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         WELTRELIGIONEN

 

 

Jeder Mensch wird sich im Laufe seines Lebens die Frage stellen: "Warum bin ich auf der Welt?"  Religionen versuchen auf ihre Weise, der Frage nach einem Sinn des menschlichen Lebens nachzugehen, und geben verschiedene Antworten. In einem Punkt aber sind sich alle einig: Es gibt einen Sinn für uns. Es ist kein Zufall, daß wir leben.

Bei der Betrachtung der Religionen zeigt sich, daß sie immer eng mit Geschichte und Kulturen verbunden sind. So, wie sich Kulturen entwickeln und verändern, werden sich auch die Religionen mit ihren kultischen Formen und geistigen Werten verändern.

Es gibt vielfältige Formen, in denen sich religiöses Leben ausdrückt. Indem Menschen verschiedener kultureller Herkunft immer enger zusammenleben, müssen sie auch lernen, sich mit ihren unterschiedlichen Glaubensvorstellungen gegenseitig anzuerkennen. Längst haben die Religionen auch begonnen, sich gegenseitig zu beeinflußen. Deshalb ist zu hoffen, daß die Religionen der Zukunft toleranter sein werden, daß sie einander aufgeschlossener begegnen.

In vielen Religionen lebt die Hoffnung auf ein friedlichen Miteinander aller Menschen. Werden Religionen auch in Zukunft zum Kraftquell für Menschen werden, sich für ihre Überzeugungen einzusetzen? Mahatma Gandhi oder Mutter Teresa sind Vorbilder dafür, wie Menschen die Kraft für Veränderungen und Mut zu neuen Wegen aus ihren religiösen Überzeugungen erhalten.

 

 

      INHALT

 

 

Älteste Spuren v. Religionen                             Alles über das Christentum

Woran glaubten die alten Ägypter?                 Alles über den Islam

Gibt es eine "richtige"  Religion?                       Alles über den Hinduismus

Was sind Weltreligionen ?                                 Alles über den Buddhismus

Alles über das Judentum                                    Kleines Begriffe Lexikon

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                           

 

 

 

 

 

                                    

  Erste Spuren von Religionen

 

 

Solange es Menschen gibt, haben sie einen Wunsch: Ihr Leben soll gelingen. Genug zu essen, gesunde Kinder, Glück und Erfolg zu Hause und bei der Arbeit, das sind Dinge, die man sich wünscht. Aber zu allen Zeiten mußten die Menschen böse und unerklärliche Erfahrungen machen. Gibt es eine unheimliche Macht, die über unser Leben bestimmt ? Gibt es ein vorbestimmtes Schicksal ?

Seit Urzeiten beschäftigen sich Menschen mit der Frage, woher der Mensch eigentlich kommt. Wer hat die Erde und das Universum eigentlich erschaffen ? Und: Was passiert nach unserem Tod ? Immer wieder suchen die Menschen nach Antworten. Und so entwickelte sich die Vorstellung, daß es übersinnliche Mächte gibt, die die Welt und unser Leben bestimmen oder beeinflußen. Religion ist der Glaube an eine höhere Macht oder etwas Heiliges, das über uns steht.

Für die Menschen, die vor Tausenden von Jahren lebten, muß die Welt voller Rätsel gewesen sein. Woher kamen Blitz und Donner ? Warum wurde man krank ? Für die Menschen war die Welt von Geistern bevölkert, die sie durch Opfergaben bei Laune halten mußten.

Man hat in vielen Höhlen Wandzeichnungen gefunden, die wahrscheinlich für den Jagdzauber angewandt wurden. Es sind die ältesten künstlerischen Darstellungen der Menschheit. Auf diesen Bildern sind Tiere zu erkennen, die gejagd werden sollten. Manche sind mit gemalten Pfeilen durchbohrt. An manchen Höhlenwänden fand man auch Spuren von Pfeileinschüssen. Indem das Tier symbolisch getötet wurde, war es mit einem Zauber belegt.

 

                        

 

 

In vielen Gegenden  Europas findet man gewaltige Ansammlungen von Steinen, die nach einer bestimmten Ordnung aufgestellt sind. Berühmte Beispiele sind die kreisförmige Steinsetzung in Stonehenge in England und die gigantische Steinallee aus Menhiren (Hinkelsteinen) in Carnac in Frankreich. Sie enstanden vor etwa 5 000 Jahren zu Beginn der Bronzezeit. Heute vermutet man, daß diese Steinsetzungen der Beobachtung der Sterne und von Sonne und Mond dienten. Wahrscheinlich waren diese Anlagen Sonnen- oder Mondheiligtümer.

Man kann sich gut vorstellen, daß die Menschen damals Sonne und Mond für magische und übernatürliche Wesen hielten. Es liegt nahe, daß die Menschen vor allem die Sonne, die Licht und Wärme schenkt, wie einen Gott oder eine Göttin verehrten.

 

 

                              

  Woran glaubten die alten Ägypter

 

 

Im Laufe der Menschheitsgeschichte veränderten sich die religiösen Vorstellungen allmählich. Um etwa 2 500 v. Chr. war im alten Ägypten eine der ersten großen Hochkulturen entstanden. Das Leben war viel komplizierter geworden als bei den Menschen der Bronzezeit. Es gab große Städte, Handel und Verkehr. Auch hatten die Naturwissenschaften schon große Fortschritte gemacht. Viele Phänomene in der Natur und auch Krankheiten konnte man inzwischen erklären.

Die Ägypter waren Polytheisten. Sie glaubten an eine Vielzahl von Göttern, von denen jeder für einen bestimmten Lebensbereich zuständig war. Der ägyptische Pharao galt als die menschliche Verkörperung von Horus und wurde ebenfalls als Gott verehrt.

 

 

                                 

  Gibt es eine " richtige "  Religion

 

 

Über die Jahrtausende haben sich die Glaubensinhalte und religiösen Vorstellungen immer wieder verändert. Ob und was die Menschen glauben, hängt immer sehr stark von ihren Lebensbedingungen und dem Stand ihrer geistigen und gesellschaftlichen Entwicklung ab. Dabei empfindet jeder gläubige Mensch seine Religion als wahr und richtig, weil sie ihm hilft, das Leben zu gestalten. Er findet in ihr nicht nur eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn von Leben und Tod, sondern auch eine Anweisung zum richtigen Handeln im Alltag durch das Vorbild religiöser Persönlichkeiten.

 

 

                                        

  Was sind Weltreligionen ?

 

 

Weltreligionen sind diejenigen religiösen Gruppen, die weltweit die meisten Anhänger haben oder wegen ihrer besonderen Bedeutung dazugehören. Zu den Weltreligionen zählt man im Allgemeinen fünf religiöse Einrichtungen: das Christentum, dazu zählen die katholischen, protestantischen und orthodoxen Christen, dann den Islam, das Judentum, den Buddhismus und den Hinduismus.

Die Religion mit den meisten Anhängern ist das Christentum. Weltweit gibt es über zwei Milliarden Christen. Die größte christliche Gruppe sind die Katholiken mit etwa 900 Millionen.

An zweiter Stelle folgt der Islam. Es gibt über eine Milliarde Muslime, die hauptsächlich im Mittleren Osten und in Nord- und Westafrika leben.

Die 750 Millionen Hindus leben fast alle in Südasien, in Indien, dem Geburtsland des Hinduismus, leben etwa 650 Millionen Hindus.

Der Buddhismus hat weltweit etwa 350 Millionen Anhänger. 85 % der Bevölkerung von Burma und Thailand und über 70 % in Kambodscha, Laos und Japan sind buddhistisch. Der Buddhismus ist Staatsreligion in Thailand und Bhutan.

Zum Judentum bekennen sich ungefähr 14,5 Millionen Menschen. Die meisten von ihnen leben in Nordamerika und in Israel.

 

 

                                                   

  Das Judentum

 

 

Das Judentum ist die älteste monotheistische Religion,(Bekennung und Verehrung eines einzigen Gottes)  die wir kennen. Sie entstand vor etwa 3 500 Jahren dort, wo heute der Staat Israel und die Gebiete des Palästinenser liegen. In der jüdischen Religion haben das Christentum und der Islam ihre Wurzeln. Ein wichtiger Bestandteil des jüdischen Glaubens ist die Hoffnung auf den Messias. Der Messia ist ein Gesandter Gottes, der auf der Welt ein Reich des Friedens errichten wird. Die christliche Religion wurzelt im jüdischen Messiasglauben.

Die Angehörigen des jüdischen Glaubens bezeichnen sich selbst als " Volkes Israel " . Die Geschichte des Volkes Israel steht in der Bibel. Die Bezeichnung " Juden "  kommt von einem israelitischen Stamm namens " Juda " .

 

Wer ist Abraham?

 

Abraham gilt als der Stammvater des Volkes Israel. Seine Geschichte wird in der Bibel erzählt. Vieles, was in der Bibel steht, ist sicher nicht genau so passiert. Dennoch lassen sich viele Begebenheiten, die dort berichtet werden, historisch nachweisen. Die Geschichte Abrahams spielte sich vor etwa 3 500 Jahren ab.

Abraham hatte von Gott den Auftrag erhalten, seine Heimat in Mesopotamien zu verlassen und in ein Land zu ziehen, das Gott für ihn ausgewählt hatte. Dieses Land heißt in der Bibel Kanaan. Gott schloß einen Bund mit Abraham: Er schenkte ihm und seinen Nachkommen dieses Land und sie würden ihn dort als sein auserwähltes Volk als einzigen wahren Gott verehren.

Abraham und seine Frau Sara hatten damals noch keine Kinder. Im hohen Alter gebar dann Sara einen Sohn, Isaak. Dessen Frau Rebekka gebar Zwillinge: Jakob und Esau. Jakob erhielt von Gott den hebräischen Namen Israel, das bedeutet: "Kämpfer Gottes" . Daher haben Jakobs Nachkommen den Namen " Volk Israel " .

Jakob hatte zwei Frauen, Lea und Rahel, und wurde Vater von zwölf Söhnen. Vom Namen des vierten Sohnes Juda, nach dem ein israelitischer Volksstamm benannt wurde, leitet sich der Name Juden ab.

