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ZENismus und so manche Fragen...

 

 

 

 

Meister Nansen (Nan-ch’üan) zu seinen Schülern:

"Wenn ihr ein Zen-Wort sagen könnt, dann könnt ihr die Katze retten, wenn nicht, wird sie entzwei gehauen."

Niemand konnte ein Zen Wort sagen und so tötete der Meister die Katze, berechnend und mit  voller Absicht.

Dogen Zenji, danach gefragt, antwortete:

"Wäre ich Nansen, würde ich sagen: Wenn ihr antwortet werde ich die Katze töten, antwortet ihr nicht, werde ich sie auch töten"1

Manche Meister meinten sogar, der Buddha hätte aus Nansen gesprochen.

Andere Zen-Meister spielen diese Geschichte als wunderschönen Koan herunter.

Ich meine, entweder ist es ein Koan, oder es ist eine historische und auch wahre Überlieferung? Ist Letzteres der Fall, dann hätten  obige Meister und  auch alle nachfolgenden, die zu Nansen standen und ihn verteidigten, traurige Zen-Geschichte geschrieben. Dann wird es höchste Zeit, dass sich heutige Zen-Buddhisten von dieser  völlig unnötigen Tat, die nichts mit der Lehre des Buddha gemein hat, von  Zen-Meister Nansen klar und deutlich distanzieren.

1=Zen, Aurum Verlag  ISBN 3-592-08343-7

Mir schrieb ein Zen-Buddhist und erläuterte den Koan so:

Zitatauszug:

"Nansen nimmt seine Aufgabe als Lehrer so ernst, dass ohne Zögern zum Wohle seiner Schüler eine unheilvolle Tat (akushaladharma) begeht. Er beendet den Streit seiner Schüler auf radikale Weise, indem er ihnen in einer brutalen Schocktherapie die extreme Konsequenz ihres Streites um die Katze unmittelbar vor Augen führt und sie an ihre eigentliche Aufgabe erinnert: ein Zen-Wort zu finden. Dabei nimmt er auf seine eigene Befreiung keine Rücksicht, er nimmt für sich selbst negatives Karma in Kauf. Das ist das Handeln eines Bodhisattva - für die Befreiung anderer Wesen sorgen und dabei die eigene Befreiung hintanstellen."

Ich lasse diese Beurteilung so 'im Raume stehen', es gibt allerdings noch so manche Interpretation im Zen. Andere Buddhismus Schulen kommen mit diesem Koan gar nicht zurecht.

 

 

 

 


Zen Buddhism WWW Virtual Library

The Internet Guide to Zen (Ch'an, Son, Thien) Online Resources

 

 

»Zen studieren bedeutet,
sich selbst studieren.
Sich selbst studieren bedeutet,
sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen bedeutet,
in Harmonie zu sein mit allem,
was uns umgibt.«
( Dogen Zenji )

ZEN-BUDDHISMUS - JAPAN - OFFENER BRIEF


Offener Brief des Myoshinji-Klosters in Kyoto
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
zum Versagen des Rinzai-Zen im 2. Weltkrieg


Brief des Myoshin-ji, (Uebersetzung von ReiKo Michael Sabass):

Mit dem nachfolgendem Schreiben vom Oktober 2002 beantwortet
Myoshin-ji School of Rinzai Zen Buddhism (Hauptlinie des Hoko-Ji
Klosters), den Brief einer Dame aus den Niederlanden. Sie berichtet
darin von ihrem Ehegatten, der, damals sechsjaehrig, drei Jahre lang
von japanischem Militaer auf den Dutch East Indies (hollaendische
Insel des malayischen Archipels) gefangen gehalten wurde. Bei ihm
waren seine Mutter und Schwester. Der Vater kam getrennt von ihnen
in ein Lager fuer maennliche Gefangene. Der aeltere Bruder wurde zur
Arbeit am Bau einer Eisenbahnlinie in Burma gezwungen. Noch heute
leiden der Ehemann der Briefschreiberin und dessen Familie an dem
Trauma der damaligen Gefangenschaft. Der eigentliche Grund fuer den
Brief der Dame bestand aber darin, dass sie sich - selbst seit
Jahren Zen uebend - nach der Lektuere des Buches von Brian Victoria
Zen, Nationalismus und Krieg von vielen Zenmeistern, die sie doch
seit Jahren tief verehrte, verraten fuehlte.

