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 Die Legende von den Mandelbäumen

 

Bevor die Portugiesen den Algarve eroberten, gehörte er einem maurischen König, der viele Sklavinnen hatte. Eines Tages sah der König eine Sklavin, die anders war als die anderen. Sie war nicht brünett und aufmüpfig, sondern blond, mit blauen Augen und weißem Gesicht. Und sie war sehr fügsam.

-         Wie heißt du? Woher kommst du? – fragte der neugierige König.

-         Ich heiße Gilda und ich komme aus dem eisigen Norden, wo es Schnee gibt. – murmelte die Sklavin.

-         Du bist sehr schön! – schmeichelte der maurische König. Ich werde dich heiraten!

 

 

Die Hochzeit war sehr prächtig und bunt. Trotzdem hatte Gilda traurige Augen. Nach der Hochzeit verbrachte sie alle Tage in ihrem Zimmer, und sie wurde immer trauriger. Der König war sehr besorgt. Er rief alle Ärzte des Reiches, aber kein Arzt konnte Gildas Traurigkeit heilen.

Eines schönen Tages kam ein weiser alter Mann des Nordens:

-         Ich weiß, was Ihr machen müsst, um Eure Gemahlin zu heilen! – sagte der alte Mann.

-         Was soll ich machen? – fragte der besorgte König.

Der alte Mann erklärte:

-     Eure Frau ist traurig, weil sie Sehnsucht nach dem Schnee hat. Ihr sollt Tausende von Mandelbäumen überall pflanzen lassen und dann abwarten, bis der Frühling kommt.

Der maurische König tat, wie der weise Alte ihm geraten hatte. Als der Frühling kam, war Gilda überrascht:

-         Ich sehe Schnee! Ich sehe den Schnee meines Landes!

Alles war weiß wie der Schnee. Die Mandelbäume blühten. Es gab Tausende weißer Blüten. Es schien, als ob es geschneit hätte! Gilda war geheilt!

Noch heutzutage, wenn der Frühling kommt, scheint der Algarve mit Schnee übersäht zu sein, weil die Mandelbäume voll von weißen Blüten sind.

Übersetzt von Isabel und Liliana

Illustrationen: Anne Weiß, Stuttgart 

 

 

 

 

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