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Zusammenstellung Rhetorik: Was hat das mit dem Fach Geschichte zu tun?

 

In Klausuren und anderen Überprüfungen kommt es neben der sachlichen Richtigkeit der eigenen Darstellung vor allem auf die Überzeugungskraft der eigenen Argumente an: die eigenen Position muss nachvollziehbar und überzeugend vorgebracht werden. Gerade dieses ist aber oftmals schwerer als gedacht. Daher hier ein paar Hinweise, wie man eventuell aus der Geschichte für das Fach Geschichte (und natürlich auch fürs Leben) lernen kann:

 

Ausgehend von der antiken Rhetorik gibt es drei „Eckpunkte“ zwischen denen sich eine Argumentation bewegen kann:

 

 

 

D.h. also, eine Argumentation kann sich verschiedener Elemente bedienen, um die Adressaten zu überzeugen.

 

Im folgenden sollen zunächst 5 Hauptkategorien von Beweisführungen vorgestellt werden, um dann anschließend logische Fallen und Tücken aufzuzeigen, so dass in Zukunft die eigenen Argumentationen solche „Fallen“ umgehen kann.

Dazu muss aber deutlich gemacht werden, dass selbst in der überzeugendsten Argumentation der größte Blödsinn stecken kann!!

 

 

5 Arten von Argumenten, oder wie man überzeugen kann

(Die Beispiele sind „positive“ Argumente, funktionieren aber genauso mit verneinten Sätzen)

 

  1. per Definition bzw. Prinzip:

X ist ein Y                    à H. Juhnke war ein Alkoholiker.

                                    à Die Deutschen waren Hitlers willige Vollstrecker.

 

  1. Ursache/Wirkung:

X verursacht Y            à Die Kriminalitätsrate sinkt nicht durch das Verbot des

    Waffenbesitzes.

à Die Umstände am Ende der Weimarer Republik führten zur    

    Machtergreifung Hitlers.

 

  1. Analogie (Ähnlichkeit):

X ist wie Y                  à Die Juden wurden behandelt wie Tiere, nicht als Menschen.

 

 

  1. Wertung:

X ist ein [Adjektiv] Y   à Hitler war eine Bestie.

 

  1. Vorschlag:

Man sollte X tun          à An den Holocaust sollte durch ein zentrales Mahnmal

     erinnert werden.

 

 

Logische Argumentationsfehler

            1-5 behandeln Pathos-Fehler

            6-8 behandeln Ethos-Fehler

            9-16 behandeln Logos-Fehler

 

  1. Ansprechen von Symbolen, allgemeinen Werten, (Vor-)Urteilen etc.

à Statt mit sachlichen Argumenten zu überzeugen, wird versucht durch Ansprechen der besonderen Gefühle eine Solidarität zwischen Redner und Adressat zu erzeugen

            (z.B. Nationalflaggen)

 

  1. Verwenden von Beweisen, die die Adressaten nicht überprüfen können

à v.a. dann der Fall, wenn dies auch nicht erwünscht ist

 

  1. Verwenden von nur scheinbar logischen Argumenten

à v.a. in den Kategorien „weil es alle machen“, „das war schon immer so“

 

  1. Behaupten, dass das Bekannte besser sei, als das Unbekannte

à v.a. auch in der Furcht vor den/dem Fremden verbreitet

 

  1. Verlagern der Aufmerksamkeit der Adressaten von dem Kernproblem auf unwichtige Fragen

à dies wirkt v.a. in Reden, da das Publikum keine Möglichkeit hat, das Gehörte nochmals nachzuprüfen

 

  1. Berufen auf eine nicht gültige Autorität

à z.B. Vorführen von prominenten Zeugen vor Gericht, um mit dessen Popularität für/gegen den Angeklagten zu werben

 

  1. Persönliche Angriffe

à auch wenn diese Art der Argumentation v.a. in Wahlkampfzeiten verbreitet ist, sollte dies vermieden werden

 

  1. Vereinfachung von gegnerischen Argumenten, um diese leichter widerlegen zu können

à Lächerlichmachen der Meinung des Anderen fällt ebenso in diese Kategorie

 

  1. Bloßes Wiederholen des eigentlichen Argumentes mit anderen Worten

à zwar beliebt, um Klausuren ausführlicher erscheinen zu lassen, dennoch wertlos

 

  1. Den Gegner oder die gegenteilige Meinung durch komplexe Fragen in eine Zwickmühle bringen

à egal, wie die Gegenseite reagiert, sie wird auf jeden Fall in schlechtem Licht erscheinen

 

  1. Unzulässige Vereinfachung von komplexen Fragen, um eine Entweder/Oder Entscheidung herbeizuführen

à ein Beispiel ist die Kuba-Krise von 1962, wo lange Zeit ein Militärschlag das einzige Mittel zu sein schien

 

  1. Falsche Ursache-Wirkung Kette

à die Annahme, dass X das Ereignis Y verursachte, nur weil X vor Y passierte, ist durchaus problematisch

 

  1. Argument, dass eine Entscheidung eine ganz bestimmte Folge von Entwicklungen nach sich ziehen muss

à v.a. in immer komplexer werdenden Zusammenhängen ist es fast unmöglich genau vorherzusagen, wie sich eine bestimmte Entscheidung von heute in Zukunft auswirken wird

 

  1. Unzulässige Verallgemeinerung auf der Basis von zu wenig Beweisen

à dieser Fehler ist der zentrale in vielen Klausuren; aber auch verständlich, weil nicht immer alle nötigen Fakten zur Hand sind

 

  1. Falsche Analogie

à viele Analogien sind nur in bestimmten Teilbereichen ähnlich; der Vergleich lässt sich nicht bis ins kleinste Detail treiben

 

  1. Logische Fehler

à        a) unlogisch

            b) Lückenhafte Argumentationskette

            c) Verwendung von irrelevanten Argumenten

 

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