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       DER URMENSCH

 

 

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Jahrhundertelang war im christlichen Abendland die Bibel das einzige anerkannte Zeugnis der Frühgeschichte des Menschen. Allerdings liefert die Bibel zwei unterschiedliche Darstellungen von seiner Erschaffung. Gott, so heißt es im ersten Schöpfungsbericht, schuf zuerst Pflanzen, dann Tiere und schließlich den Menschen "nach seinem Bilde" . Er ist hier der "Gipfelpunkt" der Schöpfung, ihre "Krone", denn er wird zum Herrscher über die Natur berufen. Im zweiten Bericht hingegen ist der Mensch "Mittelpunkt" der Schöpfung, denn die Welt mit ihren Feldern und Flüssen wird um den Garten Eden (das Paradies) herum gebaut, in den hinein Gott ihn setzt; erst danach bildet Gott die Tierwelt.

Erst in diesem zweiten Bericht taucht der Name "Adam" für den ersten Menschen auf. Im Hebräischen (der Sprache, in der das alte Testament aufgezeichnet wurde) bedeutet dieses Wort "aus dem Erdboden stammend" und  -  in übertragender Bedeutung  -  "der Mensch" . Aus der RRippe dieses ersten Menschen wurde eine Frau gemacht, die "Männin" hieß. Später bekam sie den Namen "Eva", was soviel bedeutet wie " Mutter aller Lebendigen ".

Nach einiger Zeit allerdings bereute Gott, daß er die Menschen erschaffen hatte, denn "alles Gedankengebilde ihres Herzens war nur auf das Böse gerichtet". So ließ er die Sintflut hereinbrechen und rettete außer der Flora und Fauna nur einige ausgewählte Exemplare der Gattung Mensch - Noah und seine Familie. Von ihnen soll die heutige Bevölkerung der Erde abstammen.

Nicht nur die Bibel schreibt Gott eine Menschengestalt zu und läßt ihn handeln und denken, wie Menschen es tun. Auch viele andere Religionen sind von solchen Vorstellungen geprägt, denn von Anfang an neigte der Mensch dazu, sich als etwas Besonderes zu betrachten und sich von anderen Lebewesen abzugrenzen. Deshalb war es folgerichtig, wenn auch der Schöpfer einem Menschen ähnelte. Häufig finden wir die Vorstellung, daß der Mensch aus unbelebten Dingen - meist aus der Erde - gemacht sei und erst durch Vermischung mit Göttlichem oder durch Einhauchen göttlichen Atems zum Leben erweckt wurde. In den antiken Religionen der Babyloner und Assyrer etwa formten die Götter den Menschen, indem sie Lehm mit göttlichem Blut vermischten. Auch nach der griechischen Mythologie schuf der Titanensohn Prometheus, gegen den Willen des obersten Gottes Zeus, die Menschen aus Lehm - und brachte ihnen später das Feuer.

Ein Schöpfungsmythos der Altaier, Volksstämmen im asiatischen Teil der ehem. Sowjetunion, erzählt, daß der Gott Ulgen Schlamm in Form eines menschlichen Antlitzes auf dem Wasser treiben sah. Diesem Schlamm haucht er Geist ein - und so entstand der erste Mensch. Und auch bei den nordamerikanischen Krähen-Indianern ließ der Gott Coyote die Menschen aus Lehm hervorgehen. Die Edda wiederum, eine Sammlung altnordischer Sagen, erzählt, daß zwei am Strand angetriebene Baumstämme die Götter auf den Gedanken brachten, ihnen Gestalt und Eigenschaften von Menschen zu verleihen.

Die Religionen versuchen, die Frage nach dem Sinn des Lebens zu beantworten - es geht aber nicht um exakte Aussagen. Hierum bemüht sich die Naturwissenschaft, wenn sie behauptet, der Mensch habe sich aus anderen Lebensformen ganz allmählich entwickelt, ohne göttlichen Plan. Während also die meisten Schöpfungsmythen - wörtlich ausgelegt - den Menschen eher vom Rest der Natur abgrenzen, behauptet die Naturwissenschaft, der Mensch sei mit allen Lebewesen auf Erden durch einen gemeinsamen Stammbaum verwandt. Die heute gültigen Antworten auf die Fragen nach der Herkunft des Menschen haben Wissenschaftler durch jahrzehntelanges, geduldiges Sammeln von Beweisen herausgefunden. Im Laufe einiger Millionen Jahre hat sich der heutige Mensch aus affenartigen Ahnen entwickelt. Aus einfachen Formen, die sich auf der Erde von selbst bildeten. Diese Auffassung konnte sich allerdings nur gegen heftigen Widerstand der christlichen Kirchen durchsetzen. Datum der Schöpfung, so hatte der irische Bischof James Ussher 1654 nach intensivem Bibelstudium errechnet, war der 23. März 4004 v. Chr. -  danach sollte die Welt nur etwa 6.000 Jahre alt sein.

