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SASKA

1995 - 2008

vom freien Leben über das Wr. Tierschutzhaus zum verwöhnten Wohnungshund

 Saska 2006

 

14. April 1999, heute naht meine große Stunde, aber noch ahne ich nichts davon. Ich sitze in einem Zwinger des Wr. Tierschutzhauses, schon seit einigen Wochen, nachdem man mich in der WIG 10 (großes Parkareal in Wien) unter Mithilfe diverser Uniformierter und Privatbeteiligter (seither mag ich diese Menschen gar nicht) einfing. Allerdings liebe Artgenossen kann ich euch sagen, dass freie Leben ist auch nicht so empfehlenswert und mein Aussehen hat sehr darunter gelitten, mein Fell war stumpf und ich war abgemagert. Da sitze ich nun unter vielen Leidensgenossen, unansehnlich und mit einer großen Portion Misstrauen gegenüber den Menschen, aber wenigstens hatte ich wieder genug zu essen. Plötzlich kam meine Betreuerin mit einem Mann zu meinem Zwinger, dieser Mann war mir schon vorher aufgefallen, er ging nämlich von Zwinger zu Zwinger, schien sich aber nicht richtig entscheiden zu können, zuerst beachtete ich ihn gar nicht und er mich auch nicht, als meine Betreuerin  mich an die Leine nahm und  mich in ein Freilaufareal führte, der Mann war mit dabei. Ich hörte meine Betreuerin zu dem Mann sagen, was für ein lieber und armer Hund ich doch sei, könne keiner Fliege (von wegen) was zu leide tun, und er solle es doch mit mir versuchen. Nach kurzem Überlegen seinerseits, ich zeigte mich nicht gerade von meiner Schokoladenseite, drückte ihm meine Betreuerin die Leine in die Hand und so ging ich halt mit, es blieb mir ja auch nichts anderes übrig. Formalitäten wurden erledigt, der Impfpaß in dem stand ich sei ein "Australian Shepard" (so ein Unsinn), ich dürfte ein Bauceronmischling  und etwa zwischen 2 und 3 Jahre alt sein, wechselte den Besitzer und dann gings zum hauseigenen Tierarzt für den letzten Übergabecheck. Auch das noch, nicht genug, dass der Fremde mich an der Leine führte, mußte ich noch in den Warteraum, ich versteifte mich total, aber ich hatte nicht mit meinem neuen Herrchen, nennen wir ihn ab sofort so, gerechnet. Er setzte sich zu mir auf den Boden, sprach mit ruhiger Stimme auf mich ein und dann, dann begann er mich ganz sanft zu streicheln. So hatte mich schon lange keiner mehr gestreichelt und es war als fielen alle Ängste von mir ab und ich begann mich ganz, ganz langsam zu entspannen. Danach wurde ich in ein Auto verfrachtet, es roch bereits nach Hund, und die Fahrt in ein neues Leben begann für mich. Mein neues Herrchen und ich hatten wenig Probleme miteinander, er konnte so schön G´schichtl erzählen und ich war eine gute Zuhörerin und noch etwas, ich hatte ihn ganz schnell um meine Pfote gewickelt. Dann lernte ich Herrchens Freunde kennen, fast alle hatten einen Hund, darunter auch mein späteres Frauchen und ich fühlte mich in dieser Gesellschaft so richtig wohl. Alle waren freundlich zu mir und ich ließ mir die Streicheleinheiten der Hundebesitzer unter anfänglichem Mißtrauen gefallen. Bald aber merkte ich, dass mir hier keiner etwas zu leide tun würde und wir trafen von nun an jeden Tag mit dieser Truppe zusammen. Herrchen ließ mich auch schon am 3. Tag von der Leine und da passierte es, ein Uniformierter, ein Gärtner, kreuzte meinen Weg, ein Beller, ein Schnapper und schon war´s geschehen, ich hatte zugebissen. Herrchen schaffte es den Mann zu beruhigen und dieser sah von einer Anzeige ab, aber ab diesem Zeitpunkt mußte ich, wenn uns ein Gärtner über den Weg lief, an die Leine. Eine paar Tage später nahm mich Herrchen erstmals mit in die Stadt, es war ein wunderschöner Tag, die Kaffeehäuser überfüllt. Wir fanden noch einen Platz und ich legte mich ohne Anweisungen sofort unter den Tisch, Herrchen war begeistert, trank in Ruhe seinen Kaffee bis, ja bis ein junger Mann ihm die Hand auf die Schulter legte, da hättet ihr mich sehen sollen, sowas von Verteidigung, schon hatte ich ihn von hinten gepackt, ein kurzer Aufschrei des Gegners "au, jetzt hat er mich gebissen". Herrchen entschuldigte sich vielmals, der junge Mann gab sich selber die Schuld, war er ja auch, mußte er mein Herrchen denn berühren und wir verließen das Lokal, nachdem Herrchen ausgiebig mit mir geschimpft hatte.

