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          Ritter, Burgen, Schlossbewohner

 

Das Mittelalter mit seinen Burgen war eine spannende Ära. Viele Aberglauben ranken sich um Burgen. Hier soll einmal aufgeführt werden wie eine Burg eigentlich entsteht, wer wirklich in ihr lebte und wie sich das Leben auf einer Burg abspielte.

Einleitung                                                                                          

Geschichte der Burg                                                                          

Burgen vor dem Mittelalter                                                               

Was waren die ersten Burgen                                                          

Arten von Burgen                                                                              

Aufgaben in einer Burg                                                                      

Bau einer Burg                                                                                   

Wer lebte auf der Burg                                                                        

Das Leben auf der Burg     

Tagesablauf und "Stilles Örtchen"     

Wände, Böden, Beleuchtung

Kleidung der Burgbewohner

Eßgewohnheiten und Mahlzeiten

Erziehung und Schule

Spiel/Unterhaltung    

Verteidigungsanlagen einer Burg

Große Feste und Festessen

Burgen nach dem Mittelalter

                                                        

                                                                                                    

   Kleines Mittelalter - Lexikon

 

                                                                             

 

 

 

 

  Einleitung

Kein anderes Bauwerk symbolisiert das europäische Mittelalter so sehr wie die Burg. Vermutlich auch deshalb, weil wir ihr überall begegnen. Burgen sind für jeden aus Sagen und Filmen mit unzähligen Geschichten und Geheimnissen verbunden. Wir denken an Geheimgänge und Schatzkammern, Kerker und Folterknechte, Burgfräulein und edle Recken.

Doch wenn wir dann einmal eine Burg besuchen, tauchen ganz banale und doch spannende Fragen auf. Wie schafften es die Menschen damals, die gewaltigen Mauern ohne Hilfsmittel unser Zeit zu errichten? Wie funktioniert eigentlich eine Zugbrücke? Wie war das mit der Körperpflege, den Kinder, der Erzihung usw.?In diesem Bericht soll all das und mehr geklärt werden. Viel Vergnügen dabei !! - cat7211 -

                       

  

                                                     

Geschichte der Burg

 

 

Jens, Ludewig und Heinrich hatten Angst. Jens, dem Bauern, stand der blanke Schrecken noch im Gesicht, als er seinem König berichtete: " Sie kamen ohne Vorwarnung. Ich sah, wie sie auf ihren kleinen struppigen Pferden aus dem Wald hervorbrachen und auf unsere Häuser zusprengten. Pfeile surrten durch die Luft, einige von ihnen brannten und trafen unsere Schilfdächer. Obwohl es mir noch gelang, das schwere Holztor zu schließen und mit einem Balken zu verriegeln, hatten wir keine Chance. Während wir vergeblich versuchten, im Hagel der Pfeile das Feuer zu löschen, warfen sie Schlingen über den Palisanderzaun, banden die Hanfseile an ihre Pferde und rissen ihn nieder. Sie erschlugen alle Männer und Knaben, raubten all unsere Habseligkeiten und Vorräte und schleppten die Frauen gebunden mit sich fort. Mich ließen sie liegen, weil sie mich für tot hielten......"

Ludewig, der Graf, hatte doppelt Angst. Einmal vor dem unheimlichen Feind, der seit Jahren immer wieder in seine Grenzmark einfiel, und dann vor seinem König, der ihn enttäuscht anblickte.

" Gegen diese Horden haben wir keine Chance, Herr ! Wir kommen immer zu spät ! Natürlich merken wir bald, daß sich Ungarn in unseren Wäldern aufhalten. Wer könnte schon die Rauchwolken und Feuersäulen, die ihren Weg säumen, übersehen " , bemerkte er verbittert.

" Aber sie stellen sich ja nicht zum Kampf ! Bis wir zu dem Dorf marschiert sind, das sie überfallen haben, finden wir nur noch Leichen und verbrannte Häuser. Manchmal gelingt es einigen Leuten, sich zu verstecken oder sich tot zu stellen, so wie Jens. Wir sind einfach zu langsam, wir können uns hier nicht mehr halten. Alles, was wir aufbauen, zerstören diese elenden Räuber. Gott straft uns, mein König. "

Heinrich I., der König, hatte auch Angst, aber natürlich durfte er sie nicht zeigen. Vielleicht ist das Ende der Welt ja wirklich da, so wie die Priester es hervorsagen, dachte er. Und wie kämpfen gegen die Horden Satans, die jetzt überall auftauchen. Die ungläubigen Sarazenen im Süden, die gottlosen Wikinger, die auf ihren schnellen Schiffen die Flüße hinauffahren und unsere Siedlungen überfallen, und hier im Osten die Ungarn. Aber jetzt, im Jahre 923 des Herrn, waren es noch 77 Jahre bis zum jüngsten Gericht. Und um dort zu bestehen und die ewige Seligkeit erlangen zu können, hatte sich ein jeder Christenmensch hier und heute zu bewähren.

" So kann es nicht weitergehn " , sagte der König mehr zu sich selbst als zu seinen Gefolgsleuten. " Wir müssen handeln, aber anders als bisher. Es nützt überhaupt nichts, wieder einmal mit einem noch so großen Heer in die Steppen des Ostens zu ziehen. Die Ungarn haben keine Städte, keine fest umgrenzten Herrschaftsgebiete, die wir einnehmen könnten. Ich werde eine Gesandtschaft zu den ungarischen Herrschern schicken und ihnen mehr Tribute und Gold anbieten, als sie hier zusammenrauben könnten .... "

Entgeistert hörten Jens und Ludewig ihrem bitter lächelnden Herrn zu. " Zehn Jahre Waffenstillstand will ich uns so erkaufen. Und in dieser Zeit werden wir unsere eigenen Reiterheere schaffen, besser gepanzert und fast ebenso schnell wie diese Räuber und Mörder, ein wirkliches Ritterheer.

Vor allem aber müssen wir uns besser gegen deren Überfälle schützen. Überall müssen wir schwer angreifbare, befestigte Plätze schaffen, von denen aus wir das Land überwachen und in die sich die Bauern mit ihren Familien, Tieren und Vorräten zurückziehen können, wenn der Feind gesichtet wird. Dann, Jens, wirst du Hab und Gut nicht mehr verlieren und du, Ludewig, wirst nicht mehr zu spät kommen. Laßt uns also Burgen bauen ! "

                              

                                              

Gab es schon Burgen vor dem Mittelalter?

 

 

Schon in grauer Vorzeit suchten die Menschen nach Plätzen, die schwer zu entdecken und anzugreifen waren. Das konnten abgelegene Täler oder andere Orte sein, die durch Felsen, einen Fluß oder See an fast allen Seiten geschützt waren. Der schmale Zugang wurde mit einem Holzzaun oder einem Steinwall versperrt, so daß sich auch wenige Verteidiger gegen eine feindliche Übermacht verteidigen konnten. Wann immer Gefahr drohte, zogen sich Mensch und Tier in solche Fluchtburgen zurück.

Die meisten Burgen wurden zwischen dem 9. und dem 16. Jahrhundert gebaut, als Fürsten fast ständig miteinander Krieg führten. In diesen Jahrhunderten entstanden in ganz Europa und im Nahen Osten Burgen. Internationale Kriege, insbesondere die Kreuzzüge, beschleunigten den Burgenbau.

Die großen Zivilisationen des Altertums schützten ihre Dörfer und Städte durch Holz- oder Steinmauern, wobei immer daran gedacht wurde, ob nicht auch ein natürlicher Schutz durch Wasser oder Gegebenheiten des Geländes ausgenutzt werden konnten.

Unsere Vorfahren, die Germanen, lernten den Bau von Befestigungsanlagen vor allem von den Römern. Da gab es zunächst das viereckige, von einem Wall und oft mehreren Gräben umgebenes Kastell, das die Legionen vor feindlichen Überfällen schützen sollte. Die Kasernen, Stallungen und Vorratshäuser waren auf allen Seiten von einer oft bis zu 4 Meter dicken und 6 bis 8 Meter hohen Mauer umgeben. An jeder Ecke stand noch ein gewaltiger Wachturm, von dem aus das Umland überblickt werden konnte. Das solche Kastelle auch in anderen Ländern Vorbilder für den Burgen Bau waren, spielgelt sich zum Beispiel im französischen Wort für Burg " chateau ", und im italienischen " castello " wider.

Der eigentliche Vorläufer unserer Burgen - und das geht schon aus seinem Namen hervor - war der römische " burgus " . Das war ein viereckiger Wachturm, der von einem starken Zaun aus Holzpfählen, einer Palisade und einem Wassergraben umgeben war. Auf einer Fläche von 7 mal 7 bis hin zu 14 mal 14 Metern ragte er 15 bis 25 Meter in die Höhe und hatte mehrere Stockwerke. Im Erdgeschoss, das bis auf den Eingang keine Öffnung hatte, lagerten die Vorräte, darüber lebte die kleine Besatzung. Im obersten Stockwerk gab es eine Art Balken, der ringsherum lief und von dem aus man das ganze Land überblicken konnte.

                                  

                                                              

  Was waren die ersten Burgen ?

 

 

Die ersten Burgen waren aus Holz gebaut und sahen gar nicht so mächtig aus. Am weitesten verbreitet war die " Motte " . Auf einem oft künstlich aufgeschütteten Hügel stand ein zwei- oder dreistöckiger Turm, der von einer Holzpalisade umgeben war - eine  "Turmhügelburg " also, wie der deutsche Ausdruck dafür lautet.

Am Fuß der Motte entstand meist eine Art Wehrdorf, die Vorburg, die ebenfalls durch eine Palisade geschützt war und von der aus eine Treppe in die höher gelegene Burg führte. Hügel und Dorf wurden manchmal noch durch einen künstlich angelegten Wasser graben befestigt.

Wenn ein feindlicher Angriff drohte, flüchteten die Bauern mit ihren Tieren und Vorräten zunächst in die Vorburg, die zuerst verteidigt wurde. Erst wenn sie zu fallen drohte, zogen sich alle Bewohner in den schwerer einzunehmenden Turm auf dem Hügel zurück. Während dieser Zeit der Wikingereinfälle entstanden tausende solcher Motten, von denen einige noch Jahrhunderte später neben den eigentlichen Ritterburgen zu finden waren.

Ein Schwachpunkt dieser Burgen lag darin, daß sie aus Holz gebaut waren. Die Mauern hielten Rammböcken und Steinschleudern nicht lange stand, vor allem aber gerieten sie schnell in Brand. Darum begann man bald, den unteren Teil der Mauern und später den ganzen Bau aus Stein herzustellen. Bisweilen verzichteten die Herren dieser Wohntürme darauf, sie auf künstlichen Hügeln zu errichten, und umgaben sie stattdessen nur mit einem breiten Graben

          

Weil Burgen vor allem zur Abwehr von Angreifern dienten, hielten die Bauherren nach einem Gelände Ausschau, daß möglichst viel natürlichen Schutz bot. Lebenswichtig bei der Auswahl des Platzes war die Wasserversorgung. Eine tiefe Quelle, die in Dürrezeiten nicht versiegte und auch von anderswo nicht zugänglich war, damit eine  Belagerung überstanden werden konnte, war Voraussetzung. Zudem sollte die Burg nicht zu weit von den Gehöften und den Handelswegen entfernt sein, denn schließlich wollte der Burgherr von seiner Burg aus sein ganzes Leben verwalten.

                            

     

                                                        

  Welche Arten von Burgen gab es?

