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Die drei Apfelsinen der Liebe

 

Es war einmal ein Prinz, der zur Jagd ging. Er hatte groben Durst. Er fand drei Apfelsinen, öffnete eine und bald erschien ihm ein schönes Mädchen, das ihm sagte:

- Gib mir Wasser, sonst sterbe ich.

Aber der Prinz hatte kein Wasser, und das Mädchen starb. Der Prinz ging weiter und als er wiederum Durst verspürte, brach er die zweite Apfelsine. Dieses Mal sah er ein anderes Mädchen, noch schöner als das erste, das ihm sagte:

- Gib mir Wasser, sonst sterbe ich.

Es war kein Wasser da, und das Mädchen starb. Der Prinz war sehr traurig und versprach, die andere Apfelsine erst an einer Quelle zu öffnen. So tat er es. Er brach die letzte Apfelsine, und dieses Mal hatte er Wasser und das Mädchen lebte. Er hatte den Zauber gebrochen, und weil sie sehr schön war, versprach der Prinz, sie zu heiraten. Er ging zum Palast, um schöne Kleider für das Mädchen zu finden und sie am Hof als seine Braut einzuführen. Während seiner Abwesenheit sah das Mädchen durch die Zweige eine Schwarze, die am Bach einen kleinen Krug füllte. Aber als die Schwarze ein sehr hübsches Gesicht im Wasser sah, dachte sie, dass es ihr eigenes sei, zerbrach den Krug und sagte:

- Ein so hübsches Gesicht und Wasser tragen? Das darf nicht sein!

Das Mädchen konnte sich des Lachens nicht enthalten. Die Schwarze schaute auf, rief das Mädchen mit vorgetäuschter Zärtlichkeit zu sich und begann, sein Haar zu streicheln. Als das Mädchen sorglos war, spießte die Schwarze ihm eine Stecknadel ins Ohr und das Mädchen verwandelte sich im selben Augenblick in eine Taube. Als der Prinz ankam, fand er an Stelle des Mädchens eine hässliche und schmutzige Schwarze, und er fragte erstaunt:

- Wo ist das Mädchen hin, das hier ich ließ?

- Ich bin's, sagte die Schwarze. Die Sonne bräunte mich, während mein Prinz mich hier ließ.

Der Prinz gab ihr die Kleider und brachte sie zum Palast, wo alle sehr verwundert über seine Wahl waren. Er wollte sein Wort nicht brechen, aber er schämte sich im Stillen. Als der Gärtner die Blumen goss, sah er eine weibe Taube, die ihn fragte:

-         Gärtner des Gartens!

Sag, wie geht´s dem König

und seiner schwarzen Maria?

Jener antwortete überrascht:

     -     Sie leben ihr Leben

           und tanzen und prassen.

     -     Und's arme Täubchen

            sitzt hier verlassen!

Der Gärtner erzählte diese Begebenheit dem Prinzen, der sehr erstaunt war und zu ihm sagte:

-         Binde ihm eine seidene Schleife um!

Am folgenden Tag kam das Täubchen in den Garten und stellte ihm die gleiche Frage, der Gärtner antwortete ihm und das Täubchen sagte, während es weiterflog:

-         Das königliche Täubchen lässt sich nicht mit einer seidenen Schleife fangen!

Der Gärtner berichtete dies dem Prinzen und der antwortete:

-         Dann binde ihm eine silberne Schleife um!

Er tat wie ihm geheiben, aber das Täubchen flog wiederum weg und sagte:

-         Das königliche Täubchen lässt sich nicht mit einer silbernen Schleife fangen!

Als der Gärtner ihm das Geschehene erzählte, sagte der Prinz:

-         Binde ihm jetzt eine goldene Schleife um!

Das Täubchen lieb sich mit der goldenen Schleife fangen, und als der Prinz eines Tages sehr traurig im Garten spazieren ging, fand er es und begann, es zu liebkosen. Als er seinen Kopf streichelte, sah er die ins Ohr gespiebte Stecknadel. Er zog sie heraus, und das Täubchen verwandelte sich auf der Stelle zurück in das Mädchen, das er an der Quelle zurückgelassen hatte. Es fragte sie, warum ihr dieses Unglück zugestoben sei, und das Mädchen erzählte ihm, wie sich alles zugetragen hatte. Der Prinz nahm sie mit in den Palast als seine Braut und vor dem ganzen Hof fragte er sie, was sie mit der schwarzen Maria machen wolle.

-         Ich wünsche, dass man aus ihrer Haut eine Trommel mache, um sie zu schlagen, wenn ich auf die Strabe gehe, und aus ihren Knochen eine Leiter, auf der ich in den Garten hinabsteige.

So wie sie es sagte, befahl es der König, und sie lebten ihr ganzes Leben glücklich und zufrieden.

 

   

Übersetzt von Brígida und Rosália, erzählt nach Teófilo Braga

 

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