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        Ritter und Rittertum

            

                                

 

 

 

 

Kaum ein anderes Thema aus der Geschichte eignet sich so gut zum Ausschmücken, Verherrlichen und zur Wendung ins Märchenhafte wie das Thema " Ritter " - und viele Autoren von Jugendbüchern erliegen dieser Versuchung nur allzu gern. Die Folge davon ist, daß die meisten Menschen beim Wort " Ritter "  zwangsläufig an Größe, Edelmut, Reichtum, Macht, Freiheit und Abenteuer denken; an eine geheimnisvolle und verlockende Welt, bevölkert von heldenhaften Männern in schimmernden Rüstungen und weißgewandeten zarten Damen, die in scheuer Zurückhaltung darauf warten, erobert zu werden.

Mit der Wirklichkeit hat diese romantische Ritterwelt unserer Jugendbücher nichts zu tun. Denn das Leben im Mittelalter war alles andere als romantisch. Es war eine Welt, in der die meisten Menschen einen harten Lebenskampf kämpften - auch die meisten Ritter. Für ein glänzendes Abenteuerleben war da wenig Platz.

Auch waren nicht alle Ritter gleich. Zwar gab es unter ihnen strahlende Erscheinungen, doch die meisten taten sich nicht sonderlich hervor. Ja, viele waren nicht einmal frei, lebten auf dem Lande wie Bauern und hatten die entsprechenden Manieren. Trotzdem war die Welt des Rittertums eine faszinierende Welt; eine Welt, in der so verschiedene Dinge wie wilde Lust am Kriege und tiefe Frömmigkeit, Primitivität und Sehnsucht nach höherer Gesittung, Männerkult und aufrichtige Frauenverehrung unvermittelt nebeneinander bestanden.

 

Dieser Bericht schildert die Welt der Ritter in ihrer ganzen Vielfalt. Er berichtet von ihrer langen Geschichte, von ihrem Selbstverständnis, von ihrem Alltag, ihren Festtagen und von ihrem Niedergang. Und er zeigt daß das Rittertum nicht nur eine handgreifliche geschichtliche Erscheinung war, sondern auch ein Traum; der Traum von einem besseren, einem " ritterlichen" Menschen. (bearbeitet von cat7211) Zur leichteren Übersicht habe ich eine Art "Index" aufgeführt. Ihr könnte den Bericht aber auch sofort komplett lesen.

 

 

                           

Womit begann die Geschichte des Rittertums                                   

Fränkische Panzerreiter                                                                      

Rechte und Pflichten eines Lehnsvertrages                                         

Vasallen - Frei oder Unfrei                                                                  

Ruf der Ritter bei Volk und Kirche                                                                   

Kreuzzüge                                                                                            

Wie wurde ein Ritter erzogen

Die Rüstung des Ritters

Die Waffen des Ritters

Was ist ein Turnier

Wie wohnte ein Ritter

Die Ritterburg (siehe auch hier)

Warum konnte sich der Ritter als Soldat auf Dauer nicht behaupten

Wie kam es, daß viele Ritter im Laufe der Zeit verarmten

Das Ende des Rittertums

Was blieb übrig vom Rittertum

 

 

 

 

 

 

 

 

  Die Geschichte des Rittertums

 

 

 

Die Geschichte des Rittertums begann in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts n. Chr. - in einer Zeit, in der die Anhänger des Propheten Mohammed nach der Eroberung Vorderasiens und Nordafrikas nun auch nach der Herrschaft über Westeuropa griffen.

Erstes Angriffsziel war Spanien. In einem waghalsigen Unternehmen landeten die Kämpfer Allahs im April des Jahres 711 an der Südküste unweit des Felsens von Gibraltar, überrannten eine weit überlegende christliche Armee, die zur Abwehr herbeigeeilt war, stürmten weiter ins Landesinnere, zwangen die Königsstadt Toledo zur Kapitulation und erreichten im Sommer 713, knapp drei Jahre nach Beginn des Krieges, das Grenzgebirge zu Frankreich: die Pyrenäen. Als schließlich die Waffen ruhten, verwandelten die Sieger Spanien binnen kurzem in einen islamischen Staat, in dem das Leben der Menschen fortan von der Religion Allahs, von den Gesetzen Mohammeds und von den Sitten des Orients geprägt wurde.

Der nächste Schritt sollte der Angriff auf die Grafschaften im Süden Frankreichs und auf die mächtigen Nachbarn, das Fränkische Reich sein. Der fränkische Kanzler Karl Martell (714 - 741), verfolgte besorgt die eigentümliche Angriffstaktik der Mohammedaner. Wenn er nicht wollte, daß das fränkische Reich das gleiche Schicksal erlitt wie Spanien, mußte er sich etwas einfallen lassen. Und so geschah es: In den folgenden Jahren bauten die Franken eine Truppengattung auf, die man heute als "fränkische Panzerreiter "  bezeichnet - die Vorläufer der späteren Ritter.

Dann, im Oktober des Jahres 732, kam es zum ersten Zusammenstoß mit den Franken. In dieser zweitägigen Schlacht - sie fand südlich der Lore zwischen den Städten Tours und Poitier statt - errangen die Truppen Karl Martells einen glorreichen Sieg.

 

 

                                                          

 

 

Fränkische Panzerreiter

 

 

Wie sah ein Panzerreiter aus ?

Wie ein fränkischer Panzerreiter aussah, wissen wir aus zeitgenössischen Abbildungen. Wichtigstes Ausrüstungsstück war der Panzer zum Schutz des Leibes, der Oberarme und der Oberschenkel. Ein solcher Panzer bestand aus einem festen Lederwams, das mit eisernen Plättchen dachziegelartig besetzt war. Ein Schuppenpanzer also, der seinen Träger gegen Pfeile, Speere und Schwerthiebe abschirmte. Schuppenpanzer dieser Art, sogenannte " Brünnen " , galten als so kostbar, daß ihre Ausfuhr aus dem Fränkischen Reich streng verboten war.

Den Kopf schützte der Panzerreiter mit einem eisernen Spangenhelm, der das Gesicht freiließ. Seine Beine steckten in ledernen Gamaschen oder waren verborgen hinter metallenen Beinschienen. Ergänzt wurde diese frühe Form der Ritterrüstung durch einen mittelgroßen runden Schild aus Holz oder Leder.

Panzerreiter griffen den Gegner zuerst mit der Lanze an, die sie aber nicht, wie später die Ritter, unter die Achsel klemmten (einlegten), sondern hoch über dem Kopf schwangen. Neben der Lanze war ihre wichtigste Angriffswaffe das lange, gerade Schwert, eine Spezialität fränkischer Waffenschmiedekunst und dementsprechend begehrt in ganz Europa.

Ein so gerüsteter " schwerer Reiter "  brauchte auf dem Rücken seines Pferdes festen Halt. Dafür sorgte der fränkische Sattel, der wie das fränkische Langschwert zu den besten der Welt zählte. Was aber noch wichtiger war: der fränkische Panzerreiter ritt in Steigbügeln. Solche Steigbügel waren eine bedeutsame waffentechnische Neuerung, denn in ihnen konnte sich der Reiter nun fest abstützen, wenn er beim Angriff mit der Lanze zielen oder mit dem Schwert zuschlagen wollte.

 

 

                                       

 

 

  Rechte und Pflichten der Lehnsverträge

 

 

Da die Panzerreiter sehr teuer waren, schloß ein Mächtiger mit seinem künftigen Gefolgsmann (Panzerreiter) einen Vertrag, in dem er diesem aus seinen meist riesigen Besitzungen ein großes Stück Bauernland mit Gutshof, Dörfern, Menschen, Vieh, Mühlen und allem, was sonst noch dazu gehörte, als sogenannten " Lehen " anvertraute. Eine Vermögensausleihe in Form von Land also, die den Lehnsnehmer - oder wie der Fachausdruck lautet: den Vasallen - in die Lage versetzte, von seinem neuen Einkommen sich selbst und ggf. weitere Männer als Panzerreiter auszurüsten und im Kriegsfalle seinem " Lehnsherrn "  zuzuführen. Kurz: Die Franken (und später alle mittelalterlichen Staaten) finanzierten ihre Panzerreiter mit Hilfe von Lehnsverträgen zwischen Lehnsherren und Vasallen, wobei letztere sich als Gegenleistung für die Übertragung von Lehen verpflichten mußten, Kriegsdienst als Panzerreiter zu tun.

