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Der Einfluss des Islam und der Antike

 

Viele der neuen Denkansätze waren neben der Wiederentdeckung antiker Denker nur den Kontakten mit außereuropäischen Kulturen, allen voran dem Islam und dem Judentum in Spanien, zu verdanken. Die arabische Expansion bis nach Europa und die Kreuzzüge förderten vielfältige Begegnungen zwischen Orient und Okzident. Eine besonders wichtige Rolle für einen regen Gedankenaustausch spielte der Handel. Vor allem von Spanien aus verbreiteten sich die Kenntnisse der Araber in Europa. Aber erst nach der Eroberung Jerusalems während des Ersten Kreuzzugs (1099) setzten sich die Europäer ernsthaft mit den arabischen Wissenschaften auseinander, die ihrerseits ebenfalls in der Tradition der griechischen Philosophie standen.

Bereits seit dem 11. Jahrhundert hatten Christen die Werke islamischer Gelehrter ins Lateinische übersetzt. Dadurch wurde das Wissen arabischer Astronomen, Ärzte, Alchimisten, Mathematiker oder Philosophen zur Grundlage europäischer Forschung an den wenigen, aber einflussreichen Universitäten. Die Übersetzungstätigkeit vermittelte neben den eigenständigen Leistungen muslimischer Wissenschaftler auch das Wissen der Antike weiter. Michael Scotus (gest. 1236), einer der herausragendsten Übersetzer, arbeitete am Hofe Kaiser Friedrichs II. in Sizilien und übertrug im kaiserlichen Auftrag die Werke des Aristoteles sowie naturwissenschaftliche Schriften verschiedener arabischer Autoren.

Die Vorstellungen antiker Gelehrter, die lange Zeit nicht gelesen werden durften und deshalb verschollen waren, konnten in Europa wieder rezipiert werden und gingen von nun an im Bewusstsein gelehrter Kreise nicht mehr verloren. Besonders die Werke des Philosophen Aristoteles über Logik wurden zur Grundlage der scholastischen Wissenschaften. Seinen Wirkungsgrad verdankte Aristoteles zu einem erheblichen Anteil islamischen und jüdischen Kommentatoren seiner Schriften: Avicenna (gest. um 1235) aus Persien, Averroes (Ibn Ruschd) (1126-1198) aus Cordoba und Mainionides (1135-1204), einem jüdischen Arzt aus Cordoba, der in Ägypten lebte.

Schriften des Aristoteles und seine Kommentierungen wurden wiederholt von der Kirche verboten, da sie im Gegensatz zu christlichen Lehren standen. Widerspruch erregte vor allem die angebliche These des Averroes, es gebe eine ,,doppelte Wahrheit": die Wahrheit der Kirche und Religion sowie daneben die Wahrheit der Philosophie und Wissenschaft. Anstoß erregte auch die Behauptung, der menschliche Intellekt sei in allen Menschen ungeteilt und lebe als solcher fort; dies widersprach der Vorstellung von einem individuellen Weiterleben der Seele nach dem Tod. Dennoch: Eine Philosophie, die sich darauf berief, auf der Grundlage aufgeklärten Denkens zu ihren Ergebnissen zu gelangen, war trotz kirchlicher Gegenbemühungen von nun an nie mehr ganz von den Universitäten zu bannen. Auf der anderen Seite gelang es dem Dominikaner Thomas von Aquin, in der Auseinandersetzung mit Aristoteles ein geschlossenes theoiogisches Lehrgebäude zu errichten.

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