Doch die Naturwissenschaftler des 18. und 19. Jhd., die sich mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Tieren und Pflanzen beschäftigten, in der Erde nach alten Knochen gruben und zu messen versuchten, wie lange etwa eine meterdicke Tonschicht zu ihrer Entstehung brauchte, kamen bald zu einem andern Schluß: Diese Zeit war viel zu kurz, um die mächtigen Kalk-und Sandsteinablagerungen zu erklären. Vor allem aber gruben sie immer mehr seltsame Knochen aus dem Boden, die denen lebender Tiere zwar ähnelten, aber doch zu keinem exestierenden Wesen exakt passten. Je tiefer die Bodenschicht war, aus der der Fund stammte, desto stärker unterschieden sich die Knochen. Die Konsequenz aus diesen Entdeckungen zog schließlich der englische Naturforscher Charles Darwin (1809 - 1882). Er sprach am deutlichsten aus, was seine Kollegen vermutet hatten. Tiere und Pflanzen waren nicht auf einen Schlag erschaffen worden, sondern hatten sich im Laufe der Zeit aus urtümlichen Formen entwickelt.

 

Charles Darwin (1809 - 1882)

Darwin veröffentlichte seine Gedanken im Jahre 1859 in einem Buch mit dem Titel " Über die Entstehung der Arten " und begründete so die Theorie von der biologischen "Evolution", der allmählichen Entwicklung der Lebewesen aus gemeinsamen Urformen. Darwin zögerte 12 Jahre, seine Erkenntnisse öffentlich auf den Menschen anzuwenden. Nur im Schlußsatz ging er darauf ein: " Licht wird auch fallen auf den Menschen und seine Geschichte ". Erst 1871 erschien sein Buch " Die Abstammung des Menschen " . Nun war der Skandal perfekt, denn Darwin schrieb darin, daß der Mensch affenartige Vorfahren besäße. Obwohl er nicht behauptete, wir stammen direkt von den heute lebenden Affen ab, war das für viele seiner Zeitgenossen eine entsetzliche Vorstellung. Selbst heute, wo die Beweise dafür erdrückend sind, wehren sich manche noch dagegen.

Bereits zu Darwins Zeiten  stieß man bei Grabungen immer wieder auf menschenähnliche Gebeine, die Seite an Seite mit Überresten ausgestorbener Tiere lagen. In England etwa war 1823 die " Red Lady " zutage gekommen, ein durch rötliche Erde gefärbtes weibliches Skelett. Bei weiteren Suchaktionen fand der Pfarrer McEnery in südenglischen Höhlen noch mehr Skelette, zusammen mit Knochen von Mammuts, Höhlenbären, Urnashörnern und Werkzeugen aus Feuerstein. Doch die - kirchentreuen - wissenschaftlichen Autoritäten fällten ihr Urteil: Das wahre Alter sei  nicht festzustellen, also seien diese Funde kein Beweis für die Existenz von Vormenschen. Handfeste Beweise, nämlich Knochen von affenähnlichen Urmenschen, sollten erst in den nächsten hundert Jahren allmählich ans Licht gefördert werden.

Die Aufklärung der Abstammungsgeschichte des Menschen ähnelt dem Zusammensetzen eines Puzzles - nur daß die Wissenschaftler noch nicht alle Teile in der Hand halten. Stirbt ein Tier oder ein Mensch, so fressen Aasvertilger das Fleisch und zerren den Kadaver auseinander, die Reste verfaulen und verwittern. Nur wenn der Sauerstoff ausgeschlossen bleibt, verwesen Knochen, Haut und Haare nicht. Manche Tiere, wie z.B. die Mammuts, überdauerten im Boden Sibiriens, der seit der Eiszeit ständig gefroren ist. Hier blieb sogar das Fleisch eßbar.

Nur in den seltesten Fällen wurden die Knochen unserer Urahnen zu haltbaren Versteinerungen (Fossilien). Das geschah beispielsweise, wenn Kalk aus wasserhaltigem Ton- und Schlickboden in die Knochen eindrang und erhärtete. Zurück blieb ein formgetreuer, natürlicher Abguß, eingebettet in gleichfalls erhärtetem Gestein. Vor allem an Seeufern, in Sümpfen und Höhlen waren die Bedingungen für die Bildung von Versteinerungen günstig.

Eine der berühmtesten Grabungsstätten ist die Olduvai-Schlucht in Tansania (Ostafrika), in der das Forscherehepaar Louis und Mary Leakey viele bedeutende Funde machte. Die Schlucht ist etwa 60 Meter tief und durchschneidet etliche geologische Schichten, von denen zuunterst sichtbaren etwa 1,8 Mio. Jahre alt sind. Die Forscher können so recht gezielt in Ablagerungsschichten eines best. Erdzeitalters suchen.

Häufig beschert aber auch der Zufall aufregende Funde - etwa wenn beim Bau einer Eisenbahnlinie oder Gebirgsstraße, in Kiesgruben oder Steinbrüchen große Erdmassen bewegt werden. Im Jahre 1924 bemerkte ein Geologe auf dem Schreibtisch des Ingenieurs einen außergewöhnlichen Briefbeschwerer. Wie sich später herausstellte, handelte es sich um den Schädel eines Urmenschenkindes.