Wir haben den Lehnsvertrag bisher nur als ein Verfahren betrachtet, mit dem die Franken und später mittelalterlichen Staaten, ihre teuren Panzerreiter (die späteren Ritter) finanzierten. Ein Lehnsvertag war aber sehr viel mehr; er war ein Vertrag, der beiden Vertragspartnern, dem Gebenden ebenso wie dem Nehmenden strenge Pflichten auferlegte und so trotz aller Rangunterschiede eine lebenslange enge Beziehung zwischen ihnen begründetete. Man kann die unverwechselbare Denkweise und Moral der Ritter nicht verstehen, wenn man diese besondere Beziehung zwischen Lehnsherrn und Vasall nicht versteht.

Betrachten wir zunächst die Pflichten des Lehnsherrn. Er schuldet seinem Vasallen dreierlei: Erstens Achtung. Das bedeutete, der Lehnsherr mußte den Vasallen, obwohl dieser sein Untergebener war, so behandeln, wie es einem freien Mann zukam. Er durfte ihn nicht schlagen, mußte sein Ansehen wahren, durfte seine Frau oder seine Tochter nicht belästigen - und so fort. Zweitens Schutz. Das bedeutete, der Lehnsherr mußte  seinen Vasallen jederzeit zur Hilfe kommen, wenn dieser angegriffen wurde. Er mußte ihm sein persönliches Eigentum garantieren. Und er mußte ihn ggf. vor dem königlichen Gericht verteidigen.

Drittens Unterhalt. Das bedeutete, der Lehnsherr mußte seinem Vasallen die Nutzung seines Lehens garantieren und ihn, wenn nötig, mit weiteren Einnahmen ausstatten, damit er seine Vasallenpflichten auch erfüllen konnte.

Umgekehrt hatte der Vasall seinem Lehnsherrn gegenüber folgende drei Pflichten: Erstens Achtung: Das bedeutete, der Vasall schuldete seinem Lehnsherrn eine Reihe von Ehrendiensten. Dazu gehörten das Halten des Steigbügels, die Begleitung bei festlichen Anlässen, der Dienst bei der Festtafel (z.B. als Mundschenk) und anderes.

Zweitens Rat: Das bedeutete, der Vasall mußte an den Ratsversammlungen teilnehmen, die der Lehnsherr an seinem Wohnsitz einberief. Und er mußte im Namen des Lehnsherrn über dessen unfreie Untertanen Recht sprechen.

Drittens Hilfe: Das bedeutete, der Vasall mußte allein oder mit einigen seiner Männer als Panzerreiter (später als Ritter) auf Anforderung zur Heerfahrt antreten. Er mußte dem Lehnsherrn notfalls seine Burg zur Verfügung stellen. Und er mußte zum Lösegeld beisteuern, falls sein Lehnsherr in Gefangenschaft geriet.

Betrachtet man ein solches Lehnsverhältnis zusammenfassend aus der Sicht des Lehnsherrn, dann kann man sagen: Für den Lehnsherrn war der Vasall zwar ein Untergebener, dennoch war er zu behandeln wie ein Mann von Ehre. Versetzt man sich hingegen in die Lage des Vasallen, so gilt: er schuldete seinem Lehnsherrn Ehrerbietung, aber ohne Unterwürfigkeit; vor allem aber schuldete er ihm Treue bis zum Tod. Hier, im Lehnsvertag, haben wir also die Quelle, für die erste und vornehmste aller Rittertugenden: die Tugend der unverbrüchlichen Treue.

 

 

In welcher Form wurde ein Lehnsvertrag geschlossen ?

 

 

Der Abschluß eines Lehnsvertrages mit seinen weitreichenden Folgen für beide Seiten war ein ernstes und festliches Ereignis. Dazu lud der Lehnsherr (wir wollen ihn Graf Edulf nennen) seine Vasallen und die Würdenträger der Umgebung an seinen Hof ein. In der folgenden Schilderung sind alle wörtlichen Zitate zeitgenössischen Quellen entnommen - mit Ausnahme der frei dazugesetzten Namen.

Zu Beginn der Zeremonie nahm der Graf auf einem Thronsessel Platz und bedeutetet dem künftigen Vasallen (er mag hier Sico heißen), vor ihm niederzuknien. Dann eröffnet er den förmlichen Rechtsakt mit einer Frage: " Willst du, Sico, von nun an ohne jeden Vorbehalt mein Gefolgsmann sein? "  Darauf Sico: " Das will ich. "

Dieser Absicherungserklärung folgte nun der eigentliche Vertragsabschluß, die sogenannte " Kommendation " . Dabei umschloß der Graf die Hände des vor ihm Knienden mit seinen Händen, während dieser ihm das Treue-Versprechen gab: " Bei meiner Treue verspreche ich, meinem Herrn, dem sehr frommen Grafen Edulf, ein treuer Gefolgsmann zu sein und ihm meine Mannschaft (das heißt: meine Vasallentreue) unwandelbar zu erhalten, aufrichtig und ohne Trug. "  Daraufhin der Graf: " So nehme ich dich, Sico, als meinen Gefolgsmann an. " - Die Kommendation besiegelten die Vertragspartner mit einem Kuß.

Zum Schluß bekräftigte der neue Vasall sein Treue-Versprechen vor Gott durch einen heiligen Eid. Mit der Hand auf der Reliquie eines verstorbenen Heiligen sprach er:  "Durch diesen Eid schwöre ich, meinem Herrn, dem sehr frommen Grafen Edulf, treu zu sein, wie ein Vasall seinem Herrn treu zu sein hat zur Erhaltung seines Besitzes und zur Wahrung seines Rechts. Und ich will und werde diesen von mir geschworenen Eid halten, so wie ich es weiß und verstehe, von diesem Tage an, so wahr mir Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, und diese heiligen Reliquien helfen. "

 

 

 

  Vasallen - frei oder unfrei?

 

 

 

Frei war im frühen Mittelalter ein Mensch, dessen Dienstherr nicht zugleich sein Richter war. Für Freie war vielmehr ein übergeordnetes Gericht zuständig; ein Gericht, das der Landesherr eingesetzt hatte. Dagegen waren für den Unfreien Dienstherr und Richter dieselbe Person. Unfrei zu sein bedeutete demnach eine sehr starke Abhängigkeit vom jeweiligen Dienstherrn.

Betrachtet man unter diesem Gesichtpunkt unsere Ritterfilme und Ritterbücher, dann erscheint einem die Frage, ob es auch unfreie Vasallen (also auch unfreie Ritter) gegeben habe, zunächst unverständlich. Denn unsere Film- und Abenteurbuch-Ritter sind ja ausnahmslos auserlesene Menschen: reich, stolz, unabhängig... Kurzum: sie sind geradezu der Inbegriff von Freiheit.

Die Wirklichkeit sah anders aus. Zwar waren im Kernland des Fränkischen Reiches, dem späteren Frankreich, die meisten der frühen Ritter tatsächlich freie Vasallen. Ihr Lehnsherr war also nicht zugleich ihr Richter, und das garantierte ihnen eine gewisse Eigenständigkeit. Im Ostfränkischen Reich dagegen, dem späteren Deutschland, gab es diese Eigenständigkeit kaum. Denn hier achteten Könige, Herzoge und Grafen streng darüber, daß ihre Macht durch die Vergabe von Lehnen nicht mehr als unbedingt nötig eingeschränkt wurde. Deshalb belehnten sie am liebsten ihre unfreien Dienstleute: einen Gutsverwalter, einen Burgvogt, einen Gestütsleiter oder auch mal einne Handwerker.