 

 

Bevorzugte Bauplätze waren Hügel oder Bergkuppen, die möglichst steil nach allen Seiten abfielen und noch dazu einen weiten Ausblick ins Land boten. Der Vorteil solcher Höhen- und Gipfelburgen lag auf der Hand: Rammböcke oder gar Belagerungstürme konnten, wenn überhaupt, nur mit Mühe hinaufgeschafft werden und waren dabei von oben leicht mit Steinen und Brandpfeilen zu treffen. Allerdings gestaltete sich der Transport des Baumaterials äußerst mühsam. Oft waren teure und schwierige Brückenkonstruktionen erforderlich, die in Friedenszeiten Pferden und Wagen den Aufstieg zur Burg erleichterten.

Dieser Nachteil wurde vermieden, wenn man ein Gelände fand, das an drei Seiten natürlichen Schutz und an der vierten bequemen Zugang bot. Dies konnte zum Beispiel eine vorspringende Bergzunge oder eine Flußschlaufe sein. Den zum übrigen Land offenen Teil solcher Zungenburgen riegelte man durch mächtige Mauern und einen besonders massiven, gut geschützten Torbau ab.

Aber nicht überall bot die Landschaft so gut geeignete Plätze für den Burgenbau. In der norddeutschen Tiefebene zum Beispiel waren dickere Mauern und tiefere Gräben als anderswo nötig. Oft ließen die Bauherren auch Hügel künstlich aufschütten und leiteten das Wasser eines nahen Flußes oder Sees in den Graben. Der Vorteil solcher Wasserburgen lag darin, daß sie in der Nähe der Äcker und Viehweiden der Bauern lagen.

Zu diesen Grundtypen gab es noch viele Varianten. Höhlenburgen wurden zum Beispiel unter Ausnutzung einer natürlichen Höhle in den Berg hineingemeißelt. Inselburgen entstanden auf einer natürlichen oder künstlich angelegten Insel in einem See oder Fluß.

                               

                                                                 

Aufgaben in einer Burg

 

 

Im Laufe der Zeit entwickelten sich die Burgen zum Mittelpunkt der Verwaltung, von dem aus der Burgherr selbst oder sein Vertreter, der Burgvogt, die Abgaben der Bauern kontrollierte und einzog. Hier fanden die Gerichtstage statt, wurden öffentlich Strafen vollzogen und Verträge und Abmachungen vom Schreiber festgehalten und besiegelt.

Zudem war die Burg der Wohnsitz der Familie, der so bequem und behaglich wie möglich sein sollte. Hinzu kam, daß es für den höheren Adel immer wichtiger wurde, nicht nur eine wehrhafte, sondern auch eine repräsentative Burg zu besitzen.

Je prächtiger die Burg, umso höher das Ansehen bei den Standesgenossen. Eindruck konnte man offenbar mit einer möglichst hohen Burg machen, denn vom 13. Jahrhundert an versuchten Ritter sich gegenseitig mit immer höher aufragenden Bauten zu übertrumpfen.

Mächtige Fürsten wie Herzöge und Grafen besaßen sogar mehrere Burgen, die ihren Reichtum und ihre Macht widerspiegeln sollten. Kaiser und Könige hatten schon im frühen Mittelalter in verschiedenen Städten Pfalzen (von lateinisch palatium = Palast) mit besonders reich ausgeschmückten Räumen und einem Thronsaal, in dem sie Audienzen gaben und zu Gericht saßen.

Während Pfalzen eher befestigte Stadtschlösser waren, ließen spätere Herrscher mächtige Bauten wie zum Beispiel die Kaiserburg in Nürnberg errichten. Ursprünglich hatte diese Burg dazu gedient, die wichtige Handelsstraße zwischen Regensburg und dem oberen Main zu kontrollieren. Später wurde sie aber vor allem als Prachtbau genutzt, in dem die Herrscher Gäste empfingen und Hoftage abhielten.

                              

                                                                            

  Bau einer Burg

 

 

War der beste Standort für die Burg gefunden,konnte der Burgherr nicht etwa sofort mit dem Bau geginnen. Vielmehr mußte er zunächst die Einwilligung seines Lehnsherren einholen. Denn die Könige und Landesherren wußten aus bitterer Erfahrung, daß es sich in so einer Festung nicht nur Ungarn, Sarazenen und Wikingern, sondern auch ihnen selbst trotzen ließ.

Deshalb genehmigten sie den Burgbau nur Vasallen, denen sie trauten und die zudem dafür einen guten Grund nachweisen konnten. Dieser konnte zum Beispiel in der Sicherung einer Grenze, einer wichtigen Handelsstraße, eines Flußüberganges, eines Klosters oder einer Stadt bestehen.

Adlige, die es versäumten, vorher um die Baugenehmigung zu bitten, mußten damit rechnen, daß ihe " illegal " errichteten Burgen von den Truppen des Königs oder Landesherren geschleift wurden. Doch zum Ende des Mittelalters hin betrachteten immer mehr Adlige den Grund und Boden, den ihre Familien vor Jahrhunderten als Lehnen erhalten hatten, als ihr Eigentum, auf dem sie auch ohne Erlaubnis bauen konnten. Nicht selten gaben die Lehnsherrn ihre Einwilligung nachträglich.

Stimmte der Lehnsherr dem Bau einer Burg zu, trat er damit zugleich das Recht des  "Burgbann "  ab. Das bedeutete, daß er alle im Umkreis der geplanten Burg lebenden Menschen zur Arbeit verpflichten konnte. Als Gegenleistung waren diese berechtigt, im Kriegsfall in der Burg Schutz zu suchen.

                               

  Als erstes nahm der Bauherr einen Baumeister in seine Dienste, der für die Planung der Bauarbeiten sowie deren Beaufsichtigung zuständig sein sollte. Meist war es ein erfahrener Meister, der nach einer langen Lehrzeit als Steinmetz oder Maurer auf mehreren großen Baustellen bei einem Kirchen- oder Burgenbauer eine Fachausbildung erhalten hatte. Die Namen solcher Könner wurden in Adelskreisen von Mund zu Mund weitergegeben.

Nachdem eine hübsche Summe Gold vereinbart war, besprachen Bauherr und Baumeister, wie die Burg aussehen sollte. Vorbild war meist eine Burg, die der Bauherr gesehen und die ihm besonders gut gefallen hat. Der Baumeister schlug Neuerungen vor, die sich inzwischen durchgesetzt hatten und auch beim Bau dieser Burg verwirklicht werden sollten.

Auch vereinbarte er mit dem Burgherrn, welche Räume in der Burg untergebracht und welche Gebäude um den Burghof herum stehen sollten. Dann berechnete er, welche und wie viele Arbeitskräfte gebraucht würden und was an Baumaterial benötigt würde. Um die hohen Baukosten zahlen zu können, mußte der Ritter, zusätzlich zu erhöhten Abgaben für seine Untergebenen, verkaufen oder Schulden machen.

Einen richtigen Plan mit Auf- und Grundriß, wie ihn heutige Architekten zeichnen, gab es nicht. Vielleicht ritzte der Baumeister eine Skizze auf Holz oder in den Erdboden. Vor Baubeginn aber wurde der Grundriß auf dem Gelände mit Stäben und Richtschnüren abgesteckt.

Bei sehr schwierigen Bauabschnitten, wie zum Besipiel dem Gewölbe der Kapelle, fertigte der Baumeister Detailzeichnungen an, ansonsten aber verließ er sich auf seine Erfahrung. Weil er als einziger den Bauplan im Kopf hatte, war der Baumeister unkündbar, und es war eine Katastrophe, wenn er während der Bauzeit verstarb.

                             

 Die Jahre des Burgenbaus waren für alle Bauernfamilien der Umgebung eine große Belastung, mußten sie doch hunderte von unentgeltlichen Arbeitsstunden leisten. Im Auftrag des Burgherrn zog sie der Baumeister zu allen Arbeiten heran, für die keine Spezialkenntnisse erforderlich waren. Das begann mit dem Herausbrechen von Felsblöcken im Steinbruch, dem Fällen von Bäumen und dem Roden des Bauplatzes. Mit ihren Ochsengespannen mußten sie Holz, Steine, Sand und Kalk herbeischaffen. Bei den Bauarbeiten gingen sie den Handwerkern zur Hand.

Zu den Handwerkern gehörten Steinmetze und Maurer, Zimmerleute und Dachdecker, Schmiede und Klempner und noch andere. Neben freier Kost und Logis erhielten sie einen guten Lohn. Nach Beendigung der Bauarbeiten zogen die meisten von ihnen zur nächsten Baustelle. Manche Handwerker blieben auf der Burg und hielten Gebäude und Anlagen in Ordnung.

                               

Die Mauern der Burg waren am Boden oft bis zu zwei Meter, die der Wohntürme manchmal sogar bis zu vier Meter dick. Nach oben nahm die Mauerstärke allerdings ab, weil dort keine Rammböcke oder andere Mauerbrecher zu befürchten waren. Die Steinblöcke für die Mauern wurden zunächst von Lehrlingen mit Hammer und Meißel grob behauen. Dann machten sich Gesellen und Meister der Steinmetze in den vor Wind und Regen geschützten Bauhütte an die Feinarbeit und brachten die Blöcke in die gewünschte Form. Besonders angesehen waren die " Bildhauer "  unter ihnen, die Säulen, Rungbögen und gelegentlich auch kleine Figuren herstellten.

Damit die Mauern möglichst jedem Ansturm standhielten, benutzte man zum Binden der Steine Mörtel. Neben Wasser und Sand brauchte man dafür Zement. Man stellt ihn aus zerkleinertem Kalkstein her, der in Öfen gebrannt und dann zermahlen wurde. Noch besser geeignet als Kalkstein war Marmor, weshalb den Kalkbrennern manch antike Statue zum Opfer fiel.

Jeder Maurermeister besaß für seinen Mörtel ein Geheimrezept, zu dem gelegentlich so merkwürdige Zutaten wie Kohlenstaub, Wein oder gar Buttermilch gehörten. Eine Mauer bestand aus drei Schichten. Außen und innen wurden Quadersteine sorgfältig aneinander gefügt und gut gemörtelt. Den Zwischenraum zwischen den beiden schmalen Mauern füllte man mit Geröll, Bruchsteinen und Mörtel aus.

Türme waren wichtige Teile der Verteidigungsanlage und wurden besonders sorgfältig befestigt. Jeder Turm enthielt drei Stockwerke, die durch eine ins Mauerwerk gebaute Wendeltreppe miteinander verbunden waren.

                               

Wenn die Mauern und Türme über Mannshöhe hinauswuchsen, brachten die Zimmerleute Baugerüste an. Diese bestanden aus senkrecht, waagerecht und diagonal verlaufenden Pfählen, die mit Seilen fest zusammengebunden waren. In Löcher, die im Mauerwerk freigelassen waren, stieß man nun Querbalken, an denen man das Gerüst befestigte. Auf diese Balken, die im Abstand von etwa zwei Metern jeweils einen halben Meter versetzt angebracht waren, nagelte man Bretter, so daß schräge, leicht nach oben führende Rampen entstanden.

Darauf wurden Steine, Mörtel und anderes Baumaterial heraufgeschleppt oder auf einem angeseilten Schlitten hochgezogen. Die sogenannten Rüstbalkenlöcher sind noch heute an vielen Burgmauern zu finden.

Hatte die Mauer die gewünschte Höhe erreicht, wurde eine schmale Brustwehr gebaut. In ihr wechselten sich hohe und niedrige Teilstücke ab. In den hohen, den Zinnen, blieben schmale Schlitze frei, die den Bogenschützen als Schießscharten dienten. Durch die niedrigen, etwa einen Meter hohen Abschnitte, die Zinnenfenster, konnten Wurfgeschosse auf die Angreifer hinabgeschleudert werden.

