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Vom Deutschen Bund zum Deutschen Reich: ein einig Vaterland?

 

Deutscher Bund:

·        Insgesamt 39 souveräne Staaten

·        teils Staatengebiete wie heute (z.B. Bayern)

·        teils heute nicht mehr eigenständige Staaten (z.B. Fürstentum Waldeck)

·        teils lagen große Teile der Staaten, v.a. PR und Ö, außerhalb des Bundes

·        ausländische Mächte hatten als Lehensherren Mitspracherecht in Bundesangelegenheiten (DK, NL, bis in die 1830er auch GB)

à diese Konstellation verhinderte lange das Aufkommen eines nationalen Einheitsstaates

 

 

Verfassung 18 49:

 

  • Es wird eine konstitutionelle Monarchie geschaffen
  • Ein erblicher Kaiser steht an der Spitze
  • Die Legislative hat der Bundesrat (Staatenvertretung) und der Bundestag (gewählte Abgeordnete) inne

Dem König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen wird die Kaiserkrone von der Nationalversammlung in Frankfurt am Main angeboten. Der König lehnt aber ab, weil er nicht Kaiser aus „Kanailles“ Gnaden, sondern von Gottes Gnaden sein will (im Gegensatz z.B. zum englischen König)

 

 

Zusätzliche Probleme für einen möglichen deutschen Nationalstaat:

 

·        v.a. Ö, der Vielvölkerstaat, war nicht daran interessiert, in seinem Herrschaftsgebiet nationale Ideen „reifen“ zu lassen, so auch nicht im Deutschen Bund, da dies den öst. Staat gesprengt hätte

·        in den anderen europäischen Staaten, in denen bereits ein Nationalstaat erfolgreich existierte (FR, GB) waren DEMOKRATIE und NATIONALE EINHEIT (in Sprache und Kultur) zusammen gekommen; d.h. das eine kann nicht ohne das andere existieren: dementsprechend war der erfolgreiche Weg für diese Verbindung =

ein bestehender Nationalstaat wird durch eine Revolution von UNTEN in eine

demokratische Regierungsform umgewandelt

à diese Entwicklung wurde in Deutschland lange verhindert: die Heilige

Allianz (RU, Pr, Ö) verhinderte seit dem Wiener Kongress 1815, dass

demokratische und nationale Bewegung im Deutschen Bund an Macht

gewinnen konnten (Zeit der Reaktion; Frz. Revolution als warnendes Beispiel

für die europ. Fürstenhäuser)

 

 

 Das Ende des Deutschen Bundes, Norddeutscher Bund und deutsche Reichsgründung

 

1862        der preuß. Landtag verhindert die von König Wilhelm I. geplante Heeresreform; der neue Ministerpräsident von PR, Bismarck, führt die Reform dennoch durch, in der Hoffnung, diese Maßnahem im nachhinein genehmigt zu bekommen

1863        der dänische König annektiert die beiden Gebiete Schleswig und Holstein, damit verstößt er gegen das Londoner Protokoll à Auslöser für den PR-Ö vs. DK Krieg; nach dem Sieg geht die Verwaltung an PR und Ö, allerdings birgt diese Regelung bereits Zündstoff für neue Konflikte zwischen PR und Ö

1866        angeblichem Vertragsbruch erklärt PR Ö den Krieg und gewinnt (Schlacht bei Königgrätz); der Deutsche Bund wird aufgelöst, der Norddeutsche Bund unter pr. Führung wird gegründet.

Dieser nimmt bereits die Verfassung des späteren Dt. Reiches vorweg: der Bund entscheidet über Krieg/Frieden, hat den milit. Oberbefehl und die Vertretung nach außen; es gibt einen Bundeskanzler, der vom Bundespräsident (preuß. König) ernannt wird; es gibt einen Bundesrat und einen Reichstag mit Budgetrecht

1870/1 Spanische Thronfolge als Streitpunkt, da preuß. Prinz erbberechtigt wäre; FR

fürchtet eine Umklammerung durch die Hohenzoller und protestiert, Prinz nimmt auch nicht an; Bismarck stellt Napoleon III. Forderung in seiner Emser Depesche aber als sehr provokant dar à Napoleon III. erklärt PR den Krieg

Sieg der dt. Staaten (auch die süddeutschen Staaten schlossen sich an), Eisenbahn als Transportmittel sehr wichtig

1871        Gründung des Deutschen Reiches im Spiegelsaal von Versailles [durch diese bewusste Demütigung FR mit den Gebietsabtretungen Elsass-Lothringen wurde die dt.frz. Feindschaft noch angeheizt]

 

Nach dem Sieg gegen Ö lässt sich Bismarck nachträglich die Heeresreform vom preuß. Landtag genehmigen (Indemnität); dabei befinden sich die Liberalen in einem Dilemma: erklären sie Bismarcks Handeln als rechtmäßig, dann verraten sie die demokratischen Ideale (Budgetrecht des Parlaments, Kontrolle der Regierung); lehnen sie aber ab, dann verraten sie den nationalen Gedanken à Spaltung der Liberalen

Bismarck nutzte so die Nationalträume der 48er Revoluzzer aus

In der Reichsverfassung von 1871 ist ein Kaiser an der Spitze vorgesehen, der den Reichskanzler ernennt. Der RK ist nur dem Kaiser verantwortlich, nicht dem Parlament. Da das Parlament also so keine Möglichkeit hat, selbst die Regierung abzuwählen, ist es eigentlich ein machtloser „Debattierclub“

 

Der deutsche Nationalismus entartete letztlich in den Nationalsozialismus u.a. aus folgenden Gründen:

 

·        die Heilige Allianz der 3 großen europäischen Monarchien verhinderte eine nationale Einigung Deutschlands (v.a. Ö im Konflikt mit Preußen)

·        1848er Revolution mit ihren demokratischen Reformen konnte sich nicht durchsetzen: die Nationalversammlung blieb ohne Durchsetzungskraft, Ö blieb eine absolutistisch geprägte Monarchie, Preußen führte zwar einige Reformen durch, an der Monarchie ohne wirkliches Mitspracherecht des Volkes änderte sich aber nichts)

·        1871 wird das Deutsche Reich gegründet, aber nicht durch Volkes Willen von unten (z.B. durch eine Revolution), sondern nach Kriegen gegen die Nachbarstaaten und auf Beschluss der Führungsschicht der Fürsten und Militärs à im Deutschen Reich kommt es daher zu keiner Verbindung von Demokratie und nationaler Einheit, die „Nation“ ist mit dem Obrigkeitsstaat verbunden (Untertan vs. Bürger)

 

 

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