Liebe Frau Buitendijk, bitte verzeihen Sie mir, dass ich meine
Antwort so lange aufgeschoben habe. Nachdem wir Ihren Brief erhalten
haben, waren wir von der Notwendigkeit ueberzeugt, uns offiziell
fuer die Politik des Myoshin-ji waehrend des Krieges entschuldigen
zu muessen, und Myoshin-ji als Institution war mit den notwendigen
Vorbereitungen fuer eine Antwort beschaeftigt. Im letzten September
fand Myoshin-ji's halbjaehrlicher grosser Kongress statt, das
hoechste Entscheidungsgremium unserer Schule, und es wurde eine
Resolution mit folgenden wesentlichen Inhalten verabschiedet: Unsere
Nation hat unter der Fahne eines Heiligen Krieges in der
Vergangenheit einen Konflikt vom Zaun gebrochen, der sowohl zu Hause
als auch in fremden Laendern zu ungeheurem Leid und Verderben
gefuehrt hat. Die Myoshin-ji Schule bedauert zutiefst, in der damals
vorherrschenden Stimmung, die den Krieg unterstuetzte, nicht nur
nicht gegen das Kaempfen opponiert zu haben, sondern es aktiv
unterstuetzt und beguenstigt zu haben. Das ist auch nicht damit zu
entschuldigen, dass dieses Verhalten mit der damaligen nationalen
Politik im Einklang war. Myoshin-ji hat ueber all dieses nachgedacht
und bedauert die vergangenen Irrtuemer zutiefst. Auf dieser
Grundlage versichert sie, in ihren fortgesetzten Anstrengungen, die
Lehre des Zen und den Weltfrieden zu pflegen, die verschiedenen
Lebensweisen, Wertesysteme, Ueberzeugungen und Religionen aller
Menschen uneingeschraenkt zu respektieren. Wir betrachten diese
Erklaerung als den ersten Schritt eines Prozesses der Selbstpruefung
und des Bedauerns, den wir in verschiedenen Gremien und
Arbeitsgruppen fortsetzen wollen, die mit der Myoshin-ji verbunden
sind und die die Fakten unserer Aktivitaeten in der Kriegszeit
untersuchen und bestaetigen sollen, damit jedermann in unserer
Schule sich vollkommen und gleichermassen all dessen bewusst wird.
Der Krieg begann mit dem japanischen Angriff auf Liu-t'iao-kuo und
dem sich anschliessenden Geschehen in der Mandschurei, das sich zu
einer grossflaechigen Invasion Chinas und schliesslich bis ins
chinesische Hauptland, nach Indochina, das malaysische Archipel, die
Philippinen und die suedpazifischen Inseln ausweitete. Es kostete
ueber zwanzig Millionen kostbare Leben in der Region des Asiatischen
Ozeans und brachte unzaehligen Menschen entsetzliches Leiden und
Verderben, und zwar nicht nur asiatischen Nachfahren, sondern auch
Europaeern und Menschen gemischt-rassischer Abstammung aus dem
frueheren hollaendischen Ost-Indien. Alle Japaner, die beteiligt
waren, muessen ihre Verantwortung fuer diesen Konflikt anerkennen
und darueber reflektieren, in einem Geist von ernsthaftem Bedauern
und dem Wunsch nach Wiedergutmachung. Das muessen gerade wir, die
buddhistische Geistlichkeit, tun und uns fragen, warum wir, die wir
doch Mitgefuehl predigen und gelobt haben, kein Leben zu vernichten,
die Kriegsanstrengungen unterstuetzt haben. Es ist wichtig, dass wir
dem auf den Grund kommen und unsere Lektion lernen, damit wir nie
mehr solchen Irrtum begehen. Dazu gehoert zuerst, die Tatsachen so
anzuerkennen, wie sie sind, und offen unsere Fehler einzugestehen.
Folgendes ist geschehen: Als die Gebiete groesser wurden, die
Japankolonisierte und besetzte, richtete die Myoshin-ji Schule dort
Hauptquartiere und Missionen ein und kooperierte bereitwillig mit
der Kolonialpolizei. Zu Kriegsbeginn betete und predigte die Schule
fuer den militaerischen Sieg und entsandte Militaergeistliche, die
