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              Mittelalter,Renaissance,Neuzeit

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Das Mittelalter, Zeitraum zwischen Altertum und Neuzeit, ca. 6. - 15. Jhd. Die Renaissance, im 14. Jhd. ausgehende Kulturwende vom Mittelater zur Neuzeit. Hier einige bemerkenswerte Geschichten, die sich zu dieser Zeit zutrugen. Habt ihr auch geschichten? Dann her damit, Kontakt:

 

Sisi und Franz Joseph I.
Kronprinz Rudolf v. Österreich (Sohn v. Sisi und Franz Joseph)
Heinrich VI. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
Friedrich II. von Hohenstaufen (Sohn von Heinrich VI.)
Anna von Sachsen - die erste Apothekerin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Franz Joseph I. und Elisabeth v. Bayern (Sisi) 

Zu allererst sei gesagt, der Name "Sissi" beruht auf einem Schreibfehler des Filmemachers Marischkas. In Wirklichkeit nannte sie sich nur "Sisi"  - so wurde sie gerufen und so unterschrieb sie persönliche Briefe. (Anm. von cat7211)

Der Österreichische Kaiser Franz Joseph I. war unter den Töchtern des europäischen Hochadels der umschwärmteste Junggeselle weit und breit gewesen, und galt - als Herrscher über ein 40-Millionenreich - als glänzende Partie. Im Alter von 18 Jahren hatte er inmitten der Revolutionswirren den Thron bestiegen und verstand es, seine Machtstellung weiter auszubauen. Darüber hinaus sah er nicht nur gut aus, sondern war auch ein eleganter Tänzer, hatte die besten Manieren und galt als überaus pflichtbewußt.. Kein Wunder, daß nun viele Prinzessinen die junge Braut um ihre Rolle als Kaiserin beneideten.

Die Verbindung zwischen der Habsburger Dynastie und der bayrischen Linie der Wittelsbacher war von Franz Josephs Mutter eingefädelt worden. Sie hatte schon lange nach jemand  "passenden"  gesucht - und passend  bedeutete "ebenbürtig" und  katholisch. Schließlich war die Wahl auf ihre Nichte Helene gefallen, die als älteste Tochter des Herzogs Max in Bayern und seiner Gemahlin Ludovika, der Schwester der Kaisermutter, war.

Zum Kennenlernen traf man sich in Ischl. Doch machte der sonst so gehorsame Sohn Franz Joseph seiner Mutter diesmal einen Strich durch die Rechnung. Schon bei der ersten Begegnung verliebte er sich Hals über Kopf in Helenes jüngere Schwester Elisabeth, die zu Hause Sisi gerufen wurde. Das erst 15 jährige Mädchen mit den langen dunklen Zöpfen und dem immer etwas melancholischen Blick strahlte eine jungendliche Frische aus, die ihn faszinierte.

Auch der Umgebung blieb es nicht verborgen, daß der Kaiser nur noch Augen für die kleine Sisi hatte und der stillen, ernsten Helene kaum Beachtung schenkte. Franz Joseph hatte Feuer gefangen und war von dem Entschluß, Elisabeth zu ehelichen, nicht mehr abzubringen. Sisi selbst war darüber sehr überrascht und schien nicht recht zu wissen, wie sie sich verhalten sollte. Einerseits gefiel ihr der Kaiser, doch andererseits schreckte sie auch vor den zahlreichen gesellschaftlichen Verpflichtungen zurück.

"Dem Kaiser von Österreich gibt man keinen Korb", erklärte ihre Mutter lapidar und drängte zur Ehe, bis Sisi schließlich einwilligte. Schon am nächsten Tag wurde die Verlobung gefeiert. Die nächten Monate verbrachte die junge Braut noch im Schloß Possenhofen am Ufer des Starnberger Sees. Dort hatte sie eine unbeschwerte Kindheit verbracht.

Doch war diese "liberale" Erziehung nicht gerade geeignet gewesen, Sisi auf ihre neue Rolle als Kaiserin vorzubereiten. Vater Max hatte ihr zwar die Kunst des Reitens beigebracht, doch die Umgangsformen am bayrischen Hof waren eher rustikal, und auch die Allgemeinbildung einer "höheren Tochter " war zu kurz gekommen. Eiligst wurden Lehrer herbeizitiert, um das Versäumte nachzuholen und Elisabeth in Fremdsprachen, darunter auch Ungarisch, und  in Geschichte, zu unterrichten.

Da es sich bei dem Brautpaar um Cousine und Vetter ersten Grades handelte, mußte der päpstliche Dispens eingeholt werden. Nach 8 Monaten war es soweit: Herzogin Elisabeth verließ ihre Heimat München und fuhr mit ihrer Familie nach Österreich. Die Brautausstattung für Sisi, der "Trousseau", war bereits verschickt worden und traf in 25 Koffern, pünktlich in Wien ein.

Der zukünftige Ehemann konnte es gar nicht erwarten, seine Verlobte zu sehn und fuhr ihr - außerhalb des Protokolls - mit dem Dampfboot bis Linz entgegen. Als sie dann in Wien ankamen, bereitete man den beiden einen herzlichen Empfang. Zahlreiche Zuschauer drängten sich in den Straßen, um einen Blick auf die junge Braut zu werfen, deren Aussehen alle Erwartungen übertraf. Nur wer ganz nahe am Prunkwagen stand, konnte die Tränen und den völlig verängstigten BLick der Prinzessin erkennen.

