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IMMER NEIN

 

 

            Es war einmal ein Ritter, der mit einer adligen und schönen Dame verheiratet war. Eines Tages musste er eine lange Reise zum Hof des Königs unternehmen. Er befürchtete, dass etwas Unangenehmes geschehen könnte, während er abwesend wäre, deshalb zwang er seine Frau zu versprechen, dass sie zu allem "nein" sagen würde, während er auber Haus war. Er glaubte, dass er auf diese Weise sein Schloss und seine Gemahlin vor der Kühnheit des Pagen oder irgendeines Abenteurers, der seine Abwesenheit ausnutzte, schützen würde. Der Ritter blieb lange am Königshof, und seine Frau langweilte sich in der Einsamkeit des Schlosses und hatte keine andere Zerstreuung, als des Nachmittags vom Turm aus die Landschaft anzusehen.

Eines Tages kam ein anmutiger Ritter vorbei und begrübte die Dame höflich. Sie machte ihre Verbeugung. Der Ritter sah sie so schön, dass er sofort eine grobe Leidenschaft fühlte, und sagte:

- Schöne Frau! Lassen Sie zu, dass ich diese Nacht in ihrem Schlosse ruhe?

Sie antwortete:

- Nein.

Der Ritter staunte über die Kälte dieses Neins und fuhr fort:

            - Wollen Sie, dass ich in die Hände der Strabenräuber falle, wenn ich den Wald durchquere?

Sie antwortete:

- Nein.

            Der Ritter fing an zu begreifen, dass dieses Nein vielleicht eine bestellte Predigt war, und drehte seine Fragen um:

            - So machen Sie mir ihr Schloss zu?

Sie antwortete:

- Nein.

- Verweigern Sie etwa, dass ich hier übernachte?

- Nein.

            Angesichts dieser Antworten kam der Ritter in das Schloss herein und fing an, mit der Dame zu sprechen, und auf alles, was er fragte, antwortete Sie immer nur:

- Nein.

Als Sie sich am Ende des Abends verabschiedeten, um jeder in ihr Zimmer zu gehen, sagte der Ritter:

- Lassen Sie zu, dass ich fern von Ihnen bleibe?

Sie antwortete:

- Nein.

- Und dass ich mich von Ihrem Zimmer zurückziehe?

- Nein.

Am folgenden Tage zog der Ritter weiter, und als er bei Hofe ankam, wo viele Edelmänner miteinander plauderten, erzählten alle ihre Abenteuer. Als die Reihe an unseren Ritter kam, erzählte er die Geschichte vom Nein. Alle schmunzelten, aber als er dann beschrieb, wie er sich ins Bett der Dame schlich, hat der Ehemann erschrocken nachgefragt:

- Aber wo war das, werter Ritter?

Der andere Ritter hat den Kummer des Ehemanns verstanden und ruhig weiter erzählt:

- Als ich das Zimmer der Dame betrat, stolperte ich in über den Teppich und fühlte eine grobe Erschütterung - und wachte auf. Ich bin ganz verzweifelt, weil ein so schöner Traum unterbrochen wurde!

Der Ehemann atmete erleichtert auf, aber von allen Geschichten wurde diese am meisten geschätzt.

 

Übersetzt von Cátia und Dina

 

 

 

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