aktiv die Kriegsstimmung ermutigten. Sie unterstuetzte die
Bewaffnung ordinierter Geistlicher, damit sie auf dem Schlachtfeld
dienten. Die Schule gruendete die "Rinzai-Liga fuer den Dienst am
Vaterland" (Rinzai League for Patriotic Service, Rinzaishu Hokoku
Kai), eine Einrichtung, die militaerische Ausbildung organisierte,
Sammlungen zum Kauf von Militaerflugzeugen veranstaltete und auf
verschiedene Weise, sowohl spirituell als auch materiell, die
Kriegsanstrengungen unterstuetzte - unter dem neuen Ruf "Lehre den
Dharma und diene der Nation!". Das Wichtigste bezieht sich
allerdings auf das Herz der Lehre unserer Schule: In Verletzung der
grundlegenden Prinzipien von Shakyamunis Dharma und unter
Missachtung der Lehren unserer Zen-Vorfahren haben wir uns in
gaenzlich unverantwortlicher Weise mit dem Militarismus jener Zeit
verbuendet. So praegte unsere Schule Ausdruecke wie "Leben und Tod
sind eins", "Stirb den Grossen Tod" und "Vollstaendige Freiheit ist,
Leben zu geben oder Leben zu nehmen". Sie loeste sie aus ihrem
spirituellen Zusammenhang und benutzte sie als Mittel, um Menschen
auf die Schlachtfelder zu schicken. Mit Slogans wie "Setzt den
Heiligen Krieg fort!" ruehmte die Schule die Kriegsstimmung und ging
so weit, zu verbreiten: "Waere Shakyamuni Buddha in Japan geboren...
er haette verkuendet, dass das ,Erste Prinzip' der Imperiale Weg
ist." Wir muessen diese beschaemenden Tatsachen anerkennen und
gestehen, dass wir Fehler gemacht haben, gleich was zu jener Zeit
nationale Politik war. Mit unserem Handeln waren wir fuer einen
Konflikt mit verantwortlich, der unzaehligen Menschen in ganz Asien
und auch in unserem eigenen Land, Japan, Leiden und Tod gebracht
hat. All diesen Opfern - Ihren Mann eingeschlossen - moechten wir
unser aufrichtiges Bedauern ausdruecken. Es wird Zeit und
Anstrengung brauchen, um die tiefsten Ursachen dieser Irrtuemer zu
untersuchen, und die notwendige Reform durchzufuehren, um sicher zu
gehen, dass dies nie wieder geschieht. Aber ich bin zuversichtlich,
dass es in naher Zukunft so sein wird, wenn die Myoshin-ji
Organisation sich voll darauf einlaesst. Waehrend unserer
Untersuchungen haben wir herausgefunden, dass es Priester gab - wenn
auch wenige - die an ihrer unbeugsamen Opposition gegen den Krieg
festgehalten und in der Folge ihr Leben verloren haben oder fuer die
ganze Zeit des Konflikts im Gefaengnis waren. Es ist hoechst
bedauerlich, dass Myoshin-ji sich als unfaehig erwies, diesen
Menschen Hilfe zukommen zu lassen. Seit dem Ende des Krieges sind
mehr als 57 Jahre vergangen. Ich kann nur zutiefst bedauern, dass
wir so lange gebraucht haben, unsere eigenen Irrtuemer
einzugestehen. In dieser historischen Zeit, in der auf
terroristische Aktionen Vergeltung folgt, diese wieder mit weiteren
terroristischen Handlungen beantwortet wird, steht die Welt in einer
tiefen Krise, bei dem Versuch, Frieden zu erhalten und den Wert
menschlichen Lebens zu wuerdigen. Ebenso wie die Repraesentanten der
Myoshin-ji Schule gelobe ich, dass wir mit unseren vergangenen
Fehlern im Geist ernsthafter Reflexion und Reue umgehen werden, und
dass wir alles tun werden, um in Uebereinstimmung mit den Lehren von
Shakyamuni Buddha und unserer Zen-Vorfahren zu handeln. Wir muessen
sicherstellen, im Geiste der wahren Religioesen zu leben, die an
diesen Lehren, selbst auf Kosten ihres Lebens, festhalten. Zum
Schluss bete ich fuer Ihr Wohlergehen und das Ihres Gatten.