Nach dem feierlichen Hochzeitszeremoniell in der Wiener Augustinerkirche  trat schnell die Ernüchterung ein. Von Anfang an war Kaisermutter Sophie fast immer zugegen und bestimmte den Tagesablauf. Nicht einmal in den Flitterwochen blieb dem Paar Zeit für Unternehmungen. Der frischgebackene Ehemann ließ seine Frau auf Schloß Laxenburg oft allein zurück, da er sich um politische Geschäfte kümmern mußte. So war Elisabeth der strengen Schwiegermutter und dem strengen Hofzeremoniell ausgeliefert, an das sie sich nur schwer gewöhnen konnte.

Hinter ihrem Rücken tuschelte man über ihre ungelenken Bewegungen oder spottete darüber, daß sie keinen vernünftigen Satz französisch sprechen konnte. Wegen ihrer recht dürftig ausgefallenen Mitgift wurde unter den Hofschranzen abfällig von der "Possenhofener Bettelwirtschaft" geredet. Die Kaiserin wurde immer stiller und suchte Zuflucht in der Innerlichkeit. Ein Gefühl der Langeweile überfiel sie. Doch während sie melancholische Verse dichtete, glaubte der Kaiser immer noch an das vollkommende Glück.

Als sie das erste Kind erwartete, bekam die Kaiserin weitere Verbote auferlegt und wurde noch stärker in das Korsett der Wiener Hofetikette gedrängt. Auf die stängide Bevormundung durch ihre Schwiegermutter reagierte sie mit Schlaf- und Appetitlosigkeit.

Ein schwerer Schlag für das Kaiserpaar wurde der frühe Tod der erstgeborenen kleinen Tochter Sophie, die auf einer Reise durch Ungarn wahrscheinlich an Typhus starb. Die Folge war, daß die Kaiserin noch mehr in Depressionen verfiel. Nach einer zweiten Tochter, Gisela, brachte sie schließlich den lang ersehnten Thronfolger Rudolf zur Welt. Sisi´s Stimmungszustand besserte sich jedoch nicht, und als ihr dann noch Gerüchte über diverse Liebesaffären des Kaisers zu Ohren kamen, fühlte sie sich erst recht zurückgedrängt und überdies tief verletzt.

Graf von Andrassy

Ihre Hustenanfälle und Angstzustände wurden immer schlimmer, bis der Arzt einen Klimawechsel empfahl, worauf sie ausgedehnte Reisen nach Madeira und Korfu unternahm. In der Einsamkeit, vernab von Wien, war aus dem verunsicherten Mädchen eine sich ihrer Schönheit bewußten Frau mit einer ausgeprägten Neigung zu Extravaganzen geworden, die das Reisen immer mehr zu ihrem Lebensinhalt machten.

Nach der Rückkehr Sisi`s an den Wiener Hof war Großmutter Sophie die wichtigeste Person im Leben ihrer Kinder geworden. Das einst so glanzvoll erschienene Kaiserpaar hatte sich auseinandergelebt und Sisi ging immer mehr auf Distanz zum Wiener Hof.

Zu dieser Zeit förderte Sisi auch die Liason zwischen der Künstlerin Katharina Schratt und Franz Joseph. So wußte sie ihren Mann in guten Händen und umsorgt, solang sie ihre Reisen tätigte. Obwohl eindeutig bezeugt, wurde diese Affäre stets streng geheim gehalten. Katharina galt als Freundin und Vorleserin der Kaiserin, den Kaiser unterhielt sie mit Klatsch und Tratsch. Die Affäre dauerte bis zum Tod  des Kaisers im Jahre 1916 an. Sie selbst starb 1940.

Auch Sisi´s Bruder Carl Theodor äußerte einmal sinngemäß, seine Schwester sei zwar eine gescheite Person, habe aber zweifellos einen gewaltigen Spleen.....Wer Sisi freilich nicht so gut kannte, dem fiel an der Kaiserin in der Regel zunächst nur eines auf: ihre atemberaubende Schönheit, die erst in den 1860er Jahren zur vollen Entfaltung kam. Sisi war zweifellos die Schönste im ganzen Land.. Eine erfreuliche Tatsache, die das Selbstbewußtsein der eher schüchternen Kaiserin enorm steigerte, sich aber auch zugleich als böser Fluch erwies: sie wollte ihre Schönheit nämlich um jeden Preis erhalten - und dieser Preis war extrem hoch.

Jeden Morgen vergingen allein 3 Stunden, bis das prachtvolle knöchellange Haar in eine perfekt sitzende Frisur verwandelt war. Um ihre (über-) schlanke Figur zu erhalten, absolvierte sie ein tägliches Fitnessprogramm in dem eigens eingerichteten "Turnzimmer" , machte intensive Gymnastik, trainierte an Reck und Barren, übte sich im Reiten und Fechten und pflegte zudem stundenlang in Begleitung einer bedauernswerten Hofdame durch Wälder und Berge zu wandern. Peinlich achtete die Kaiserin auf ihr Gewicht, das niemals 50 kg überstieg - und das bei einer Größe von 1,72 Metern!

Um ja nicht zuzunehmen, ernährte sie sich über weite Strecken von nichts anderem als Fleischsaft und hart gekochten Eiern. Jedes Gramm zuviel versetzte sie in schiere Panik. Mögen für uns heute die Symptome einer Magersucht auch unübersehbar sein, im 19. Jahrhundert standen die Ärzte dem "Phänomen" ratlos gegenüber, vor allem, als sie in späteren Jahren sogar unter Hungerödemen litt.