Solche unfreien Vasallen nannte man " Ministerialen " . Sie bildeten den Großteil der deutschen Panzerreiter und späteren Ritter. Ministerialen konnten, wenn sie auf ihrem Lehen gut wirtschafteten, wohlhabend, ja sogar reich werden. Mit Zustimmung ihres Lehnsherrn konnten sie sogar eine Burg bauen und dort ein Herrenleben führen. Trotzdem blieben die meisten von ihnen ein Leben lang Unfreie, also Ritter minderen Standes.

 

 

 

             

 

 

  Welchen Ruf hatten die Ritter bei Volk und Kirche

 

 

 

 

Eigentlich sollte man glauben, die fränkischen Panzerreiter und die aus ihnen hervorgegangenen frühen Ritter, die ja so tapfer kämpften seien vom Volk als Retter der Heimat dankbar verehrt worden. Doch das Gegenteil war der Fall: man fürchtete diese Art von Verteidiger wie die Pest.

Aus gutem Grund ! Denn zu Hause, auf ihren Landgütern, waren die Gepanzerten alles andere als brave, selbstlose Männer. Vielmehr nutzen sie die chaotischen Verhältnisse während des  " Wikingersturms" und die Schwäche der oftmals erbärmlichen fränkischen Könige rücksichtslos zu privaten Kleinkriegen aus - eine Quelle unendlichen Elends für die Landbevölkerung, die am meisten zu leiden hatte. Ohne Umschweife nennt ein angesehener Mittelalter-Forscher deshalb die frz. Ritter des 9. bis 11. Jhd.   "eine Horde von Draufgängern, die nur Erfolg und Faustrecht anerkannten " .

Erst als die Regierung der Staaten, die aus der Teilung des Frankenreichs hervorgegangen waren, stark genug waren, um im Inneren härter durchzugreifen, wurden die Verhältnisse erträglicher. Doch ganz ausrotten konnten selbst mächtige Könige und Fürsten das Faustrecht nicht. In einem Buch, das im Jahre 1128 erschien, nannte der berühmte frz. Abt und Ordensgründer Bernhard von Clairveaux  (1091 - 1153) die Ritter seines Landes mit einem lateinischen Wortspiel " non militia sed malitia "  (= keine Ritter, sondern ein Übel). Und 70 Jahre später redete der Mönch und Philosoph Alanus von Lille ( um 1120 - 1202) den Gewalttätigen von der Kanzel herab ins Gewissen: " Aus Rittern sind jetzt Beutejäger und Wegelagerer geworden. Was sie da treiben ist kein Kriegsdienst mehr, sondern Raub. Unter dem Deckmantel des Ritters üben sie sich in der Grausamkeit eines Strauchdiebes. Statt gegen die Feinde zu kämpfen, wüten sie unter den Armen. Die sie mit dem Schild der .... Verteidigung beschützen sollen, verfolgen sie mit dem Schwert ihrer Wildheit.    .... Indes, Leute, die die Waffen erheben um zu plündern, sind keine Ritter mehr, sondern Räuber und Diebe. Keine Verteidiger, sondern Angreifer. "

 

 

Der Versuch der Kirche, die Moral der Ritter zu heben

 

 

Während des 10. Jahrhunderts ging von dem in Südfrankreich gelegenen Benediktinerkloster Cluny (gegründet 911) eine große Erneuerungsbewegung aus, die im Abendland zu einem vertieften Verständnis der christlichen Lehre und zu einer Reihe von Reformen führte, mit denen die Kirche zum ersten Mal auch als weltlicher Gesetzgeber auftrat. Eine solche Reform war die Verkündung des sogenannten " Gottesfriedens " - eine Maßnahme, die vor allem gegen die Willkür und Brutalität der frühen Ritter gerichtet war.

" Gottesfrieden " (lateinisch: Pax Dei) - das bedeutete: jedermann, der nicht aus der Kirche ausgeschlossen und nach seinem Tode der ewigen Verdammnis anheimfallen wollte, mußte von nun an seine Friedenspflicht als Christ streng beachten. Unter dem besonderen Schutz des " Gottesfriedens "  standen fortan: Kirchen, Kapellen, Wallfahrtsorte, Gasthäuser, Märkte, Furten und Straßen. Und weiter: Priester, Mönche, Pilger, Frauen und reisende Kaufleute.

Um den " Gottesfrieden " durchzusetzten, drohte die Kirche nicht nur mit dem Gericht Gottes und ewigen Höllenstrafen, sie rief auch die Anständigen und Frommen unter den Rittern auf, ihr bei ihren Friedensbemühungen zur Hilfe zu eilen, notfalls mit der Waffe in der Hand.

Das war eine ganz neue Haltung, denn bis dahin hatte die Kirche jeden Gebrauch von Waffen verdammt, auch wenn er in guter Absicht geschah. Jetzt aber erklärte sie: ein Ritter, der in einen gerechten Kampf ziehe, sei kein Friedensbrecher, sondern ein Vorkämpfer für die Sache Gottes.

Diese folgenschwere Kehrtwendung der Kirche veränderte das Selbstverständnis der frühen Ritter von Grund auf. Denn von nun an stand jedem Ritter eine ganz ungewohnte Laufbahn offen: die eines Glaubenskämpfers, der mit dem ausdrücklichen Segen der Kirche das bisher Unvereinbare miteinander verbinden konnte, nämlich kämpfen, um Gutes zu tun. Damit hatte die Kirche ein neues Ideal geschaffen: das Ideal des " christlichen Ritters " .

Vor allem aber ließ die Kirche bedeutende Gottesgelehrte verbindliche Regeln aufstellen, an denen man den " christlichen Ritter "  fortan erkennen sollte. Einer dieser Gelehrten war Bischof Bonizo von Sutri (geb. um 1045, gest. zwischen 1090 und 1095). In seinem  "Buch über das christliche Leben " , umriß er das Idealbild des " christlichen Ritters " so: "Es ist die besondere Sache der Ritter, ihren Herrn ergeben zu sein, nicht nach Beute zu streben, zum Schutz des Lebens ihres Herrn das eigene Leben nicht zu schonen, für das Wohl des Staates bis zum Tode zu kämpfen, Glaubensfeinde und Ketzer zu bekriegen, Arme, Witwen und Waisen zu verteidigen, die gelobte Treue nicht zu brechen und ihrem Herrn nicht meineidig zu werden. "

 

 

 

 

  Die Kreuzzüge

 

 

 

Am 27. November des Jahres 1095 rief Papst Urban II. (1088 - 1099) in der mittelfrz. Stadt Clermont (heute: Clermont-Ferrand) die abendländische Christenheit zu einem kühnen Unternehmen auf: Fürsten und Ritter und mit ihnen alle wehrfähigen Männer sollten sich alsbald bewaffnen und schon im kommenden Jahr ins ferne Palästina aufbrechen, um die heilige Stadt Jerusalem, in der Christus gelehrt und gelitten hatte, und die übrigen heiligen Stätten von ihren islamischen Bedrückern zu befreien.

Der mit Jubel aufgenommene Aufruf des Papstes eröffnete das Zeitalter der Kreuzzüge, das zwei Jahrhunderte ( von 1096 - 1291 ) dauern sollte. In diesem Zeitraum machten sich unter der Parole " Deus le vult " ( Gott will es so) mehr als eine Millionen Soldaten und Pilger auf den Weg ins Heilige Land. Für jeden zweiten von ihnen war es eine Reise ohne Wiederkehr: Seuchen, Naturkatastrophen und Krieg rafften die Menschen dahin. Und auch politisch war das gigantische und sündhaft teure Unternehmen eine Katastrophe: nichts von dem, was die Christen im ersten Ansturm erobert hatten, konnten sie auf Dauer behaupten.