 

Was ist ein Pessach-Fest?

 

Das Pessach-Fest erinnert an ein Ereignis in der Geschichte des Volkes Israel: den Auszug aus Ägypten, angeführt von Mose. Die Israeliten waren Joseph, einem der Söhne Jakobs, nach Ägypten gefolgt. Zunächst ging es ihnen dort sehr gut, mit der Zeit wurden sie aber von den Ägyptern immer mehr wie Sklaven behandelt. Die Sehnsucht in ihr "gelobtes Land"  Kanaan zurückzukehren, wurde immer größer.

Schließlich führte sie ein Mann namens Mose nach Kanaan zurück. Die beschwerliche Wanderung dauerte vierzig Jahre. Während dieser Wanderung erhielt Mose von Gott auf dem Berg Sinai die Zehn Gebote. Über alle diese Ereignisse wird in der Bibel berichtet.

Das Pessach-Fest beginnt mit dem Sederabend. Am Sederabend werden bestimmte Speisen gegessen, die eine besondere Bedeutung haben, und ein Familienmitglied erzählt die Geschichte vom Auszug aus Ägypten. Sie soll möglichst spannend erzählt werden, denn jeder soll das Gefühl haben, er habe alles selbst miterlebt.

 

Was ist das Laubhüttenfest?

 

Das Laubhüttenfest heißt auf Hebräisch Sukkot, das bedeutet: Laubhütte. Es erinnert an ein Ereignis, das sich während der Flucht aus Ägypten zugetragen hatte: Als Mose das Volk Israel aus Ägypten führte, mußen sie ein großes Gewässer durchqueren. Durch ein Wunder Gottes teilte sich das Wasser und sie konnten unbeschadet hindurchgehen.

Hinter ihnen schlugen die Wassermassen wieder zusammen, so daß die ägyptischen Soldaten, die sie verfolgten, im Meer ertranken. Nach dieser Flucht rasteten die Israeliten in der Wüste und bauten einfache Hütten aus den wenigen Zweigen und Stöcken, die es in der Wüste gab. An diesen einfachen Hütten erinnert das Laubhüttenfest. Jede Familie baut sich eine Hütte. Die Hütten stehen auf den Höfen der Häuser oder auf dem Hof der Synagoge, dem Gebets- und Versammlungshaus. Man trifft sich, um gemeinsam zu essen und zu erzählen.

 

Warum hat der Chanukkaleuchter neun Kerzen?

 

Im Winter wird das Chanukkafest gefeiert. Chanukka heißt "Einweihung" . Mit dem Fest wird an die Wiedereinweihung des Heiligen Tempels in Jerusalem erinnert. Die Ereignisse trugen sich in den Jahren 167 - 164 v. Chr. zu.

Griechische Eroberer hatten den Tempel entweiht und dort Bilder ihrer Götter aufgestellt. Judas Makkabäus kämpfte mit seinen vier Brüdern drei Jahre lang gegen die fremden Herrscher und konnte schließlich siegen.

Zur Wiedereinweihung des Tempels sollte die Menora, der siebenarmige Leuchter, angezündet werden. Es war aber nur geweihtes Öl für einen Tag da und die Beschaffung von neuem dauerte 8 Tage. Nun durfte der Leuchter aber niemals ausgehen. Andererseits wollte man mit der Tempeleinweihung nicht mehr warten. Aber es geschah ein Wunder: Der Leuchter brannte acht Tage, genau so lange, bis wieder reines, geweihtes Öl beschafft worden war. Deshalb hat der Chanukkaleuchter acht Kerzen, die den acht Tagen entsprechen, und eine neunte Kerze, die Diener genannt wird und die anderen acht entzündet.

Das Chanukkafest fällt immer in die Winterzeit und wird deshalb auch als Kinderfest mit Geschenken gefeiert.

 

Was ist die Thora ?

 

Das heilige Buch der Juden ist die hebräische Bibel. Sie wird Tenach genannt. Das ist eine Abkürzung aus den hebräischen Namen der drei Hauptteile: Thora (Bücher der Gebote), Newiim (Bücher der Propheten) und Chetuwim (Bücher der Schriften). Der Tenach wird von den Christen Altes Testament genannt und ist Teil der christlichen Bibel.

Von den drei Teilen ist die Thora der wichtigste. Darin steht die Geschichte des Volkes Israel und der Stammväter Abraham, Isaak und Jakob. Dort findet sich auch die Geschichte von Mose, der die Zehn Gebote als Gabe Gottes empfangen hatte und sie dem Volk Israel gab. Man nennt die Thora auch " die fünf Bücher Mose" .

Die Zehn Gebote, die auch das Christentum übernommen hat, sind der bekannteste Teil. Die Thora und die anderen Teile des Tenach sind auf hebräisch geschrieben. In jeder Synagoge, dem jüdischen Gebets- und Versammlungshaus, wird mindestens eine handgeschriebene Thora aufbewahrt. Im Laufe eines Jahres wird die Thora in Abschnitten einmal ganz vorgelesen. Es ist eine Ehre für jedes Gemeindemitglied, aus der Thora vorzulesen.

 

Was ist ein Rabbiner ?

 

Erklärungen und Bemerkungen zur Thora wurden schon in alter Zeit gesammelt. Sie sind im Talmud  (das heißt Buch der Lehre) aufgeschrieben worden. Thora und Talmud werden von den Rabbinern oder Rabbis genauestens studiert. Sie erklären den Gläubigen, wie man die Gebote im täglichen Leben umsetzen kann und wie die Geschichten in der Thora zu verstehen sind. Rabbiner sind die an einer jüdischen Hochschule ausgebildeten Religionslehrer. Seit einigen Jahrzehnten dürfen auch Frauen Rabbiner werden.

 

Was ist das Schma Israel ?

 

Das Schma Israel ist das jüdische Glaubensbekenntnis. Es enthält den wichtigsten Glaubensgrundsatz der jüdischen Religion: daß es nur einen Gott gibt. Das Gebet heißt nach seinen hebräischen Anfangsworten Schma Israel: " Höre Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig! Und du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft! "

Manchmal binden die Männer beim Beten eine kleine Lederkapsel mit einem Riemen um den linken Arm zum Herzen hin und eine kleine Lederkapsel auf die Stirn. Die Kapseln heißen Tefillin. In ihnen sind Pergamentröllchen, auf denen das Schma Israel steht.

Aus Ehrfurcht gegenüber Gott tragen die Männer beim Gebet eine Kopfbedeckung. Dazu kann der Gebetsumhang, der Tallit, dienen, aber auch ein ganz gewöhnlicher Hut, eine Kappe oder Mütze. Typisch sind die kleinen runden Käppchen, die Kippas, geworden. In einer Synagoge und auf einem jüdischen Friedhof muß auch jeder nichtjüdische Mann eine Kopfbedeckung tragen.

 

Wie wird der Sabbat gefeiert ?

 

Der jüdische Feiertag heißt Sabbat. Er dauert von Freitagabend bis Samstagabend, denn im jüdischen Kalender werden die Tage immer von Abend bis Abend gezählt. Der Sabbat wird in der Familie und in der Synagoge verbracht. Die Mutter zündet die Sabbatlichter an (entweder zwei oder so viele, wie Personen im Haushalt sind) und die Familie versammelt sich um den Tsich. Der Vater spricht das Kiddusch-Gebet, mit dem er den Wein segnet. Am Freitagabend und am Samstagvormittag finden Gottesdienste in der Synagoge statt.

 

Wozu dient die Synagoge ?

 

Die jüdischen Gottesdienste finden meistens in speziellen Versammlungshäusern statt. Sie werden auf Griechisch Synagoge und auf Hebräisch Bet Knesset genannt. In der Synagoge wird die Thora in einem geschmückten Schrank, einem Thoraschrein, aufbewahrt.

Ein Gottesdienst muß aber nicht in einer Synagoge gefeiert werden. Dazu sind nur eine Thora und ein Minjan nötig. Ein Minjan wird von mindestens zehn Männern gebildet, die ihre Bar Mizwa hatten. Die Gottesdienste kann  jedes erwachsene Gemeindemitglied leiten. Meistens ist dafür ein Kantor (Vorsänger) oder ein Rabbiner zuständig.

Wenn man Jude ist, dann bedeutet dies sowohl eine Religionszugehörigkeit als auch eine Volkszugehörigkeit. In das jüdische Volk wird man hineingeboren, wenn man eine jüdische Mutter hat. Natürlich können Juden sich entscheiden, nicht religiös zu leben oder eine andere Religion annehmen. Will jedoch jemand, der nicht als Jude geboren ist, zur jüdischen Religion übertreten, so tritt er damit zugleich in die Gemeinschaft des jüdischen Volkes ein.

 

Was bedeutet Diaspora ?

 

Das griechische Wort " Diaspora"  bedeutet " Zerstreuung " . Man bezeichnet damit das Leben von Angehörigen einer Religionsgemeinschaft unter Andersgläubigen. Ursprünglich kommt es aus der Geschichte des jüdischen Volkes. Das Volk Israel lebte immer wieder außerhalb des Gelobten Landes, zum Beispiel in Ägypten oder in Gefangenschaft in Babylon.

Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch die Römer 70 n. Chr.  wurden die Juden im ganzen Römischen Reich verstreut. Man unterteilte sie in zwei Gruppen: die Aschkenasim (deutsche, mitteleuropäische und russische Juden) und die Sephardim (spanische, portugisische, nordafrikanische, griechische, italienische, äthiopische, jemenitische und syrische Juden). Heute leben die meisten Juden in den USA (etwa sechs Millionen) und in Israel (etwa vier Millionen). In Europa gibt es die größten jüdischen Gemeinden in Rußland und Frankreich.

 

 

 

                                                       

  Das Christentum

 

 

Das Christentum ist eine Religion, die ihre Wurzeln im Judentum hat. Sie entstand vor etwa 2 000 Jahren im Römischen Reich, zuerst in Judäa und Galiläa. Diese Gegenden liegen heute im Staat Israel und in den Gebieten der Palästinenser. Damals standen sie unter der Herrschaft der Römer, und viele Menschen waren unzufrieden, weil sie sich von den römischen Herrschern unterdrückt fühlten.