Selbst wenn es der Kaiserin auf diese Weise tatsächlich gelang, ihre Schönheit bis zu ihrem  50. weitgehend zu erhalten, so trug dies nicht unbedingt zu ihrer inneren Ausgeglichenheit bei. Geplagt von immer wiederkehrenden Depressionen und eindeutig psychosomatischen Krankheiten, floh sie so oft wie möglich vom Wiener Hof, um quer durch ganz Europa zu reisen.  Häufig besuchte sie das Schloß Gödöllö in Ungarn , auf dem sie des öfteren Graf von Andrássy besuchte, was natürlich zu Gerüchten führte. Tatsächlich hat es eine Liebe zwischen den beiden nie gegeben. (Zitat Sisi: "...diese Freundschaft war nicht durch Liebe vergiftet ")

Doch auch mit der "wahren Sisi" konnte sie nicht immer leben. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag, als ihre attraktive Erscheinung langsam verblasste, geriet die Kaiserin in eine ernsthafte Krise. Fortan versteckte sie ihr faltiges Gesicht hinter Fächern oder Schirmen, und es war strengstens untersagt, die Monarchin zu fotografieren.

Dabei war Sisi keineswegs das "schöne Dummchen", für das sie von vielen gehalten wurde, sondern eine kluge Frau, die sich durchaus ihre Gedanken machte. Sisi verfasste zahlreiche Gedichte, in denen sie sich nicht nur als zutiefst unglückliche und  unverstandene Frau offenbarte, sondern auch als scharfe Kritikerin der monarischen Staatsform sah. Wohl wissend, daß ihre Zeitgenossen für die Ansichten einer "republikanischen Monarchin"  kein Verständnis haben konnten, verfügte sie, daß ihre Gedichte erst 50 Jahre nach ihrem Tod veröffentlich werden durften.

Was die "nachgeborenen Seelen"  dann allerdings zu lesen bekamen, waren schlicht und einfach dilettantische Reimereien einer frustrierten Frau, die uns freilich einen interessanten Einblick in ihre Seele gewähren ließ. Sisi´s  literarisches wie auch politisches Vorbild war der 1856 verstorbene Heinrich Heine, ihr "Meister", von dem sie ernstahft glaubte, er diktiere ihr die Verse in die Feder.

Sisi´s spiritueller Umgang mit dem "Meister" ging so weit, daß sie ihrer Tochter Marie Valerie eines Tages in allem Ernst berichtete, am Vorabend sei ihr ganz deutlich Heinrich Heine erschienen. Der bodenständige Bruder Carl Theodor warnte seine Schwester davor,  "sich zu intensiv in die überspannten Ideen zu bohren". Das war auch nicht ganz unbeabsichtigt, schließlich gab es schon ein Familienmitglied, an dessen Verstand mitunter gezweifelt wurde und mit dem Sisi ein starke Seelenverwandtschaft hatte: König Ludiwg II. von Bayern, dessen Leben im Juni 1886 auf tragische Weise endete.

Aber verrückt war die Kaiserin keineswegs, auch wenn es sie hin und wieder reizte, ihre Umgebung mit allerlei "Verrücktheiten" zu provozieren. Doch letztlich war ein solches Verhalten nichts anderes als ein Hilfeschrei eines unglücklichen Menschen, dem es nicht gelingen wollte, seinem Leben einen Sinn zu geben.

Sisi´s Reisetätigkeit nahm um 1860 ihren Anfang, als Ärzte Symptome wie Blutarmut, Weinkrämpfe, starken Husten und Appetitlosigkeit diagnostizierten. Schaut man sich einmal ihr Reisepensum allein für das Jahr 1890 an, meint man einen Menschen auf der Flucht vor sich zu haben. Seit dem Freitod ihres einzigen Sohnes Rudolfs im Schloß Mayerling 1889 nahmen die Reisen im Zug und mit dem Schiff noch einmnal kräftig zu. Spätestens ab diesem Zeitpunkt kleidete sich die hochgewachsene Frau mit dem fersenlangen prächtigen Haar nur noch in Schwarz. All ihre Kleider und ihren Schmuck übergab sie ihren Töchtern.

Aber es war nicht nur der Stillstand ihrer Lebenslust den die Kaiserin, die sich ab ihrem 32. Lebensjahr nicht mehr malen oder fotografieren ließ, fürchtete. Blanker Horror erfasste sie offensichtlich auch bei dem Gedanken an das Alter. Je älter Sisi wurde, desto ratloser verhielt sie sich. Und so führte sie ihre letzte Reise schließlich an den Genfer See.

Trotz eindringlicher Attentatswarnungen reiste sie im September 1898 unter dem Namen Gräfin Hohenembs an den Genfer See, verbrachte den 9. September als Gast der  Baronin Julie Rothschild und nächtigte im Hotel "Beau Rivage". Als sie am Tag darauf von einem Einkaufsbummel mit ihrer Hofdame zurückkehrte, wurde die Kaiserin auf der Uferpromenade von dem italienischen Anarchisten Luigi Luccheni mit einer Feile niedergestochen.

Dabei war Elisabeth gar nicht das avisierte Opfer des 25-jährigen Anarchisten gewesen, er hatte es auf den Herzog von Orléans abgesehen, der jedoch - widererwarten - nicht nach Genf reiste. So änderte er kurzerhand sein Ziel, als die Zeitung berichtete, die Monachin sei im Hotel  "Beau Rivage" abgestiegen. Der Attentäter wurde gefasst und zu lebenslanger Haft verurteilt. 1910 beging er Selbstmord.

Die  Kaiserin Elisabeth starb noch am selben Tag im Alter von 60 Jahren. Ihr Mann, Franz Joseph überlebte seine Gattin um 18 Jahre, er starb 1916  eines natürlichen Todes in Wien im Alter von 86 Jahren.

Daten Sisi:

Voller Name: Elisabeth Amalie Eugenie . Geboren: 24.12.1837 in Bayern , gestorben: 09. September 1898 in Genf. Heiratete  1854  als 16-jährige den Österreichischen Kaiser Franz Joseph I. , seit 1867 Königin von Ungarn. Gebar 4 Kinder, die erste Tochter, Sophie, starb im Kindesalter, der einzige Sohn , Rudolph,(1858 - 1889) beging Selbstmord. 