So war er also mein Start ins neue Leben und es hätte alles so schön sein können, wenn da nicht plötzlich der Collie, ich kannte ihn ja vom Park samt Anhang, in mein beschauliches Leben mit Herrchen getreten wäre. Der wollte doch tatsächlich in mein Domizil eindringen aber diese Suppe wollte ich ihm versalzen, ich ließ ihn nur unter Protest in die Wohnung, war schnappig zu ihm, beäugte mißtrauisch jeden seiner Schritte und duldete, dass er sein Lager unterm Esstisch aufschlug, aber mehr  auch schon nicht. Na ja sein Frauchen war auch nicht so übel und in der nächsten Zeit nahm diese mich mit, wenn sie mit "Dingo alias Buschi" spazieren ging. Anfangs war mir das gar nicht recht, hatte ich mich doch gerade an mein Herrchen gewöhnt und plötzlich nahm sie mich von Herrchen fort, aber nach einigen Tagen fand ich Spaß an der Sache. Nur das Futter nicht, wurde ich, als ich alleine war, von Grillhähnchen und ähnlichem ernährt, so sah ich mich jetzt gezwungen, Trockenfutter zu essen, da Buschi dies mit Feuereifer vertilgte und mir sonst nichts zum Fressen geblieben wäre.

 

Dingo und Saska 1999

Es war eine schöne Zeit und bis auf ein paar Rückfälle in alte Verhaltensmuster (Uniformierte stellen, Katzen jagen, im Wald stiften gehen), hätte es von mir aus ewig so weiter gehen können, ich hatte einen Gentlemen-Hundepartner, ein tolles Herrchen und ein ebensolches Frauchen, ich hatte genug zu essen, weiche Schlafplätze, ausreichend Auslauf und ich war übermütig wie ein junger Hund. Buschi konnte man außerdem so schön sekkieren und er ließ sich alles von mir gefallen.

Im August 2001 musste ich mich von meinem Freund trennen, das heißt Frauchen schickte mich mit Herrchen weg und Buschi war nicht mehr da, als ich wieder zurückkam. Ich verstand die Welt nicht mehr, alle um mich herum waren traurig, Frauchen weinte viel und oft und ich gab ihr die Schuld an Buschis verschwinden und hatte Angst, dass sie sich auch von mir trennen würden. Vom braven Hund wurde ich wieder zum misstrauischen Hund, vor allem Frauchen gegenüber.

Dann besuchten wir ab August Frauchens Bekannte im Ausland, die gerade einen Wurf Collie-Welpen hatte, ich verstand nicht viel, es wurde allerdings gesprochen, dass es sich um Buschis Enkelkinder handle, was immer das bedeuten mag und mit Ekel beschnupperte ich die kleinen Würmer. Es kam wie es kommen musste, am 14. September 2001 fuhren wir wieder zu den Bekannten und Herrchen und Frauchen packten den vor 4 Wochen ausgesuchten Welpen bei der Heimfahrt ins Auto mit ein.

Meine Augen wurden groß, als ich bemerkte, dass dieser kleine Wurm auch noch in die Wohnung mit hoch genommen wurde und ich war sehr unwirsch dem Kleinen gegenüber. Frauchen verbot mir allerdings jegliche Übergriffe und als Gipfel der Frechheit bekam er auch noch 3x täglich was zu futtern. Allerdings wurde ich versöhnlicher, da auch für mich 3 Mal am Tag etwas in den Futternapf kam. Ab dem 3. Tag fand ich dann allerdings Gefallen an dem Kleinen und merkte immer mehr, wie viel Spaß es machte, mit dem Welpen zu spielen, war ich doch selber erst circa 6 Jahre und mein verspieltes Wesen gewann die Oberhand. Also adoptierte ich den Kleinen und habe es bis heute nicht bereut. Er wurde mein liebster Spielgefährte und ich beschütze ihn bei jeder "angeblichen" Bedrohung, auch darf er sich nicht all zuviel mit fremden Hunden abgeben, schließlich hat er ja mich.

So genug erzählt, wir schreiben jetzt März 2005 und ihr könnt mich hier mit meinem neuen Partner sehen, der seit 2001 mein Leben mit mir teilt.

 