                            

Die Böden zog man so ein: Während des Mauerns legte der Baumeister die Höhe der Stockwerke in Türmen und mehrgeschossigen Wohngebäuden fest. Die schweren Tragbalken, auf denen die Querbalken der Decke verlegt werden sollten, schob man in Löcher, die in den Mauern vorgesehen waren, oder legte sie auf Steinvorsprünge. Bei größeren Räumen reichte dies allerdings nicht aus. Die Zimmerleute setzten dann von unten noch mächtige Holzpfeiler ein, damit der Fußboden auch bei großer Belastung nicht einbrechen konnte.

Jedes einzelne Holzstück wurde in der Werkstatt neben der Baustelle vorgefertigt. Die Handwerker legten die Balken und Bretter nebeneinander und passten sie aneinander an. Auch bohrten sie die Löcher vor, in die später Holzstifte - meist aus dem besonders harten Holz des Eichenkerns - getrieben wurden.

                           

In der Anfangszeit waren die Dächer der Burggebäude, wie auch die der Bauernhäuser, mit Bündeln aus Schilf, Stroh oder Farnen gedeckt. Diese feuergefährdeten Dächer fielen nach innen ab, damit sie nicht so leicht in Brand geschossen werden konnten.

Im späten Mittelalter bevorzugten die Bauherren Ziegeldächer. Wer es sich leisten konnte und einen entsprechend starken Dachstuhl hatte, nahm sogar Bleiplatten. Die wurden in einem Sandbett gegossen und damit " geklampft " , das heißt, zusammengefügt. Der Dachklempner stellte auch die Bleirohre her, durch die das Regenwasser in eigens dafür gefertigte Behälter, die Zisternen, floß.

Die kleineren Gebäude in der Burg wurden im Fachwerkhaus hergestellt. Die Zimmerleute fertigten dafür ein Holzgerüst aus senkrecht und waagerecht verlaufenden Holzbalken. Dazwischen wurde aus biegsamen Weidenruten eine Art Gitter geflochten. Maurergesellen vermengten dann Lehm, Stroh, Tierhaare und Mist, bewarfen das Geflecht mit dieser Mischung und strichen sie glatt. Nach dem Trocknen wurden sie noch leicht getüncht.

Besonders schwierig war der Bau eines Gewölbes, das deshalb meist nur bei der Burgkapelle vorkam. Zunächst fertigten die Zimmerleute ein Gerüst, das die Steine, die man aufeinander mauerte, stützte. Im Mittelpunkt fügte man den Schlußstein ein, der so maßgefertigt war, daß er fast fugenlos passte. War er gesetzt, hielt sich das Gewölbe von allein und das Gerüst konnte entfernt werden.

                               

Wasser wurde zum Trinken, Kochen, Waschen, Putzen, aber auch zum Säubern der Ställe und Wegspülen von Unrat gebraucht. In fast allen Burgen war im Untergeschoß ein tiefer, ummauerter Brunnen untergebracht. Er wurde von einer unterirdischen Quelle gespeist, die in trockenen Jahreszeiten nicht so schnell versiegte und auch von möglichen Angreifern nicht umgeleitet oder gar vergiftet werden konnte. Das Wasser wurde in Holzeimern, die an langen Seilen hingen, heraufgezogen.

Manchmal stand der lebenswichtige Brunnen auch mitten im Burghof. Dann lag er allerdings geschützt in einem hölzernen Brunnenhaus, damit weder Unrat noch Tierexkremente das Wasser ungenießbar machen konnten.

In Friedenszeiten schickte man Wasserträger zum nahen Fluß. Sie trugen eine Holzstange auf dem Rücken, an deren beiden Enden je ein Eimer hing. Oft führte man das Regenwasser über mit Blei ausgekleidete Kanäle in große, unter dem Dach angebrachte Zisternen. Von diesen Behältern, in denen sich der Schmutz unten absetzte, wurde das Wasser durch Rohre in die darunter liegenden Stockwerke geleitet. Dieses  "fließende "  Wasser war allerdings purer Luxus.

                              

Zu Beginn des Mittelalters waren die meisten Burgen enge, von einer Ringmauer umgebene Wohntürme. Im Hochmittelalter gingen die Burgherren dazu über, statt des einfachen Wohnturms ein geräumiges, mehrgeschossiges Wohngebäude zu errichten. Dies war der Palas.

Es war ein Bau mit dicken Mauern. In Bodennähe gab es weder Türen noch Fenster, so daß die Räume im Erdgeschoß kein natürliches Licht erhielten. Hier befand sich das Vorratslager, der Weinkeller und ein tiefer, ummauerter Brunnen, der auch während einer Belagerung genug Wasser für alle Burgbewohner lieferte. Auf dieser Ebene oder gar noch tiefer waren auch die Gefängnisse untergebracht.

Zur Eingangstür im ersten Obergeschoß führte eine Holztreppe. Oft war sie sehr eng, um Angreifern, die es bis hierher geschafft hatten, das weitere Vordringen zu erschweren. Durch einen kleinen Vorraum gelangte man in die Große Halle, auch Rittersaal genannt. Hier stand an einer Wand ein riesiger Kamin und in der Mitte waren Tische und Bänke aufgestellt. Der hölzerne Foßboden war mit Stroh bestreut oder mit Binsenmatten belegt. Die Halle, der größte Raum im Palas, diente gleichzeitig als Empfangs- und Speiseraum für Gäste und Burgbewohner.

Während man im Wohnturm meist nur über eine Holzleiter ins nächste Stockwerk gelangte, führte nun oft eine Wendeltreppe nach unten und oben. In einer Ecke befand sich eine Falltür, darüber ein Holzgestell mit einer Seilrolle und einer Winde. Mit dieser Vorrichtung konnte man schwere Lasten hochhieven.

Die Wohn- und Schlafräume der Familie der Burgherren lagen in einem oder mehreren Geschossen darüber. Die Kemenate ( Kaminzimmer ) verdankt ihren Namen dem Kamin, der sie oft zum einzigen beheizbaren Raum in der ganzen Burg machte. Sie diente gewöhnlich als Wohn- und Schlafraum. Manchmal gab es auch einen abgetrennten Kemenatenbau mit mehreren Räumen, darunter eine Kapelle, die Waffenkammer, in dem gesponnten, genäht oder gestickt wurde.

                             

Den Palas, der selbst schon eine kleine Festung war, umgab noch eine Ringmauer. Der Burghof bot hier nur wenig Platz für Nebengebäude, die sich entlang der Mauer drängten. Bei größeren Burganlagen war diesem Kernbereich noch ein durch Mauern und Tore abgetrennter Teil, die Vorburg, vorgelagert. Hier fanden viele Nebengebäude Platz.

Zu den wichtigsten Nebengebäuden einer Burg gehörte die Küche, die man wegen der offenen Herde und der damit verbundenen Feuergefahr nur ungern im Palas unterbrachte. Wenn irgend möglich, wurde sie in einem eigenen Gebäude direkt an die Ringmauer verlegt. Damit die Speisen aber nicht kalt wurden oder verregneten, verband man Küche und Palas oft mit einem überdachten Gang. Neben der Küche befand sich manchmal eine Spülküche und der Backofen. Auch ein Ziehbrunnen war meist nicht weit entfernt.

Die Gesindehäuser erstreckten sich, wenn vorhanden, entlang der Mauern der Haupt- oder Vorburg. Auch die Schmiede sowie die Werkstätten von Zimmermann und Steinmetz waren hier untergebracht. In einer Ecke des Burghofs befand sich ein Kräutergarten. Ein paar Obstbäume gab es auch und manchmal sogar einen Fischteich oder eine Bärengrube. Die Pferdeställe waren ebenso an die Burgmauern angebaut wie der Taubenschlag und der Mauserkäfig, in dem die Jagdfalken gehalten wurden.

Dem inneren Burgtor mit Zugbrücke und Fallgitter war ein zusätzliches, Barbakane genanntes Torwerk vorgelagert. Gelang es dem Feind, diese Befestigungsanlage zu überwinden, wurde er von der Hauptburg aus unter Beschuß genommen.

                                

                                                 

  Was für Leute lebten auf der Burg ?

 

 

Auf einer mittleren Burg mit einem Palas und einer Ringmauer lebten etwa 60 bis 80 Menschen. Davon gehörte ein gutes Dutzend allein zur Familie des Burgherrn, die meisten von ihnen Kinder und unverheiratete Verwandte. Dazu kamen etwa zehn Kriegsknechte, die auf den Mauern Wache gingen und sich ständig im Waffendienst übten. Auch legten sie bei den laufenden Ausbesserungen der Mauern und sogar bei der Ernte mit Hand an. Manchmal halfen sie dem Burgvogt, der die Burg verwaltete, auch beim Eintreiben der Steuern und Abgaben.

Die Hauptarbeit auf den burgeigenen Feldern, Rebbergen und Wäldern versahen die Knechte. Ihre Frauen dienten der Burgherrin als Mägde. Daneben gab es noch einige Handwerker, darunter einen Steinmetz und einen Zimmermann, die die ständig anfallenden Reparaturarbeiten ausführten oder beaufsichtigten. Dazu kam noch ein Schmied, dessen Hauptaufgabe das Beschlagen der Pferde und das Repariern der Waffen war. Für das seelische Wohl sorgte der Burgkaplan, der meist zugleich Pfarrer der umliegenden Dörfer war.

In größeren Bauanlagen tummelten sich hunderte von Menschen. Neben dem Burgvogt gab es hier Schreiber und Gerichtsdiener. Die Küche unterstand einem Küchenmeister. Ein Stallmeister sorgte für die Pferde. In der Vorburg siedelte der Burgherr Handwerker an, die Waren wie Töpfe, Leder, Kerzen und sogar Waffen herstellten. Große Herren hatten einen Jägermeister, dem die Jagdgehilfen und die Jagdhunde unterstanden.

                       

Auch wenn es in Ritterfilmen oft anders dargestellt ist, so hatte der mittelalterliche Burgherr doch hauptsächlich friedliche Aufgaben in der Verwaltung eines oft großen Gebietes zu erfüllen. So schlichtete er Streitigkeiten, hielt Gericht und legte Abgaben und Frontage fest. Mit Hilfe des Burgkaplans oder eines Schreibers - nur in den seltesten Fällen konnten Ritter schreiben - ließ er Urkunden über Schenkungen, Erbstreitigkeiten, Urteile oder andere wichtige Geschäfte ausstellen.

Für die Haushaltung der Burg war die Burgherrin verantwortlich. Sie kontrollierte, was an Vorräten von den Bauern einging und was von fahrenden Händlern oder auf dem Markt in der Stadt dazugekauft werden mußte. Sie ordnete an, was täglich auf den Tisch kam, was geschlachtet werden sollte und welche Lebensmittel konserviert werden mußten. Die Mägde halfen bei der Zubereitung der Mahlzeiten und pflegten den Garten. Im Winter kam die Herstellung von Kleidern dazu.

                               

                                                          

Das Leben auf der Burg

 

 

Das Leben auf der Burg war weit weniger romantisch, als wir es aus Ritterfilmen oder Ritterromanen kennen. Die wenigen Kamine heizten nur unvollkommen die Räume, durch die an regnerischen und stürmischen Tagen der Wind pfiff. Nachts waren Hallen und Treppen wenig oder gar nicht beleuchtet. Im Streu auf dem Fußboden huschten Ratten und die Küchengerüche vermischten sich mit denen vom Unrat.