Hochachtungsvoll, Kei'itsu Hosokawa Secretary General Myoshin-ji
School of Rinzai Zen Buddhism

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Kommentar:

Zu dem Brief von Kei'itsu Hosokawa im Oktober 2002 ueber das
Verhalten des Myoshin-ji im 2. Weltkrieg von Michael ReiKo Sabass:

Wie gut, dass es solche Briefe gibt, auch wenn sie erst 40 Jahre
nach den Ereignissen geschrieben werden, fuer die sie sich
entschuldigen. Wir wissen natuerlich nicht, ob sie auch geschrieben
worden waeren, wenn es nicht das Buch Zen, Nationalismus und Krieg
von Brian Victoria gegeben haette, und wir koennen den japanischen
Moenchen und Nonnen natuerlich die gleiche Frage stellen, die uns
Deutschen nach dem Holocaust gestellt wurde: Habt Ihr nicht gewusst,
wie eure Lehrer und Aebte sich verhalten haben? Wie kann das sein,
dass erleuchtete Meister und Roshis in Japan den Krieg und das
Toeten verherrlicht haben, sogar ihre eigenen Schueler in die
Schlacht geschickt haben - dazu noch fuer einen ausgemacht
imperialistischen Eroberungskrieg? Wird uns da etwas ueber die
wunderbare Erleuchtung vorgegaukelt, die wir mit der Zen-Uebung
erreichen wollen, sind wir auf dem Holzweg und werden von unseren
Lehrern betrogen? Fuer uns im Westen, die wir Zen ueben und uns
japanische Traditionen zum Vorbild nehmen, muss es da doch eine
befriedigende Antwort geben! Unsere Irritation beruht meines
Erachtens auf fundamentalen Irrtuemern, unseren Irrtuemern: In
vielen japanischen Kloestern wird - wie auch in vielen Gruppen bei
uns - sehr grosses Gewicht auf die Zen-Uebung im Dojo oder der Zendo
gelegt: Im Zentrum aller Uebung stehen Samadhi, Vertiefung, Stille
und Ruhe des Geistes. Fuer nahezu alle Zen-Schueler bei uns ist das
der Traum, das Ziel, das sie erreichen wollen. Dieses Training des
Geistes kultiviert aber durchaus nicht automatisch auch Mitgefuehl
und Liebe zu allem Lebendigen, sodass Ausgrenzen, Verletzen und
Toeten einfach keinen Platz im Denken und Fuehlen haben, dass unser
ganzes Sein nur noch dazu bestimmt ist, Leben zu erhalten und
Lebendigkeit zu foerdern. Ich erlebe es ja hier bei uns, dass auch
jahrelange Zen-Uebung nur selten dazu fuehrt, dass Schuelerinnen
oder Schueler sich die Lebendigkeit unserer Sangha zu Herzen nehmen,
sich um Wohl und Weh anderer wirklich kuemmern, liebevoll und
zugewandt werden. In unserer Zen-Praxis fehlt da meist etwas, und in
der japanischen Tradition ebenfalls, denn wie koennte es sonst sein,
dass Zen und "bushido", der Weg des Kriegers, nicht als
unaufloesliche Widersprueche angesehen werden? Ich kann mir durchaus
vorstellen, dass der in Japan damals seit Jahrhunderten sehr
ausgepraegte Nationalismus und die Bindung an den Kaiser dazu
beigetragen haben, dass die Lehre des Buddha nur wie eine Anleitung
fuer Samadhi und eine Philosophie verstanden werden konnte, die es
erlaubt, sich unter Bezug auf die Aussage "alle Dinge sind in
Wahrheit leer" voellig vom Mitgefuehl zu entkleiden und Toeten mit
Befreiung gleichzusetzen. Aber - so schrieb mir Frau Buitendijk, die
mir einige Briefe von Roshis geschickt hat - "das mag bei einfachen
Moenchen so gewesen sein, die nicht genug gelernt haben, aber doch
nicht bei voll-erleuchteten Roshis!". Warum aber denn nicht? Sind
nicht wir es, die aus den Roshis und Meistern Uebermenschen machen?
Ich erinnere mich noch, wie unglaeubig ich zur Kenntnis nehmen
musste, dass viele japanische Roshis die Ueberzeugung verbreiteten,
Frauen koennten nicht erleuchtet werden - wie kann man einen solchen
Unsinn glauben? Solche Unterschiede koennen doch vollkommen
erleuchtete Roshis nicht ernsthaft machen! Machen sie aber doch und,
wie Brian Victoria belegt, - viel Schlimmeres. Aber muss uns das
wundern oder gar verunsichern? Die Geschichten ueber die "alten
Meister" und die Bluetezeiten und Niedergaenge des Buddhismus in
China und Japan sind nicht geheim. Sie sind voll von Belegen dafuer,
