Page archived courtesy of the Geocities Archive Project https://www.geocitiesarchive.org
Please help us spread the word by liking or sharing the Facebook link below :-)


Die Stellung der Juden

 

Wie die Kleriker, die der geistlichen Gerichtsbarkeit unterstanden, lebten auch die Juden zunächst nach eigenem Recht. Jüdische Kultur und Gelehrsamkeit von hohem Rang erlebten in den Städten bis zum ~ 1. Jahrhundert eine Blütezeit. Das Zusammenleben von Christen und Juden schien im frühen Mittelalter problemlos. Zu Pogromen1 gegen die ,,Christusmörder" kam es erstmals zur Zeit des 1. Kreuzzuges, als auch Hungersnöte die Bevölkerung in Unruhe versetzten.

Seitdem nahm die Rechtsunsicherheit der Juden zu. Kirchlicherseits wurde auf dem Laterankonzil von 1215 sogar ihre völlige Rechtlosigkeit festgestellt und erstmals die Vorschrift erlassen, dass Juden sich in ihrer Kleidung von Christen unterscheiden müssen. In dieser Situation unterstellte Kaiser Friedrich II. alle in Deutschland lebenden Juden der kaiserlichen Kammer als reichsunmittelbare Kammerknechte. Er übernahm ihren Schutz, doch musste dieser mit erheblichen Abgaben erkauft werden. Dieses Regal vergaben die Herrscher im Zeitalter der beginnenden Territorialisierung häufig an Fürsten und städtische Obrigkeiten.

Die Situation der jüdischen Minderheit blieb stark gefährdet, das Ansehen der Juden sank. Einst als Fernhändler, bedeutende Kauf- und Finanzleute und kundige Gelehrte geachtet, wurden die Juden seit dem 13. Jahrhundert aus vielen Berufen verdrängt; sie blieben vor allem in der Geldleihe tätig, die Christen von der Kirche lange verboten war. Hinter den Übergriffen auf jüdisches Leben und Eigentum im 13. und 14. Jahrhundert verbargen sich oft die Interessen der verschuldeten Kreditnehmer vom Hochadel bis zum Handwerkerstand.

 

 

1) russ.: Vervüstung; Ausschreitungen gegen nationale, religiöse, rassische Gruppen

1