Alle Burgbewohner, auch die Familie des Burgherrn, arbeiteten von früh bis spät, nur der Sonntag blieb mit wenigen Ausnahmen frei. Es gab wenig Freizeit und noch weniger Abwechslung. Jeder freute sich auf die kleinen und größeren Feste, die den Alltagstrott unterbrachen.

Anders als wir heute wusch man sich auf einer Burg nicht regelmäßig am Abend und am Morgen. Dazu war auch das Wasser viel zu kostbar. Immerhin benetzten die meisten nach der Arbeit den verschwitzten Oberkörper und säuberten sich Hände, mit denen sie ja schließlich aßen. Neben dem Eßtisch stand deshalb auch eine Holzschale mit Waschwasser.

Baden war - mit Ausnahme eines Sprungs in einen sommerlichen Teich - eine Angelegenheit der Familie des Burgherrn. Nur sie konnte sich das teure Vergnügen leisten mit kostbarem Feuerholz Wasser zu erhitzen. Man goß es in einen Zuber, der meist ein in der Mitte durchgesägtes Faß war, und streute duftene Aromastoffe und Blüten hinein. Später lud man auch Freunde und Gäste zum gemeinsamen Bad ein. Dazu ließ man vom Zimmermann größere Zuber herstellen und an den Rändern sogar mit Stoff auskleiden, damit sich niemand einen Splitter einriß.

                         

Offen getragenes, langes Haar war der Stolz jeder Edelfrau und auch die Ritter pflegten den Bart und die halblange Pagenfrisur. Leider nisteten sich dort aber gern Läuse ein, die nur schwer loszuwerden waren. Mehrmals täglich benutzten Frauen wie Männer feine  Kämme, um die Läuse und ihre Eier, die Nissen, aus dem Haar zu entfernen. Auch Flöhe gehörten zu den Quälgeistern. Die Mägde hielten vorsichtig brennende Kerzen an die Kleider und versuchten so, das Ungeziefer zu verbrennen oder zumindest zu vertreiben. Doch weil all dies nicht viel half, kratzten und juckten sich die Burgbewohner unablässig.

 

                       

                                                          

  Tagesablauf in einer Burg

 

 

Der Tagesablauf der Burgbewohner richtete sich ganz nach der Natur. Sie ließen sich im Morgengrauen vom ersten Vogelgezwitscher oder Hahnenschrei wecken und der Tag dauerte, bis die Dunkelheit das Arbeiten unmöglich machte. Den Tag und die Nacht teilten die Menschen in jeweils zwölf Stunden ein, wobei eine Tagesstunde im Sommer natürlich viel länger als im Winter dauerte. Eine genaue Zeiteinteilung kannte man nicht, sie wäre auch niemandem sinnvoll erschienen.

Nur in größeren Burgen gab es einen " Wecker " in der Person des Türmers, der in seine Trompete blies, oder des Priesters, der mit der Glocke zur Frühmesse rief. Lange Zeit waren die Mönche überhaupt die einzigen, die die Zeit messen konnten. Zunächst benutzten sie dazu dicke Kerzen mit markierten Ringen. Immer wenn ein Ring heruntergebrannt war, war eine Stunde vergangen. Später gab es Wasser - und Sanduhren, die ähnlich funktionierten.

                              

In jedem Geschoß gab es einen oder mehrere Erker, in dem sich ein " heymlich Gemach "   (Stilles Örtchen ) befand. Der Sitz war eine Steinplatte mit einem runden Loch. Zum Teil waren die Aborte auch " mehrsitzig " . Gelegentlich gab es bequemere Sitze aus Holz und manchmal sogar ein Waschbecken.

Die Aborte der Ritterfamilien lagen am Kaminschacht und waren, weil Wärme nach oben steigt, sogar gemütlich warm. Zur Reinigung benutzte man Stroh oder einen Schwamm.

Das Ergebnis der " Sitzungen "  fiel durch einen senkrechten Schacht einfach in den Burggraben oder in extra angelegte Jauchegruben, die fürchterlich stanken. Und weil die Menschen des Mittelalters glaubten, daß giftige Dämpfe Krankheiten verursachten, legten sie großen Wert darauf, daß Jauchemänner regelmäßig Grube und Graben ausräumten.

                             

                                                         

Wände, Fußböden und Beleuchtung

 

 

Die meisten Innenwände der Burg waren weder verputzt noch getüncht. Lediglich in der Kapelle und im Wohnraum des Burgherrn fand sich ein Wandgemälde oder eine Zierleiste mit Ornamenten, ein so genanntes " Fries " . Ein Teppich war ein sehr luxuriöser Wandschmuck und galt als Zeichen besonderen Reichtums. Ebenso selten war Glas, das meist nur in den Buntglasscheiben der Kapelle zu finden war. Sonst waren die Fenster nach außen gewöhnlich klein und mit Läden verschlossen. Und wenn es Fensterscheiben gab, waren sie so kostbar, daß man sie an einem sicheren Ort verwahrte und nur herausholte, wenn der Burgherr oder Gäste zugegen waren.

Gelegentlich war die Kemenate mit Holz vertäfelt und manchmal der Fußboden mit Kacheln oder einem Mosaik ausgelegt. Ansonsten streute man Stroh oder gehackte Binsen auf den Holzboden, um ihn weicher und wärmer zu machen. Da sich darin aber viel Unrat sammelte, wurde etwa alle vierzehn Tage " ausgemistet ".

                        

Die Inneneinrichtung der meisten Burgen war sehr schlicht. In den Räumen der oberen Stockwerke konnte man auf Bänken in den Fensternischen sitzen. Daneben gab es dreibeinige Hocker. Im Rittersaal standen einige wenige geschnitzte Stühle mit hoher Lehne. Sie waren für den Burgherrn und seine Gemahlin sowie für Besucher bestimmt, während alle anderen an langen Tischen auf Bänken saßen.

Holztruhen dienten vor allem zur Aufbewahrung von Kleidern, zwischen die man Säckchen mit duftenden Kräutern wie Lavendel legte, was auch gegen Motten helfen sollte. Im Schlafgemach des Burgherrn standen kleine verschließbare Schränkchen, in denen Wertsachen, aber auch Speisen für den kleinen Hunger während der Nacht aufbewahrt wurden.

Das Bett - sofern überhaupt vorhanden - war das wichtigste und teuerste Möbelstück. Die Matratze war mit Federn oder Tierhaaren gefüllt, manchmal bestand sie aber auch nur aus einem Laubsack. Darüber wurden Leinentücher gebreitet. Sie wurden oft gewechselt, weil alle nackt schliefen. Auch die Bettdecken waren aus Leinen. An kalten Tagen und im Winter legte man Tierfelle, Laubsäcke oder die sehr kostbaren Federdecken darüber.

Anders als heute hatte das Bett ein hohes, fast bis an die Zimmerdecke reichendes Gestell, von dem schwere Stoffbahnen herunterhingen. Das hatte einen sehr praktischen Grund: Weil es überall zog und der Wind durch die Räume pfiff, konnten der Burgherr und seine Familie hier geschützt schlafen. Nur sie hatten eigene Betten, wobei mehrere Kinder nebeneinander schliefen. Alle anderen Burgbewohner mußten sich mit Strohsäcken begnügen, auch die Gäste, deren Gefolge sogar oft auf Stroh in den Ställen schlief.

                         

Schon am Tage waren Burgen vor allem im Winter dunkle Gemäuer. An den langen Winterabenden versammelte man sich um das offene Feuer im Kamin oder Ofen, das etwas Helle spendete. Zusätzlich gab es lange Kienspäne, die an der Wand in eiserne Ringe gesteckt wurden und ein spärliches Licht erzeugten.

Für Feste wurden eigens Fackeln hergestellt, indem man Holzstäbe mit in Pech und Harz getränkten Lappen umwickelte. Weil aber Holz und Stroh auf dem Boden leicht Feuer fingen, benutzte man Kienspäne und Fackeln so selten wie möglich. Am sichersten waren kleine Talglampen - Tonschalen, in denen aus den Innnereien von Tieren gewonnenes Fett verbrannte, was allerdings viel Rauch und Gestank verursachte.

                               

                                               

Die Kleidung der Burgbewohner

 

 

Im Alltag unterschied sich die Kleidung der Adligen wenig von der der Mägde und Knechte. Sie mußte vor allem praktisch sein und vor Wind und Wetter schützen. Alle hatten Unterhosen aus grobem Leinen an, das meist sehr kratzte. Darüber trug man den Leibrock, eine Art langärmliges Unterhemd, das bei den Männern bis zu den Knien und bei den Fraeun bis zu den Unterschenkeln reichte. Es wurde mit einem Seil oder Ledergurt um den Körper festgezogen. Während die Frauen Strümpfe anhatten, zogen die Männer dazu noch knapp sitzende, knöchellange Hosen an. Später gab es bei den Vornehmen zwei voneinader getrennte Hosenbeine aus Wolle, die am Gürtel befestigt wurden und gelegentlich sogar verschiedenfarbig waren.

Darüber zog man ein Obergewand, das bei den Armen aus ungefärbter Wolle, bei den Reichen aus kostspieligen, bunten Stoffen hergestellt wurde. Meist war es ärmellos. Adlige Frauen und Männer liebten es, an den Schulteröffnungen zusätzliche, andersfarbige Ärmel mit Knöpfen oder Bändern zu befestigen.

Wenn es kalt war, trug man einen Überwurf, der mit einer Schnalle zusammengehalten wurde. Für den Winter gab es Lederkleidung. Die Innenseiten von Obergewändern, Ärmeln und Umhängen waren bei den Wohlhabenden oft mit Pelzen gefüttert. Die Armen zogen an Frosttagen einfach zwei ihrer Kleider übereinander.

                                

 Zum Schutz gegen Wind und Wetter trugen Männer wie Frauen bei der Arbeit Kapuzen oder Lederkappen. Verheiratete oder verwitwete Frauen verbargen ihr Haar unter einer Kopfbedeckung. Das waren meist ausladend geformte Hauben.

Besonders extravagant waren die modischen Hüte der Burgfrauen. So trugen sie unter anderem den Hennin, einen  Kopfputz in Form eines hohen Kegels, aus dessen Spitze ein langer Schleier heraushing.  Junge Mädchen durften dagegen ihr Haar offentragen und schmückten es lediglich mit einem verzierten Stirnreif. Ansonsten unterschied sich die Erwachsenen- und Kinderkleidung bis auf die Größe überhaupt nicht.

                              

 Zur Arbeit trugen die einfachen Menschen oft Schuhe oder  Sandalen aus Holz, die sie an Wintertagen selbst schnitzten. Daneben gab es aber auch Ledersandalen oder Bundschuhe, die mit einem Riemen über dem Knöchel festgebunden wurden. Um nicht im Schmutz und Matsch der Wege einzusinken, befestigte man darunter noch eine Holzscheibe.

Mit der Zeit wurde die Schuhmode bei den Adligen immer ausgefallener. So trug man mit Vorliebe Schnabelschuhe, deren Spitzen so lang waren, daß sie hochgebunden werden mußten.

                               

Zu Beginn des Mittelalters unterschied sich die Kleidung von Mann und Frau nicht wesentlich. Sie mußte vor allem praktisch sein. Der Unterschied zwischen Arm und Reich zeigte sich darin, daß Adlige Stoffe kaufen konnte, die weniger kratzten, und sich Leder und Pelze leisteten, die besonders gut vor Regen und Kälte schützten. Mit der Zeit aber wurden die Menschen modebewußter. Die Kleider sollten die Figur betonen und besonders an Festtagen Farbe in den tristen Alltag bringen.