Moderne physikalische Methoden erlauben oft eine genaue Altersbestimmung der Funde. In der Atmosphäre entsteht eine Art von Kohlenstoff, (K-14) der sich vom normalen Kohlenstoff (K-12)unterscheidet. Die beiden Isotope vermischen sich. Nach dem Tod hört die Vermischung auf, und während Kohlenstoff -12 unverändert bleibt, zerfällt der K-14 mit éiner bekannten Geschwindigkeit. Allerdings lassen sich mit dieser Methode nur Proben bestimmen, die nicht älter als 70.000 Jahre sind.

Die Menschenaffen sind heute vom Aussterben bedroht. Vor etwa 20 Mio.Jahren jedoch erlebten ihre Vorfahren, die Dryopithecinen (Baumaffen), eine Blütezeit und bewohnten in zahlreichen Arten die gesamte Welt. Diese großen Affen stiegen von den Bäumen herab und erschlossen sich neue Nahrungsquellen. Entstanden waren sie in den riesigen Wäldern Afrikas. Vor etwa 18 Mio. Jahren verbreiteten sie sich auch nach Asien und Europa. Die Forscher gruben ihre versteinerten Knochen in Ägypten und Kenia, Indien und mehreren südeuropä. Ländern aus und gaben jedem Neufund einen Phantasienamen. Erst vor einigen Jahren stellte sich beim Vergleich aller Fundstücke deren Verwandtschaft heraus.

Welche dieser Driophthecus-Arten die Vorfahren der heutigen Menschen sind, ist (noch) ungeklärt. Vermutlich sind sie vor rund 15 Mio.Jahren ausgestorben. Sie machten einer sehr vielfältigen Gruppe von Menschenaffen Platz, deren verwandtschaftliche Verhältnisse noch weitgehend unbekannt sind. Unter ihnen sind die Vorfahren von Gorilla, Schimpanse und Mensch. Doch gerade den Zeitraum zwischen 7 und 4 Millionen Jahren in der Vergangenheit fehlen bisher Knochenfunde.

Vor 4 Mio. Jahren jedenfalls lebten sie in Afrika. Geschöpfe, die schon eindeutig menschliche Züge hatten, sie werden zur Gattung der " Australopithecus " (deutsch: Südaffe) zusammengefasst. Als eines der ältesten menschenähnlichen Wesen gilt zur Zeit " Lucy ". So taufte der amerik. Forscher Donald Johanson das Skelett eines Südaffen-Weibchens, das er 1974 im äthopischen Afar-Dreieck ausgegraben hatte.. Lucy hatte, das ergab die Altersbestimmung, vor rund 3 Mio. Jahren gelebt. Daß sie weiblich war, verriet ihr Becken, die Handknochen ähnelten  den unseren, und die Schenkelknochen zeigten ihren aufrechten Gang. Die Angehörigen der Art  "Australopithecus afarensis " (dt.: Südaffe aus Afar), so Lucys Wissenschaftlicher Name, waren etwa 1 bis 1,70 Meter groß und zwischen 30 und 65 kg schwer. Das Gehirnvolumen dieses A-S-Affen allerdings war noch wesentlich kleiner als das des modernen Menschen. Immerhin dürften sie damals schon intelligenter als heutige Schimpansen gewesen sein. (siehe auch Urzeit-Lexicon zu Austr. afarensis!!)

Stammbaum der Primaten

  

War Lucy eine Sensation, so überboten Johansen und sein Team diese im folgenden Jahr (1975). Sie gruben die Überreste einer Gruppe von 13 Einzelwesen -Männer, Frauen und Kinder - aus, die gern als "erste Familie" bezeichnet wird, obwohl wir nicht genau  wissen, ob diese Wesen tatsächlich in einem Familienverband lebten.

Neben den Afar-Südaffen gab es noch weitere Australopithecinen. Den ersten hatte 1924 der Südafrikaner Raymond Dart gefunden. 1959 grub das Forscherehepaar Louis und Mary in der ostafrik. Olduvai-Schlucht Knochen einer Austr.art aus, die sie zunächst Zinjanthropus (Mensch aus Ostafrika) nannten. Später entdeckte Mary sogar 3,6 Mio. Jahre alte versteinerte Fußspuren, die eindeutig von aufrechtgehenden, menschlichen Wesen stammten. Und ihr Sohn Richard fand Ende der sechziger Jahre weitere Reste dieser als " Australopithecus africanus " und "Australopithecus robustus " bezeichneten Arten am Turkana See in Kenia.

Diese Fossilien sind zwischen 1,3 und 3 Mio. Jahre alt und die Forscher streiten sich noch, wie sie verwandtschaftlich zusammenhängen. Die meisten glauben jedoch, daß  "Australopithecus afarensis " die erste Art der  Hominiden war, also der direkten Vorfahren des Menschen, und sich schon vor über 5 Millionen Jahren entwickelte.

Die Ausgrabungen der letzten Jahre haben deutlich gezeigt: Zunächst entwickelte sich der aufrechte Gang und erst rund 2 Mio. Jahre später begann sich das Gehirn deutlich zu vergrößern. Warum aber richteten sich unsere Urahnen auf? Wir wissen, daß vor etwa 5 Mio. Jahren Veränderungen des Klimas zu einem deutlichen Schrumpfen der Regenwälder führte. Dafür dehnten sich im äquatorialen Afrika offene Landschaften aus : Grasländer, lichte Savannenwälder mit Grasunterwuchs, Waldinseln und Flußuferwäldern. Im offenen Gelände aber bringt aufrechter Gang viele Vorteile. Hier lauern Gefahren, von deren raschem Erkennen das Überleben abhängt. In einigen Schädelknochen von " Australopithecus "  fand man Löcher von Leopardenzähnen.