                               

 

Kronprinz Rudolf von Österreich            

Als erster Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Sisi von Österreich, erblickte Rudolf 1858 das Licht der Welt. Nach zwei Mädchen war der Kaiser  überglücklich und machte seinem Stammhalter, kaum daß er auf der Welt war, außergewöhnliche Geschenke - den Orden vom Goldenen Vlies und das Kommando über ein Infanterie-Regiment.

Mit zwei Jahren empfing der kleine Kronprinz erstmals eine Delegation (Gesandtschaft, Anordnung) seiner Soldaten; er saß dabei in der Uniform eines Oberst auf einem Holzpferd und gab ungarische Kommandos, die ihm ein Hauptmann vorsprach. Vielleicht wäre das zarte, oft kränkelnde Kind lieber auf dem Schoß seiner Mutter gesessen, doch die hatte nur selten Zeit. Um ihren Sohn Rudolf kümmerten sich die Witwe eines Feldzeugmeisters, der sich während des Ungarnaufenthaltes hervorgetan hatte, und Erzherzogin Sophie, die Mutter des Kaisers.

Als der Junge 6 Jahre als war, bekam er einen Oberhofmeister, den Generalmajor Graf Gondrecourt, der ihn in strenge Zucht nehmen sollte. Dem Kaiser mißfielen nämlich die ausgeprägte Wissbegierde des frühreifen Kindes und seine schwache Konstitution - aus dem " Krepiererl "  sollte ein ordentlicher Soldat werden. Für dieses Ziel setzte Gondrecourt rabiate Methoden ein: Er ließ den Kleinen auch bei übelstem Wetter im Freien exerzieren ( Militärische Übungen vormachen), übergoß ihn, während er schlief, mit kaltem Wasser oder löste einen Pistolenschuß. Mit diesen Schockmethoden macht er Rudolf zum reinsten Nervenbündel und hätte ihn vielleicht sogar unter die Erde gebracht, wenn nicht die Kaiserin, bestürzt über Aussehen und Verhalten ihres Sohnes, energisch die Ablösung des Oberhofmeisters verlangt und durchgesetzt hätte.

Der von ihr ausgewählte Nachfolger, Graf Latour von Thurmberg, war von anderer Art und sorgte dafür, daß qualifizierte Lehrkräfte aus allen Teilen des Reiches dem Kronprinzen eine solide Allgemeinbildung vermittelten. 

Besonderen Anstoß erregte 1872 die Berufung des Geologen Hofstätter: Der Mann war Protestant und ein Anhänger Darwins. Wie stark Hofstätter´s Unterricht den Kronprinzen beeindruckte, geht daraus hervor, daß dieser, gerade vierzehnjährig, seinem Vater eine Abhandlung widmete, worin er in scharfem Gegensatz zu dem, was er im Religionsunterricht gehört hatte, die These vertrat, der Mensch sei ein Tier.

Vier Jahre später trat der Nationalökonom Carl Menger in Rudolf´s Leben. Er hatte sich zeitweilig als kritischer Journalist betätigt, zog es aber bald vor, seine Ansichten anonym unter die Leute zu bringen. Den Kronprinzen bestärkte er in seiner bürgernahen Haltung sowie in seiner Ablehnung des Antisemitismus und ermutigte ihn, zu den sozialen Problemen des Reiches Stellung zu nehmen. Das tat er bald, wie sein Lehrer in anonymen Artikeln.

Im Juli 1877 endete die Zeit der Studien; der nunmehr volljährige Thronfolger bekam einen neuen Oberhofmeister, der ihn von seinen Büchern weglocken sollte. Man schickte ihn auf Reisen, ließ ihn repräsentieren, suchte ihm eine Frau - die sechzehnjährige Prinzessin Stephanie von Belgien - und unternahm alles Mögliche, um ihn aus der Politik herauszuhalten. Dem Kaiser und seinen Vertrauten war die betont progressive ( =  fortschrittliche ) Einstellung Rudolf´s suspekt; darum blieb er außen vor und wurde nur sparsam mit Informationen versorgt. Zugleich überwachten ihn zahlreiche Spitzel.

Hochzeitsfoto Rudolf und Stephanie 1881 (kl. Bild Rudolf´s Geliebte)

Rudolf entging die wachsende Feindseligkeit der konservativen Kreise nicht " Ich bin zum Nichtstun verdammt "  klagte er oft. Befreundet mit Alfred Brehm, dem Herausgeber des berühmten " Tierlebens " , lieferte er für dieses Werk vogelkundliche Beiträge. Außerdem pflegte er seine Kontakte zu Gelehrten und Journalisten.

Dann,1886 traf den tief frustrierten Kronprinzen ein weiterer Schicksalsschlag: Er hatte sich bei sexuellen Eskapaden in der Wiener Schickeria eine damals unheilbare Geschlechtskrankheit zugezogen und damit seine Stephanie angesteckt. Die Hoffnung auf einen Thronerben konnte er damit begraben, und die tiefe Verachtung seines Vaters war ihm sicher. Hin- und hergerissen zwischen Verzweiflung, Lebensüberdruß und zornigem Aufbegehren scheint er einen letzten Versuch unternommen zu haben, mahnend und warnend in die hohe Politik einzugreifen - sofern der 1888 in Paris unter dem Pseudonym Julius Felix erschienene " Offene Brief  an S. M. Kaiser Franz Joseph "  von ihm stammt. Diese schonungslose Kritik an der österreichischen Außenpolitik und der verhängnisvollen Bindung an Deutschland blieb allerdings wirkungslos: Das Pamphlet wurde konfiziert.