                                 

                                               

  Eßgewohnheiten und Mahlzeiten

 

 

" Erbsbrei heiß, Erbsbrei kalt, Erbsbrei im Topf neun Tage alt " . So beschreibt ein Vers aus dem Mittelalter das alltägliche Essen in Burgen und Klöstern. Ganz anders als in den meisten Ritterfilmen war es einfach und eintönig. Es bestand vor allem aus Brot und aus Brei, der sich schon wegen der meist schlechten Zähne der Menschen anbot. Das wichtigste Nahrungsmittel war das Getreide. Kartoffeln, Reis und Teigwaren gab es noch nicht.

Auf der Burg aß man am späten Vormittag und noch einmal nach Sonnenuntergang. Im Laufe der Zeit wurden aus der ersten Mahlzeit zwei, das Frühstück und das Mittagessen. Den Hauptbestandteil jeder Mahlzeit bildeten frisches und altbackenes Brot, das man in Milch oder Wein tauchte, sowie Hafermus, Erbsen- und Hiersebrei. Lediglich am Abend gab es ein oder zwei warme Speisen.

Am besten gedieh in unseren Breiten der Roggen, aus dem ein dunkles, leicht säuerlich schmeckendes Brot hergestellt wurde. Die Adligen bevorzugten aus Weizen oder Gerste gebackenes Weißbrot das deshalb auch " Herrenbrot " hieß. Wenn Hafer nicht zu Brei gekocht wurde, diente er als Pferdefutter. Aus Gerste wurde vor allem Bier gebraut.

Wichtige Nahrungsmittel, weil reichlich vorhanden, waren auch Eier und Milch. Beide waren Bestandteil zahlreicher Brei- und Musarten, wobei ein Teil der leicht verderblichen Milch zu einem dicken, harten Käse verarbeitet wurde. Auf der Burg aßen allerdings nur die Bediensteten diese " Bauernspeise " .

                          

Fleisch war auch bei der Familie der Burgherren eine Festtagsspeise. In eingezäunten Gehegen in den Wäldern der Burg züchtete man Schweine, die sich von Eicheln und anderen Waldfrüchten ernährten. Alle anderen Nutztiere wurden erst geschlachtet, wenn sie sonst zu nichts mehr taugten. Deshalb waren die Rinder, Schafe, Ziegen und Hühner meist schon ziemlich zäh und mußten vor dem Braten erst gekocht werden.

Während das Fleisch dieser Tiere regelmäßig, wenn auch nicht oft in die Burgküche kam, bildete Jagdwild eher die Ausnahme, obwohl die Jagd ein beliebter Zeitvertreib der Adligen war. Zu den Tieren die gejagt wurden, gehörten Hirsche und Rehe, Gämsen und Steinböcke, Wildschweine und Bären, aber auch Kleinwild wie Fuchs und Dachs.

Auch Fische und Krebse waren in Seen und Flüssen reichlich vorhanden. Schon um die kargen Mahlzeiten während der Fastenzeit zu bereichern, machten sich Burgknechte regelmäßig mit Angelruten und Netzen zum Fischfang auf. Meeresfische, wie gesalzener Hering oder Stockfisch  (getrockneter Kabeljau ) wurden auf dem Markt einer nahegelegenen Stadt oder von einem Händler dazugekauft.

                               

Die Burgherrin schickte ihre Mägde regelmäßig in die umliegenden Wälder, um dort Beeren, Nüsse, Pilze oder Esskastanien, aber auch wildwachsende Kräuter wie junge Brennesseln oder Kresse zu suchen. Vor allem aber sogte sie dafür, daß innerhalb der Burgmauern ein Garten und in der Nähe eine kleine Obstplantage angelegt wurden. Im Garten wurden Gemüsesorten wie Erbsen, Linsen und Ackerbohnen, aber auch alle Arten von Kohl, außerdem Rüben, Fenchel , Sellerie und Lauch angebaut. Ein kleines Beet war Kräutern vorbehalten, die nicht nur als Speisewürze, sondern auch als Heilmittel verwendet wurden.

Viele Gemüsearten konnte man trocknen oder einlegen und so für den Winter haltbar machen. Auch Äpfel und Nüsse ließen sich gut lagern. Zwetschgen, Pflaumen, Kirschen und Birnen wurden, wenn nicht frisch gegessen, ganz oder in Stücken gedörrt.

                             

Die wichtigsten Getränke waren Quell- oder Brunnenwasser und die Milch von Kühen und Ziegen. Weil die Menschen aber wußten, daß das oft unreine Trinkwasser krank machen konnte, tranken sie lieber Wein und Bier, das sie sogar den Kindern gaben. Beim Brauen und Keltern kochte man das Wasser und tötete dadurch Krankheitserreger ab, wenn dies damals auch noch nicht bekannt war.

Am billigsten war Bier. Auch der einheimische Wein war nicht teuer, dafür aber sehr sauer. Deshalb süßte man ihn mit Honig. Manchmal zerstießen die Mägde Ingwer, Nelken und Zimt in einem Mörser und gaben die Mischung in einem Säckchen in den Wein, bis dieser den Geschmack der Gewürze angenommen hatte. Das war der Vorläufer unseres Glühweins. Sehr beliebt, aber stark alkoholisch war im Mittelalter Met, ein weinähnliches Getränk aus Honig und Wasser.

Im Sommer und Herbst wurden aus Beeren, Kirschen, Zwetschgen, Äpfeln und Birnen Obstsäfte hergestellt. Auch hier wußte man, daß vergorene Säfte bekömmlicher sind.

                         

Der Mittelpunkt jeder Burgküche war ein offenes Herdfeuer. Links und rechts davon hingen die riesigen Bratspieße an eisernen Vorrichtungen an der Wand. War das Feuer angefacht, wurde es so heiß, daß sich der Küchengehilfe mit einem Schild vor der Hitze schützen mußte, wenn er den Bratspieß drehte.

Gekocht wurde in großen Kesseln, die an einem Schwenkarm über dem Feuer hingen. Daneben gab es bauchige Tontöpfe, die direkt in die Glut gestellt wurden. Erst im Spätmittelalter kamen gemauerte Herde auf, auf denen man Schmoren und Garen konnte. Diese schon bei den alten Römern bekannte Kochtechnik hatten Ritter bei den Kreuzzügen in der islamischen Welt wiederentdeckt.

An den Wänden hingen neben den Bratspießen alle möglichen Küchengeräte wie Siebe, Schöpfkellen oder Bretzeleisen. Auf Regalen standen Kochgeschirr und Töpfe mit Zutaten wie Mehl oder Getreidekörner, Gewürzschälchen und Krüge mit Essig und Öl. Auf einem großen Tisch wurden Hühner gerupft und ausgenommen, Fleisch zerteilt und Gemüse geputzt.

                             

 Auch ohne Eisschränke und Konserven wußten sich die Menschen des Mittelalters zu helfen. Im Sommer wurde Gemüse wie Bohnen, Erbsen und Pilze getrocknet ( gedörrt ) oder eingelegt und hielten so gut über den Winter. Obst konnte man nicht nur dörren, sondern auch in Honig einlegen. Fleisch wurde geräuchert oder durch Einsalzen haltbar gemacht. Dabei wurde das Fleisch trockengerieben und dann mit einer Salzschicht zugedeckt. Noch besser hielt es sich,wenn man es in eine stark salzhaltige Lake einlegte. Manchmal wurde auch Obst und Fleisch schichtweise in Fässern gelagert; der Fruchtsaft sickerte in das Fleisch und machte es haltbar.

Das größte Problem aber war, die Vorräte - wenn es sich nicht um Wein oder in Fässern eingelegtes Fleisch handelte - trocken und vor allem sicher vor Ungeziefer aufzubewahren. Viele der haltbar gemachten Nahrungsmittel lagerte man in fest verschlossenen Tongefäßen oder Truhen im Erdgeschoß, sofern es dort nicht zu feucht war, oder in einem Nebenraum des Palas. Ansonsten verließ man sich darauf, daß Katzen die Mäuseplage in Grenzen hielten.

                             

                                                        

  Schule und Erziehung

 

 

Schulen wie heute gab es im Mittelalter nur im Kloster. Dorthin wurden die Söhne und Töchter des Burgherrn aber nur geschickt, wenn sie eine kirchliche Laufbahn einschlagen sollten. Ansonsten lernten die Kinder in der Burg hauptsächlich dadurch, daß sie den Erwachsenen über die Schulter schauten und ihnen bei der Arbeit halfen.

Mit der Geburt stand der spätere Stand und damit in den allermeisten Fällen auch ein Beruf fest: Ein Bauernsohn wußte, daß er Bauer und nichts anderes werden konnte, die Tochter eines Burgknechts würde als Magd dienen und der Sohn des Burgherrn würde Ritter werden. Seine Schwester würde, falls sie nicht ins Kloster ging, einen gleichrangigen Edelmann heiraten. Für die Kinder einfacher Leute genügte also die Erziehung durch die Eltern. Für die Söhne und Töchter des Adels war eine gezielte Ausbildung durch Bedienstete oder Freunde der Familie nötig.

Bis zum siebten Lebensjahr blieben die Kinder des Burgherrn in der Obhut der Mutter. Sie durften spielen und herumtollen. Dann aber begann der Ernst des Lebens: Sie wurden wie Erwachsene behandelt, eine strenge Lehrzeit begann, und sie hatten Pflichten und Aufgaben, die sie erfüllen mußten.

                           

Kaum siebenjährig mußte ein Junge die Burg er Eltern verlassen und als Page zu einem anderen Ritter gehen. Der Vater erhoffte sich davon, daß sein Sohn lernte, im harten Erwachsenenleben zurechtzukommen. Bei der Ausbildung standen die praktischen Fähigkeiten im Vordergrund. Der Page lernte Reiten und den Umgang mit Pferden, Fechten und Ringen, Lanzenstechen und die Pflege von Waffen und Ausrüstung. Außedem bediente er bei Tische, half dem Herrn beim Ankleiden und erledigte Botengänge. Zugleich erlernte er bei den Pflegeeltern die " höfische Lebensweise " , darunter anständiges Benehmen und gute Sitten.

Im Alter von 14 Jahren begann die eigentliche Ausbildung zum Ritter. Als Knappe begleitete der junge Mann seinen Pflegevater an den Fürstenhof und zu Turnieren. Oft nahm er auch an Scharmützeln und Fehden teil, denn es gehörte zu seinen Pflichten, an der Seite seines Herrn in den Kampf zu ziehen. Zugleich sah er ihm bei der Verwaltung und bei Gerichtstagen über die Schulter.

Es war zwar erwünscht, daß junge Männer Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen erwarben, aber nicht unbedingt notwendig. In der Regel beschränkte sich der von einem Mönch oder Kaplan gegebene Unterricht darauf, den angehenden Ritter so weit zu schulen, daß er den Sinn von Schriftstücken verstand und auf dem Abakus, dem Zählrahmen, abziehen und zusammenzählen konnte. Das reichte aus, um den Verwalter zu kontrollieren und von ihm nicht übers Ohr gehauen zu werden. Wichtiger als Schreiben und Rechnen, das man auf der Burg dem Mönch überlassen konnte, waren Sprachkenntnisse. Dabei ging es weniger um Latein, das nur für Urkunden wichtig war, als um Französisch und Englisch. Auf Kreuzzügen, aber auch in den unzähligen europäischen Auseinandersetzungen war es schon damals günstig, wenn man sich mit Freund und Feind verständigen konnte.