Christen glauben an einen allmächtigen Gott. Es ist der Gott, den auch die Juden verehren. Im jüdischen Glauben lebt die Hoffnung, daß Gott eines Tages jemanden auf die Erde schickt, der allem Bösen, aller Gewalt und Ungerechtigkeit auf der Welt ein Ende bereitet. Dann wird Friede herrschen und alle werden glücklich leben.

Auf Hebräisch, in der Sprache der Juden, heißt dieser erwartete Erlöser Messias und auf Griechisch Christus. Auch zur Zeit Jesu sehnten sich die Menschen nach dem Messias. Und viele von denen, die erlebten, was Jesus tat und sagte, gewannen die Überzeugung, daß Jesus selbst dieser Gesandte Gottes, der Christus, war. " Jesus ist der Christus "  wurde ihr neues Glaubensbekenntnis. Deshalb heißen sie Christen und ihre Religion Christentum. Nach christlicher Überzeugung ist Jesus Gottes Sohn, den er in Menschengestalt als Erlöser auf die Erde sandte. Alles was wir über das Leben Jesu wissen, steht in dem Teil der Bibel, den man Neues Testament nennt.

 

Wer war Jesus ?

 

Das Neue Testament berichtet, daß Jesus als Sohn von Maria und Joseph in Bethlehem geboren wurde. Zu Weihnachten, am 24. und 25. Dezember, feiern Christen seinen Geburtstag. Zur Zeit von Jesu Geburt war ein Stern am Himmel zu sehen, der als Zeichen dafür gedeutet wurde, daß etwas Besonderes geschehen würde. Weise Männer, die den Stand der Sterne beobachtet hatten, waren ihm gefolgt. Sie brachten dem Neugeborenen Geschenke und hießen es als einen zukünftigen König willkommen. Die Ankunft der so genannten Heiligen Drei Könige wird am 6. Januar gefeiert.

Jesus lebte mit seinen Eltern in Nazareth. Obwohl er als Sohn eines Zimmermannes aufgewachsen war, begann er, mit etwa 30 Jahren als Wanderprediger durch Palästina zu ziehen. Schon bald sammelte er eine Gruppe von Männern und Frauen um sich, die Jünger genannt wurden. Sie zogen mit ihm durch das Land und erlebten, daß Jesus den Menschen von Gott und seinem erwarteten Reich des Friedens predigte. Sie berichteten, daß Jesus nicht nur Kranke gesund machte, sondern sogar Tote wiedererweckte. Diese Wunder waren für sie ein Zeichen, daß Jesus der lang erwartete Messias war. Immer mehr Menschen schlossen sich Jesus und seinen Jüngern an.

 

Was ist die Bergpredigt ?

 

Jesus predigte oft vor großen Menschenmengen. Eine Zusammenfassung seiner Verkündigungen ist die berühmte Bergpredigt im Evangelium des Matthäus im Neuen Testament.

Jesus erklärte den Menschen, daß nicht den Starken, sondern den Friedfertigen die Erde gehören wird, daß auch die Benachteiligten Gerechtigkeit erlangen werden, daß Liebe und Vergebung an die Stelle von Haß und Gleichgültigkeit treten werden. Jede Form von Gewalt unter den Menschen lehnte er ab. Er forderte die Menschen zur Nächstenliebe auf: Jeder solle seinen Mitmenschen lieben und achten. Man solle sich bemühen, Gutes zu tun und anderen zu helfen, vor allem den Armen, Schwachen und Benachteiligten.

Was Jesus damit meinte, konnten die Menschen auch an seinem Handeln erkennen. Für Jesus waren alle Menschen wertvoll, auch die, die gar nichts Nützliches leisteten, die anderen eher lästig waren und verachtet wurden, zum Beispiel Kranke, Straffällige oder Prostituierte. Er wollte damit zeigen, daß Gott alle Menschen liebt und ihnen verzeiht, wenn sie ihre schlechten Taten bereuen.

Viele waren von dem enttäuscht, was Jesus predigte und was er tat. Sie hatten erwartet, daß der Messias prächtig wie ein König erscheinen würde. Er sollte die Römer verjagen und das neue Friedensreich stark und gewaltig aufbauen. Dazu passte es nicht, daß Jesus als einfacher Mensch unter ihnen lebte, sich mit unwürdigen Leuten abgab und von Gewaltlosigkeit, Mitleid und Menschenliebe sprach.

Daher war es einigen ganz recht,als Jesus mit der römischen Besatzungsmacht in Israel Schwierigkeiten bekam. Die Römer wußten, daß viele Menschen große Hoffnungen in Jesus setzten. Sie befürchteten, daß Jesus diese hohen Erwartungen ausnutzen und ihnen die Macht streitig machen könnte. Sie dachten, er wolle selbst König von Judäa werden. Da Pilatus, der römische Stadthalter in Jerusalem, sich vor einem Aufstand fürchtete, entschloß er sich für ein hartes Durchgreifen. Jesus wurde vor Gericht gestellt und zum Tod am Kreuz verurteilt.

 

Was bedeutet die Kreuzigung für die Christen ?

 

Jesu Tod am Kreuz hat für die Christen eine besondere Bedeutung. Nach jüdischem und christlichem Glauben ist jeder Mensch sündig, das heißt mit Schuld beladen. Nach christlicher Vorstellung nimmt Jesus stellvertretend die Schuld aller Menschen auf sich und tut dafür Buße, indem er den Opfertod am Kreuz stirbt.

 

Was feiern Christen zu Ostern ?

 

Der Tod Jesu war für seine Jünger eine große Enttäuschung. Sie verloren alle Hoffnung, daß das Reich Gottes, in dem Frieden und Liebe herrschen würde, jemals kommen würde. Die Evangelisten berichteten unterschiedlich über die Geschehnisse an Ostern. Im Johannes-Evangelium wird erzählt, daß drei Tage nach dem Tod Jesu eine der Frauen, die Jesus schon bei seinen Wanderungen begleitet hatten, zum Grab ging, um die Leiche zu waschen und zu ölen. Sie fand das Grab leer.

Zunächst dachte sie, jemand hätte die Leiche gestohlen. Plötzlich jedoch stand Jesus vor ihr. Er war vom Tod wiederauferstanden. Sie eilte zu den anderen Jüngern und erzählte, was sie gesehen hatte. Zunächst glaubte man ihr nicht. In den nächsten Tagen abe erschien Jesus auch den anderen Jüngern.

Zu Ostern feiern die Christen das Fest der Auferstehung Jesu. Durch seinen Tod und die Auferstehung zeigte er den Menschen, daß mit dem Tod nicht alles vorbei ist, sondern daß es ein ewiges Leben gibt. Jeder Christ lebt mit der Hoffnung, daß es nach dem Tod ein ewiges Leben bei Gott gibt.

 

Was ist das Jüngste Gericht ?

 

Nach christlichem Glauben werden am Ende der Welt die Toten auferweckt, um im Jüngsten Gericht vor Gott zu treten. Dann erhält jeder Mensch von Gott das Urteil über sein Tun und Handeln. " Jüngstes Gericht "  bedeutet so viel wie letztes Gericht. Über das Jüngste Gericht und das Ende der Welt gibt es im Christentum unterschiedliche Vorstellungen.

Neben der Anschauung, daß Gott alle Menschen am Ende zu sich holt, glauben andere Christen, daß im Jüngsten Gericht auch ewige Trennung von Gott ausgesprochen wird. Die Verurteilten werden an einen Ort verbannt, der fern von Gott ist: die Hölle. Da Christen an die Vergebung ihrer Schuld glauben, ist die Erwartung des Jüngsten Gerichts für sie nicht mit Angst verbunden. Sie hoffen darauf, daß Gott ihnen ihre Schuld vergibt.

 

Wer sind die Apostel ?

 

Nach seiner Auferstehung blieb Jesus noch einige Zeit bei den Jüngern, bis er vor ihren Augen in einer Wolke verschwand. Christen feiern diese Begebenheit am Himmelsfahrtag, dem sechsten Donnerstag nach Ostern. Bevor er wegging, gab Jesus den Jüngern noch einen Auftrag: Sie sollten in die ganze Welt gehen und den Menschen die Botschaft, das Evangelium (griech.: "die frohe Botschaft" ) von seinem Tod und seiner Auferstehung bringen. Alle sollten davon hören, daß Gott den Menschen ewiges Leben schenkt. Und jeder, der an die Auferstehung Jesu glaubt, sollte getauft werden.

Die Menschen, die Jesus nach seiner Auferstehung aussandte, um allen Leuten von ihm zu erzählen, sind die Apostel. Apostel kommt aus dem Griechischen und heißt " Sendbote" Eine herausragende Stellung unter den Aposteln nahmen Petrus und Paulus ein. Petrus hieß ursprünglich Simon. Seinen zweiten Namen, der auf Deutsch " Fels"  bedeutet, gab ihm Jesus. Er machte Petrus zum Oberhaupt der ersten christlichen Gemeinde. Paulus hatte nicht zu den Jüngern gehört. Er war zuerst ein Gegner der Christen gewesen. Doch nach einer Begegnung mit dem auferstandenen Christus wurde er zu einem überzeugten Prediger. Er unternahm viele Reisen, um den Menschen von Jesus zu erzählen, und gründete viele christliche Gemeinden.

 

Was ist das Neue Testament ?

 

Der erste Teil der Bibel besteht aus 39 hebräischen Schriften, die vor der Zeit Jesu entstanden sind und im jüdischen Gottesdienst benutzt werden. Diese Schriften werden von den Christen Altes Testament genannt. Darin wird oft die Hoffnung auf den Messias beschrieben. Im Alten Testament stehen auch die Zehn Gebote, die Mose von Gott erhielt. Sie gelten auch für alle Christen.

Das neue Testament ist der zweite Teil der Bibel, den nur die Christen anerkennen. Hier wurden Berichte über das Leben Jesu und Briefe der ersten Gemeinden gesammelt. Diese Berichte, die Evangelien genannt werden, bilden zusammen mit Briefen, die zwischen den ersten Gemeinden verschickt wurden, das Neue Testament. Die meisten dieser Briefe stammen von Paulus. Das Wort Testament kommt aus dem Lateinischen und bedeutet  "Zeugnis ". Die Evangelien wurden von frühen Christen aufgeschrieben, die die Taten Jesu miterlebt oder davon gehört hatten. Im Neuen Testament gibt es vier Evangelien, die nach den Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes benannt sind.