Am 26. Januar 1889 hatte der Kronprinz eine Unterredung mit dem Kaiser, die er in höchster Erregung verließ: zwei Tage später erklärte er Mizzi Caspar, einer Halbweltdame, mit der er seit längerem liiert war, er werde sich umbringen. Mizzi glaubte ihm nicht - doch in den Morgenstunden des 30. Januar 1889 geschah das Entsetzliche: In seinem Jagdschlößchen Mayerling wurde der Kronprinz zum Mörder, ehe er sich selbst erschoß. Sein Opfer, die blutjunge Baronesse Mary Vetsera, verehrte ihn schwärmerisch und fand, da sie auf eine legitime Verbindung mit ihm nicht hoffen durfte, den Gedanken faszinierend, mit ihm zu sterben. So wurde sie, die in Rudolf´s Leben nur eine Nebenrolle gespielt hatte, zur tragischen Heldin phantastischer Legenden, die sich bald um die Bluttat von Mayerling rankten ......

Kurzinfo:  1881 heiratete Erzherzog Rudolf Prinzessin Stephanie von Belgien. Die Ehe war alles andere als glücklich. Seit 1888 las Rudolf ständig Literatur zum Thema Selbstmord. Am 30.01.1889 wählte er dann selbst den Freitod, nachdem er zuvor seine Geliebte Mary Vetsera erschossen hatte.

 

 

Heinrich VI. Kaiser der Heiligen Römischen Reiches           

      

Er quälte seine Frau, wo er nur konnte. Heinrich VI. heiratete Konstanze von Sizilien nur, weil er sich dieses Königreich einverleiben wollte. Hochmütig und grausam demütigte er Konstanze während der ganzen Zeit der Ehe. Sie mußte sogar öffentlich den Thronfolger in einem Zelt zur Welt bringen......

 

Der September des Jahres 1197 neigte sich dem Ende zu. Trotzdem war es noch immer heiß auf Sizilien. Diese Hitze war gefährlich für die Menschen und förderlich für die Ausbreitung von Seuchen und Pestilenzen.

Eines ihrer Opfer wurde Heinrich VI. (1165 - 1197) , der in Messina einen Kreuzzug ins Heilige Land vorbereitete. Er starb ganz plötzlich und unvermutet. Seine Witwe, Kaiserin Konstanze, übernahm die Herrschaft über Sizilien und Kanzler Walter von Pagliara kniete demutsvoll nieder, um ihr zu huldigen.

Doch sie schwieg. Zwar war sie, wie es der Brauch verlangte, von Kopf bis Fuß in einen schwarzen Witwenmantel gehüllt, aber ihre Haltung drückte keine Trauer aus, und der Kanzler ahnte, daß es nicht Kummer über den Tod ihres Gatten war, der die Kaiserin schweigen ließ. Wie recht er hatte. Denn das einzige was Konstanze empfand, war Verachtung und Haß.Unwillkürlich wanderten die Gedanken der hochgewachsenen, blonden Frau zurück zu der Zeit, als alles begann....

Eigentlich war Konstanze ein ganz anderer Lebensweg vorgezeichnet gewesen. Schon als blutjunges Mädchen hatte sie den Wunsch verspürt, in ein Kloster einzutreten. Tatsächlich war es ihr auch gelungen, diesen Wunsch durchzusetzen. Doch dann hatte ihr Vater, Roger II. von Sizilien, sie mit 32 Jahren aus dem Karmeliterinnen Kloster geholt und befohlen, den staufischen Kaisersohn Heinrich zu heiraten. Mit dieser Ehe sollte der Frieden zwischen Sizilien und dem Heiligen Römischen Reich bekräftigt werden. Konstanze hatte sich wohl oder übel fügen müssen und war mit unvorstellbarer Pracht - fünfhundert Packpferde schleppten die Mitgift - nach Mailand gebracht worden.

Doch Heinrich erwies sich als große Enttäuschung: elf Jahre jünger und elf Jahre dümmer als Konstanze, war er zudem klein und schwächlich, roh und brutal. Neben ihrer anmutigen und majestätischen Gestalt wirkte er wie eine häßlicher Gnom.

Fünf Jahre nach der Hochzeit wurde sie an der Seite Heinrichs zur Kaiserin gekrönt. Ein Moment höchster Würde und tiefster Demütigung zugleich, denn allzu deutlich ließ Heinrich sie spüren., daß er nur eins im Sinn hatte: Die Staufer wollten mit Konstanzes Krönung die alten Ansprüche des Reiches auf Sizilien legitimieren (beglaubigen, für gesetzmäßig erklären). Konstanze fing an, ihren Mann zu hassen, als er begann, Krieg gegen ihr Land Sizilien zu führen, und zwar in ihrem Namen.

Gern hätte sie sich an ihm gerächt, indem sie ihm den sehnlich gewünschten, den in allen Kirchen herbeigeflehten staufischen Thronerben verweigerte. Als keiner mehr damit rechnete, am wenigsten sie selbst, wurde Konstanze mit vierzig Jahren jedoch schwanger. Auf dem Kriegszug nach Süden setzten die Wehen ein. Heinrich ließ seine Frau in dem kleinen Städtchen Jesi, nahe Ancona bringen.

Damit niemand behaupten konnte, daß die Schwangerschaft nur vorgetäuscht und das Kind untergeschoben wurde, ließ der Staufer auf dem Marktplatz von Jesi ein Zelt errichten, in welchem jede verheiratete Frau beobachten konnte, wie die Kaiserin ihr Kind zur Welt brachte. Konstanze schenkte einem Jungen das Leben, den sie auf dem Marktplatz stillen mußte. Diese Demütigung vergaß sie nie. Und als sie dann auch noch erfuhr, daß Heinrich zur gleichen Zeit sizilianische Edelleute verbrennen ließ, kannte ihr Hass auf ihn keine Grenzen mehr. Er ging so weit, daß es ihr sogar schwer viel, ihren eigenen Sohn, der eigentlich Konstantin heißen sollte, zu lieben.