                            

Das Lebensziel der Töchter aus dem Adel stand fest: Sie sollten standesgemäß heiraten, Kinder bekommen und imstande sein, einen Burghaushalt zu führen. Sie erhielten ihre Erziehung meist auf der väterlichen Burg. Die wichtigste Lehrerin war die Mutter, der die Mädchen bei ihren täglichen Aufgaben zur Hand gingen.

Unverheiratete oder verwitwete Frauen aus der Verwandtschaft brachten ihnen das Spinnen, Sticken und Nähen bei. Dabei wurde die Kemenate zum Schulzimmer. Denn während der Handarbeiten wurde gesungen, musiziert und vorgelesen. Mädchen waren oft gebildeter als Jungen, denn sie konnten meist lesen und schreiben. Manche kannten die in Versform geschriebenen Rittersagen auswendig. Da viele der beliebten Ritterromane in Englisch oder Französisch geschrieben waren, lernten sie auch Fremdsprachen.

Manche Mädchen wurden im heiratsfähigen Alter an den Hof des Landesfürsten oder Königs gebracht. Dort hatten sie besserer Chancen - oftmals durch die Vermittlung eines einflußreichen Freundes der Familie - , eine gute Partie zu machen. Zu dem erhielt sie im Gefolge der Landesfürsten den letzten gesellschaftlichen Schliff.

                               

                                  

Spiele und Unterhaltung von Jung und Alt

 

 

Die heutige Unterscheidung von Arbeit und Freizeit kannten die Menschen auf der Burg nicht. Wenn Arbeit anfiel, und das war fast immer, begannen sie mit dem ersten Tageslicht und hörten auf, wenn die Dunkelheit sie an der Weiterarbeit hinderte. Vom normalen Alltag hoben sich Sonn- und Feiertage ab. Sie dienten zum Ausruhen. Neben dem Gottesdienst und einem oft mehrstündigem Essen blieb Zeit für Unterhaltung und Vergnügen.

Kleine Kinder hatten den ganzen Tag zum Spielen. Mit Puppen aus Holz oder Ton ahmten sie, wie heute noch, das Leben der Erwachsenen nach. Wie wir liebten sie Spiele wie Blindekuh, Seilhüpfen, Fangen oder Verstecken und fanden auf der Burg einen idealen Spielplatz. Als Spielzeug hatten sie Kreisel, Windrädchen, Steckenpferde und Murmeln.

Im Winter gingen die Kinder mit den Erwachsenen zum Schlittschuhlaufen. Unter den Holzschuhen hatten sie Kufen aus Tierknochen, und sie stießen sich mit langen Stöcken ab. Die Jungen, die sich schon beim Spielen im ritterlichen Verhalten übten, nahmen ihre Stöcke wie Lanzen unter den Arm und schlitterten wie im Zweikampf aufeinander zu.

Zu den Gesellschaftsspielen gehörten Brettspiele. Das beliebteste für ältere Kinder und Erwachsene war das Tricktrack, das wir noch heute unter dem namen Backgammon kennen. Daneben waren Schach, Dame und verschiedene andere Spiele, bei denen Spielfiguren auf einem Brett gezogen wurden, auf Europas Burgen bekannt. Domino mit Steinen aus Holz oder gebranntem Ton gab es in vielen Variationen. Von der Kirche gescholten war das vor allem beim Adel beliebte Würfelspiel, bei dem in langen Nächten so manches Pferd oder Stück Land verspielt wurde.

Wenn es die Witterung zuließ, trafen sich die Burgbewohner und Leute aus dem Nachbardorf an Sonn- und Feiertagen zu Spielen auf dem Burghof oder auf einer Wiese vor der Burg. Da wurde dann ein aus einer Schweinsblase gefertigter, mit Erbsen gefüllter Ball von zwei Mannschaften mit Händen und Füßen über ein Spielfeld auf zwei Tore getrieben. Dies gehört zur Vorgeschichte des heutigen Fußballs.

                               

Während im Winter nur die beliebten Brettspile und die Handarbeiten der Frauen über die Langeweile hinweghalfen, ging man in der übrigen Jahreszeit zwischen Schlachten und Turnieren am liebsten auf die Jagd. Auch die Frauen und  die damalige Geistlichkeit beteiligten sich gern an den Jagdvergnügungen.

In den ausgedehnten Wäldern Europas lebten im Mittelalter noch viel Hirsche und Rehe, Wildschweine, Füchse usw. Man erlegte sie mit den gleichen Waffen, die im Kampf verwendet wurden: Pfeil und Bogen, Speer und Armbrust. Vorzugsweise jagten die Ritter den Keiler , den sie wegen der scharfen Hauer für gefährlicher als einen bewaffneten Mann hielten.

Für die Treibjagd besaßen die meisten Adligen besonders Pferde, denen es oft besser ging als den Jagdgehilfen, die sie betreuten. Wichtig waren auch die Jagdhunde, die darauf abgerichtet waren, das Wild aufzuspüren und zu verfolgen. Zu den wertvollsten Jagdgehilfen gehörten die Falken, die in jahrelanger Arbeit lernten, kleine Vögel, Hasen und Kaninchen zu schlagen.

                             

                                             

  Verteidigungsanlagen einer Burg

 

 

Der Hauptzweck einer Burg war die Verteidigung gegen räuberische Banden und fremde Heere. Europas Adlige waren schnell zur Fehde bereit, und das Ziel des Angriffs war immer das Machtzentrum des Gegners, eine Burg. Die Verteidiger hofften, daß ihre Feinde bereits beim Anblick der trutzigen Mauern und Türme von ihrem Vorhaben ablassen würden. Schon der Platz für die Burg war so ausgesucht worden, daß sie gut zu verteidigen war. Der Bau war so geschickt angelegt, daß es schwierig war - wenn nicht unmöglich - ins Innere der Burg vorzudringen.

Die wichtigste Verteidigungsanlage war die Ringmauer. Sie war dort besonders dick, wo der Feind direkt hingelangen konnte und nicht durch den steil abfallenden Berghang behindert war. Schmale Schlitze in der Mauer, die Schießscharten, wurden nach innen breiter, so daß die Bogen- oder Armbrustschützen beim Schießen Bewegungsfreiheit hatten, selbst aber völlig geschützt blieben.

Oben auf der Mauer, längs der Mauerkrone, befand sich der mit einer Brustwehr versehene Wehrgang. Die Brustwehr war eine schmale Mauer mit Zinnen, hinter denen Bogenschützen und kleine Katapulte Deckung fanden. Teilstücke des Wehrgangs standen nach außen weiter vor als die Mauern darunter. Hier waren im Boden Löcher vorgesehen, durch die man Steine, heißes Öl oder stinkenden Unrat auf die Angreifer herabschleudern konnte.

Aus der Ringmauer ragten Rundtürme, von denen aus Wachen einen guten Ausguck hatten , und Feinde, die vielleicht schon auf die Mauern vorgedrungen waren, beschossen werden konnten.

Bei größeren Burganlagen gab es eine innere Mauer, die den Burghof und den Palas umgab, und eine äußere Mauer, die die Vorburg schützte. Beide Mauern konnten zudem noch von vorgelagerten tiefen Gräben umgeben sein. Weil man "  gezwungen "  war, die Burg so zu betreten, nannte man den freien Raum zwischen den beiden Mauern Zwinger.

                             

Die Schwachstelle jeder Burg war das Tor, das groß genug sein mußte, um Pferde und Wagen hindurch zu lassen und in Kriegszeiten das Ziel der Angreifer war. Es wurde besonders sorgfältig verstärkt. Meist war es durch einen Wassergraben vom Torweg getrennt und über eine Zugbrücke erreichbar. Die Zugbrücke schwang wie eine Wippe aufwärts, wenn der Zugang der Burg unterbrochen werden sollte. In unsicheren Zeiten blieb die Zugbrücke hochgezogen. Dann führte nur noch eine schmale Nebenbrücke, die jederzeit entfernt werden konnte, durch ein kleines Tor zu einer Treppe, über die Fußgänger nur einzeln die Burg betreten konnten. Das nächste Hindernis war ein schweres Fallgitter, das die Torwächter jederzeit herunterlassen konnten, um das Tor zu verschließen.

                    

Die Einnahme einer Burg war schwierig und langwierig. Weil die Angreifer das wußten, versuchten sie es oft mit einem Überraschungsangriff. Erfolg hatten sie damit aber meist nur, wenn es ihnen vorher gelungen war, einige Männer in der Burg zu bestechen, damit sie das Herannahen des Feindes nicht meldeten oder die Tore offen und unbewacht ließen.

Wenn die Burg nicht schnell einzunehmen war, begann man mit der Belagerung. Man versuchte, die Verteidiger auszuhungern, so daß sie aufgeben mußten. Als erstes umzingelten die Truppen die Burg, steckten die umliegenden Höfe in Brand und schnitten alle Versorgungswege ab. Dann prüften sie, wie sie am besten mit ihren Belagerungsmaschinen an die Burg herankommen konnten. Bei Höhenburgen war dies besonders schwierig. Sobald einer der Ochsenkarren, die die in Einzelteile zerlegten Kriegsmaschinen transportierten, den steilen, gewundenen  Weg hinaufrumpelte, wurde er von den Verteidigern mit einem Pfeilhagel überschüttet.

Ein weiteres Hindernis waren die Gräben. Sie mußten erst mit Erdreich, Reisigbündeln und Steinen aufgefüllt werden, um die Belagerungsmaschinen überhaupt an die Mauer heranschieben zu können. Meist geschah dies im Schutz der Dunkelheit, weil die Belagerten sonst versuchten, die Feinde mit Steinen zu bewerfen oder heißes Pech über sie zu gießen.

                          

Als erstes wurde meist ein fahrbares Gestell herangerollt. Daran hing an schweren Ketten ein gewaltiger Baumstamm mit einer Metallspitze, die oft als Widderkopf gestaltet war. Dieser darum auch Widder genannte Rammbock stand unter einem Holzdach, das zum Schutz vor brennenden Pfeilen aus der Burg mit nassen Tierfellen bespannt war. Kriegsknechte schwangen den Rammbock vor und zurück und versuchten, auf diese Weise das Tor oder eine Mauer zum Einsturz zu bringen.

Gleichzeitig stellte man große Katapulte vor den Burgmauern auf. Am hinteren Ende einer solchen Wurfmaschine befand sich eine Winde, mit der Kriegsknechte den an einem Seil befestigten Wurfsarm nach untern zogen. Wenn das Seil losgelassen wurde, schnellte er in die Höhe, denn an seinem anderen Ende war ein schwerer Gegenstand angehängt. So wurden Wurfgeschosse wie Steine, aber auch Unrat verendeter Tiere oder Tongefäße mit stinkenden Flüssigkeiten gegen oder auch über die Verteidigungsanlagen geschleudert. Die Bedienungsmannschaft schützte sich durch große hölzerne Schilde vor den Pfeilen der Belagerten. Manchmal versuchten die Belagerer auch, Brandpfeile und Feuertöpfe in die Burg zu schießen. Feuertöpfe enthielten eine schwer  löschbare Mischung aus Schwefel, Harz, Pech, Kochsalz und Öl. Die Belagerten mußten dann versuchen, das Feuer zu löschen.

Wo das Gelände geeigent war, versuchten die Belagerten in wochenlanger Arbeit, einen Tunnel unter der Burgmauer zu graben. Der Tunnel wurde mit hölzernen Streben abgestützt. Wenn das Mauerfundament unterhöhlt war, zündete man das Holz an und hoffte, daß das Mauerwerk darüber einstürzte.