Auch für das Konstanthalten der Körpertemperatur ist aufrechtes Gehen bedeutsam. In den heißen Mittagsstunden ruhen viele behaarte Tiere im Schatten, um Überhitzung zu vermeiden.. Ein aufrecht gehendes Wesen aber setzt, gerade während die Sonne am höchsten steht, weit weniger Körperoberfläche der Bestrahlung aus. Mit der Sonnenhitze hängt vermutlich auch der Verlust des Fells zusammen, der uns zum "nackten Affen" machte. Ein dünneres Fell und mehr Schweißdrüsen ermöglichen es, durch Verdunstung Kühle zu erzeugen.

Gewiß erleichterte der aufrechte Gang das Sammeln und Ausgraben von Nahrung, denn Zweibeiner haben die Hände frei. Vermutlich bereitete dies auch eine Arbeitsteilung in den Urmenschengesellschaften den Weg. Einige Mitglieder konnten so Nahrung mit ihren Händen zurück an Lagerplätze transportieren und damit denjenigen versorgen, der nicht an Jagd-oder Sammelzügen teilgenommen hatte, etwa Frauen mit Kleinkindern, Kranke oder zum Schutz anderer.

An den Schädeln der  " Australop." kann man auch erkennen, daß das Leben in der Savanne für die Menschenaffen eine Umstellung der Ernährung bedeutete. Standen ihnen im Wald weiche, saftige Früchte und Blätter zur Verfügung, so mußten sie sich jetzt von Wurzeln, Samen, Nüssen und Gräsern ernähren. Diese Pflanzenteile sind härter und müssen, damit sie verdaulich sind, vom Gebiß zermahlen werden. Die Folge: Mit der Zeit verkleinerten sich die kräftigen Eckzähne und überragten nicht mehr die Kaufläche der anderen Zähne, damit wurden Mahlbewegungen möglich. Die Kronen der Backenzähne vergrößerten sich dagegen.

Etliche Wissenschaftler glauben zur Zeit, daß sich von Lucy´s Art zwei Entwicklungslinien abspalteten : Die erste Linie: Vor rund 3 Mio. Jahren entstand die größere und intelligentere Art " Australopithecus africanus " (afrikanischer Südaffe) Etwa zur gleichen Zeit lebten neben diesen eher grazilen Menschenaffen vergleichsweise grobknochige, etwa anderthalb Meter große Wesen, die noch extremer an harte, trockene Nahrung angepasst waren: " Australopithecus robustus " (robuster Südaffe) und ein ähnlicher Vetter, " Australopithecus boisei " (nach Charles Boise) . Diese "Nußknackertypen" verfügten über gewaltige Backenzähne in kräftigen Kauapparaten und hatten sogar einen Knochenkamm in der Gegend des Scheitels entwickelt, an dem die mächtigen Kaumuskeln Halt fanden. Sie starben vor etwa 1 Mio. Jahren aus.

Die zweite Linie: Vor etwas über 2 Mio. Jahren entstand aus dem " Australop. africanos " der ebenfalls grazil gebaute " Homo habilis " (der geschickte Mensch). Diese Linie führt zum moderen Menschen. Auch der älteste " Homo habilis " - Fund stammt vom Turkana-See. Ein Schädelteil weist ein im Vergleich zu " Australop. " verdoppeltes Hirnvolumen von etwa 700 Kubikzentimetern auf. Dieser Urmensch war rund 35 kg schwer, bis zu 1,5 Meter groß und lebte vor 2,5  bis 1,5 Mio. Jahren, war also ein Zeitgenosse der Australopithecinen. Im Gegensatz zu diesen verwendete er aber Steinwerkzeuge.

1,7 Mio. Jahre altes Werkzeug des Homo habilis

  

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Wir wissen nicht, ob vielleicht schon " Australopithecus " Werkzeuge oder Waffen aus Holz oder unbearbeiteten Steinen verwendeten - was übrigens Schimpansen tun. Von solchen Holzgegenständen blieb jedenfalls keine Spur zurück.

Die ältesten bekannten Steinwerkzeuge sind etwa 2,3 Mio. Jahre alt und stammen aus jenen Schichten, in denen sich auch bereits Reste von " Homo habilis " fanden. Nach der Olduvai-Schlucht, dem bedeutensten Fundort, werden diese Werkzeuge unter dem Begriff " Olduvan-Industrie" zusammengefaßt. Steine  wurden durch Aneinanderschlagen zertrümmert. Die dabei entstehenden scharfkantigen Splitter heißen " Abschläge ", der behauene Stein selbst wird " Kernstück " genannt. Wissenschaftler haben mit diesen einfachen Werkzeugen experimentiert, um herauszufinden, wozu sie sich am besten eigneten. Die Abschläge waren gut brauchbar als Mehrzweckwerkzeuge zum Zerlegen eines Kadavers, zum Herausschneiden von Knochen, zum Abschaben von Fell, aber auch zum Abschneiden von Gras mögen sie gedient haben.Wahrscheinlich kannten die Urmenschen auch Tragebehälter aus Tierhäuten und vielleicht sogar einfache Schutzdächer. Hinweise auf zentrale Lagerplätze haben sich in Ostafrika erhalten, etwaige Gerätschaften aus pflanzlichem Material jedoch sind längst vergangen.