dass die im Zen so verehrten grossen Meister, wie Joshu, Rinzai,
Bankei, Ikkju, Hakuin und viele andere, sich gerade dadurch
hervorgetan haben, dass sie dem "mainstream" der Zenkloester nicht
gefolgt sind, deren Aebte sich von den Kaisern und Fuersten
korrumpieren liessen und den Goennern "inka", die Bestaetigung von
satori, schlicht verkauft haben. Von Hakuin sind Originalschriften
voll mit Polemiken ueber die Roshis und Meister seiner Zeit
ueberliefert, denen er allesamt die wahre Erkenntnis abstritt. Warum
soll das heute anders sein? Oder anders herum gesagt: Es war schon
immer so! Ich weiss nicht, ob die Japaner das genauso verunsichert
wie uns, schliesslich leben sie seit tausend Jahren in dieser
Tradition. Uns irritiert es, weil wir so gerne glauben wollen, dass
"Erleuchtung" etwas ist, was den ganzen Menschen erfasst und ihn zu
einem vollkommenen Wesen umwandelt, zu einem, der auf jeder Ebene
menschlichen Denkens, Fuehlens, Redens und Handelns "rein" geworden
ist: Er muss tiefe spirituelle Erfahrung haben, ethisch und
moralisch unantastbar sein, immer wach und im Hier und Jetzt leben,
liebevoll und zugewandt, guetig und weise sein. Seine rationale und
intuitive Erkenntnis beeindruckt uns, und wenn wir ihm oder ihr
begegnen, dann sind wirtief beruehrt. Aber die Entwicklung eines
Menschen bis zur Erleuchtung geschieht in den seltensten Faellen auf
mehreren oder gar allen diesen "Linien". Wenn wir Shakyamuni Buddha
"vollkommene Erleuchtung" zusprechen, dann doch wohl, weil es auch
"unvollkommene Erleuchtung" gibt. Und so ist es nur ein Widerspruch
in unserer Phantasie ueber satori und Erleuchtung, dass wir nicht
akzeptieren wollen, wenn ein Mensch hinsichtlich seiner
Spiritualitaet und des Samadhi wirklich erleuchtet und Meister ist,
hinsichtlich seiner Moral aber auf dem gleichen Stand ist, wie du
und ich. Oder er ist unfassbar liebevoll und guetig, er erfasst
intuitiv das Wesentliche, aber seine rationale Erkenntnisfaehigkeit
gleicht der eines durchschnittlichen Abiturienten und er stolpert
ueber die gleichen Tuerschwellen wie ich. Oder uns beeindrucken sein
Samadhi und sein Wissen, aber wir erleben ihn immer wieder mal als
verletzlich, veraergert und ungerecht. Dann stossen wir ihn von dem
Sockel, auf den wir ihn gestellt haben, und zwar ganz, denn unser
Lehrer muss "vollstaendig erleuchtet" sein, darunter tun wir es
nicht. Seit ich das begriffen hatte, habe ich meine eigenen
Lehrerinnen und Lehrer "benutzt": Ich habe sie in denjenigen
Eigenschaften anerkannt und respektiert, die mich ueberzeugt haben,
und auf diesen Ebenen habe ich von ihnen gelernt, und ihre sonstigen
Unvollkommenheiten zur Kenntnis genommen oder auch abgelehnt. Die
Dharma-Uebertragung, meine Anerkennung als Lehrer, ist als
Guetesiegel voellig irrelevant: Ich fuehle mich gut, dass ich
ordiniert bin und in einer Traditionslinie stehe, deren Gutes ich
weitergeben moechte. Aber ob ich ein guter Lehrer bin, entscheiden
die Schuelerinnen und Schueler, und auf welchen Linien ich
"erleuchtet" und Meister bin (und wo nicht), entscheiden alle
Menschen um mich herum. Und ich kann nur hoffen, dass meine eigene
Wahrnehmung mit der anderer halbwegs uebereinstimmt. Jeder, der sich
einem Zen-Lehrer anvertrauen will, muss ganz fuer sich entscheiden,
welche Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten fuer ihn wichtig
sind. Bewusste und entschiedene Hingabe von beiden Seiten ist
Voraussetzung fuer ein gutes Zusammensein von Lehrer und Schueler.
Blindes Vertrauen ist die groesste Dummheit, die man auf dem
spirituellen Weg begehen kann.

gefunden bei:
      http://www.kbx.de/cgi/lyris.pl?visit=buddhanetz-info

 

 

 

 

Die einen reden boesgesinnten Geistes,
die anderen reden stets der Wahrheit treu;
Was man auch sagt, den Weisen beruehrts nicht.

 

 

 

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