Ich möchte Euch berichten was sich seit März 2005 getan hat. Normalerweise sind wir immer urlaubsmäßig in Österreich geblieben, Juni 2006 ging es erstmals ans Meer. Kroatien war unser Ziel und alles war auf uns Hunde ausgerichtet. Das Meer war 100 Meter von unserem Privatappartement entfernt, ausgerüstet mit Klimaanlage und der Hundestrand war mit dem Auto in 10 Minuten erreichbar. Dusty und ich, natürlich auch Herrchen und Frauchen genossen unbeschwerte Tage in Kroatien und bei 40° im Schatten, war die Klimaanlage ein Segen. Der Sommer war vorbei und wir rüsteten uns für die Herbstferien in der Steiermark. Aber plötzlich konnte ich nicht mehr so wie früher, das bergauf gehen bereitete mir Schwierigkeiten und ich mußte immer öfter Pausen einlegen. Zurück in Wien hatte ich einen Tierarzttermin. Mir wurde Blut abgenommen, mein Innerstes wurde nach außen gekehrt - nichts. Klinisch wurde ich als gesund aber alt eingestuft, mittlerweile war ich fast 12 Jahre alt geworden. Es verstrichen ein paar Monate, mein Allgemeinzustand verschlechterte sich immer mehr und ich nahm fast keine Nahrung mehr auf. Meine Menschen waren verzweifelt, wußten nicht wie sie mir helfen sollten und Frauchen beschloss, sollte ich weiter so an Gewicht verlieren, muss der letzte Schritt gesetzt werden, vorher wurden wir aber nochmals vorstellig beim TA. Also wieder klinische Untersuchung, Blutabnahme und diesmal ein Röntgen vom Bauchraum. Auf diesem waren auch Abschnitte meiner Wirbelsäule zu sehen - Diagnose fortgeschrittene Spondylose und Spondylarthrose. Für Frauchen war jetzt klar, dass ich unter furchtbaren Schmerzen leide und trotz der Skepsis des Haus-TA beschloss Frauchen einen TA zu finden der Goldakupunktur auch bei einem alten Hund durchführt. Dem Internet sei Dank, binnen 1 Woche hatte ich einen entsprechenden Termin in der Tierklinik Aspern bei Dr. Kaspar, der FA für Akupunktur und Neuraltherapie in Wien ist. Es erfolgte von diesem als erstes eine genaue Gangbildanalyse und eine mechanische Untersuchung, danach ein Gespräch mit Frauchen und es wurde statt eines operativen Eingriffs- denn die Spondylose war nicht der Schmerzauslöser, sondern die Nervenbahnen im  Kreuzbeinbereich - wahrscheinliche Ursache die Klimaanlage in Kroatien - mit Akupunktur und Neuraltherapie begonnen. Ab Mitte April 2007 waren wir die ersten 4 Wochen 2 Mal wöchentlich bestellt, ab Mitte Mai nur noch 1 Mal pro Woche bis Mitte Juni, und ab da nur noch alle 2 Wochen, bis zu unserem Urlaub Mitte Juli. Bereits ab der 1. Therapie spürte ich ein Nachlassen der massiven Schmerzen und ich begann langsam wieder zu fressen, allerdings nur mehr Dosenfutter zum Leidwesen von Frauchen und auch die Depression - ja ihr habt richtig gelesen, auch Tiere können unter Depressionen leiden - verschwand. Anfang August hatten wir dann wieder einen Termin bei Dr. Kaspar, bei dem ich als körperlich geheilt entlassen werden konnte. Mittlerweile futterte ich wieder ganz gut (60 dag Dosenfutter pro Tag), nur war ich trotzdem ständig müde und Frauchen war in Sorge, da ich so 20 Stunden des Tages tief und fest schlief und das konnte ja auch nicht normal sein. Dr. Kaspar hörte mich gewissenhaft ab und stellte massive Unregelmäßigkeiten meiner Herztätigkeit fest und riet, mir Crattaegus-Tropfen zu verabreichen. Die sind ein voller Erfolg, schmecken zwar grauenhaft, aber meine Lebensgeister sind zurück. Frauchen sagt zwar bereits ich fresse ihr die Haare vom Kopf, ich futtere jetzt 3 Mal am Tag und bin bei insgesamt 850 gramm an Dose angelangt, dafür bin ich aber nicht mehr so klapperdürr, wie noch vor ein paar Monaten. Nur mit meinem heißgeliebten Balli kann ich nicht mehr spielen, da kann ich Dusty nur mehr neidvoll zusehen, wie er hinterhersaust und auch Treppensteigen fällt mir schwer.

Ab Mai 2008 verschlechterte sich mein körperlicher Zustand wieder zusehends, trotz aller Bemühungen von Seiten meines TA und von Herrchen und Frauchen wurde meine körperliche Verfassung, ich war mittlerweile 13 Jahre geworden, immer schlechter, ich fraß immer weniger und ein massiver  Muskelschwund machten mir zu schaffen. Im August trat ich mit meinen Leuten meine letzte Urlaubsreise an, aber so richtig erfreuen konnte ich mich an dem schönen grün der Wiese nicht mehr, ich wollte nur noch in der Nähe von Frauchen sein, die mich jetzt auch mehrmals täglich und nächtens umbetten musste, da ich mich nicht mehr selbständig niederlegen konnte und eigentlich nahm ich nur noch Nahrung zu mir um Frauchen zu beruhigen.

Hier seht ihr mich am 17.8.2008 mit Frauchen und meinem Ziehsohn Dusty.

Am 4.September mussten wir den Kampf um Saska aufgeben, alle weiteren Maßnahmen wären nicht mehr im Sinn von Saska gewesen, sondern nur mehr Egoismus unsererseits. Saska, Püppchen, wir vermissen Dich, wir glauben fest daran, dass Du wieder über die Wiesen toben kannst, dass Buschi und auch all die anderen, die uns ein Stück des Weges begleitet haben, dich in ihrer Mitte aufgenommen haben und dass wir uns eines Tages wieder sehen. Leb wohl.

Weitere Fotos mit Saska auf der Seite Fotoalbum

 

 

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