Daß Heinrich ihn auf den Namen Friedrich taufen ließ, empfand Konstanze nur als eine weitere Demütigung. Als sie jedoch aus dem Wochenbett genesen war, und ihre alte Kraft wiedererlangt hatte, stellte sie ihre eigenen Forderungen. Sie bestand  darauf, daß der Knabe auch den Namen ihres Großvaters tragen solle. Sie setzte durch, daß er nun Friedrich Roger hieß. In der Folgezeit bemühte sie sich aufrichtig, ihren Sohn zu lieben, doch er war einfach zu sehr Staufer und schien seinem furchtbaren Vater so sehr zu ähneln.

Bald ging Heinrich nach Norden zurück und ließ Konstanze als Regentin in Sizilien. Eine ruhige, harmonische Zeit für die Insel und die Kaiserin, die jedoch schlagartig endete, als ihr Gatte 1197 zurückkehrte. Ein Aufstand brach aus, den der Kaiser mit unbeschreiblicher Grausamkeit niederschlug. Zudem zwang er Konstanze, bei seinen bestialischen Folterungen anwesend zu sein.

Als Gerüchte laut wurden - unbeweisbare - daß die Kaiserin mit den Aufständischen und Verschwörern im Einvernehmen gestanden habe, bestand Heinrich darauf, daß sie Zeugin einer weiteren Exekution werden sollte. Konstanze mußte nun mit ansehn, wie ihrem engsten Vertrauten, dem Grafen Giordano, eine glühende Eisenkrone mit Nägeln auf den Kopf geschlagen wurde. Von diesem Moment an wünschte sie dem Kaiser einen langsamen, elenden Tod.

Heinrich, der vermutete, daß die Gerüchte stimmten, und Konstanze tatsächlich in die Verschwörung verwickelt war, befahl anschließend seinem Kanzler Walter von Pagliara, sie im Palast von Palermo gefangen zu setzen. Dem gleichen Pagliara, der jetzt demütig vor ihr stand. Endlich beendete sie ihr Schweigen und machte deutlich, daß die Zeit der Deutschen im Königreich Sizilien abgelaufen war. Als Pagliara zu widersprechen wagte, sie könne als Regentin des Heiligen Römischen Reiches nicht ihre eigenen Untertanen verbannen, riß sie den Witwenmantel auf. Darunter trug sie das sizilianische Staatsgewand. Mit den Worten. " Hier gelten nur die Befehle der Königin von Sizilien", wurde Konstanzes Befehl ausgeführt.

Doch ihr blieb nicht viel Zeit, sich an einem freien Sizilien zu erfreuen. Ein gutes Jahr später, in einer feuchtkalten Novembernacht, raffte der Tod sie dahin. Die Königin wurde im Dom von Palermo beigesetzt, in der Tracht der Karmeliterinnen - der Jungfrauen vom Berge Karmel.

 

Kurzinfo:

Konstanze, Königin von Sizilien und Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches, wurde 1154 als Tochter Königs Rogers II. von Sizilien und seiner zweiten Ehefrau Beatrix von Rethel, geboren. 1186 heiratete sie den staufischen Thronfolger Heinrich, Sohn Kaiser Barbarossas. Im Namen Konstanzes führte Heinrich zwei Reichskriege gegen Sizilien. Am zweiten Weihnachtstag 1194 brachte sie in Jesi den ersehnten Thronfolger, den späteren Kaiser Friedrich II., zur Welt. Im September 1197 wurde sie Witwe und übernahm die Regentschaft für ihren Sohn, den sie zum König von Sizilien krönen ließ. Außerdem setzte sie Papst Innozenz III. als Vormund des Kindes ein. Konstanze starb am 28. November 1198 und wurde im Dom von Palermo beigesetzt.

 

 

Friedrich II. von Hohenstaufen                

 

Beide Eltern sind tot, der Papst ist sein Vormund. Und doch kümmert sich niemand so recht um den Knaben Friedrich. So lebt er in Palermo ein recht freies Leben - bis zu seinem 14. Lebensjahr. Da tritt Konstanze in sein Leben. Durch sie wird er zum umsichtigen Monarchen......

Es war ein sehr heißer Tag, sogar für sizilianische Verhältnisse. Im Palast war es angenehm kühl, doch Friedrich hatte darauf bestanden, sie um die Mittagszeit im Garten zu empfangen. " Dame, Ihr habt Euch schön herausgeputzt " , sagt er, noch ganz außer Atem. Der junge Frau der dieses Kompliment galt, stockte der Atem. Das sollten nicht die ersten Worte eines Bräutigams an seine Braut sein, dachte Konstanze von Aragon und war sich nicht schlüssig, ob sie wegen dieser Ungeheuerlichkeit lachen oder weinen sollte.

Schweigend sah sie ihn an, den Vierzehnjährigen, der da verschwitzt vor ihr stand. Gerade noch hatte er mit seinen Freunden herumgetobt und nun mußte er sich seiner ungeliebten Braut präsentieren.

Neun Monate zuvor, am 26. Dezember 1208, war Friedrich anläßlich seines vierzehnten Geburtstages nach sizilianischem Recht für volljährig erklärt worden. Seitdem bemühte sich der junge Staufer, seinen Untertanen bewußt zu machen, daß er König im Lande war. Aber offensichtlich war man nicht bereit, seine Autorität anzuerkennen. Das Volk begegnete ihm nicht mit dem Respekt, der ihm zustand, die Edelleute gebärdeten sich auf ihren Ländereien wie selbstständige Fürsten, und der Papst, der seit dem Tod der Mutter sein Vormund gewesen war, präsentierte ihm nun auch noch eine künftige Ehefrau.

