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Persönlichkeiten: Aloysius (Alois) Wilhelm Funk

 Alois Wilhelm Funk – Heimatforscher (1901 – 1985)  

Zusammen mit den Brüdern Karl und Heinrich Kurzschenkel gilt er als Vater der Großauheimer Ortsgeschichtsforschung und –schreibung, als Mitbegründer des Großauheimer Heimatvereins, als Mitgründer des ersten Großauheimer Heimatmuseums und Schöpfer des Stadtarchivs.

Alois Wilhelm Funk wurde am 23. September 1901 als Sohn des Silberschmieds Otto Heinrich Funk (1874 – 1940) und seiner Frau Johanna Minna (geb. Börner, 1878 – 1929) in Großauheim geboren. 1906 zog die Familie von Großauheim nach Mühlheim/M. Dort besuchte er 1907 die Volksschule. 1915 ging er nach Köln, absolvierte bei Verwandten eine Dreherlehre. Nach Beendigung der Lehre kehrte er 1917 zu seinen Eltern zurück, die inzwischen wieder nach Großauheim gezogen waren.  

Als Gürtlermeister übernahm er später den elterlichen Metallverarbeitungsbetrieb in der Hanauer Landstraße 4a. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er u. a. bei der Brown, Boverie & Cie AG (BBC) und den Condux-Werken. Am 3. März 1928 heiratete er in Großauheim Mathilde Elisabeth Kleinschmidt (1903 – 1994). Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Richard Funk (geb. 1930) und Margot Bahner, geb. Funk (geb. 1942)   

Sucht man auf die Frage nach der Vergangenheit von Großauheim eine Antwort, so ist es dem heimatkundlichen Wirken von A. W. Funk und den Brüdern Kurzschenkel zu verdanken, denn ohne sie würde Großauheim seine eigene Vergangenheit nicht kennen.

Seit seiner Jugend befaßte sich Alois Funk, in enger Zusammenarbeit besonders mit den Brüdern Karl und Heinrich Kurzschenkel, mit der Großauheimer Ortsgeschichte. Anfangs dachten die drei jungen Männer noch nicht an eine wissenschaftliche Forschungs- und Öffentlichkeitsarbeit, vielmehr war es ihr Ziel alles zu sammeln, was ihnen vom alten Großauheim in die Hände fiel. Auf Spaziergängen entdeckten sie manch Rätselhaftes, wie verwitterte Jahreszahlen über Haustüren, Sprüche an Bildstöcken und zerbrochene Scherben in Ackerfurchen, wobei es galt dessen Bedeutung herauszufinden. 

Auch die Beziehung zu dem Arzt und Spessartvater Dr. Karl Kihn, den die Fachwelt wegen seiner Untersuchungen über die Geschichte des Freigerichts und des Spessarts schätzte, kam dabei zugute, da hier einiges an heimatkundlichem Material über Großauheim zu finden war. Seine ganze Freizeit opferte er den Forschungen. Auch wenn Frau und Freunde mit gelassener Ernüchterung darauf hinblickten – für ihn war es mehr als lediglich nur ein Hobby: es war das von Neugierde gepackte Verlangen herauszufinden und der Umwelt mitzuteilen, wie die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten in Großauheim lebten.

Mit Gleichgesinnten gründete er zusammen mit den Brüdern Karl und Heinrich Kurzschenkel den „Verein für Heimatkunde und Naturschutz“ 1929 e. V., dessen Vorstand er von 1930 – 1935 als Schriftführer angehörte. Aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Vereins konnte er am 30.09.1979 den Ehrenbrief des Landes Hessen entgegennehmen und der Heimatverein ernannte ihn zu seinem Ehrenmitglied.

Alois W. Funk zählte zu den Schöpfern des ersten Großauheimer Heimatmuseums, das von 1933 bis 1942 bestand. Zuerst war das Museum in der alten Schule Haggasse 4 untergebracht, danach im heutigen Stadtverordnetensitzungssaal des alten Rathauses, den man in mehrere Räume unterteilt hatte. Im Museum konnte man eine beachtliche Sammlung an Gegenständen aus Landwirtschaft, Handwerk, Hausrat und Industrie bestaunen. Vieles davon trugen die Einwohner dazu bei, aber auch dem Antiquitätenaufkäufer Karl Wegstein konnte man das ein oder andere Brauchbare abkaufen. Bei Ausgrabungen, die die drei Männer selbst unternahmen, machten sie einige Funde aus früheren Zeiten. 

Tragischerweise wurde das Heimatmuseum infolge des Zweiten Weltkrieges fast zerstört. Nach 1945 trugen sie die zerstreuten Bestände des ehemaligen Heimatmuseums wieder zusammen, so dass 1967 eine Ausstellung in zwei kleinen Räumen des alten Rathauses eröffnet werden konnte. Somit haben die drei Männer unter tatkräftiger Mithilfe der Stadt das Heimatmuseum ein zweites Mal gegründet.

Das Stadtarchiv basiert ebenfalls auf der Grundlage der drei Männer. Es befindet sich noch heute in den Räumen des alten Rathauses. Zuvor waren die alten Großauheimer Akten im Dachboden des Rathauses untergebracht. Als dort während des letzten Krieges Wohnraum entstehen sollte, bot sich den Männern die Gelegenheit auf die Akten und Urkunden zuzugreifen.