Für die Entwicklung des Rittertums aber bedeuteten die Kreuzzüge einen letzten, entscheidenen Schritt. Denn mit seinem Appell hatte der Papst als Stellvertreter Christi auf Erden dem Ideal des christlichen Ritters neuen Glanz verliehen. Sein Aufruf hatte der weithin verwilderten abendländlichen Ritterschaft endlich ein allgemein anerkanntes Ziel für ihre kriegerischen Gelüste aufgezeigt und sie so mit neuem Selbstvertrauen erfüllt.

Die Entwicklung des Rittertums erreichte zwischen 1180 und 1250 ( in der Zeit der Kreuzzüge also) ihren Höhepunkt. Wenn jetzt in Dichtungen oder Dokumenten von  "Rittern "   die Rede war, dann waren damit nicht einfach gepanzerte Krieger zu Pferde gemeint, sondern ganz bestimmte und unverwechselbare Gestalten.

Ein Ritter unterschied sich vom Nicht-Ritter durch bestimmte Lebensinhalte, Ziele, Ideale und Wunschträume, denen er sich verpflichtet fühlte und nach denen er sein Leben einrichtete.

 

 

 

  Die Erziehung eines Ritters

 

 

 

Die Erziehung des Ritters begann früh, war hart und dauerte lange. Schon im Alter von sieben Jahren wurde aus dem Kind der " Page ", was bedeutete, daß der Knabe aus der Obhut der Frauen in die Schule der Männer überging.

In der Pagen-Ausbildung spielte der Umgang mit den ritterlichen Waffen zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Denn zuvor hatte der Knabe das Ritter-ABC zu erlernen. Reiten, Schwimmen, Bogenschießen ( für die Jagd), Faustkampf und Vogelfallen aufstellen. Das Einüben dieser Fertigkeiten fand unter den Augen des Vaters, der Brüder oder eines bestellten Erziehers statt.

Dann, im Alter von vierzehn Jahren, mußte der Page das Elternhaus verlassen, um - nun als Knappe - seine Ausbildung bei einem anderen Ritter fortzusetzen. Als Ausbildungsstätten für Knappen besonders beliebt waren die Fürstenhöfe, denn dort war nicht nur das Kampf- und Sporttraining besonders vielseitig, dort konnte ein hoffnungsvoller junger Mann auch leichter Aufmerksamkeit erregen und rascher Karriere machen.

Ziel der Knappen-Ausbildung war es, den vollkommenden Ritter heranzubilden: Dabei lag das Hauptgewicht naturgemäß auf den verschiedenen Kampftechniken. Geübt wurden vor allem die Treffsicherheit beim Anrennen mit der Lanze sowie der Kampf mit Schwert, Streitkolben oder Streitaxt, wobei die Ausbilder Wert darauf legten, daß der Knappe diese Waffen mit beiden Händen gleichgut handhaben konnte.

Indes lernte der Jüngling nicht nur kämpfen. Von ihm wurde auch erwartet, daß er seine Manieren verfeinerte. Ein wohlerzogener Knappe mußte " tanzen und hofieren können; auch mußte er das Bredspiel (Brettspiel) verstehen und alles, was ihn noch zieren mag ". Besondere Schwierigkeiten scheint manchem das gute Benehmen bei Tisch gemacht zu haben, denn ein damals viel benutztes Erziehungsbuch ermahnt die künftigen Ritter eindringlich, doch bitte mit dem eigenen Löffel zu essen, nicht zu rülpsen, sich nicht ins Tischtuch zu schneuzen und angebissenes Brot oder abgenagte Knochen nicht in die Schüssel zurück zu legen. Und die Ausführungen schließen mit dem vielsagenden Hinweis " Wer gerade Essen im Munde hat, der trinke nicht wie ein Vieh " .

Nicht  selten endete das Leben des Knappen tragisch. Zwar war er noch kein richtiger Krieger, aber er hatte doch die Pflicht, seinen Herrn im Kampf zu begleiten, durfte ihm im Getümmel nicht von der Seite weichen und mußte mutig dazwischen gehen, wo tödliche Gefahr drohte. Die Folge dieser früh eingeschärften Treuepflicht war, daß so mancher Knappe einen frühen Heldentod starb.

 

 

Wie wurde ein Knappe in den Ritterstand aufgenommen ?

 

 

Hatte ein Knappe seine militärischen Fähigkeiten voll entwickelt und hatte er auch seine Charakterfestigkeit unter Beweis gestellt, dann konnte er zum Ritter " promoviert " (befördert) werden. Das geschah durch die sogenannte " Schwertleite ". In der Regel war der Knappe zu diesem Zeitpunkt etwa 21 Jahre alt.

Ursprünglich bestand  die Schwertleite nur in der Übergabe der ritterlichen Waffen durch den Vater, den Vormund oder eines Freundes. Im Laufe der Zeit aber entwickelte sich daraus eine religiöse Zeremonie, in der das Selbstverständnis des christlichen Ritters seinen feierlichen Ausdruck fand.

Die Zeremonie begann am Vortage mit einem rituellen Bad: eine altehrwürdige Erinnerung an die notwendige Abwaschung der Sünden. Den so Vorbereiteten bettete man auf ein weißes Lager: eine Verheißung des ewigen Friedens, der den christlichen Ritter dereinst im Paradies erwartete. Dann der festliche Zug zur Kirche, wo der Knappe in langem, dunklem Mantel, den Kopf von einer Kapuze verhüllt, die Nacht betend vor dem Altar verbrachte. Diese dem Mönchsleben nachgestaltete Nachtwache endete im Morgengrauen mit einer Messe.

Danach begann der eigentliche Festtag mit der zeremoniellen Einkleidung. Dabei angelegt wurden: ein rotes Gewand (als Mahnung an die Pflicht, sein Blut für die Kirche zu vergießen), schwarze Strümpfe (als Mahnung an den Tod) und ein weißer Gürtel (als Zeichen für die Keuschheit des Leibes). So angetan, führte man den Knappen in den Festsaal, wo er vom ehrwürdigsten der anwesenden Ritter Waffen und Sporen erhielt: die eigentliche Schwertleite. Am Ende zog man gemeinsam zur Kirche, wo der Priester über das auf dem Altar liegende Schwert und über den jungen Ritter selbst den kirchlichen Segen sprach.

Unabhängig davon, ob die Schwertleite im Einzelfalle nun einfach oder zeremoniell begangen wurde - immer war sie ein Freudenfest, das man mit einer Festtafel, Musik und Tanz feierte. Und selbstverständlich mit einem Turnier, bei dem der junge Ritter zum ersten Mal öffentlich gegen harte Konkurrenz seinen Mut und sein Können zeigen muß.

Ein zweites Verfahren, durch das ein Knappe zum Ritter promoviert werden konnte, war der " Ritterschlag " . Vermutlich stammt diese Sitte aus Frankreich, wo sie seit Mitte des 13. Jhd. sicher bezeugt ist.

Den Ritterschlag gab es in zwei unterschiedlichen Formen: einer älteren, bei der der Knappe mit der Handkante auf den Nacken geschlagen wurde, und einer jüngeren, bei der ein Ritter die linke Schulter des vor ihm Knienden mit der Schwertklinge berührte. Der Schlag mit der Klinge hat einen ausgesprochen kriegerischen Charakter, und tatsächlich wurden Knappen so vor allem auf dem Schlachtfeld zu Rittern geschlagen: vor dem Kampf als Ansporn oder nach errungenem Sieg als Belohnung.

 

 

Was machte der junge Ritter nach der Schwertleite ?

 

 

Für einen jungen Mann, der weder ein reiches Erbe zu erwarten, noch über einflußreiche Verwandte oder Freunde verfügte, war das eine lebenswichtige Frage. Eine verlockende Antwort darauf fand er in den weitvebreiteten und beliebten Heldenliedern und Ritterromanen. Sie lautete: ein junger Ritter, der auf sich hält, hat sich auf Reisen zu begeben, damit die Welt von seinem Mut, seiner Stärke und seinen Tugenden erfährt; dann wird es ihn an Anerkennung und Lohn nicht fehlen.