 

Was bedeutet Mission ?

 

Ein erklärtes Ziel des Christentums war und ist die Verbreitung der Botschaft von Jesus Christus, um möglichst viele Menschen für den Glauben zu gewinnen und, entsprechend dem christlichen Auftrag, durch die Taufe in die christliche Gemeinschaft aufzunehmen. Das Bemühen, Menschen zum Christentum zu bekehren, wird Mission genannt.

Schon im ersten Jahrhundert nach Christus entstanden in fast allen Gebieten des Römischen Reiches christliche Gemeinden. Eine der ersten großen Gemeinden entstand in Rom. Die Oberhäupter der Gemeinden wurden Bischöfe genannt.

Einige römische Kaiser ließen die Christen verfolgen, weil sie in der neuen Religion eine Gefahr sahen. Trotz der Verfolgung breitete sich der Glaube an Jesus Christus jedoch im gesamten Gebiet um das Mittelmeer aus.

Im 4. Jahrhundert verbesserte sich die Situation der Christen. Der römische Kaiser Konstantin gewährte ihnen 313 das Recht zur freien Religionsausübung und bekannte sich selbst zum Christentum. Die inzwischen größer gewordene christliche Kirche wurde nun anerkannt und 391 zur Staatsreligion erklärt. Am Ende des Mittelalters war  fast ganz Europa christlich. Von dort aus wurden Missionare in die ganze Welt ausgeschickt, die möglichst alle Menschen zum Christentum bekehren sollten.

 

Was ist das Glaubensbekenntnis ?

 

Auf einem Konzil (Versammlung kirchlicher Würdenträger), das im Jahre 325 in Nicäa stattfand, eignete man sich auf ein gemeinsames Glaubensbekenntnis. Heute wird meistens das so genannte apostolische Glaubensbekenntnis gesprochen: " Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde ...."  Wenn Christen diese Worte sprechen, bekennen sie ihren Glauben daran, daß Gott die Welt geschaffen hat, das Jesus Christus gestorben und auferstanden ist und die Menschen mit Gott versöhnt, und daß Gott durch seinen Geist bei ihnen ist.

 

Was ist die Kirchenspaltung ?

 

Im Laufe der Zeit hatten sich zwei Zentren des christlichen Glaubens herausgebildet: Rom im Westen und Byzanz (das heutige Istanbul) im Osten. Im 8. und 9. Jahrhundert brach zwischen den Kirchen in Byzanz und Rom der so genannte Bilderstreit aus. In Byzanz hatte sich die Verehrung von Ikonen entwickelt. Rom dagegen verurteilte die Anbetung von Bildern als Götzendienst. Der Streit um diese und andere Glaubensfragen, bei dem es auch um politische Macht ging, führte 1054 zur Spaltung in zwei christliche Glaubensgesmeinschaften: die katholische Kirche in Rom und die orthodoxe Kirche in Byzanz.

Nach der Eroberung von Byzanz durch die Muslime 1453 wurde Moskau das Zentrum der (russisch-) orthodoxen Kirche. Daneben gibt es noch andere selbstständige Kirchen, wie die griechisch-, armenisch- und serbisch-orthodoxe Kirche. Das Oberhaupt der katholischen Kirche ist der Papst in Rom, das der russisch-orthodoxen Kirche der Patriarch in Moskau.

 

Was ist die Reformation ?

 

Im 16. Jahrhundert kam es in Mitteleuropa zu einer weiteren großen Trennung in der Kirche. Einige Menschen waren der Meinung, daß sich das Christentum zu weit von der Lehre und den Ideen Jesu entfernt hatte. Deshalb beschlossen sie, die Kirche zu erneuern. Reformation bedeutet eine Erneuerung, in der man sich auf die Ursprünge besinnt. Zwei der wichtigsten Reformatoren waren der Deutsche Martin Luther und der Schweizer Johann Calvin.

Martin Luther hatte das Neue Testament genau studiert und etwas wiederentdeckt, was damals in der kirchlichen Tradition in den Hintergrund getreten war; daß ein Mensch sich Gottes Gnade nicht verdienen oder erkaufen kann, sondern nur durch Glauben und Vertrauen auf Jesus Christus gewinnt. Deshalb wandte sich Luther öffentlich gegen den damals üblichen Handel mit Ablaßbriefen. Ablaßbriefe waren kirchliche Urkunden, die dem Käufer Ermäßigung der Strafe für bestimmte Sünden ohne Beichte und Buße bescheinigten.

Daraus entwickelte sich bald eine große Auseinandersetzung über viele wichtige Fragen des christlichen Glaubens. So ließ Luther von den sieben Sakramenten der katholischen Kirche nur Taufe und Abendmahl gelten, weil man diese sich seiner Meinung nach direkt aus der Bibel ableiten lassen.

Die Reformatoren kritisierten auch, daß viele Bischöfe damals sehr nach Macht und Reichtum strebten und wie Fürsten lebten. Jesus selbst hatte dies nicht getan und die Menschen ermahnt, ihren Besitz mit anderen zu teilen. Außerdem lehnten die Reformatoren den Papst in Rom als Oberhaupt der Kirche ab. Schließlich kam es soweit, daß sich die evangelische von der katholischen Kirche abspaltete. Ursprünglich hatte diese Trennung niemand gewollt. Nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 entschied jeder Landesherr, welche Konfession in seinem Gebiet gelten sollte.

Als Reaktion auf die Reformation hat sich auch die katholische Kirche gründlich erneuert. Doch die Spaltung der Kirche blieb bestehen. Erst heute besinnen sich beide Konfessionen in der ökumenischen Bewegung auf ihre Gemeinsamkeiten.

 

Was ist das Vaterunser ? Was das Abendmahl ?

 

Christen beten im Gottesdienst oder für sich allein. Im Gebet danken sie Gott, sprechen ihre Sorgen aus, oder bitten für andere, die in Not sind. Oft beten sie miteinander ein Gebet, das schon Jesus mit seinen Jüngern gesprochen hat. Es steht im Matthäus-Evangelium. Dieses Gebet heißt nach den beiden Anfangsworten: " Vater unser"

Das Abendmahl ist ein Sakrament. Es hat seinen Ursprung in der letzten gemeinsamen Pessachfeier von Jesus und seinen Jüngern. Am Abend, bevor er gefangen genommen wurde und später getötet wurde, saß Jesus mit seinen Jüngern zum Sedermahl zusammen und teilte wie ein Familienvater Brot und Wein aus. Dabei gab Jesus Brot und Wein eine besondere Bedeutung. Zum Brot, das er den Jüngern gab, sagte er: " Das ist mein Leib. "  Und zum Wein, den er weiterreichte, sagte er: " Das ist mein Blut, das vergossen wird zur Vergebung der Schuld. "  Jesus meinte damit seinen Opfertod für die Sünden der Menschen.

Bei der Abendmahlsfeier in der Kirche stehen Wein und Brot im Mittelpunkt, die als Leib und Blut Jesu gedeutet werden. Für die Gläubigen ist dabei Christus selbst in geheimnisvoller Weise anwesend. In der katholischen Kirche heißt das Abendmahl  "Eucharistie " . Das Wort ist griechischer Herkunft und bedeutet " Danksagung " . Gemeint ist der Dank für den Opfertod Jesu. Die Teilnahme an der Eucharistie nennt man Kommunion (Gemeinschaft).

 

Was passiert im Gottesdienst ?

 

Nach dem christlichen Glauben ist Gott an jedem Ort den gläubigen Menschen nah. Kirchen sind Orte, der Einkehr und der Stille, in denen Gottes Gegenwart besonders spürbar sein kann. Sie sind der Platz, an dem sich die Christen versammeln. Da kirchliche Gebäude  der Verehrung Gottes dienen, sind sie oft besonders geschmückt.

In jeder Kirche steht ein Altar. Ursprünglich war ein Altar ein Tisch, auf den die Gemeinde Gaben als Dankopfer legte. Auf dem Kirchenaltar liegt die Bibel, aus der im Gottesdienst vorgelesen wird. Auch der Wein und das Brot stehen auf dem Altar.

Schon die erste Gemeinde im Jerusalem kam regelmäßig zusammen, um aus der Bibel zu lesen, ein gemeinsames Mahl zu halten, zu beten und außerdem Gaben für Bedürftige zu sammeln. Diese vier Elemente sind bis heute in den Gottesdiensten der meisten Kirchen zu finden, nur sind sie unterschiedlich gewichtet. In der protestantischen Kirche wird sehr viel Wert auf die Erklärung der Bibel in der Predigt gelegt. In der katholischen Messe wie auch im orthodoxen Gottesdienst steht die Feier der Eucharistie im Mittelpunkt.  Die Gottedienste der orthodoxen Christen sind außerdem durch die Anbetung Gottes in feierlichen Gesängen geprägt.

 

Was ist christliches Verhalten ?

 

Christen versuchen, in ihrem Leben dem Vorbild Jesu zu folgen. Eine Hilfe geben die Zehn Gebote. Als Jesus einmal gefragt wurde, was das wichtigste Gebot ist, antwortete er: " Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst. " Die Nächsten lieben, also die Sorge um andere Menschen, ist ein ganz wichtiger Teil des christlichen Lebens. Sie gilt besonders den Ärmsten und Schwächsten in der Gesellschaft. Nächstenliebe bedeutet auch Toleranz: Jeder Mensch ist ein Nächster. Damit ist auch gemeint, daß alle Menschen gleich viel wert sind.

 

 

 

                                                                

  Der Islam

 

 

Islam bedeutet " Hingabe an Gott " . Der Islam ist nicht nur ein Glaube, er ist eine Lebensweise. Denn wer den Islam annimmt, unterscheidet nicht zwischen Alltag und Gottesdienst, weil sein ganzes Leben ein Gottesdienst ist. Der Islam regelt sämtliche Bereiche des Lebens von Eßgewohnheiten über Kleidung, Erziehung und Wirtschaft.