Gerne stellen wir uns die Urmenschen als Großwildjäger vor. Mit ziemlicher Sicherheit aber war der Speisezettel von " Home habilis " weitaus vielfältiger. Er enthielt Nüsse, Beeren, Pflanzensamen und Früchte sowie Kleinreptilien, Eier, Jungvögel, Fische und Insekten. Mit Hilfe eines Grabstockes konnte " Home habilis " auch an Kleinsäugetiere in ihren Erdhöhlen und an Wurzeln oder Knollen herankommen. Außerdem machte er sich ähnlich wie Hyänen und Geier, über die Reste das von Raubtieren geschlagene Wild her. An manchen Fundorten lagen Steinwerkzeuge und Tierknochen nah beieinander. An diesen Stellen könnten die Frühmenschen erbeutete Tier gemeinsam verspeist haben.

                                                          

Homo habilis

Vermutlich sind unsere Urahnen damals auf den Geschmack gekommen und versuchten sich an immer größerer Beute, die sie dann aber nur durch gemeinsames Jagen erlegen konnten. Ihr Überlebenstrick bestand jedoch weniger darin, besonders erfolgreiche Jäger zu sein, sondern das je nach Jahreszeit schwankende Nahrungsangebot vielfältig zu nutzen.

Bis alle Funde als derselben Art zugehörig erkannt wurden, hieß " Homo erectus " nach den versch. Fundstätten auch Peking-, Heidelberg- und Java Mensch. Die ältesten "erectus"- Überreste, die am Turkana-See gefunden wurden, sind 1,7 Mio. Jahre alt und es ist wahrscheinlich, daß sich " Home erectus " aus " Home habilis " entwickelt hat.

Die Größe seines Gehirns liegt deutlich über derjenigen von " Homo habilis " (etwa 670 Kubikzentimeter) und von " Australopithecus " (etwa 500 Kubikzentimeter). Sie betrug bei den ältesten  " erectus"- Formen zwischen 700 und 900 Kbz. und den jüngeren bereits bei 1.200. Zum Vergleich: der Gorilla hat im Durchschnitt 500, der Schimpanse 390 und der Orang-Utan etwa 410 Kbz. Allerdings müssen diese Zahlen zum Körpergewicht in Beziehung gesetzt werden.

Parallel mit dem Hirnvolumen nahm auch die Körperhöhe zu. Während die Australopithecinen höchstens 1,20 Meter maßen, erreichte " Home habilis " schon 1,50 Meter und " Homo erectus " reckte sich sogar schon auf mind. 1,80 Metern (bei Fraeun 1,55 Metern).

" Homo erectus " war eine sehr erfolgreiche Art. Dank der Weitergabe von Informationen und Erfahrungen innerhalb der Gruppe besaß er eine gute Kenntnis der ihn umgebenden Natur, der eßbaren und giftigen Pflanzen und der Gewohnheiten seiner Beutetiere. Körperlich überlegende Tier tötete er mit Keulen, Holzspießen oder runden, als Wurfgeschosse verwendeten Steinen. Anders als sein Vorläufer " Homo habilis " benutzt er schon recht fein gearbeitete Faustkeile , die bereits zweiseitig behauen waren und teilweise gerade Schneiden hatten. Dank dieser Waffen und verbessertem Jagdverhalten vermochte er sich neue Nahrungsquellen zu erschließen.

Daher konnte " Homo erectus "  vor etwa 2 Mio. Jahren bei ständig zunehmendem Hirnvolumen, seinen Lebensraum von Ostafrika bis in den Kaukasus, nach Südostasien und China ausweiten. Welche Hautfarbe mag der  " Homo erectus " gehabt haben? Wir wissen es nicht, denn Hautrückstände haben sich nicht erhalten. Es ist wahrscheinlich, daß zumindest die in tropischen Gebieten lebenden Urmenschen nicht weißhäutig waren.

Die Wissenschaftler streiten sich darüber, ob " Homo erectus " sprechen konnte. Menschenaffen haben jedenfalls unüberwindbare Schwierigkeiten, eine große Palette von Lauten zu artikulieren. Die Rachenhöhle des Menschen ist erheblich größer als bei Menschenaffen, das führt übrigens dazu, daß der Mensch - im Gegensatz zum Affen - nicht gleichzeitig atmen und schlucken kann.

Unsere Sprachfähigkeit hängt außerdem von zwei Zentren im Großhirn ab, von denen das eine für das Sprechen verantwortlich ist, das andere für das Verstehen der Sprache. Menschenaffen haben dieses Sprachzentrum nicht. Ob " Homo erectus " sie besaß, wissen wir nicht, denn die Abdrücke, die sein Gehirn auf den Innenwölbungen des Schädels hinterließ, sind recht undeutlich. Sein Rachen war jedoch schon etwas erweitert, weshalb er vermutlich bereits mehr Laute formulieren konnte als bespielsweise ein Schimpanse und wohl auch bei " Homo habilis " , bei dem diese Veränderung noch nicht zu beobachten ist.