                               

Die Belagerung einer Burg war immer der Versuch, wochen- und oft monatelang Mauern, Nerven und Kräfte der Verteidiger zu schwächen. Möglichst unerwartet für sie erfolgte dann im Morgengrauen der Sturmangriff unter Einsatz aller Mittel: Die unterirdsichen Stollen wurden angezündet, die Rammböcke an verschiedenen Stellen gleichzeitig eingesetzt, die Katapulte schossen Dauerfeuer und die Bogenschützen versuchten alles, was sich auf den Mauern bewegte, zu treffen.

Erst jetzt kamen die Belagerungstürme zum Einsatz. Weil ihr Bau lange dauerte und viel kostete, sie jedoch durch Brandgeschosse und Katapulte leicht beschädigt oder zerstört werden konnten, hielt man sie bis zum letzten Moment zurück. Die riesigen, schwerfälligen Türme mußten noch höher sein, als die Wehrgänge. Während von oben Pfeile auf die Verteidiger herunterhagelten, ließen die Angreifer eine kleine Fallbrücke auf den Wehrgang herab und versuchten, auf die Mauer hinüber zu gelangen. Gleichzeitig wurden Sturmleitern eingesetzt, um den Verteidigern die Möglickeit zu nehmen, sich bei der Abwehr allein auf die Belagerungstürme zu konzentrieren.

                           

Eine Burg mußte jederzeit auf eine Belagerung vorbereitet sein. Da es das Ziel der Feinde war, die Bewohner auszuhungern, um beim Sturmangriff auf möglichst wenig Widerstand zu stoßen, hatte die Versorgung mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln Vorrang. Lebensmittel und Getreide mußten in möglichst großen Mengen eingelagert und zudem ständig erneuert werden, da sie ja nicht unbegrenzt haltbar waren. Gelang es den Verteidigern, vor Eintreffen des feindlichen Heeres ausreichend Vorräte zu beschaffen, war die Abwehr schon halb geschafft.

Als Vorsichtsmaßnahme bauten Zimmerleute Holzverkleidungen für die Wehrgänge und Türme. Diese Schanzgalerien, die über die Zinnen herausragten, waren so gefertigt, daß sie ohne Schwierigkeiten in wenigen Stunden aneinander gesetzt werden konnten. Zum Schutz vor Brandpfeilen belegte man sie mit nassen Tierhäuten, die regelmäßig nachgewässert wurden.

Die Kriegsknechte hatten zudem die Katapulte zusammenzusetzten, deren separat gelagerte Eisenteile immer wieder vom Rost befreit und eingefettet wurden. Sie sorgten auch dafür, daß ausreichend Steine, Pech und Pfeile bereitlagen.

                         

In der Regel gab es in einer mittelalterlichen Burg nicht mehr als 30 bewaffnete Männer, ihre Gegner zählten oft mehrere Hundert. Auch wenn es den Verteidigern gelang, diese Übermacht mit Pfeilen und Geschossen in Schach zu halten und Angriff um Angriff zurückzuschlagen, saßen sie wie in einer Mausefalle. Die Kampfmoral spielte eine entscheidene Rolle, und jede Seite versuchte mit allen Mitteln , die der anderen zu untergraben.

Besonders zermürbend war es für die Verteidiger, daß es lange Zeiten trügerischer Ruhe gab, dann aber wieder Tag für Tag Steine auf die Burg niederprasselten, und plötzlich ein Angriff stattfand, von dem sie nicht wußten, ob er vielleicht nur eine Finte war. Im Schutz der dicken Mauern konnten sie nicht viel anderes tun, als die feindlichen Truppen am Sturm auf die Mauern zu hindern. Nur selten wurde ein Ausfall mit dem Ziel riskiert, vielleicht eines der Belagerungsgeräte zu zerstören.

Um herauszufinden, ob sich der Gegner durch einen unterirdischen Stollen herangrub, stellt man im Untergeschaoß Wasserschalen auf. Kräuselte sich das Wasser, dann drohte Gefahr. Dann versuchte man, von der Burgmauer aus zu erkennen, wo der Feind grub, und sicherte die gefährdete Stelle zusätzlich.

                        

Nur in seltenen Fällen dauerte eine Belagerung länger als ein Jahr. Wenn sie die Burg einnehmen konnten, bevor die Verteidiger sich ergaben, zeigten die Belagerer vermutlich wenig Erbarmen. Meist fiel aber schon vorher die Entscheidung. Wenn die Nahrungsmittel knapp wurden oder die Übermacht zu groß war, keine  Aussicht auf Hilfe bestand oder Krankheiten die Burgbewohner schwächten, kam es oftmals zu Übergabeverhandlungen. Eine bedingungslose Kapitulation gab es dabei nur selten. Der Sieger ließ dem besiegten Burgherrn seine Ehre und auch einen Teil seines Besitzes. Oft band er ihn durch Verträge an sich. Wenn die Angreifer aber merkten, daß sich die Verteidiger noch lange halten konnten, zogen sie sich manchmal zurück, meist bevor im Winter Kälte und Schnee mehr Opfer forderten als ein Sturmangriff.

                               

                                                        

  Feste und Festessen

 

 

Das Leben auf der Burg war zwar hart und entbehrungsreich, doch jeder konnte sich auf kleine und große Feste freuen, die eine willkommende Abwechslung in den eintönigen Alltag brachten. Zu Frühlingsbeginn, nach der Ernte oder an einem hohen kirchlichen Feiertag lud der Burgherr seine Untergebenen zu freiem Essen und Trinken, zu Tanz und Spiel ein. Bei besonderen Anlässen fanden große Festlichkeiten statt, die oft Tage dauerten. Dann wurden viele Gäste von nah und fern eingeladen, und Händler und Sänger, Gaukler und anderes fahrendes Volk kamen, um für Unterhaltung zu sorgen. Da solch ein Fest viel Gold und Lebensmittel kostete, konnte es sich der Burgherr nicht allzu oft leisten. Meist war der Leichenschmaus für seinen Vater das erste große Fest, zu dem er einlud. Es war ja zugleich sein " Amtsantritt "  als neuer Herr, bei dem er sich seinen Standesgenossen und Untergebenen von seiner besten und glanzvollsten Seite zeigen wollte.

Ein Fest gab der Burgherr auch bei Familienereignissen, wie Verlobung, Hochzeit oder Taufe. Oft war die Hochzeit einer Tochter schon vereinbart worden, als sie noch in der Wiege lag. Andere Anläße waren die glückliche Heimkehr von einem Kreuzzug, der Erwerb eines neuen Titels und damit neuen Gebiets oder der Tag, an dem der Burgerbe zum Ritter geschlagen wurde. Meist kam an diesen Tagen auch der Landesfürst auf die Burg.

                            

Für ein Fest waren monatelange Vorbereitungen erforderlich. Als erstes wurden mit reitenden Boten die Einladungen verschickt und Zu- oder Absagen eingeholt. Dann stellte die Burgherrin einen genauen Plan auf, was die Bauern zusätzlich an Vorräten aufzubringen hatten und was in der Stadt zu besorgen war. Zugleich warb sie bekannte Sänger und andere Künstler an, die für die gehobene Unterhaltung sorgen sollten. Der Burgherr lud vielleicht einen bekannten Prediger für den Gottesdienst ein und Herolde für das Turnier. Zudem wurde auf der ganzen Burg ein Großputz veranstaltet. Die Fußböden bedeckte man mit frischem Binsenstreu.

                              

Alles begann - man lebte ja in einer frommen Zeit - mit einem feierlichen Gottesdienst am Morgen. Der Pfarrer sah von der Kanzel auf seine festlich herausgeputzten Zuhörer herab und hatte damit schon sein Thema: Luxus und Völlerei würde um sich greifen, gottesfürchtiges Leben käme aus der Mode! Dutzende solcher Predigen sind überliefert, aber die Menschen scheinen sie nicht sonderlich ernst genommen zu haben.

Die Burg und die nähere Umgebung waren zu einem einzigen Festplatz hergerichtet. Im Mittelpunkt stand in der Regel das Turnier. Anfangs verstand man unter einem Turnier ein Kampfspiel, bei dem Hunderte von Männern zur Erprobung der Waffentüchtigkeit wie in einer Schlacht aufeinandertrafen. Im 13. Jahrhundert entwickelte sich daraus eine festliche Veranstaltung, bei der Ritter ihr Geschick im Umgang mit Pferd und Waffen unter Beweis stellen konnten. Im Zweikampf galoppierten zwei Gegner aufeinander zu und versuchten sich gegenseitig mit langen Lanzen aus dem Sattel zu werfen. Der Sieger wurde im " k.o. "  - System ermittelt. Bei solchen Turnieren traten vor allem " Profis " an, Ritter, die von Turnier zu Turnier zogen und sich durch die Siegesprämien ihren Lebensunterhalt verdienten.

Rund um den Turnierplatz gab es Dutzende von Attraktionen. Unter dem fahrenden Volk sprach sich die Nachricht von einem bevorstehenden Fest in Windeseile herum und viele eilten zur Burg. Am Festtag tanzten dann Seiltänzer auf dem Hochseil, Gaukler führten ihre Kunststücke vor und eine verschleierte Frau sagte vielleicht zum Ärger des Pfarrers die Zukunft voraus. Ein Bärenführer ließ sein Tier tanzen, während ein Puppenspieler auf einer kleinen Bühne vorführte, wie tapfere Ritter im Heiligen Land die Heiden schlugen. Ein Sänger trug ein Spottlied über einen dem Burgherrn nicht genehmen Nachbarn vor und erhielt dafür ein gutes Trinkgeld.

Scharen von Bettlern fanden sich vor den Burgtoren ein. Sie konnten sicher sein, daß auch der knauserigste Adlige sich an einem solchen Tag von seiner spendablen Seite zeigte. Mägde verteilten frisches Brot und gedörrtes Obst an die Gäste, und in der Luft lag der Duft des am Spieß bratenden Ochsen.

Am späten Nachmittag riefen Pagen die Gäste in den mit Girlanden und bunten Bannern geschmückten Rittersaal. Die Ehrengäste saßen zusammen mit dem Burgherrn und seiner Frau an der Stirnseite des Saals auf Lehnstühlen hinter einem auf einem kleinen Podest stehenden Tisch, der " hohen Tafel " . An Tischen an den Längsseiten saßen die übrigen Gäste. Das Gefolge mußte sich auf Bänken in den Wandnischen drängen. Der " hohen Tafel "  stand in der Regel die Hälfte aller Speisen zu, die übrigen adligen Gäste erhielten ein Viertel, während die " Hinterbänkler "  sich mit dem Rest begnügen mußten. Sie erhielten übrigens wirklich die sprichwörtlich " kleineren Brötchen "  und Pasteten mit den Innereien der Tiere, deren Filetstücke den vornehmeren Gästen gereicht wurde.

                         

Das Essen bestand aus mehreren Gängen mit je vier bis fünf Speisen, die von Pagen und Küchengehilfen auf silbernen und goldenen Tabletts hereingetragen wurden. Man begann mit Salaten und Suppen. Da gab es zum Beispiel eine " Erbssuppe " , in der zu Brei gekochte Erbsen mit Speck und Milch verrührt und mit vorgekochtem Schweinefleisch vermengt wurden. Eine " Zimtkraftsuppe "  bestand aus in Wasser und Wein gekochten Hühnern, über die eine dicke Zimtsoße gegossen wurde.

Nach den Vorspeisen kam der Wildgang. Das waren gebratene Hirsch- und Rehkeulen, in Teig gebackene Schwan- oder Reiherstücke oder Kaninchen in Ingwersoße. Zum Hauptgang gab es Taubenpasteten in Mürbeteig, gebratene Hammelkeule, gebackenen Karpfen oder Rebhühner in Sauerampersoße.