Wer sich für den Islam entschieden hat, wird Moslem oder Muslim genannt. Das bedeutet soviel wie " der, der sich Gott hingibt" . Manchmal hören oder lesen wir noch die alte Bezeichnung "Mohammedaner". Dieser Name bedeutet " Anhänger des Mohammed "  und wird von den Muslimen abgelehnt. Er ist nämlich irreführend, weil man meinen könnte, daß Mohammed die wichtigste Rolle für die Gläubiger spielen würde. Die Muslime verehren Mohammed zwar als Propheten, der Gottes Wort empfangen hat, aber sie beten nicht zu ihm. Im Zentrum ihres Glaubens steht Gott.

 

Wer war Mohammed ?

 

Mohammed wurde um das Jahr 570 n. Chr. in der Stadt Mekka in Arabien geboren. Er wurde bereits im Alter von sechs Jahren Vollwaise. Dennoch mußte Mohammed in seiner Kindheit keine Not leiden. Denn in Arabien lebte man damals - und auch heute noch - in Großfamilien (Sippen), zusammen mit Großeltern, Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen.

Mohammed wuchs unter dem Schutz seiner vornehmen und bedeutenden Sippe auf. Als er 12 Jahre alt war, begann Mohammed bei seinem Onkel Abu Talib den Beruf des Kaufmannes zu erlernen. Als Kaufmann erwarb sich Mohammed wegen seiner Tüchtigkeit und Ehrlichkeit den Beinamen al-Amin, " der Vertrauenswürdige" . Eine reiche uns schöne Geschäftsfrau mit Namen Chadidscha wurde auf ihn aufmerksam, verliebte sich und bot ihm die Heirat an.

Mohammed und Chadidscha lebten viel Jahre glücklich zusammen. Sie bekamen mehrere Kinder. Mohammeds Söhne starben alle, bevor sie selbst Kinder bekamen. Darum stammen seine Nachkommen von seiner jüngsten Tochter Fatima ab. Nach dem Tode Chadidscha heiratete Mohammed vier Frauen, was nach islamischem Recht erlaubt ist.

 

Wie wurde Mohammed Prophet ?

 

Mohammed war als Kaufmann erfolgreich und wohlhabend geworden. Er hätte mit seiner Familie zufrieden und bequem leben können. Doch es kam anders. Mit den Jahren hatte Mohammed eine tiefe innere Unruhe ergriffen. Er verspürte immer häufiger den Drang, sich aus dem Lärm der Stadt zurückzuziehen. In solchen Momenten trieb es ihn hinaus zum Berg Hira und zu den felsigen Hügeln und Einöden, von denen Mekka umgeben ist.

Mohammeds Landsleute waren Polytheisten. Das heißt, sie verehrten eine Vielzahl von Göttern und Geistern. Diese Vielgötterei hatte Mohammed schon immer abgestoßen. Wenn er in der Einsamkeit der Wüse war, dann spürte er ganz deutlich und übermächtig die Gegenwart Allahs, des einen und einzigen barmherzigen Gottes.

Als Mohammed 40 Jahre alt war, hatte er eines Nachts ein Erlebnis, das sein Leben von Grund auf verändern sollte. Er schlief damals in der Einsamkeit einer Höhle auf dem Berg Hira. Da wurde er von einer Stimme aufgeschreckt, die ihm befahl: " Iqra´! " -  "Sprich nach ! "  Mohammed sah auf und sah die strahlende Gestalt des Engels Gabriel. Er fühlte sich von einer übermächtigen Kraft zu Boden geworfen und hörte die Worte:  "Sprich nach ! Im Namen des Herren, der erschuf, erschuf den Menschen aus geronnenem Blut. Sprich nach ! Denn dein Herr ist allgütig, der durch die Feder gelehrt, den Menschen, was er nicht gewußt. "

Mohammed war zutiefst entsetzt und erschüttert über diese Begegnung. In den nächsten Monaten wiederholten sich derartige Erlebnisse. Mohammed litt anfangs sehr darunter. Aber Chadidscha und einige Freunde des Propheten wurden nachdenklich und begannen diese Mitteilungen, die wir auch Offenbarungen nennen, ernst zu nehmen. Sie lernten die Worte und Sprüche, die Mohammed gehört hatte, auswendig, schrieben sie auf und sammelten sie. Aus den Worten Gottes, die Gabriel an Mohammed weitergagb, entstand der Koran.

 

Was ist der Koran ?

 

Für Muslime ist der Koran das reine und unverfälschte Wort Gottes. Das arabische Wort "Koran" bedeutet " das Vorgetragene " . Der Koran ist aus dem Arabischen in viele Sprachen übersetzt worden, auch ins Deutsche. Für einen Muslim sind diese Übersetzungen jedoch nicht der göttliche Koran. Den wirklichen Koran gibt es nur in der arabischen Sprache. Deshalb lernen Muslime den Koran auf Arabisch auswendig, auch wenn sie eine andere Muttersprache sprechen.

Mohammed hatte den Koran nicht auf einmal empfangen. Die ältesten Verse stammen aus dem Jahre 610, die jüngsten aus dem Jahre 632, dem Todesjahr des Propheten. Die Offenbarungen wurden nach den Tode des Propheten in 114 Suren (Abschnitte) zusammengefasst. Jede Sure (bis auf eine) beginnt mit den Worten: " Bismillah ar-Rachman ar-Rachim "  ("Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen"). Bevor ein gläubiger Muslim irgendetwas beginnt, sei es ein Gebet, eine Arbeit oder  ein Geschäft, spricht er das Bismillah.

Der Inhalt der 114 Suren des Korans ist sehr vielfältig. Sie schildern Gottes Eigenschaften, berichten von den Propheten und früheren Offenbarungen Gottes, von der Geschichte alter Völker. Über Naturerscheinungen und über die Schöpfung insgesamt. Ein wichtiger Bestandteil des Korans sind auch Regeln und Hinweise für den Aufbau und das Zusammenleben der muslimischen Gemeinschaft. Nicht Mohammed spricht im Koran, sondern Gott. Das Leben und die Lehren Mohammeds sind durch andere Schriften, die Hadithe, überliefert.

 

Lehnt der Islam die Bibel ab ?

 

Die Muslime achten und respektieren die Bibel als eine heilige Schrift. Sie glauben, daß die jüdische Thora, die Psalmen und die Evangelien des Neuen Testamentes Gottes Wort sind. Jesus ehren sie als Propheten, jedoch ist er nach dem Glauben der Muslime nicht Gottes Sohn.

Die Bibel ist allerdings nach muslimischer Überzeugung durch Zusätze verfälscht worden. Nur der Koran ist in arabischer Sprache über Mohammed direkt zu den Menschen gekommen und darum das reine Wort Gottes.

Der biblische Abraham ist der Urvater und das Vorbild des gläubigen Muslim. Er vertraute allein auf Allah (Gott), der den Menschen alles gibt. Der barmherzig, ewig und allmächtig ist und der keine anderen Götter an seiner Seite hat.

 

Was verbindet Juden und Muslime ?

 

Juden und Muslime sind nach jüdischem  und muslimischem Glauben Nachkommen Abrahams. Denn Abraham hatte vor Isaak einen Sohn mit seiner Nebenfrau Hagar. Er heißt Ismael und ist der Stammvater der Araber. Sein zweitgeborener Sohn Isaak ist Vater der Stämme Israels, der Juden.

Abraham errichtete mit Ismael die Kaaba in Mekka. Die Religion Abrahams ging jedoch verloren, und die Kaaba wurde zu einem Tempel gemacht, in dem verschiedene heidnische Götter angebetet wurden. Alle Menschen, auch die Juden und die Christen, haben nach muslimischem Glauben Gottes Offenbarungen vergessen und verfälscht. Darum hat Gott Mohammed erwählt, als letzten und entgültigen Erneuerer des wahren Glaubens.

 

Wie entstand die erste muslimische Gemeinschaft in Medina ?

 

Mohammed fand mit seiner Botschaft bald viele Anhänger und Freunde. Die ersten Anhänger des erneuerten Glaubens wurden verfolgt und sie hatten oft niemanden, der sie schützen konnte. Da erreichte Mohammed ein Angebot von den Einwohnern der Stadt Jathrib. Die Einwohner Jathribs waren untereinander zerstritten und suchten einen Führer, der sie vereinte und ihr Zusammenleben neu ordnete. Sie hatten von Mohammed gehört und baten ihn, in ihre Stadt zu kommen.

Am 16. Juli 622 verließen Mohammed und seine Anhänger Mekka und zogen nach Jathrib. Die Stadt wurde fortan Medinat an-Nabi, " Stadt des Propheten " , abgekürzt Medina genannt. Mit der Auswanderung nach Medina, der Hidschra, beginnt die Zeitrechnung des Islam.

Mohammed regelte in einem Vertrag das religiöse und politische Leben in Medina neu und begründete die Umma, die islamische Gemeinde. Alle am Vertragsabschluß beteiligten arabischen Stämme bekannten sich zum Islam. Sie verpflichteten sich außerdem zum gegenseitigen Beistand. Auch die zahlreiche jüdische Bevölkerung Medinas wurde zur Umma gerechnet, und es wurde ausdrücklich festgelegt, daß sie ihren jüdischen Glauben behalten durften.

Die Umma von Medina verkörpert das Ideal der islamischen Gesellschaft und gilt bis heute als das Modell für islamische Staatswesen. Nachdem Mohammed in Medina zum religiösen und politischen Führer geworden war, mußte er die neue Gemeinschaft vor den Angriffen aus Mekka verteidigen. Erst im Jahre 630, zwei Jahre vor dem Tode des Propheten, gelang nach langen Kämpfen ein Friedensschluß mit Mekka. Auch dort hielt der neue Glaube Einzug. Mohammed ließ alle Götzenbilder aus der Kaaba entfernen und machte sie zum wichtigsten Heiligtum des Islam.

 

Was ist die Erlösung ?