Vor spätestens 700.000 Jahren machte " Homo erectus " eine Erfindung , die sich als noch weit kostbarer als Faustkeile erweisen sollte: Er stellte das Feuer als wirkungsvolle Überlebenshilfe in seinen Dienst - und tat so den ersten Schritt auf einen Weg, der zu Metallbearbeitung, Elektrizität und Atomkraft führen sollte. Vermutlich hatten die Urmenschen schon vor mehr als einer Mio. Jahre entdeckt, daß Fleisch von Tieren, die bei einem Buschfeuer umgekommen waren, bekömmlicher und länger haltbar war. Dennoch dauerte es lange, bis sie ihre Furcht vor dem leuchtenden, heißen Etwas überwanden und lernten, die etwa von einem Blitzschlag stammende Flamme zu bewahren, zu nähren und zu nutzen.

Das neue leuchtende Etwas half sogar bei der Jagd. In Spanien wurden in einem Sumpfgebiet große Mengen von Knochen, die zu Elefanten und Pferden gehörten, und zahlreiche Stücke von Holzkohle gefunden ; ihr Alter wurde mit rund 300.000 Jahren bestimmt. Man vermutet, daß Menschen diese Tiere mit Hilfe brennender Fackeln in die Sümpfe trieben, wo sie im weichen Untergrund versanken und erlegt wurden.

Eine Katastrophe war es, wenn durch Unachtsamkeit, Regen oder Wind das kostbare Feuer verlosch. Es mochte Jahre dauern, bis ein glücklicher Zufall eine neue Flamme schenkte. Viel später erst lernten die Menschen, Feuer zu machen. 

Mit Hilfe des Feuers vermochte  " Homo erectus " nun auch Regionen zu besiedeln, die dem Menschen zuvor verschlossen waren - die kühleren, wildreichen Gebiete im Norden. In Frankreich entdeckten die Vorzeitforscher die mit 700.000 Jahren bisher älteste Feuerstelle. In der chinesischen Höhle von Zhoukoudian bei Peking hatten sich im Laufe von Generationen Aschenreste fast sieben Meter hoch angesammelt. " Homo erectus " begann für unterschiedliche Tätigkeiten verschiedene Plätze zu nutzen. Erbeutete Tiere pflegte er offenbar in einiger Entfernung von seiner Behausung zu schlachten. Wohnstätten baute er sich meist in der Nähe von Wasser. In Südfrankreich zeugen Pfostenlöcher und Steinblöcke, die an einem ehemaligen Sandstrand gefunden wurden, von einer Hütte: Ihr Dach war von innen durch Pfosten unterstützt, ihre Wände bestanden vermutlich aus Zweigen. Darinnen lagen Steinwerkzeuge und Abfälle verstreut um einen Stein. Er diente möglicherweise als Sitzplatz, denn er gehörte nicht von Natur aus auf den Sandstrand, sondern wurde dorthin geschleppt.

Ebenfalls in der Gegend gruben Forscher die Reste einer Wohnstätte in einem Höhleneingang aus. Eine Mauer mit Lücken für Eingänge schützte vor Wind. Weiter innen stand ebenfalls eine mit Pfählen errichtete Hütte. Auf dem harten Höhlenboden lagen Reste von Tierpfoten und Schalen winziger Meeresschnecken verstreut, wie sie auf Algen leben. Die Forscher deuteten diesen Fund so, daß die Bewohner Schlafstellen errichteten, indem sie Lagen getrockneter Algen mit Tierfellen bedeckten.

Vermutlich lebte " Homo erectus " in größeren Familienverbänden als " Homo habilis " . Das bot Vorteile, etwas mehr Schutz vor Raubtieren oder anderen Menschen. Außerdem konnten vielköpfige Jagdverbände es leichter und sicherer mit Großraubtieren aufnehmen. Innerhalb der Gruppe war zunehmend Arbeitsaufteilung möglich; vielleicht ist das auch ein Grund für bessere Bearbeitung der gefundenen Steinwerkzeuge. Bei der Beurteilung sollten wir zudem berücksichtigen, daß mit den damaligen Mitteln harter Stein nicht so leicht zu bearbeiten war wie Holz oder Geweih - aber nur Stein überdauerte die Jahrtausende, nicht die eventuell kunstvoller gechnitzten Gegenstände aus weichen Materialien.

Dank seiner Hütten, seiner Fellkleidung und seiner Macht über das Feuer konnte " Homo erectus " in den nördlichen Regionen überleben. Die erste Subtropische Vegetation verschwand. Nur mehr Zwergbirken, Büsche oder gar nur niedriges Strauchwerk und Flechten gedeihten, dafür gab es eine reichhaltige Tierwelt.

Vor 300.000 bis 500.000 Jahren tauchten allmählich in Afrika und Europa Formen auf, die sich von " Homo erectus " unterschieden : der moderne Mensch, " Homo sapiens " , trat langsam auf den Plan. Ob er sich nur an einer Stelle aus " Homo erectus " entwickelte oder mehrmals in verschiedenen Regionen, das ist noch immer ein Rätsel.