Glücklicherweise wurde das Stadtarchiv selbst im Zweiten Weltkrieg nicht beschädigt und seine Gewerbesteuerverzeichnisse und Gemeinderatsprotokolle, Gerichts- und Zirkularbücher, sowie Flurbücher und Gemeinderechnungen bilden stets wertvolles Material für die Großauheimer Geschichte.

Die drei Männer haben diese sorgfältig überprüft und in mühevoller Arbeit wichtige Unterlagen entziffert und abgetippt. Durch das Abschreiben von Urkunden und Akten, die sie aus großen Staatsarchiven ausliehen, ließ sich der Bestand noch ergänzen.

Jetzt gingen sie daran das ganze Material zu analysieren. Bereits in den Mitteilungsblättern des Heimatvereins „Am Heimatborn“, die von 1937 – 1939 erschienen, hatten sie einige Beiträge über die Großauheimer Geschichte veröffentlicht.

Nach 1945 begannen sie intensiv damit, die Arbeiten zur Heimatgemeinde auszuwerten. Zahlreiche heimatgeschichtliche Artikel und Abhandlungen, die sich auf weite Gebiete der Geschichte Großauheims erstreckten, wurden der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Etliche dieser Arbeiten wurden in den 1950er und 1960er Jahrgängen der Zeitschrift „Spessart“ veröffentlicht, viele von 1952 bis 1971 in den jährlichen Programmheften der Großauheimer Volkshochschule, sowie das Umfassendste in den Festschriften der katholischen Kirchengemeinde von 1956, 1966 und 1967.

Anläßlich der Stadterhebung von Großauheim im Jahre 1956, wurde ein Heimatbuch veröffentlicht, das ebenso einige dieser heimatgeschichtlichen und volkskundlichen Arbeiten von Großauheim enthält. Es zeigt einen Einblick in die Entwicklung der Gemeinde Großauheim vom einstigen Bauerndorf zum fortschreitenden Industrieort. Das Werk, herausgegeben von Frau Prof. Dr. Mathilde Hain – einer gebürtigen Großauheimerin – entstand in Zusammenarbeit sachkundiger Heimatfreunde.  

Als Mitverfasser im Heimatbuch „Großauheim“, das 1969 in zweiter, erweiterter Auflage erschien, veröffentlichte er mehrere Beiträge mit den Titeln: „Notizen über die ältesten Großauheimer Wirtshäuser“, „Großauheim im Strom der Zeit (Zeittafel)“, „Gemeinde- und Gerichtsordnung vom 16. bis 18. Jahrhundert“, letzteres zusammengestellt von A. W. Funk und H. Kurzschenkel.

In Anerkennung ihrer heimatgeschichtlichen Verdienste wurde er zusammen mit den Brüdern Heinrich (V 1970 ) und Karl Kurzschenkel (V 1976 ) am 5. März 1971 mit der August-Gaul-Plakette der Stadt Großauheim ausgezeichnet (Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 22.01.1971).

Auf Grund der historischen Arbeit der drei Männer, kam man zu der Überlegung, diese mit einem Sammelband zu krönen.
1976 erschien das Heimatbuch „Mainzer Rad und Pilgermuscheln“ mit gesammelten Studien der drei Heimatforscher. In den heimatgeschichtlichen und volkskundlichen Aufsätzen werden die Zustände und Lebensgewohnheiten aus dem alten Großauheim des Vorindustriezeitalters beschrieben.

Hier veröffentlichte er Beiträge mit den Titeln: „Zur Geschichte der Totenhöfe“, „Die Pforte, ein verschwundenes Baudenkmal“. Letzterer Beitrag ebenso erschienen in dem Heimatbuch „Hanau Stadt und Land“ von 1954.

Erwähnenswert, was mit ihrer historischen Arbeit in Verbindung steht, wäre die Beteiligung beim großen Jubiläum im Jahre 1956, sowie das Mitwirken im Kulturausschuss und das Bestreben um eine effiziente Ortsdenkmalpflege und um eigenständige Straßennamen.

Als die Stadt Hanau 1983 das Heimatmuseum neu schuf, war es ihm als einzigem der drei Heimatforscher vergönnt, dieser Freude teilhaben zu können.

Das Museum ist in den Räumen der ehemaligen öffentlichen Badeanstalt, sowie in den beiden Hallen des damaligen Elektrizitätswerkes und dem alten Feuerwehrgebäude untergebracht. Es zeigt die Veränderung der damaligen Lebens- und Arbeitsweise der Menschen vom Bauerndorf zum heutigen Industrieort.

Alois W. Funk starb am 23.02.1985 im Alter von 83 Jahren in Hanau.

Für ihr historisches Lebenswerk haben sich die drei Heimatforscher bleibende Verdienste für das kulturelle Leben unserer Stadt erworben. In Anerkennung dafür erhält er, sowie die Brüder Kurzschenkel, eine nach ihnen benannte Straße  (Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 18.06.2001).

   

                                                                             

 

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