 

Das ganze Leben eines Muslim ist dem Dienst Allahs gewidmet. Nur wer den Willen Allahs erfüllt, kann nach seinem Tod erlöst werden und ins Paradies gelangen. Zu diesem Zeitpunkt, den nur Allah kennt, wird das Jüngste Gericht stattfinden. Alle Toten stehen dann aus ihren Gräbern wieder auf und über jeden wird Gericht gehalten. Wer gut gehandelt hat und Allahs Gebote befolgt hat, wird belohnt und kommt ins Paradies. Alle anderen werden in eine Flammenhölle verbannt, wo sie bis in Ewigkeit leiden müssen. Propheten und Märtyrer, das sind Menschen, die für ihren Glauben und Allah gestorben sind, kommen direkt nach ihrem Tod ins Paradies. Kurz vor seinem Tod spricht jeder Muslim noch einmal das Glaubensbekenntnis. Die Toten werden mit dem Gesicht in Richtung Mekka begraben.

 

Was sind die fünf Pfeiler des Islam ?

 

Die wichtigste Frage im Leben eines Muslim ist, wie er in allem, was er tut, den Willen Gottes erfüllt. Die fünf Pfeiler des Islam sind die fünf wichtigsten Regeln, die ein Muslim befolgen muß, wenn er Gott dienen will. Der erste und wichtigste ist das Glaubensbekenntnis (Schahada), dann folgen das tägliche fünfmalige Gebet (Salat), die Wohltätigkeit für die Armen (Zakat), das Fasten im Monat Ramadan (Saum) und eine Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch). Wichtig ist, daß die fünf Pflichten mit ganzem Herzen und aus Überzeugung ausgeübt werden.

Das islamische Glaubensbekenntnis, die Schahada, lautet: " La ilaha illa´Llah / Muhammadun rasulu `Llah" . Es kann übersetzt werden mit: " Es gibt keine Gottheit außer Gott (Allah) / Mohammed ist der Gesandte Gottes " . Wer diese Worte öffentlich und mit ernster Absicht ausspricht, bekennt sich zum Islam und ist Muslim. Der Islam kennt keinen Unterschied von Rasse, Hautfarbe, Nationalität und sozialer Herkunft. Vor Gott sind alle Menschen gleich, und der Weg des Islam steht jedem offen.

 

 

Was ist die Armensteuer ? 

 

Die Wohltätigkeit ist eine der fünf Säulen des Islam. Wer nicht selbst arm und bedürftig ist, soll einmal im Jahr die Armensteuer (Zakat) geben. Der wohlhabende Muslim gibt 2,5 % seines Vermögens. Er kann selbst entscheiden, welchen bedürftigen Menschen mit seinem Geld geholfen wird. Das Teilen von Reichtum mit anderen Personen erinnert den Muslim daran, daß jeder einzelne Menschen, ob reich oder arm, einmalig und ein Wunder Gottes ist.

 

Was ist der Ramadan ?

 

Der neunte Monat des islamischen Kalenders ist der Fastenmonat Ramadan. Während des Ramadan sollen alle Muslime den ganzen Tag über nicht essen, trinken, rauchen und keine sexuellen Beziehungen haben. Indem man auf diese Dinge verzichtet, findet man Zeit und Ruhe, um an Allah zu denken und zu beten. Das Fasten beginnt täglich mit dem Hellwerden und endet mit der Dunkelheit. Es gilt für Arme und für Reiche, für einfache und für bedeutende Leute gleichermaßen. Kranke, Kinder, Schwangere und Reisende sind vom Fasten ausgenommen. Die Regeln des Korans nehmen immer Rücksicht auf die Schwäche des Menschen. Der Islam verlangt keine übermenschlichen Leistungen, auch keine Heuchelei, sondern ehrliches Bemühen.

 

Wer unternimmt die Pilgerfahrt nach Mekka ?

 

Jeder Muslim soll wenigstens einmal in seinem Leben nach Mekka pilgern. Im letzten Monat des islamischen Kalenders, dem Pilgermonat, nehmen jährlich mehr als zwei Millionen Menschen die Mühe der Pilgerreise auf sich. Ziel der Pilgerfahrt ist die Kaaba, die sich im Innenhof der Großen Moschee befindet. Die Pilger umschreiten siebenmal das würfelförmige Gebäude gegen den Uhrzeigersinn. Dabei sprechen sie Gebete und grüßen oder berühren den heiligen schwarzen Stein.

 

Wann und wie beten Muslime ?

 

Fünfmal am Tag ist Gebetszeit, nämlich vor Sonnenaufgang, am Mittag, am Nachmittag, am Abend und vor der Nachtruhe. Die Gebete können dort verrichtet werden, wo der Gläubige sich gerade befindet. Dabei wendet er sein Gesicht in Richtung der heiligen Stadt Mekka. Vor dem Gebet wäscht sich der Muslim in einer genau vorgeschriebenen Reihenfolge, die ihm hilft, sich innerlich auf das Gebet einzustellen. 

Als Zeichen der Ehrfurcht vor Gott knien die Gläubigen nieder und verneigen sich. Jeden Freitag treffen sich die Muslime zum gemeinsamen Gebet in der Moschee. Das tägliche Gebet soll für den Gläubigen eine Unterbrechung des Alltags sein. Es ermöglicht ihm, ungestört an Gott zu denken und sich seiner Größe und Barmherzigkeit bewußt zu machen.

Wenn ein Muslim gemeinsam mit anderen beten möchte, geht er dazu in die Moschee, das islamische Gebets- und Versammlungshaus. Zur Moschee gehört ein hoher Turm, das Minarett, von dem der Muezzin, der Gebetsrufer, zu den entsprechenden Zeiten die Gläubigen zum Gebet ruft. Das Gebet beginnt mit dem Ruf " Allah akbar " , " Gott ist der Größte " . Mit dieser Formel stellt der Gläubige seine innere Bereitschaft zum Gebet her. Der Ruf des Muezzin wird oft mit einem Lautsprecher übertragen, denn er soll alle Gläubigen erreichen.

 

Wo ist der Islam heute verbreitet ?

 

Nach dem Christentum zählt der Islam heute die meisten Anhänger in der Welt. Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts gab es weltweit etwa 860 Millionen Muslime. Der Islam ist vor allem in dem Gebiet von Westafrika bis nach Indonesien verbreitet. 

Um dem Islam zu begegnen, brauchen wir aber  nicht in ferne Länder zu reisen. Auch in Europa leben viele Muslime. In Frankreich z.B. gibt es 2,6 Millionen Muslime. In Deutschland ist der Islam nach der katholischen und der evangelischen Kirche die drittgrößte Religionsgemeinschaft. Ungefähr 2,7 Millionen Menschen in der Bundesrepublik bekennen sich zum Islam. 

 

 

   

                                                    

    Der Hinduismus

 

 

 

Das Wort Hindu ist vom Namen des Flußes Indus abgeleitet. Es bezeichnet Menschen, die Anhänger der ursprünglichen Religion Indiens sind. Fast neun von zehn Menschen in Indien bekennen sich zum Hinduismus. Da Indien ein sehr bevölkerungsreiches Land ist, ist der Hinduismus heute nach dem Christentum und dem Islam die drittgrößte Religionsgemeinschaft.

Die indische Religion ist in einem Zeitraum von mehr als viertausend Jahren gewachsen. Sie wurde nicht von einer bestimmten Person gegründet und beruft sich auch nicht auf einen Propheten. Daher verbirgt sich hinter der Bezeichnung "Hinduismus"  eine Vielzahl unterschiedlicher religiöser Vorstellungen. Deshalb gibt es auch kein Glaubensbekenntnis, das für alle Hindus gültig ist. Ebenso ist der Glaube an einen bestimmten Gott nicht verbindlich. Dennoch gibt es religiöse Vorstellungen , die für alle Hindus gleichermaßen gelten.

Die Inder selbst nennen ihre Religion Sanatana dharma, das heißt "ewiges Gesetz" . Dharma bedeutet " Gesetz" und ist die heilige Ordung der Welt. Das Dharma schreibt die natürlichen und allgemein gültigen Regeln vor, die ein Mensch befolgen muß, damit sein Leben gelingen kann.

 

 

Was ist das indische Kastensystem ?

 

Das Dharma, die heilige Weltordnung, bestimmt, daß jeder Hindu durch seine Geburt einer bestimmten Kaste angehört. Vier Kasten gibt es, die Brahmanen (Priester), Krieger, Bauern und Handwerker. Diese vier großen Kasten gliedern sich in ein kompliziertes System von zwei- bis dreitausend Unterkasten. Dabei gilt eine genaue Rangordnung: Die Brahmanen bilden die höchste Kaste, dann folgen die Krieger, die Bauern und die unterste Kaste bilden die Handwerker. Jede Kaste befolgt eigene Vorschriften und Bräuche und grenzt sich dadurch von den anderen ab.

Hindu wird man nur durch Geburt in eine Kaste. Man kann nicht zum hinduistischen Glauben übertreten, wie z.B. zum Christentum durch die Taufe. Niemand kann seine Kaste verlassen und in eine höhere oder niedrigere Kaste aufgenommen werden. Denn die Geburt in eine bestimmte Kaste ist durch das Dharma festgelegt und ergibt sich aus dem Karma.

 

 

Was sind Unberührbare ?

 

"Unberührbare " oder auch Parias werden diejenigen genannt, die keiner Kaste angehören. Sie stehen auf der untersten Stufe der Gesellschaft. Sie müssen die Berufe ausüben, die niemand haben möchte, zum Beipiel Müllbeseitigung und ähnliche Dinge. Sie gelten daher als " unrein" und Hindus dürfen sie nicht einmal berühren. Die Unberührbaren nennen sich selbst Dalit, das bedeutet " die Unterdrückten " . Damit wollen sie auf ihre schlechte Stellung in der Gesellschaft aufmerksam machen.

 

 

Was ist das Karma ?

 

Das altinidische Wort Karma kann mit " Tat "  übersetzt werden. Das Karma, das sind die Taten eines Menschen, entscheidet über sein Schicksal. Wenn er Gutes tut, wird sein Leben glücklich verlaufen, wenn er schlecht handelt, endet es im Unglück.

Das Karma entscheidet aber nicht nur über das gegenwärtige Leben. Die Hindus glauben an die Seelenwanderung und Wiedergeburt nach dem Tod. Das bedeutet, daß nur der Körper stirbt und die Seele in einem anderen Körper wiedergeboren wird. Man kann als Mensch wiedergeboren werden, aber auch als Tier.