Tatsächlich schlugen viele diesen Weg ein, kratzten zusammen, was sie besaßen und ergriffen den Beruf des " fahrenden Ritters " . Selbstverständlich spielten dabei Jungmännerträume eine große Rolle. Letzten Endes aber verfolgte jeder dieser Jungritter drei ganz klare Ziele: - man wollte sich an den Höfen der Großen im Turnier hervortun, um durch Preise und Beute seine Barschaft aufzubessern; - man wollte durch Kühnheit und höfisches Benehmen auf sich aufmerksam machen, um gegen guten Sold in die Gefolgschaft eines hohen Herrn aufgenommen zu werden; - und am wichtigsten: man wollte, indem man alle seine Vorzüge zur Schau stellte, eine reiche Erbin oder Witwe für sich gewinnen, sie heiraten und fortan das Leben eines Mannes von Ehre und Ansehen führen.

Tatsächlich ging diese typische Jungritter-Rechnung nicht selten auf. Manche aber erreichten ihr Ziel nie und mußten sich mühsam durchschlagen. Wobei sie, auch wenn es ihnen noch so dreckig ging, stets die Fassade eines frei und großzügig lebenden Ritters aufrecht erhalten mußten. Ein glanzloses Dasein auf Kredit und Pump also, das oft genug irgendwo in der Welt im Schlamm eines Schlachtfelds elend endete.

 

 

 

 

                                                 

 Die Rüstung eines Ritters

 

 

 

Die Rüstungen, die zwischen dem 8. und dem 16. Jhd. in Europa entstanden sind, könnten leicht ein dickes Buch füllen, so vielfältig sind sie. Deshalb soll sich  hier auf die große Zeit des Rittertums (also auf die Zeit zwischen 1050 und 1300) beschränkt werden und dazu noch die Zeit bis zum Jahre 1400 miteinbeziehen. Um dabei die Übersicht nicht zu verlieren, wird dieser Zeitraum  schematisch in fünf Stufen eingeteilt.

1. Stufe (ca. 1050 - 1220): Im Grunde war der Ritter dieser Zeit noch immer der alte fränkische Panzerreiter. Mit zwei wichtigen Ausnahmen. Erstens wich der alte Schuppenpanzer jetzt endgültig dem Kettenhemd, das vom Kopf bis zu den Knien reichte und durch Kettenstrümpfe ergänzt wurde. Und zweitens bevorzugte man Helme mit einem Gesichtsschutz, zuerst in Form eines angeschmiedeten Nasenschutzen, später (seit ca. 1170) auch in Form einer Platte mit Augenlöchern: der sogenannten Barbiere.

2. Stufe (seit ca. 1220): Die wichtigste Neuerung dieser Stufe war der vollkommende  Schutz des Gesichtes durch den sogenannten Topfhelm, den der Ritter vor dem Kampf über die Kettenhaube seines Kettenhemdes stülpte. Die Einführung dieses Helmungetüms hatte allerdings eine wichtige Konsequenz: fortan wußte niemand mehr, wen er im Getümmel eigentlich vor sich hatte. Um Verwechslungen zu vermeiden, brauchte man also ein Erkennungszeichen. Das war die Geburtsstunde des Wappens: so nennt man die farbigen Zeichen oder Bilder, durch die man den Ritter schon von weitem ausmachen konnte. Wappenzeichen schmückten von nun an den Topfhelm, den über der Rüstung getragenen Waffenrock, den Schild, den Wimpel und die Pferdedecke.

3. Stufe (seit ca. 1250): Kettenhemden boten gegen weittragende Pfeile, Armbrustbolzen und Lanzenstiche keinen vollkommenden Schutz. Deshalb verstärkten die Ritter ihre Rüstung, indem sie über dem Kettenhemd noch einen Brustpanzer trugen, der aus Eisenplatten zusammengenietet und der Körperform angepaßt war. Dieser Brustpanzer war der erste Schritt auf dem Weg zur vollständigen Plattenrüstung.

4. Stufe (seit Anfang des 14. Jhd.): Zum Brustpanzer kamen auf dieser Stufe weitere Eisenplatten, die wichtige Körperpartien zusätzlich schützen sollten: die Schultern, die Knie und andere Stellen. Das Ergebnis dieser Entwicklung war die Teilplattenrüstung, die mehr und mehr zu einer eisernen Kapsel zusammenwuchs, in der der Ritter eingeschlossen war: kaum verwundbar, aber auch schwer beweglich - wie ein Krebs in seinem Gehäuse.

5. Stufe (seit Ende des 14. Jhd.): Auf dieser Stufe war die vollständige Plattenrüstung fast erreicht. Vom alten Kettenhemd war nur noch eine Art Halskragen übriggeblieben, der bis zum Helm hinaufreichte. Dieser war nach wie vor geschlossen, hatte jetzt aber eine elegantere Form als der traditionelle Topfhelm und konnte durch ein aufklappbares Visier vor dem Gesicht geöffnet werden.

 

 

 

 

 

  Die Waffen der Ritter

 

 

 

 

Von Anfang an kämpfte der Ritter mit nur zwei Waffentypen: einer Stoß- und einer Schlagwaffe. Zwei weitere wirkungsvolle Waffen, Wurfspeer und Bogen, beherrschte er zwar, benutzte sie aber nur auf der Jagd.

Die klassische Stoßwaffe des Ritters war die Lanze. Die Panzerreiter schwangen diese Waffe über dem Kopf, um dann von oben zuzustoßen. Erst im Laufe des 11. Jhd. gingen die Ritter dazu über, die Lanze " einzulegen" und so gemeinsam gegen den Feind anzurennen. Die Wirkung dieser Taktik war furchtbar - sie riß die gegnerische Front regelrecht in Stücke. Halb verwundernd, halb entsetzt bemerkt dazu der berühmte spanische Gelehrte und Dichter Ramón Llull ( 1235 - 1316 ) : " Ein Franke ( gemeint: ein französischer Ritter) zu Pferde kann ein Loch in die Mauern von Babylon stoßen. "

Die klassische ritterliche Schlagwaffe war das gerade Schwert, Ritter und Schwert - das sind Begriffe, die untrennbar zusammengehören. Neben dem Schwert waren aber auch noch andere Schlagwaffen im Gebrauch: die schwere Streitaxt, die auch den stärksten Helm spalten konnte, der Streitkolben, mit seinem massiven, scharfkantigen Kopf eine furchtbare Waffe, und schließlich der Steithammer, der allerdings erst im 15. Jhd. aufkam, dann aber bei den Rittern recht beliebt war.

 

 

Wie kämpfte ein Ritter in der Schlacht ?

 

 

Die typische Ritterschlacht war ein Kampf ohne jede militäriche Taktik. Wohlüberlegte Aufstellung der Truppen, Einkesselung, gar eine Falle oder ähnliche Hinterhältigkeiten - all das lehnte ein echter Ritter als unehrenhaft ab. Für ihn bestand die Kriegskunst vor allem im direkten Angriff und im offenen Kampf Mann gegen Mann.

Wollte sich ein Feldherr über diese ritterlichen Ehrbegriffe hinwegsetzen, so konnte er böse Überraschungen erleben. Wie z.B. König Rudolf von Habsburg, als er vor der Schlacht von Dürnkrut (1278) anordnete, aus 50 - 60 Rittern eine Reserve für den Notfall zu bilden. Daraufhin verweigerte ihm der vorgesehene Führer dieser Einheit, Graf Heinrich von Pfannenberg, den Gehorsam. Und dessen beide Stellvertreter übernahmen das Kommando erst, nachdem sie sich reihum bei ihren Kameraden entschuldigt hatten: der König habe sie zu diesem unehrenhaften Kommando gezwungen.