Den Abschluß bildeten Äpfel- oder Birnenschnitze, Trauben, geröstetes Weißbrot und als Höhepunkt die " Zimmergewürze " . Das waren exotische, kandierte Früchte wie Orangen, Datteln oder Feigen, aber auch einheimische Früchte wie Fenchel, Ingwer, Wacholder oder Nüsse, die in viel Zucker eingelegt waren.

Oft gab es auch ein " Schaugericht "  , das weniger für den Magen als für die Augen gedacht war. Beliebt war etwa ein Adler, der nach dem Kochen wieder sein Federkleid erhalten hatte und dem Eisenstäbe eingezogen worden waren, damit er auf der Platte mit weit ausgebreiteten Schwingen stehen konnte. Dann wurde noch ein Büschel Wolle mit Kampfer in seinen Schnabel gesteckt und angezündet, so daß er " feuerspeiend " in den Saal kam.

Fleisch und Gemüse waren bereits in kleine Stücke geschnitten, aßen doch alle mit den Händen. Gabeln waren noch unbekannt, allzu heiße Stücke wurden mit dem Messer aufgespießt und zum Mund geführt. Teller gab es meist nur an der hohen Tafel, die übrigen hatten eine Scheibe Brot als Unterlage. Nach dem Essen gab man das Brot den vor dem Burgtor wartenden Bettlern.

                        

Zwischen den Gängen traten bekannte und teuer bezahlte Sänger auf. Diese Troubadoure, die meist aus Südfrankreich kamen und oft Sänger, Dichter und Ritter zugleich waren, trugen Lieder vor, bei denen es vor allem um die Minne ging  (Minnesänger ). Minne war die leidenschaftliche Verehrung einer meist verheirateten Frau, die für den sie anbetenden Ritter unerreichbar blieb und für die er Heldentaten beging, Turniersiege errang oder auch höchst unsinnige Dinge tat, wie etwa ihr Waschwasser trinken. Freilich fand diese Art der Verehrung mehr im Lied als in der Wirklichkeit statt.

Auf dem Höhepunkt des Abends trugen einer oder mehrere Sänger Teile großer und beliebter Heldensagen vor. Gesungen wurde vom Untergang der Nibelungen an König Etzels Hof ( siehe Bericht Nibelungensage ) und von den wundersamen Taten König Artus und seiner Tafelrunde. Diese Heldenlieder waren zugleich auch Lehrgedicht, zeigten sie doch an Beispielen, wie sich ein edler Ritter zu verhalten hatte. Bisweilen flochten die Sänger - manchmal auf Anweisung des Gastgebers - geschickt aktuelle Ereignisse ein.

Wenn die letzten Speisen abgetragen waren, kamen die Spielleute mit ihren Fideln und spielten zum Tanz auf. Herren und Damen stellten sich in Reihen auf und begannen sich gemessenen Schrittes aufeinander zu zu bewegen. Im Laufe des Abends wurden die Tänze wilder, und die adligen Paare wirbelten genauso ausgelassen herum wie die einfachen Leute im Burghof. Gefeiert wurde bis in die frühen Morgenstunden.

                               

 

  Burgen nach dem Mittelalter

 

 

Mit dem Aufkommen von Schußwaffen und Kanonen endete auch die Zeit der Burgen. Gegen Kanonenkugeln halfen auch keine noch so dicken Mauern. Die Fürsten und die Könige des neuen Zeitalters, der Renaissance, bauten nun prunkvolle Schlösser, während die Burgen verfielen. In den Bauernkriegen, in denen sich Anfang des 16. Jahrhunderts die Bauern gegen die Herren erhoben, wurden die meisten Burgen als Symbole der Unterdrückung zerstört. Nur einige wenige Adelsgeschlechter verstanden es, ihre Burgen als Wohnsitz zu erhalten.

Erst im vergangenen Jahrhundert kamen Burgen wieder in Mode. Das aufkommende reiche Bürgertum versuchte sich zu " adeln " , indem es die oft verfallenen Burgen aufkaufte und in Stand setzen ließ. Zugleich wurden die Ritter- und Heldensagen des Mittelalters wiederentdeckt und lieferten den Stoff für Opern, Theaterstücke und literarische Werke.

In der heutigen Zeit versucht man, die wenigen verbliebenen Burgen zu erhalten. Die meisten privaten Besitzer, auch wenn sie reich sind, schaffen es nicht alleine und erhalten deshalb Zuschüße. Ein Großteil der Burgen übernimmt in den verschiedenen Ländern auch der Staat. Um einen Teil der sehr hohen Kosten wieder hereinzubringen, versucht man, die Burgen zu attraktiven Sehenswürdigkeiten zu machen. Viele von ihnen sind heute zu besichtigen, andere sind Ausflugsorte, Museen, Tagungsstätten und Landschulheime zugleich und verbinden so Angenehmes und Nützliches mit dem Blick in eine faszinierende Vergangenheit.

 

         - Ende -

 

 

 

 

  Mittelalter Lexikon

Abort:      Burgtoilette. Kleine Erker aus Stein oder Holz an der Außenseite der Mauer      mit der Öffnung nach unten. Auch " Heymlich Gemach "  genannt.

Armbrust:    Schußwaffe, die Bolzen schoß.

Barbakane:  Einem Burgtor vorgelagerte Befestigungsanlage, oft noch vor dem Burggraben.

Bauhütte:     Zunächst Hütte für Bauarbeiter, später Vereinigung von Steinmetzen und Maurern beim Burgenbau.

Baumeister: Für die Planung und die Beaufsichtigung des Burgbaus verantwortlicher Handwerker.

Belagerungsturm:   Fahrbarer Turm zum Angriff auf die Wehrgänge.

Brustwehr:    Schmale, brusthohe Mauer als Abschluß des Wehrgangs. Meist mit Zinnen und mit Schießscharten versehen.

Burghof:        Innenhof der Burg.

Burgkaplan:  Geistlicher, der den Gottesdienst in der Burgkapelle hält.

Burgus:          Befestigter, mehrstöckiger römischer Wachturm.

Fachwerk:     Bauweise, bei der die Wände aus einem Gerippe von Balken bestehen, dessen Zwischenräume - die Fächer - mit Lehm über einem Flechtwerk aus Rohr ausgefüllt sind.

Fahrende Spielleute:   Sänger oder Musikanten, die nicht seßhaft waren und von Burg zu Burg zogen.

Fallgitter:        Schweres Gitter zum Verschließen des Burgtores.

Feudalismus:   Mittelalterliche Gesellschaftsordnung, die auf dem Lehnswesen beruht. Die Herrschaft über Bauern und Bürger wird von einer grundbesitzenden Adelsschicht ausgeübt.

Gaukler:            Akrobaten, Jongleure, Bärenführer oder Zauberer, die von Burg zu Burg zogen und bei Festen für Unterhaltung sorgten.

Große Halle:     Auch Rittersaal genannt. Empfangsraum für Gäste und Speiseraum.

Heerfolge:         Als Gegenleistung für ein Lehen geleisteter Kriegsdienst.

Hennin:            Hohe, kegelförmige Frauenhaube, die das ganze Haar bedeckte und von deren Spitze ein Schleier herabhing.

Heymlich Gemach:  Ausdruck für Abort auf der Burg.

Jauchegrube:      Grube an der Burgmauer, in die der Kot vom Abort fiel.

Katapult:           Wurfmaschine zur Belagerung der Burg.

Kemenate:           Beheizbares Wohn- und Schlafzimmer der Burg.

Knappe:               Junger Adliger, der mit 14 Jahren im Dienst eines Ritters seine Ausbildung zum Ritter fortsetzt.

Kreuzzüge:          Mehrere Kriege, die die Christen im Mittelalter gegen Nichtchristen führten.

Lehen:                   Grundbesitz, der von einem Lehnsherrn an einen Untergebenen verliehen wird. Als Gegenleistung hat der Lehnsmann die Verpflichtung, dem Lehnsherrn jederzeit mit Dienstleistungen und Heerfoge zur Verfügung zu stehen.

Lehnsherr:             Kaiser, König, Fürst oder Ritter, der jemanden ein bestimmtes Gut zu Lehen gibt.

Lehnsmann:           Jemand, der ein Lehen bekommen hat.

Mauserkäfig:         Schuppen im Burghof, in dem die Jagdfalken gehalten wurden, wenn sie ihr Gefieder wechselten ( mauserten ).

Minne:                    Verehrung einer hochgestellten Frau.

Mittelalter:             Geschichtliche Epoche, die allgemein zwischen dem 5. und 15. Jahrhundert angesetzt und in Frühmittelalter (5. - 9./ 11. Jhd.), Hochmittelalter ( 9./11. - 13./14. Jhd. ) und Spätmittelalter ( 13./14. - 16. Jhd. ) unterteilt wird.

Motte:                      Urform der Burg. Auf einem künstlich aufgeschütteten Erdhügel errichteter Wohnturm, von einer Palisade umgeben.

Page:                         Adliger Knabe von 7 bis 14 Jahren, der zum Ritter erzogen wurde.

Palas:                        Hauptgebäude der mittelalterlichen Burg mit Wohnräumen und Festsaal.

Palisade:                   Starker Zaun aus dicht aneinanderstehenden Pfählen.

Rammbock:               Ein großer Balken auf fahrbarem Gestell zum Einrammen von Toren und Mauern. Auch Widder genannt, weil die Metallspitze des Balkens als Widderkopf geformt war.

Ringmauer:                Befestigte Mauer um den Burghof. Oft sind eine äußere und eine innere Ringmauer verbunden.

Rittertum:                 Lebensform des Ritterstandes, ausgerichtet nach Ehrenhaftigkeit, Sitte und Tapferkeit.

Rüstbalkenloch:        Im Mauerwerk freigelassenes Loch, in das ein Balken eingelegt wurde.

Schießscharte:            Senkrechter oder kreuzförmiger Schlitz im Mauerwerk, durch den die Bogenschützen schießen konnten.

Steinmetz:                  Handwerker, der Steine bearbeitet.

Troubadour:               Aus dem Französischen stammender Begriff für einen Sänger, der Lieder vortrug, in deren Mittelpunkt die Minne stand ( auch Minnesänger genannt ).

Turnier:                      Ritterliches Kampfspiel im Mittelalter.

Vasall:                       Im Mittelalter der Lehnsmann.

Vorburg:                    Von der Ringmauer umschlossener, jedoch der Hauptburg vorgelageter Teil einer größeren Burganlage. Hier befanden sich häufig die Nebengebäude ( wie Küche usw.)

Wappen:                     Erkennungszeichen auf dem Schild oder der Rüstung des ganz in Eisen gekleideten Ritters, das später zum vererbbaren Symbol der Familie und der Burg wurde.

Wehrgang:                  Gedeckter oder offener Gang auf einer Wehrmauer, mit Schießscharten, Brustwehr und Zinnen versehen.

Zinne:                          Der erhöhte Teil einer Mauerkrone als Deckung für die Verteidiger.

Zinnefenster:              Der offene Abschnitt zwischen den Zinnen, von dem aus geschossen wurde.

Zisterne:                      Behälter zum Sammeln und Bewahren des Regenwassers.

Zugbrücke:                  Über einen Graben führende Brücke, die hochgezogen werden konnte, um den Zugang zur Burg zu unterbrechen.

Zwinger:                      Von Mauern umgebener Raum zwischen zwei Toren einer größeren Burganlage.

 

 

 

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