Es hängt vom Karma ab, ob die Form, in der man wiedergeboren wird, " besser"  oder " "schlechter"  als die vorherige ist. Hat man z.B. in seinem vorigen Leben viel Böses getan, wird man vielleicht als Hund oder als Schwein wiedergeboren. Wer sich richtig verhalten hat, kann in seinem nächsten Leben in eine höhere Kaste geboren werden.

Darum empfindet ein traditioneller Hindu seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kaste nicht als Ungerechtigkeit. Er weiß, daß er sich den Stellenwert seiner Geburt durch das Karma seiner vergangenen Leben selbst zuzuschreiben hat. Er wird sich deshalb bemühen, in seinem gegenwärtigen Leben die Pflichten seiner Kaste zu erfüllen und die Last des Karma zu verringern. So erreicht er im nächsten Leben eine höhere Stufe im Kreislauf der Wiedergeburt.

 

 

Welche Wege zur Erlösung gibt es ?

 

Erlösung bedeutet für den Hindu, seine Seele aus dem Kreislauf der Wiedergeburt zu befreien. Es gibt mindestens vier Wege, die zur Erlösung führen. Da ist erstens der Weg des Handelns. Er besteht darin, sich genau an die Regeln zu halten, die das Dharma vorschreibt. Indem man seine religiösen Pflichten erfüllt, die Regeln seiner Kaste befolgt (den richtigen Partner heiratet, den standesgemäßen Beruf ergreift) und gute Taten vollbringt, steigt man in jedem neuen Leben auf, bis man schließlich die höchste Stufe erreicht hat, auf der man nicht mehr wiedergeboren werden muß.

Eine andere Möglichkeit ist der Weg der Konzentration. Hierzu gehören die Techniken, die bei uns als Yoga bekannt sind. Yoga bedeutet " Vereinigung mit Gott " . Mit täglichen Übungen im Fasten, bestimmten Körperhaltungen, Atemtechniken und dem wiederholten Sprechen besonderer Worte, so genannten Mantras, befreit der Yogin seinen Geist von allen körperlichen Zwängen und vom Karma. Die Techniken und Lehren des Yoga wurden über Jahrhunderte entwickelt.

Der dritte Weg heißt Bhakti, das ist die Gottesliebe. Durch hingebende, verehrende Liebe und Gebete vereint der Gläubige seine Seele mit der Gottheit. Eine vierte Möglichkeit ist Dschinana, der Weg der geistigen Erkenntnis. Er muß von einem Guru (Lehrer) erlernt werden, der aus den heiligen Schriften erklärt, wie die menschliche Seele (Atman) und der göttliche Geist (Brahman) beschaffen sind.

Dieser Weg zielt darauf ab, daß der Mensch aufhört, sich mit seinem Körper und dessen Zustände zu beschäftigen. Er muß erkennen, daß der Körper keine Bedeutung hat und nur eine leere Hülle ist. Das, was den Menschen ausmacht, ist in Wirklichkeit Atman, seine Seele. Atman ist Teil des Universums. Deshalb gehören Atman und Brahman zusammen. Auch Brahman ist ein Teil des Universums. Wer das erkannt hat, kann sich mit dem göttlichen Geist vereinen.

Die vier Wege der Erlösung in ihren unterschiedlichen Varianten und Verbindungen schließen einander nicht aus. Die indische Religion ist großzügig und bietet Raum für viele unterschiedliche Glaubensrichtungen.

 

 

Wie heißen die heiligen Schriften des Hinduismus ?

 

 

Die heilige Schriften des Hinduismus sind sehr umfangreich und in Sanskrit, der altindischen Gelehrtensprache, niedergeschrieben. Die älteste hinduistische Schriftsammlung wird Veda genannt, das heißte übersetzt " das Wissen " . In den Veden sind religiöse Überlieferungen festgehalten, die über dreitausend Jahre alt sind. Sie enthalten Hymnen, Beschwörungen, Opfervorschriften und Weisheiten.

Jeder Hindu erkennt die Autorität der Veden an. Die übrigen heiligen Schriften besitzen für die einzelnen Strömungen im Hinduismus einen unterschiedlichen Stellenwert. Zwei für den Hinduismus sehr bedeutende Werke sind das Ramayana und das Mahabharata. Das Ramayana berichtet vom göttlichen Helden Rama. In vielen tausend Versen werden Ramas Geburt, seine Kindheit und seine Abenteuer geschildert. Das Ramayana ist im heutigen Indien eine beliebte Vorlage für Film, Theater, Malerei und Literatur. Es wurde auch in die deutsche Sprache übertragen.

Das Mahabharata ist ebenfalls eine sehr umfangreiche und alte Dichtung, die von Göttern, Helden und großen Kämpfen erzählt. Das Mahabharata ist das längste Gedichtwerk der Welt. Diese beiden großen Dichtungen sind der Form nach Heldensagen. Dennoch geht es in ihnen letzlich nicht um Schlachten und Abenteuer. Sie zeigen am Beispiel der Erlebnisse der Helden, was gut und böse ist, wie ein Mensch richtig handelt und wie er zu Gott finden kann.

 

 

Welche Götter verehrt ein Hindu ?

 

 

Die Zahl der indischen Gottheiten ist unübersehbar. Die am meisten verehrten Götter im heutigen Indien sind Vishnu und Shiva. Vishnu verkörpert das Prinzip der Welterhaltung. Wenn die Welt in Gefahr ist, erscheint Vishnu in Gestalt eines Tieres oder eines Menschen, um das Böse abzuwenden und die Ordnung wieder herzustellen. Die bekanntesten Avatares (Erscheinungen auf der Erde in Menschengestalt) Vishnus sind Rama und Krishna, deren Heldentaten in den Veden berichtet werden. Die Abenteuer und Weisheitslehren dieser beiden Helden sind in der indischen Kunst und Literatur ein beliebtes Thema.

Der andere Gott, Shiva, steht gleichzeitig für die schöpferischen und die zerstörerischen Kräfte des Alls. Manchmal wird er als Tänzer abgebildet, der durch seinen Zaubertanz im ewigen Kreislauf die Welt erschafft und wieder zerstört. Oft wird Shiva in liebevoller Umarmung mit seiner göttlichen Gefährtin Shakti abgebildet, die ebenfalls heilende und zerstörerische Züge trägt.

In engem Zusammenhang mit Vishnu und Shiva steht der Gott Brahma. Brahma wird als Baumeister der Welt verehrt. Er ist aber nicht der höchste Schöpfergott, denn er baut und ordnet die Welt aus vorhandenen Teilen und nach Gesetzen, die ihm vorgeschrieben sind. Für manche Hindus sind Brahma, Vishnu und Shiva drei gleichrangige Erscheinungsformen eines einzigen, allmächtigen Gottes.

 

 

 

 

 

                                                   

  Der Buddhismus

 

 

 

Die buddhistische Religion ist nach ihrem Gründer Buddha benannt, der vor rund 2500  Jahren in Indien lebte. Buddha bedeutet: der Erwachte. Die Lebensgeschichte des Buddha ähnelt einem Märchen. Buddha wurde als Sohn eines reichen und mächtigen Fürsten in Nordostindien geboren. Er lebte ungefähr von 560 bis 480 v. Chr., vielleicht etwas später. Sein Geburtsname war Siddhartha Gautama, aus der Familie der Shakyamuni, das heißt " der Weise aus der Shakyafamilie " .

Sein Vater, Suddhodana, ließ anläßlich der Geburt seines Sohnes ein großes Fest feiern. Zu diesem Fest kam ein alter, weiser Mann und weinte. Er war zwar froh, dieses Kind zu sehen, aber auch traurig, weil er wußte, daß er die großen Taten dieses kleinen Jungen nicht mehr miterleben würde. Er konnte nämlich die Zukunft voraussehen. Er weissagte, daß Siddhartha als Fürst oder als Weiser ein bedeutender Mensch werden würde.

 

 

Wie wuchs Siddhartha auf ?

 

 

Siddharthas Vater wollte natürlich, daß sein Sohn ein Fürst werden sollte, wie er selbst es war. Deshalb ließ er Siddhartha zu einem Herrscher erziehen. Der junge Prinz hatte alles, was er sich nur wünschen konnte. Doch obwohl ihm sein Vater jeden Wunsch erfüllte, hatte Siddhartha das Gefühl, daß ihm etwas fehlte.

Mit 29 Jahren beschloß er, die Welt außerhalb des Palastes kennen zu lernen. Sein Vater ließ Ausflüge zu Pferd für ihn vorbereiten, bei denen er aber nur die schönen Seiten der Welt sehen sollte. Doch es gelang ihm nicht, daß Elend der Welt ganz vor Siddhartha zu verbergen. Inmitten fröhlicher Menschen sah er einen alten Mann, dann einen Schwerkranken, und am Fluß konnte er beobachten, wie Leichen verbrannt wurden. Alter, Krankheit und Tod hatte Siddhartha bisher nicht gekannt. Er wollte wissen, warum diese Menschen leiden mußten.

 

 

Warum verließ Siddhartha den Palast ?

 

 

Bei seinen Ausritten hatte Siddhartha zum ersten Mal gesehen, war Armut, Krankheit und Tod sind. Ihm wurde klar, daß er selbst im Laufe seines Lebens leidvolle Erfahrungen machen würde. Außerdem gab es so viele Menschen, die im Unglück lebten. Das erschütterte Siddhartha. Er konnte sein Leben nicht so fortsetzen, wie sein Vater es für ihn geplant hatte. Er mußte herausfinden, woher das Leiden der Welt kommt und ob man es verhindern kann.

Heimlich verließ er den Palast. Er schnitt sein Haar ab und tauschte seine prächtigen Kleider mit den abgetragenen Sachen eines Bettlers. Er zog umher auf der Suche nach einem Meister, der ihm den Sinn des Lebens zeigen könne. Seine Suche war erfolglos, denn keiner der Gurus (Lehrer), die er auf seinen Wanderungen traf, konnte ihn überzeugen.