Auch sonst gehörte Disziplin vor der Schlacht nicht zu den ritterlichen Tugenden. Immer wieder kam es vor, daß Einzelne oder ganze Gruppen sich vor der Zeit auf den Feind stürzten und so den geordneten Aufmarsch der Truppen gefährdeten. Gerieten sie dabei in Bedrängnis, dann eilten ihnen weitere Einheiten zur Hilfe, und es begann ein planloses Gemetzel, das nicht selten mit einer Niederlage endete, wenn der Gegner die allgemeine Verwirrung ausnutzte. Schließlich nahmen solche Disziplinlosigkeiten so sehr überhand, daß sich die Templer und der Deutsche Orden gezwungen sahen, jedem mit dem Ausschluß aus der Ordensgemeinschaft zu drohen, der sich vor dem Signal zum Angriff auf einen Kampf einließ.

Ansonsten begann die typische Ritterschlacht mit einer gemeinsamen Attacke in geschlossener Formation. Die Gepanzerten stülpten den Topfhelm über die eiserne Kapuze, senkten drohend die Lanzen und donnerten so in gestrecktem Galopp auf die Reihen des Gegners zu.

War die Schlacht geschlagen und gewonnen, richtete sich das Interesse des Siegers vor allem darauf, das Schlachtfeld zu besetzen - eine Art Imponiergehabe, das jedermann zeigen sollte: hier stehe ich, der Sieger. Den Gegner zu verfolgen und zu vernichten - daran dachte niemand. Zwar mag es dabei auch mitgespielt haben, daß die schwerbelasteten und deshalb erschöpften Pferde eine Verfolgung vielleicht nicht mehr durchgestanden hätten. Wahrscheinlicher aber ist, daß den Siegern die zeremonielle  "Behauptung der Walstatt "  ehrenvoller erschien. Jedenfalls blieben sie dort zuweilen tagelang.

Ernst und gemessen schritten sie dann in der Abenddämmerung über das Schlachtfeld, um den Hochgestellten unter den gefallenen Gegnern die letzte Ehre zu erweisen. Fand man die Toten nackt, was häufig geschah, weil Rüstungen bevorzugte Beutestücke waren, dann wusch man sie, kleidete sie ein und hielt ihnen, wie den eigenen Leuten, unter Gebeten und Gesängen die Totenwache. So forderte es der ritterliche Anstand.

 

 

Wie beschäftigte sich der Ritter im Frieden ?

 

 

Wenn ein Ritter nicht tapfer kämpfen konnte, war seine Lieblingsbeschäftigung die Jagd. Ritter sein und jagen - das waren zwei Seiten derselben Medaille. " Er war ein Edelmann " , heißt es auf einer mittelalterlichen Grabinschrift, " seine Hunde liebten ihn sehr. "

Um ihrer Jagdleidenschaft zu frönen, kannten die Ritter keine Rücksicht. Manche Bauernaufstände wurden dadurch ausgelöst, daß die vom Jagdfieber Getriebenen bei der Hatz auf Hirsche, Rehe oder Wildschweine mitten durch die Saaten preschten, das reife Korn zertraten, Zäune niederrissen und auch sonst keine Rücksicht kannten. Das alles war tausendmal bestätigtes Herrenrecht. Und wehe dem, der daran zu rühren wagte !

Dabei war die Jagd, anders als heute, kein Kinderspiel, sondern zuweilen ein lebensgefährliches Abenteuer. Z.B. , wenn der Jäger einem übermannshohen Bären allein mit dem Spieß gegenübertrat. Auch ein wilder Eber konnte, wenn er sich bedroht fühlte, einen Mann zu Boden werfen und mit seinen Stoßzähnen zerfetzen. Auf einem berühmten Bild, der sogenannten " Manessischen Liederhandschrift " , sieht man wie sich ein Jagdbegleiter mit knapper Not vor einem wütenden Keiler auf einen Baum rettet.

Als besonders vornehm galt die Falkenjagd. Friedrich II. ( 1212 - 1250 ) , einer der bedeutensten Kaiser des Mittelalters, schrieb darüber in der lateinischen Gelehrtensprache seiner Zeit ein mehrbändiges Werk: " De arte venandi cum avibus " - zu deutsch: " Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen ". Ein Buch, das der Beobachtungsgabe des Monarchen ein glänzendes Zeugnis ausstellt.

Die Abrichtung eines Falken ( oder anderer Greifvögel: Adler, Habicht und Sperber) zur Jagd war ein mühseliges Geschäft und dauerte Jahre. Um so höher schlug das Herz des Falkners, wenn sich das von der behandschuhten Hand aufsteigende majestätische Tier in Sekundenschnelle auf seine Beute stürzte: tollkühn und todbringend wie ein Ritter in der Schlacht.

 

 

 

 

  Was versteht man unter einem Turnier?

 

 

 

 

Als Turniere bezeichnet man die so charakteristischen Kampfspiele, bei denen Ritter und Knappen vor einem begeisterten Publikum ihre Geschicklichkeit im Waffenhandwerk und ihren Mut unter Beweis stellen konnten. Auf Turniern zu kämpfen war für jeden echten Ritter nicht nur ein Vergnügen, die Teilnahme bedeutete auch hohe Ehre. Das Mittelalter kannte drei unterschiedliche Formen des Truniers: Buhurt, Tjost und Turnei.

Der Buhurt war ein Massenkampf zwischen zwei gleichgroßen und gleichstarken Heerhaufen. Das dafür abgesteckte Turnierfeld umfaßte Wiesen, Wälder und Lichtungen, war also ein richtiges Schlachtfeld. Gekämpft wurde allerdings nur mit stumpfen Waffen. Sonst aber ging alles genauso zu wie im Kriege. Ein Ritter, der im Getümmel stürzte, seine Waffen verlor oder keine Luft mehr bekam und deshalb aufgeben mußte, wurde vom Sieger entwaffnet und abgeführt. Als Gefangener schuldete er seinem Überwinder nicht nur sein Pferd und seine Rüstung, sondern auch ein Lösegeld.

Im Gegensatz zum Buhurt war der Tjost ein Zweikampf. Er begann stets mit einem Lanzenstechen. Die Regeln konnten aber vorsehen, daß die Gegner nach mehreren Runden absteigen mußten, um das Gefecht zu Fuß und mit dem Schwert fortzusetzen. Nicht selten wurde beim Tjost auch mit scharfen Waffen gefochten.

Ein Mittelding zwischen Buhurt und Tjost war der Turnei ( das Turnier im engeren Sinne). Hier kämpften auf einem kleineren Turnierfeld zwei überschaubare Gruppen mit stumpfen Lanzen gegeneinander. Sieger war die Partei, die im Kampf Mann gegen Mann die meisten Gegner aus dem Sattel werfen konnte.

Vermutlich fanden die ersten Turniere um die Mitte des 11. Jhd. in Nordfrankreich statt. Verbreitet hat sich der später so beliebte Kampfsport aber erst zu Beginn des 12. Jhd. Danach allerdings wurden Turniere neben Krieg und Jagd rasch zur Lieblingsbeschäftigung der Ritterschaft und dementsprechend immer häufiger, vielseitiger und prächtiger - bis Kaiser und Könige schließlich wahre Turnier-Orgien veranstalteten, mit Tausenden von Teilnehmern und Zigtausenden von Zuschauern.

 

 

Wie ging es bei einem Turnier zu ?

 

 

Man muß sich ein Turnier vorstellen wie eine Mischung aus farbenprächtigen Freilufttheater und Volksfest. Zu Beginn riefen Herolde die Teilnehmer namentlich auf und stellten sie den vornehmen Damen und Herren vor, die sich auf den Tribünen drängten. Dann wurden die Regeln verlesen und die Kämpfe begannen. In jeder Phase nahmen die Zuschauer am Turniergeschehen Anteil.