Verächtlich verzog Friedrich den Mund. Immerhin war Konstanze von Aragon zehn Jahre älter als er und damit für einen Burschen wie ihn einfach eine alte Schachtel. Allerdings, die Mitgift, die sie mitbrachte, war nicht zu verachten: 500 aragonesische Ritter zur Verfügung des Königs.

" Worüber wollen wir uns unterhalten, Dame ? Ihr müßt es besser wissen, Ihr kennt das doch schon. "  Konstanze verstand die Anspielung. Als Witwe des ungarischen Königs Imre war sie bereits ehe- und thronerfahren. Sie errötete und Friedrich wußte nicht einzuschätzen, ob aus Scham oder Zorn. Sie begannen, sich über Bücher und Literatur zu unterhalten, philosophierten über Catull und brachten dessen Gedichte vor - und allmählich brach das Eis.

Und dann nahm Friedrich sie plötzlich bei der Hand und zog sie in den Park - allein, ohne ihr und ohne sein Gefolge. Auf einmal kam sie ihm gar nicht mehr so alt vor. Und häßlich war sie wahrhaftig auch nicht. Was eine kurze, förmliche Vorstellung werden sollte, wurde nun ein langes Gespräch, teils im gepflegten Latein geführt, teils im verschliffenen Vulgare, das man auf Palermos Straßen und Märkten spricht. Doch selbst wenn Friedrich ins Arabisch verfiel, konnte die Aragoneserin mithalten. Friedrich wollte alles von Konstanze wissen, als könnte er die zehn Jahre Lebensvorsprung seiner Braut an einem Nachmittag aufholen. Und als sie erschöpft vom Erzählen innehielt, ließen sie sich an einem der Teiche nieder.

Konstanze sollte sich nun seine Lebensgeschichte anhören. Er erzählte, daß er seinen Vater, Heinrich VI. nur vom Hörensagen her kannte und seine Mutter starb, als er vier Jahre alt war und sie ihn auf den sizilianischen Thron setzte. Friedrich verschwieg aber, daß er sich seinen Lebensunterhalt zeitweise von mitleidigen Bürgern Palermos erbetteln mußte. Das zu erwähnen war eines Königs nicht würdig.

Am nächten Tag wurde die Hochzeit in Palermo mit großem Zeremoniell gefeiert. Der päpstliche Legat (Gesandter des Papstes) konnte dem Heiligen Vater melden, daß der junge Monarch die Ehe mit Konstanze in der Hochzeitsnacht dreizehnmal vollzogen hatte. In seiner Frau fand Friedrich eine Partnerin, der er vorbehaltlos vertraute und mit der er sich immer beraten konnte. Zu aller Verwunderung gelang diese Ehe. Denn an Konstanzes Seite wurde aus dem pupertierenden Jüngling ein zielstrebig handelnder Monarch, der sich von niemandem seinen universalen Machtanspruch streitig machen ließ - auch nicht vom Papst.

 

Kurzinfo:

Friedrich II. wurde am 26. Dezember 1194 im Städtchen Jesi, in der Mark Ancona, geboren und starb am 13.12.1250. Sein Vater, Kaiser Heinrich VI., starb 1197. Zu Pfingsten 1198 wurde Friedrich zum König von Sizilien gekrönt, nach dem Tod seiner Mutter, im November 1198, zum Spielball widerstreitender politischer Interessen. 1209 heiratete er Konstanze von Aragon (gest. 1222). 1212 wählten ihn die deutschen Fürsten zu ihrem König, und 1220 setzte er seine Kaiserkrönung in Rom durch. 1220 ließ er seinen ältesten Sohn Heinrich VII. zum deutschen König krönen. 1228/29 unternahm er den unblutigsten und erfolgreichsten Kreuzzug. Er eroberte das Heilige Land durch geschickte Verhandlungen und wurde zum König von Jerusalem gekrönt. Friedrich regierte ein großes Reich nördlich der Alpen und einen modernen Zentralstaat in Süditalien. Sein Hof war Mittelpunkt der Wissenschaften und Künste.

 

 

Anna von Sachsen                (

 

Zu Hause in Dänemark hatte Anna von Sachsen gelernt, selbst mitzuarbeiten. Am liebsten arbeitete sie in ihren Kräutergärten. Der frühe Tod ihrer Kinder bewegte sie dazu, heilsame Arzneien zu entwickeln, die sie für Arme und Reiche mixte.

Man schrieb den 8. Oktober 1548 und der Tag versprach ein "goldener" Oktobertag zu werden. Strahlend ging die Sonne über der Elbniederung östlich von Torgau auf, und schon bald vertrieben ihre Strahlen die Frühnebel.

Die dänische Prinzessin Anna hatte unruhig geschlafen und unruhig ging sie jetzt auch auf und ab. Sehr zum Ärger ihrer Kammerzofen und Hofdamen, denn wie um alles in der Welt sollten sie eine Braut ankleiden, die nicht für einen Augenblick bereit war, stillzustehen.

Das Torgauer Schloß Hartenfels - eine der alten trutzigen Burgen, die die Elbelinie säumten - hatte sich an diesem Tag besonders festlich herausgeputzt. Farbenprächtige Tuchbahnen hingen aus den Fenstern und von Balkonen, und die Türme und Giebel waren mit Fahnen und Bannern geschmückt. Der Anlaß für diesen Prunk war die Hochzeit Annas mit dem sächsischen Prinzen August, dem jüngeren Bruder des regierenden Kurfürsten, und der Gedanke an ihren Bräutigam ließ die Sechzehnjährige erneut ihre unruhige Wanderung aufnehmen.