Dann versuchte er, das Leben eines Asketen zu führen. Er fastete so lange, bis er vor Hunger ganz schwach war. Schließlich erkannte er, daß auch dieser Weg nicht der richtige war, weil er zu übertieben war. Siddhartha zog sich in einen Wald zurück und setzte sich unter einen Baum, um zu meditieren. Er saß mit übereinandergeschlagenen Beinen ganz aufrecht da, schloß die Augen und dachte konzentriert nach.

Bei dieser Übung wurden seine Gedanken klar und geordnet. Sein bisheriges Leben kam ihm wie ein Dämmerschlaf vor, aus dem er nun langsam aufwachte. Nachdem er sieben Jahre nachgedacht und meditiert hatte, hatte er eine Erleuchtung. Er erkannte, warum die Menschen leiden und wie man das Leiden verhindern konnte. Durch seine Erleuchtung wurde Siddhartha zum Buddha.

 

 

Was sind die vier edlen Wahrheiten ?

 

 

In den sieben Jahren, in denen Buddha unter dem Feigenbaum meditierte, versuchte er Antworten auf folgende Fragen zu finden: Was ist Leiden? Wie entsteht das Leiden? Wodurch hört das Leiden auf? Wie kann ich das Leiden beenden? Die vier edlen Wahrheiten sind die Antworten auf diese Fragen. Sie lauten folgendermaßen: 

1. Das Leben besteht nur aus Leiden und alles Glück ist vergänglich.

2. Das Leiden wird von der menschlichen Begierde verursacht.

3. Das Leiden hört auf, wenn die Begierde aufhört.

4. Es gibt einen Weg, der zum Glück führt. Dies ist der achtfache Pfad.

Mit dem Leiden ist jede Art von Unzufriedenheit gemeint. Die Unzufriedenheit entsteht aus den unerfüllten Wünschen der Menschen. Buddha lehrte, daß die Menschen am  meisten an ihrer eigenen Gier leiden. Sie wollen immer mehr haben: z.B. Geld, Schönheit oder Jugend. Dadurch sind sie nie zufrieden und kommen nie zur Ruhe. Hört die Gier auf, so hört auch die Unzufridenheit auf.

Um von den eigenen Wünschen loszukommen, muß man sich üben. Dazu dient der achtfache Pfad. Wenn man die Regeln des achtfachen Pfades befolgt, kann man sich von der Gier befreien und das Nirwana erreichen.

 

 

Was bedeutet Nirwana ?

 

 

Durch den achtfachen Pfad kann es dem Menschen gelingen, die Gier zu überwinden, die das Leiden verursacht. Solange man die Gier nicht überwunden hat, ist man dazu verurteilt, nach dem Tod immer neu in einem anderen Körper wiedergeboren zu werden. Die Vorstellung der Wiedergeburt hat der Buddhismus mit dem Hinduismus gemeinsam.

Buddha lehrte, daß die Gier die Menschen zu immer neuem Geborenwerden treibt. Wenn ein Mensch unzufrieden stirbt und noch unerfüllte Wünsche hat, kann seine Seele nicht zur Ruhe kommen und muß deshalb auf die Erde zurück, um erneut diesen Wünschen nachzujagen. Deshalb macht auch keine Wiedergeburt wirklich glücklich. Wer die Gier verlöschen lassen kann, beendet den Kreislauf der Wiedergeburten. Das Verlöschen heißt Nirwana. Nirwana ist das Ziel des achtfachen Pfades. Die Seele wird befreit und findet Ruhe.

Das bedeutet aber nicht, daß man am liebsten schnell aus dieser Welt fliehen und sterben will. Wer den Weg des Buddha geht, wird frei von ungeduldigem Verlangen und unnützen Wünschen. Durch diese Freiheit kann man sehr viel Mitleid für Menschen, Tiere und alle Lebewesen aufbringen. Buddha war voller Mitgefühl und lehrte seine Erkenntnis allen, die sie hören wollten.

 

 

Ist Buddha ein Gott ?

 

 

Ursprünglich lehnt der Buddhismus alle Vorstellungen von einem Gott, Göttern oder gottähnlichen Wesen ab. Im Mahayana-Buddhismus ( eine Hauptrichtung des Buddhismus ) hat sich die Verehrung Buddhas und verschiedener Bodhisattvas, das sind Menschen, die wie Buddha die Erleuchtung erreicht haben, ausgebildet. Von ihnen erhofft man sich Hilfe bei dem Bemühen, den achtfachen Pfad zu gehen. In allen buddhistischen Ländern findet man eine Vielzahl von Buddha-Figuren, die von den Buddhisten verehrt und angebetet werden. Allerdings sind Buddha und die Bodhisattvas keine Götter, sondern eine Art Vorbilder und Führer, die den Menschen helfen, das Nirwana zu erreichen.

Ganz besonders wird neben Buddha der Bodhisattva Avalokiteshvara verehrt. Er ist ein sehr gütiger Bodhisattva und ist voller Erbarmen und Mitleid für die Menschen. Deshalb wird er auch " Bodhisattva des Erbarmens "  genannt.

 

 

Was ist das Bodhisattva-Ideal ?

 

 

Ein Bodhisattva ist jemand, der die Erleuchtung gefunden hat, aber freiwillig nicht ins Nirwana eingeht, bevor auch alle anderen Lebewesen so weit sind. Er hilft den anderen Menschen auf ihrem Weg zur Erkenntnis. Man kann diesem Vorbild nacheifern, indem man für einige Zeit oder sein ganzes Leben in ein Kloster geht.

Es ist auch möglich, außerhalb eines Klosters diesem Ideal nachzustreben. Man folgt dabei fünf Geboten: nicht töten, nicht stehlen, nicht die Sexualität mißbrauchen, keine Rauschmittel einnehmen, nicht lügen. Für Mönche und Nonnen kommen Klosterregeln und fünf weitere Gebote hinzu: nach dem Mittag nichts mehr essen, keine Vergnügungen (Kino usw.) aufzusuchen, keine  Kosmetik benutzen, keinen Schmuck tragen, nicht auf erhöhten Stühlen sitzen. An manchen Feiertagen gelten diese fünf Klosterregeln für alle Buddhisten.

 

 

Was ist ein Stupa ?

 

 

Buddha starb im Alter von 80 Jahren bei Gorakhpur in Indien. Seine Asche wurde an acht Orten bestattet. Darüber wurden halbkugelförmige Gebäude mit einer Spitze errichtet, die Stupa genannt werden. Später wurde die Asche nochmals verteilt und weitere Stupas gebaut. Heute gibt es viele Stupas, die allerdings keine Asche Buddhas mehr enthalten. Sie genießen hohe Verehrung, weil sie in ihrem Aufbau die fortschreitende Erkenntnis und den achtfachen Pfad darstellen.

 

 

Wo ist der Buddhismus verbreitet ?

 

 

Der Buddhismus hat im Laufe der Jahrhunderte viele Formen ausgebildet. Er hat religiöse Traditionen und Vorstellungen der Völker, die ihn annehmen, aufgenommen. Darum ist der Buddhismus nicht überall gleich. Heute gibt es vielfältige buddhistische Traditionen in den asiatischen Ländern Sri Lanka, Thailand, Burma, Laos, Kambodscha, Vietnam, Malaysia, China, Korea, Mongolei, Nepal, Bhutan, Tibet und Japan. In Indien, dem Geburtsland des Buddha, ist der Buddhismus wenig verbreitet. In den letzten 150 Jahren ist der Buddhismus auch nach Europa und Nordamerika gekommen.

 

 

Wer ist der Dalai-Lama ?

 

 

Der Dalai-Lama ist das Oberhaupt der tibetischen Buddhisten. Er gilt als die Wiedergeburt des Bodhisattva Avalokiteshvara, des Bodhisattva des Erbarmens. Dessen Geist lebt nach tibetischem Glauben in der Gestalt beziehungsweise im Körper des Dalai-Lama weiter. Denn ein Bodhisattva verzichtet nach seiner Erleuchtung auf das Nirwana und muß daher in Menschengestalt weiter auf der Erde leben. Nach dem Tod eines Dalai-Lama geht der Geist des Bodhisattva in ein neugeborenes Kind über, das dann der nächste Dalai-Lama wird.

Nach tibetischem Glauben ist der derzeitige Dalai-Lama die vierzehnte Wiedergeburt des Bodhisattva des Erbarmens. Seit 1959 lebt er im Exil in Indien, weil Tibet von China gewaltsam erobert und besetzt wurde. Dabei wurden viele buddhistische Mönche umgebracht. Seit seiner Flucht aus Tibet kämpft er gewaltfrei um die Wiedererlangung der Freiheit für sein Volk. Dafür wurde er 1989 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Wegen seines Kampfes für Frieden und Menschlichkeit ist er vielen Menchen ein Vorbild.

 

             - ENDE -

 

 

               

    LEXIKON

 

 

Allah:         

Arabisch für  " der Gott " .

Apostel:

Menschen, die Jesus ausschickte, um von seiner Auferstehung zu berichten.

Atman:

Im hinduistischen Glauben die Seele.

Bar / Bat Mizwa:

Jüdisches Volljährigkeitsfest.

Bibel:

Heiliges Buch der Juden und Christen. Besteht aus dem Alten und dem Neuen Testament. Das Neue Testament wird nur von den Christen anerkannt.

Bismillah:

Muslimisches Gebet.

Bodhisattva:

Einer, der die Erleuchtung erreicht hat, aber freiwillig auf das Nirwana verzichtet, bis alle anderen Menschen auch dort sind (buddhismus).

Brahma:

Im hinduistischen Glauben "  das Göttliche " .

Chanukka:

Jüdisches Fest zur Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem, der 167 v. Chr. verwüstet worden war.

Dekalog:

Die Zehn Gebote im Alten testament, die Mose vom Berg Sinai mitbrachte.

Dharma:

Nach hinduistischem Glauben die göttliche Weltordnung.

Diaspora:

Leben der Juden in der " Zerstreuung ", das heißt fern des " gelobten landes " . Heute wird das Wort auch für Angehörige anderer Religionen gebraucht.

Dschihad:

Arabsich für " Anstrengung für Allah " .

Evangelium:

Berichte über das leben Jesu im Neuen Testament, nach den vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes benannt.

 

 

 

                                                        

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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