Jedenfalls zeigen die Schädel aus dieser Übergangszeit (z.B. der Fund  von Steinheim bei Stuttgart) schon die für den modernen Menschen typischen, fast senkrechten Seitenwände und weisen wie bei uns ein Hirnvolumen von etwa 1300 Kbz. auf. Doch während die Entwicklung zum Menschen der Gegenwart, " Homo sapiens sapiens " , in Afrika weiterging, bildete sich in Europa der Eiszeit und im Vorderen Orient eine Unterart aus: der " Neandertaler , " Homo sapiens neanderthalensis " . Er lebte vor etwa 120.000 bis 35.000 Jahren.

Knochen, die 1856 von Steinbrucharbeiten in einer Höhle des Neandertals bei Düsseldorf ausgegraben worden waren, gaben ihm den Namen. Der Elberfelder Naturforscher Carl Fuhlrott hielt sie, aufgrund der starken Bögen über den Augen und der flachen Stirn, für Überreste eines primitiven Menschen aus der Eiszeit.

Auf den ersten Blick machte der Neandertaler in der Tat einen ungeschickten Eindruck: Stirn und Kinn fliehend, zwei dick hervorstehende Knochenwülste über den Augen, eine überdimensionale Nase, kräftige Schneidezähne, vor allem aber starke Muskeln und Knochen. Dieses Aussehen passte gut zu der damals verbreiteten Vorstellung, daß ein Urmensch affenähnliche Züge gehabt habe. Doch wie wir inzwischen wissen, ist der Neandertaler mit dem heutigen Menschen recht nahe verwandt, die affenähnlichen Vorfahren des Menschen waren damlas schon seit einigen Millionen Jahren ausgestorben.

Heute hat man ein anderes Bild vom Neandertaler. Zwar war er tatsächlich kräftiger und muskolöser gebaut als der heutige Mensch. Entsprechend gekleidet, würde er im Straßenbild jedoch kaum auffallen. Es gibt Vermutungen,daß der robuste Körperbau eine Anpassung an das Klima der Eiszeit war. Ein untersetzter Körper verliert weniger Wärme, eine große Nase heizt die Atemluft vor.

Trotz seines groschlächtigen Aussehens stand der Neandertaler auf einer hohen Kulturstufe, er war alles andere als ein barbarischer, roher Wilder. Sein Gehirnvolumen übertraf mit durchschnittlich 1450 Kbz. sogar das unsere (1350) . Er wohnte in Hütten aus Fellen und Knochen, bewahrte das lebensnotwendige Feuer in eigens ausgehobenen Gruben, jagte mit Hilfe scharfer Waffen, Feuer und Fallgruben selbst die größten Eiszeittiere wie Höhlenbär, Wollmammut, Moschusochse, Wildpferd, Ur und Wollnashorn und entwickelte hochspezialisierte Werkzeuge, die weit sorgfältiger und zweckmäßiger behauen waren, als die Faustkeile des " Homo erectus " .Wahrscheinlich lebte er als Nomade und folgte seinen Beutetieren auf deren Wanderungen. Dabei konnte der Jäger auch durchaus zum Gejagten werden.

Mit ziemlicher Sicherheit kümmerten sich Neandertaler um Alte und Gebrechliche. In Südfrankreich wurde das Skelett eines alten Mannes gefunden, der - wie seine verformten Knochen zeigen - an schmerzhaftem Rheuma gelitten und fast keine Zähne mehr besessen hatte. Sicher konnte er nicht an der Jagd teilnehmen, und auch das Essen mußte für ihn zubereitet werden.

Die Neandertaler waren vielleicht die ersten Menschen, die ihre Toten bestatteten. Man hat gut erhaltene Skelette unter Grabhügeln und im Boden von Höhlen gefunden, die dort in einer kauernden Stellung gebettet waren. Reste von Ocker und Braunstein könnten darauf hindeuten, daß die Körper der Toten mit diesen  Farbstoffen bemalt oder bestreut wurden. Grabbeigaben mögen die Ausrüstung oder Proviant für ein Weiterleben nach dem Tode gedacht gewesen sein. In einem der Gräber wurde der Tote offenbar auf ein Bett aus Blüten von Traubenhyanzinthen, Lichtnelken und Heckenrosen gelegt, jedenfalls fand  sich der Blütenstaub jener Pflanzen in großer Menge. Allerdings - wirkliche Beweise für Bestattungsbräuche sind das nicht. Es ist nicht mal sicher, ob der Neandertaler schon eine Sprache oder eine der unseren vergleichbaren Denkweise besaß.

In Italien fand man einen Schädel inmitten eines Kranzes aus Stein, dessen Schädelbasis aufgebrochen war. In Krapina, nördlich von Zagreb (Kroatien) lagen angebrannte Neandertalknochen in einer Herdstelle. In Frankreich waren Menschenknochen mit Überresten von Mahlzeiten vermischt. Diese Funde geben Anlaß zu der Vermutung, daß die Neandertaler Kannibalismus praktizierten.

