelnen Gestaltungselemente, z.B. die Darstellungstechnik bzw. den künstlerischen Stil, die Wahl der Ausschnitte und Perspektiven, die besondere Gruppierung und Komposition der Inhalte, dabei die Gewichtung einzelner Bildaspekte, die Entscheidung für bestimmte Lichtverhältnisse und . Farben, die Verwendung von Symbolen, Allegorien und anderen Bildern.

 

·        Standpunkt der Bildquelle: Erfasse die mögliche Aussageabsicht, die ideologische Position der Quelle, und bewerte den (situationsintemen) kommunikativen Zusammenhang des Bildes.

 

·        Bewertung des Quellengehalts: (Situationsexternes), aus heutiger Sicht formuliertes (aktuelles) Urteil über die Stellung und Bedeutung der Quelle im geschichtlichen Ablauf.

 

 


5.      Analyse von Statistiken und Diagrammen

 

Statistiken und Diagramme fassen viele einzelne Daten einer Situation zusammen, um daraus repräsentative Aussagen zu den grundsätzlichen Strukturen und Prozessen einer bestimmten Situation zu ermöglichen.

Statistiken benutzen nur Daten und überlassen die eigentliche Auswertung dem Leser, Diagramme bereiten Daten grafisch auf und verweisen so bereits auf eine mögliche Deutung.

 

Folgende Aspekte sind bei der Analyse von Statistiken und Diagrammen wichtig:

 

·        Definieren des Untersuchungsrepertoires: Wie geht die Statistik bzw. das Diagramm methodisch vor?

·        Analyse der statistischen Besonderheiten: Welche Trends zeigt die Statistik?

·        Erläutern der historischen Zusammenhänge: Wie sind die Trends zu erklären?

·        Bewerten der Aussagekraft: Wie treffend ist die Statistik für die historische Situation?

 


 

6.      Analyse von Karten

 

Unterscheide "historische" und "wissenschaftliche" Karten:

 

·        Historische Karten sind Quellen für das geopolitische Bewusstsein in einer bestimmten Situation.

·        Wissenschaftliche Karten zeigen den Stand des aktuellen Wissens; sie funktionieren deshalb als Deutungen.

 

Achten Sie bei der Auswertung wissenschaftlicher Karten auf die folgenden Aspekte:

 

·        die geografische Dimension der Karte: Welcher Raum wird bezeichnet?

·        die chronologische Dimension: Welcher Zeitraum wird abgedeckt?

·        die politische Dimension: Welche historischen Entwicklungen oder Strukturen werden sichtbar?

·        die eigentliche Auswertung in einem thematischen Zusammenhang: Welche grundlegenden Aussagen zur betreffenden Situation sind nach der Karte möglich?

 

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