Das Turnier endete gegen Abend mit der Siegerehrung. Dazu erschienen die Helden des Tages vor der Haupttribüne, wo ihnen eine Dame unter dem Beifall der Anwesenden den Siegerkranz aufs Haar drückte. Danach ließen die Teilnehmer ihre Wunden behandeln, stiegen ins Bad, legten Festkleidung an und erschienen so zu Tanz und Gelage, die oft bis tief in die Nacht dauerten.

Diese glänzende Fassade verdeckte allerdings so manche Tragödie. Denn ein Turnier war kein harmloses Waffenspiel. Auch eine stumpfe Lanze konnte, wenn sie unglücklich traf, den Gegner sehr schwer verletzen oder gar töten. Ebenso ein heftig geführter Schlag mit dem stumpfen Schwert. Wer aus dem Sattel gehoben wurde, konnte sich leicht das Genick brechen. Und im Getümmel eines Buhurts wurden viele von Pferdehufen zertrampelt oder erstickten untern ihren Helmen, wenn sie vornüber besinnungslos in den Sand stürzten.

So gibt es Forscher, die annehmen, daß bei Turnieren mehr Ritter umgekommen seien, als in der Schlacht. Auch wenn das vielleicht übertrieben ist: die überlieferte Liste der im Turnier getöteten Könige, Herzöge, Grafen und Barone ist jedenfalls erschreckend lang. Für die einfachen Ritter, die ja die große Mehrheit der Turnierteilnehmer stellten, besitzen wir keine genauen Zahlen, weil die Chroniken nur über Hochgestellte berichten. Doch sprechen vereinzelte Angaben über die Gesamtverluste eine eindeutige Sprache. So starben im Jahre 1240 allein auf einem einzigen Turnier in Köln 40 Ritter und Knappen !

 

 

Welche Rolle spielten Turniere im Leben der Ritterschaft ?

 

 

Ungeachtet aller Gefahren war das Turnier vor allem für die jüngeren Ritter eine Bühne, auf der sie ihre Vorzüge ins rechte Licht setzen konnten. Mit welcher Hingabe sich manch einer diesen Zielen nach Ehre und Ruhm verschrieb, mag das Beispiel des englischen Ritters William the Marshall zeigen, der es in reiferen Jahren bis zum Erzieher und Statthalter seines noch unmündigen Königs Heirich III. brachte. In seiner Jugend aber war William von Turnier zu Turnier gezogen, wobei es ihm allein im Jahre 1177 gelang, 103 Siege nebst den dazugehörigen Lösegeldern zu erkämpfen.

Gegen eine Leidenschaft solchenAusmaßes stand selbst die allmächtige Kirche auf verlorenem Posten. Gleich als die Turniere in Mode kamen, hatte Papst Innozenz II. auf dem 2. Konzil von Clermont (1130) Turniere als gottlose Eitelkeit und Kraftmeierei verdammt. Wer dabei den Tod fand, durfte nicht in geweihter Erde begraben werden. Als das nicht fruchtete, verschärfte man die Strafandrohungen von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Aber es half nichts. Offenbar wollten die meisten Ritter lieber in der Hölle brennen als auf ihre geliebten Spiele zu verzichten. So mußte die Kirche schließlich einlenken. Im Jahre 1316, nach zwei Jahrhunderten vergeblichen Mahnens und Drohens, hob Papst Johannes XXII: das Turnierverbot wieder auf.

 

 

 

 

  Wie wohnte ein Ritter

 

 

 

 

Selbstverständlich wohnte ein richtiger Rittter auf einer richtigen Burg - so glauben die meisten. Doch das stimmt nicht. Denn um eine Burg bauen und unterhalten zu können, mußte man sehr viel Geld verfügen. Sehr viel Geld aber hatten nur der Hochadel und vielleicht noch ein paar reich gewordene Ministerialien. Dagegen lebten die meisten Ritter in bescheidenen Verhältnissen, hatten also nicht die geringste Aussicht, jemals Burgherr zu werden. Wo dennoch Ritter ohne Vermögen auf Burgen wohnten, da taten sie es als Angestellte ihres Dienstherrn: als Burgvögte, Verwalter, Waffenmeister, Jagdaufseher und so weiter.

Die Mehrzahl der einfachen Ritter aber lebte draußen auf dem Lande, meist in einem Dorf, das zu ihrem Lehen gehörte, umgeben von den Holzhütten ihrer Bauern und Leibeigenen. Über ihre eigenen Häuser weiß man nicht allzu viel. Vermutlich waren die meisten aus Stein gebaut, besaßen an den Ecken kleine Erker, aus denen man freies Schußfeld hatte, und wurden durch einen schmalen Wassergraben geschützt.

Im Inneren gab es gewöhnlich zwei Räume: ein Wohn- und Empfangszimmer, in dem auch gekocht und gegessen wurde, und ein Schlafzimmer für die ganze Familie. Eingerichtet war ein solches Ritterhaus mur mit dem Allernötigsten: mit Tischen, Bänken, Schemeln, Betten, Truhen, viel Stroh und wenigen Stoffen. Alles in allem also nicht gerade das, was man sich im allgemeinen unter einem ritterlichen Haushalt vorstellte.

 

 

  Die Ritterburg

 

 

Dieses Thema werde ich hier jetzt nicht behandeln. Einen  ausführlichen Bericht über die Entstehung der Burgen , derenVorläufer usw. könnt ihr  hier nachlesen .....

 

 

 

  Warum sich die Ritter als Soldaten nicht behaupten konnten

 

 

 

 

Wie wir wissen, kämpfte der Ritter mit Lanze, Schwert, Axt, Streitkolben oder Streithammer - er war also ein Nahkämpfer. Doch im Laufe des 14. Jhd. kamen zunehmend Fernwaffen auf, gegen die Kettenhemd und Brustpanzer keinen wirksamen Schutz mehr boten. Die beiden wichtigsten waren die Armbrust und der mannshohe englische Langbogen.

Vor allem der aus Eichenholz gefertigte Langbogen war eine fürchterliche Waffe. Er hatte eine Reichweite von 500 Metern; seine Pfeile konnten noch aus 200 Metern Entfernung eine starke Eichenbohle durchschlagen. Mit dieser Waffe machten die Ritter Frankreichs Bekanntschaft, als sie im Jahre 1346 nahe der frz. Kanalküste, beim Dorfe Crécy, mit einer an Zahl weit unterlegenden englischen Armee zusammenstießen, die jedoch über 8 000 Langbogen-Schützen verfügte. Die Folgen waren verheerend. Im anhaltenen Pfeilhagel verwandelten sich die Schlachtreihen der verbissen anreitenden Franzosen in ein Gewirr von schreienden und stürzenden Menschen- und Pferdeleibern - ein blutiges Chaos, in dem die nachsetzende englische Reiterei leichtes Speil hatte. Nach nur anderthalb Stunden Kampf lagen die Besten der französichen Ritterschaft tot auf dem Schlachtfeld.

Die im wahrsten Sinne des Wortes durchschlagende Wirkung der neuen Fernwaffen hatte zur Folge, daß die Ritter ihre Rüstungen immer weiter verstärkten. Doch das war, wie die Erfahrung schon bald zeigte, kein sinnvoller Ausweg aus der sich abzeichnenden Krise. Denn so massive Rüstungen machten die Gepanzerten immer schwerer und schwerfälliger - bis man sie schließlich wie zentnerschwere Stahlpuppen mit Kränen aufs Pferd hieven und im Sattel festbinden mußte.

Als zunehmend überholt erwies sich jedoch nicht nur die Ausrüstung des Ritters, sondern auch seine Art zu kämpfen. Zum ritterlichen Selbstverständnis gehörte ja die stillschweigende Einkunft, daß allein der Kampf von Angesicht zu Angesicht ehrenvoll sei, während jede Kriegslist als unritterlich verpönt war. Ein solcher Ehrenkodex aber war für manche Gegner ohne jede Bedeutung. So für die Bauern- und Bürgerheere der schweizer Kanton (Provinzen), die seit dem 14. Jhd. mit allen Mitteln für ihre Freiheit kämpften. 1315 bei Morgarten, 1386 bei Sempach, 1444 bei Sankt Jacob an der Birs, 1476 bei Murten und 1477 bei Nancy besiegten diese "  Bauerntölpel "  glanzvolle Ritterheere mit recht unritterlichen Methoden.