Die Neandertaler waren optimal an die Eiszeit angepasst, sie hatten der Kälte schon viele Jahrzehntausende erfolgreich widerstanden. Trotzdem verschwanden sie vor 35.000 Jahren erstaunlich rasch von der Bildfläche. Dafür tauchte plötzlich ein neuer Menschentyp - " Homo sapiens sapiens " - auf, der eiszeitliche Jetztmensch. Nach einem Fundort im südfranzösichen Vézéretal wird er auch " Cro-Magnon-Mensch " genannt.

                                                 

So schnell war der Übergang, weil er sich nicht in Europa entwickelt hatte, sondern aus Afrika kommend eingewandert war. Daher liegt der Grund für das Verschwinden des Neandertalers zunächst nahe: Der weit besser bewaffnete " Cro-Magnon- Mensch " hätte danach in jahrelangen Kämpfen den Neandertaler kurzerhand ausgerottet

Allerdings gibt es dafür keine Beweise, und seit einigen Jahren sieht man den Übergang weniger blutrünstig. Vielleicht war der moderne Mensch dem Neandertaler kulturell  (bessere Waffen und Jagdtechniken, höher entwickelte Sprache) überlegen, vermehrte sich dadurch rapide und entzog ihm die Nahrungsgrundlage. Es ist auch denkbar, daß er sich mit dem Neandertaler vermischte. Dessen Erbanlagen wären dann in der viel größeren Anzahl der modernen Menschen so verdünnt worden, daß sie nicht mehr nachzuweisen wären. Für eine solche Vermutung gibt es Hinweise aus dem Vorderen Orient, wo an mehreren Stellen Knochenreste gefunden wurden, die sowohl Merkmale von " Homo sapiens sapiens " als auch von Neandertalern zeigen.

Wahrscheinlich sind die " Cro-Magnon-Menschen " im Laufe der Jahrzehntausende, während die Nordhalbkugel unter dem Eishauch der Gletscher lag, im wärmeren Afrika aus " Homo erectus" über " Homo sapiens " entstanden. Das belegen 120.000 Jahre alte Funde aus Äthopien, Tansania und Südafrika von Schädeln mit den anatomischen Merkmalen und dem Hirnvolumen moderener Menschen. Vor allem aber fanden sich an denselben Plätzen feingearbeitete Steinwerkzeuge: Klingen, Spitzen, Harpunen, Bohrer, Nadeln und  Beile, deren Qualität weit über derjenigen der " Homo erectus " oder Neandertaler-Werkzeugen liegt. Sie nutzten auch Holz, Knochen, Elfenbein und Horn zur Werkzeugherrstellung.

Diese technisch überlegende Menschenform sickerte nun vor rund 40.000 Jahren ins eiszeitliche Europa ein, damals ein Paradies für Jäger. Die Tiere lieferten nicht nur Fleisch, sondern auch Heiz- und Baumaterial  und Kleidung. Der " Cro-Magnon.Mensch"  hatte gelernt, mit scharfen Feuersteinklingen die Felle zuzuschneiden und diese mit Hilfe einfacher Nadeln und Tiersehnen zusammenzunähen. In der Nähe von Moskau wurde eine eiszeitliche Bekleidung gefunden, die 25.500 Jahre alt ist : eine Mütze und eine vorne geschlossene Jacke. Schmuckstücke aus Zahn, Elfenbein und Schnecken waren auf das Leder aufgenäht.

Der Mensch der Eiszeit wohnte unter Felsüberhängen und in fellbehangenen Hütten und Zelten aus Holzstangen oder Knochen .In der Ukraine fand man zum Beispiel Reste von Hütten, die aus Knochen der reisigen Mammuts errichtet waren. Die Wände bestanden aus Stoßzähnen, die noch in Unterkieferknochen befestigt wurden, das Dach war mit Beckenknochen und Rippen gedeckt.

Nicht nur Kindersegen bestimmte das Überleben der Gruppe, auch Erfolg bei der Jagd.. Und dem Versuch, dieses Jagdglück durch Anrufen übernatürlicher Mächte zu erwirken, verdanken wir vermutlich die ältesten Zeugnisse der hervorragenden Kunstfertigkeit des Eiszeitmenschen, die Höhlenmalereien. Wunderschöne Darstellungen von  Bisons, Mammuts, Bären. Elchen, Hirschen und Urrindern, die die Künstler um Tausende von Jahren überlebt haben, und die wir in vielen Höhlen Nordspaniens und Südfrankreichs, Italiens und Rußlands bewundern können.

Jedenfalls sind die Tiergemälde Zeugen einer Kunst, die vor 30.000 Jahren erblühte, verewigt in Bildergalerien, die mit Höhlennamen wie Altamira und Lascaux verbunden sind. Die erste Höhlenmalerie wurde im Jahre 1879 durch Zufall von einem jungen Mädchen entdeckt. Gewohnt haben die " Cro-Magnon-Menschen in diesen Höhlen nicht, aber sie waren für sie eine Art Kathedralen, in denen sie sich der geheimnisvollen Kraft der Schöpfung nahe fühlten.

Diese erfolgreichen Sammler und Jäger vermehrten sich rasch und verbreiteten sich von ihrem Ursprung aus über die ganze Welt. Etwa vor 30.000 Jahren erreichte der " Homo sapiens sapiens " Sibirien, vor 12.000 Jahren hatten die ersten Menschen Feuerland erreicht.

                                                              

                                                                                                                                       

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