August war ein stattlicher junger Mann, gutaussehend und sechs Jahre älter als sie. Zwar hatte sie ihn erst einmal gesehen, vor einem halben Jahr, als er zur Verlobung nach Kolding kam, aber es war die berühmte Liebe auf den ersten Blick gewesen und am liebsten hätte sie ihn sofort nach Deutschland begleitet.

Aber leider, so einfach war es nicht, wenn eine Königstochter einen Königssohn heiratete. Der Mann ihrer älteren Schwester, der Herzog von Braunschweig-Lüneburg, der die Verbindung nach Sachsen geknüpft hatte, mußte zunächst den Ehevertrag aushandeln - und das war eine zeitraubende Angelegenheit.

Anna war  heilfroh, als man sich im September endlich auf den Weg nach Süden machen konnte. Mit 657 Pferden reisten die Dänen an und mit 30.000 Talern Mitgift. Man hatte Anna viel freundliches über den Hof berichtet.

Wieder sprang sie auf und lief zum Fenster, weil sie im Schloßhof Hufschläge hörte. War August gekommen? Da kam eine Hofdame, Barbara von Kahlenberg, auf den rettenden Gedanken. " Königliche Hoheit "  , sagte sie, " ich bin untröstlich, aber auf der Reise ist eins Eurer schönen Bänder entzwei gegangen - Wäret Ihr so gütig, mit Hand anzulegen, während wir uns um die Frisur kümmern?"

Mit diesen Worten drückte sie der nervösen Prinzessin ein perlenbesetzes Band und Nähzeug in die Hand. Die sächsischen Höflinge erstarrten. Welche Respektlosigkeit! Aber Annas dänischer Anhang wunderte sich nicht, daß sich die Prinzessin widerspruchslos an die Arbeit machte und dabei endlich still sitzen blieb. Anna war es von Kind auf gewöhnt, nicht nur zu befehlen, sondern auch selbst tätig zu sein, zu kochen, zu backen, zu nähen - und ihre Hände nicht zu schonen. Die Sachsen sahen die Angelegenheit jedoch skeptischer.

Endlich war es soweit. August und Anna wurden in der Torgauer Schloßkapelle getraut. Elf regierende Fürsten nahmen an der Hochzeit teil und nahezu der gesamte sächsische Adel. August allerdings wirkte nicht recht glücklich. Er hatte den Eindruck, sein Bruder Moritz spiele sich als Gastgeber zu sehr auf und nutze seine Hochzeit als unverfängliche Gelegenheit, um Bündnisverhandlungen mit anderen Fürsten zu führen.

Anna hingegen genoß das Fest in vollen Zügen. Vier Tage lang. Am Ende nahm sie August, der nach und nach gelöster wurde, beiseite: " Drei Wünsche habe ich."  sagte sie.  "Sie sind dir gewährt."  antwortete August. " Ich möchte an jenem Ort, wo wir wohnen werden einen Kräutergarten anlegen und ein Laboratorium errichten." August nickte.

" Ich möchte, daß jedes Brautpaar im Land am Tage seiner Hochzeit zwei Obstbäume pflanzt." August nickte erneut. Den dritten Wunsch flüsterte Anna ihrem Gemahl ins Ohr. Am vierten Tage des Hochzeitsfestes, hieß es, sei das Paar stundenlang nicht auffindbar gewesen....

Zunächst wohnten Anna und August in Weißenfels. Später, als August Kurfürst wurde, folgte Anna ihm auf seinen Reisen quer durch Sachsen. Ihr Lieblingswohnsitz war Schloß Annaburg, das auf ihrem Besitz in der Lochauer Heide errichtet wurde. Hier verfügte sie über ein Destillierhaus und ein komplett ausgestattetes Laboratorium mit vier Öfen. Gleich daneben legte sie einen Heilkräutergarten an.

Sie erfand Essenzen für alle erdenklichen Leiden und gab sie unentgeltlich ab - an arm und reich. So genoß sie den Ruf, die erste Apothekerin Sachsens zu sein und das Volk verehrte seine Kurfürstin. Als sie starb trauerten nicht nur August von Sachsen und ihre vier Kinder, sondern ein ganzes Land um die " gute Mutter Anna ".

 

Kurzinfo:

Kurfürstin Anna von Sachsen wurde als Tochter des dänischen Königs Christian III. am 25. November 1532 in Haderslev/Nordschleswig geboren. Kurz vor Vollendung ihres 16. Lebensjahres wurde sie mit August, dem jüngeren Bruder des sächsischen Kurfürsten Moritz, verheiratet. Als Moritz 1553 starb, wurde August Kurfürst von Sachen, Anna Kurfürstin. Im Laufe ihrer Ehe gebar sie 15 Kinder, doch zehn davon starben vor Vollendung des vierten Lebensjahres, ein Sohn elfjährig. Nur der älteste Sohn Christian und drei Töchter überlebten die Eltern. Ihre traurigen Erfahrungen mit der Kindersterblichkeit weckten Annas Interesse an der Medizin. Ihre zahlreichen und wirksamen Arznei-Mischungen gegen alle nur denkbaren körperlichen und seelischen Leiden gab sie kostenlos an Fürsten und Bettler ab. Nur die Gläser verlangte sie zurück. Nebenbei förderte sie auch die Textilindustrie und die Gartenkultur. Auch Rezeptbücher stellte sie zusammen. Sie hat unzähligen Menschen geholfen, doch als die Pest wütete, erlag sie ihr hilflos. Am 1. Oktober 1585 starb sie in Dresden. Noch heute hält die Annen-Medaille " Soziales Sachsen"  die Erinnerung an die mütterliche Kurfürstin wach.

 

 

 

 

                                                                                            

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