 

 

 

 

 

Warum so viele Ritter verarmten

 

 

 

 

Im Laufe des 14. und 15. Jhd. verloren die Ritter nicht nur militärisch ihre Vorangstellung. Auch wirtschaftlich gerieten viele in eine Krise, weil die Einnahmen, die sie aus ihren Landgütern zogen, mehr und mehr zurückgingen.

Ausgelöst wurde diese  Krise durch Hungerkatastrophen und immer wieder aufflackernden Seuchen, die große Teile des Landes bevölkerten. Infolgedessen fehlten überall auf den Rittergütern die Arbeitskräfte. Zudem zog es viele Landsleute, die überlebt hatten, in die aufstrebenden Städte, wo ihr Leben freier und leichter war als auf dem Dorfe. Schließlich wurden Pachten ermäßigt, Abgaben erlassen und Frondienste eingeschränkt.

Das waren vernünftige Maßnahmen. Allerdings fehlte das den Bauern erlassene Geld nun in der eigenen Kasse, und das war für manchen Ritter mehr als er verkraften konnte, denn zu allem Unglück fielen in jener Zeit auch noch die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse. So standen viele Rittergutsbesitzer unversehens am Rande des Ruins.

In einer so schwierigen wirtschaftlichen Lage wäre es vernünftig gewesen, die Kosten für die Lebenserhaltung möglichst niedrig zu halten. Doch das konnten die meisten Ritter mit ihrem Selbstverständnis nicht vereinbaren. Lieber verpfändeten sie Teile ihres Besitzes, bis sie überschuldet waren und schließlich alles verloren.

Die Umsichtigeren versuchten den wirtschaftlichen Zusammenbruch dadurch abzuwenden, daß sie sich nach zusätzlichen Einnahmequellen umsahen. Wer familiäre Beziehungen hatte, bewarb sich um ein Amt an einem Fürstenhof, andere verdingten sich als Offiziere.

Eine üble Figur in jener Epoche der Neuorientierung machten diejenigen, die auf die Herausforderungen der Zeit so antworteten, wie sie es gewohnt waren: mit Gewalt. Als  "Glücksritter "  schlossen sie sich Kriegshorden an, die unter fadenscheinigen Vorwänden Städte oder Großgrundbesitzer in Privatkriege verwickelten und dabei fette Beute machten. Eine andere beliebte Methode war es, von Durchreisenden widerrechtlich und unter Drohungen Zölle zu erheben.

Die Übelsten aber waren diejenigen, die als " Strauch- oder Raubritter "  Kaufleute und Privatpersonen überfielen, um sie auszuplündern. In manchen Gegenden nahm dieses Raubritter-Unwesen einen solchen Umfang an, daß die Landesfürsten gezwungen waren, zu regelrechten Raubritterkriegen auszuziehen. Von solchen Strafexpeditionen stammen viele der malerischen Ruinen, die vielerorts noch heute das Bild unserer Landschaft bestimmen.

 

 

 

 

  Das Ende des Rittertums

 

 

 

 

Gegen Ende des 15. Jhd. hatten die Ritter ihre Rolle im Alltagsleben der europäischen Staaten und Völker endgültig ausgespielt. Sie hatten sich überlebt - auf dem Schlachtfeld ebenso wie als gesellschaftliche Klasse. Doch bevor die Erinnerung an sie verblaßte, erlebten die ritterlichen Ideale noch einmal eine kurze, aber glanzvolle Blütezeit.

Der Anstoß dazu ging vom Hochadel aus. Während sich ringsum die ritterliche Welt von einst auflöste, blieb bei Baronen, Grafen, Fürsten und Königen eine starke Sehnsucht nach der guten alten Zeit lebendig - nach einer Zeit, in der das Ideal vom " Ritter ohne Furcht und Tadel "  das Leben aufregend und zugleich sinnvoll gemacht hatte.

Eine hektische Betriebsamkeit setzte ein. Überall in Europa enstanden neue Ritterorden und Ritterbruderschaften, die ihre Mitglieder auf eine ritterliche Lebensweise einschworen. Doch für eine neue Ritterschaft gab es schon längst keine wirklichen Aufgaben mehr. So erschöpfte sich dieses ganze Tun und Treiben rasch in einer Art Gesellschaftsspiel.

Ihren weithin sichtbaren Ausdruck aber fand die neue Ritterbegeisterung vor allem in den phantastisch herausgeputzten Turnieren. Um die größte Prachtentfaltung bei diesen sündhaft teuren Veranstaltungen wetteiferten miteinander der englische König Heinrich VIII. ( 1509 - 1547 ) und der frz. König Franz I. ( 1515 - 1547 ), die selbst erfolgreich an solchenTurnieren teilnahmen. An Begeisterung und Glanz weit übertroffen aber wurden beide von ihrem strahlenden Konkurrenten, dem deutschen König und späteren Kaiser Maximilian I. ( 1486 - 1519 ), den schon seine Zeitgenossen den " letzten Ritter "  nannten.

Maximilian, der in seiner Person Wirklichkeitssinn und romantische Schwärmerei vereinte, meinte es mit der Wiederbelebung der ritterlichen Ideale ernst. Redlich bemühte er sich darum, als Ritter zu leben und seine Umgebung und seiner Zeit ein ritterliches Vorbild zu geben. Seine Turniere waren in ihrer prunkvollen Ausstattung einzigartig. An ihnen teilnehmen zu dürfen, galt als hohe Ehre. Der Kaiser selbst war ein leidenschaftlicher Turnierreiter und einer der besten: ihn zu besiegen, gelang nur wenigen.

Doch der Zauber, wie er von Maximilian und seinesgleichen ausging, konnte auf Dauer nicht darüber hinwegtäuschen, daß der späten Ritterbegeisterung etwas Künstliches und Theatralisches anhaftete. So hielt denn auch die Hochstimmung nicht lange an. Als im Jahre 1559 der frz. König Heinrich II. durch den splitternden Schaft einer Turnierlanze umkam, verbot sein Nachfolger solche Veranstaltungen für immer. Und bald darauf stellte man auch im übrigen Europa den Turnierbetrieb ein.

 

 

 

  Was bleibt uns noch vom Rittertum

 

 

 

 

Ritter gibt es nicht mehr - im Laufe des 16. Jhd. haben die letzten die Bühne des großen Welttheaters für immer verlassen. Zurückgelassen haben sie eine Vielzahl von Erinnerungsstücken: Burgen, Rüstungen, Waffen, Kunstwerke, Urkunden und Bücher - Zeugen einer versunkenen Welt, die mit der unsrigen nichts mehr gemein hat.

Gewesen und vergessen also? Wer so denkt, urteilt vorschnell. Denn er übersieht, daß das Rittertum nicht nur eine handgreifliche geschichtliche Erscheinung war, sondern auch, ja vielleicht in ersten Linie, ein Traum - ein Traum vom Menschen war, wie er sein sollte. Und dieser Traum vom "  ritterlichen "  Menschen ist gottlob noch nicht ausgeträumt.

Selbstverständlich wäre es abwegig, wollte heute jemand fordern, wir sollten einfach die Liste moralischer Forderungen und Gebote übernehmen. Davon passt - wie könnte es anders sein - manches nicht mehr in unsere Zeit. Doch die Sache erscheint sofort in einem ganz anderen Licht, wenn man nicht auf die Einzelheiten schaut, sondern fragt, worin denn das Eigentliche, der Wesensgehalt des Begriffes "  Ritterlichkeit "  besteht.

 

 

 

 

            - ENDE -

 

 

 

 

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