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"Der wohl schoenste Fleck der Erde, den ich bisher kennengelernt habe..."

 

Am verlaengerten Wochenende vom 30.10. bis 4.11.2003 ging es fuer mich und 27 andere Austauschschueler aus aller Welt an die weltberuehmten Wasserfaellen des Nationalparks Iguazú, Provincia de Misiones, Argentina.

Los ging es fuer mich am Donnerstag, 30.10.2003 am fruehen Morgen. Zunaechst nach Concepción del Uruguay, wo mich mein Betreuer erwartete und ich mit ihm und einem anderen deutschen Austauschschueler aus Dresden (Felix) den Tag verbrachte, bis wir abends um 20.20 in den Bus stiegen. Der Tag war klasse, wir hatten richtig viel Spass. Ich glaube ich habe mit meinem Betreuer richtig Glueck gehabt, er spricht fliessend Deutsch (ist auch Deutschlehrer), super lustig drauf und mit ihm kann ich ohne Probleme ueber alles schwaetzen was ich so erlebe und was mich bedrueckt, wenn mich mal was bedrueckt.

Abends ging es dann, wie schon gesagt, in den Bus, wo uns gleichmal ein altes Rentnerpaar den Platz weggenommen hatte. OK, dachten wir uns und setzten uns einfach hintendran, was unser Glueck war. Nach einer Stunde Busfahrt, das Rentnerpaar war inzwischen ausgestiegen, tut es dann ploetzlich einen Schlag, der ganze Bus ohne Plan was abging, bis man dann eines der Fenster total zersplittert, aber noch in einem Stueck. In der Mitte ein EINSCHUSSLOCH! Und das auf dem Platz wo wir egtl haetten sitzen sollen… “mierda” dachten wir uns dann nur, das faengt ja klasse an… Aber was solls, der naechste Busbahnhof war nahe und wer bereiteten uns auf den Buswechsel vor, da uns ja noch die ganze Nacht zu fahren blieb. Aber wir vergassen wohl dass wir uns in Argentinien befinden. Dementsprechend durften wir dann auch die Loesung des Problems auf argentinisch erfahren. Man drueckte ganz einfach das zerschossene Fenster raus und klemmte einen Pappkarton davor, stabilisiert durch zwei laengs in das Fenster gesteckte Holzbalken (wir haben nur zugeguckt und gestaunt und uns ueber diese Freaks lustiggemacht und deren Arbeit) und fuhr die restlichen 11 Stunden nach Resistencia, Provincia de Chaco durch. Dass es gezogen hat wie Hechtsupp und ich mit meinen kurzen Hosen und Flip-Flops (der Tag davor war der heisseste seit ich hier bin) mir den Arsch abgefroren habe hat dann keinen interessiert.

Aber wir haben ueberlebt und kamen morgens um 08.00 Uhr in Resistencia an, wo uns dann auch gleich die ehrenamtlichen AFSer vom AFS-Kommitee Resistencia empfingen. Wenigstens das hatte geklappt. Dort hatten wir dann den ganzen Tag (bis 22.00 Uhr) zu verbringen (was keine Sau vorher wusste), bis dann im Laufe des Tages alle Teilnehmer aus dem ganzen Lande ankamen. Und dann lagen noch weitere acht (!!!!!!!!) Stunden Fahrt in einem AFS-Bus vor uns. Also insgesamt betrug die Fahrzeit 20 Stunden, bis wir da oben in Iguazú ankamen. Aber das ist in diesem Land noch nicht mal soooo viel.

Irgendwann morgens sind wir dann tatsaechlich angekommen, alle total verpeilt und fertig mit der Welt nach dieser ewig-langen Reise. Der Blick zum Himmel verriet dann auch gleich: Scheisswetter. Nur um die 20 Grad und Wolken. Die erste Taetigkeit im Hotel war dann das Fruehstueck. Geil. Ananassaft bis zum umfallen und reingeschlagen wie ein Verrueckter nach fast 2 Tagen Keksen, Cola und Leitungswasser. Zeit zum Duschen blieb dann auch nicht mehr, nur Koffer in die Zimmer schmeissen, Kamera und Geld mitnehmen und ab in den Bus, in den Nationalpark. Endlich angekommen wurden wir aber keineswegs enttaeuscht. Natur pur, in ihrer allerschoensten Form, Urwald, alle moeglichen Pflanzen, Blumen, Tiere (Riesenameisen, Waschbaeren, und Voegel) und Landschaften. Und dann die Wasserfaelle… Wenn man nicht da war glaubt man es nicht, man muss sie einfach nur gesehen haben! Die sind einfach nur gigantisch, enorm und wunderschoen. Man steht da obendrueber und sieht nur das Wasser tonnenweise die Schluchten hinunterklatschen, wie tief weiss man nicht, durch aufsteigenden Dampf verdeckt – im Hintergrund das Rauschen des Wassers. Man staunt nur von der Groesse dieser “unweltlichen Dinger”, ueber die einzigartige Landschaft, unbegreiflich und schiesst Fotos soviel man kann, um es niemals zu vergessen. Aber das werd ich nie vergessen, so beeindruckend war es fuer mich.

Nach dem Mittagessen wurde dann vom Nationalpark eine Bootsfahrt angeboten, die wir dann auch zum Grossteil gemacht haben. Der Hammer sag ich nur. Die Boote naehern sich von unten den Wasserfaellen, das heisst egtl naehern sie sich (wenn nur Alte im Boot drinsitzen). Wir waren jedoch nur Jugendliche und der Bootsfahrer ist mit uns richtig druntergefahren. Nicht nur ein bisschen dran, richtig drunter. Rein in die riesigen Dampfwolken des aufklatschenden Wassers, das Boot stand nachher unter Wasser und wir hatten keine Chance, irgendeine Koerperstelle nur annaehernd trocken zu halten. Es war sau geil. Die Faelle sind sowas von riesig und man kommt sich so klein und schwach vor in diesem Boot, es ist unbegreiflich wenn man es nicht erlebt hat. Bis zum abend sind wir auch nicht mehr getrocknet. Wir mussten dann noch nass zum Dreilaendereck Argentinien – Paraguay – Brasilien fahren, was aber auch auf jeden Fall einen Besuch wert war.

Im Hotel zurueck waren wir wie gesagt immernoch nass und verbrachten den Grossteil des Abends im  hauseigenen Pool. Mit Klamotten wohl gemerkt, wir waren ja eh schon nass. War sau lustig.

Naechster Tag… am morgen etwas Freizeit, danach ging es auf eine Adventure-Tour mit einem 4x4 Truck durch den Wald, wo verschiedene Aktivitaeten auf uns warteten. Erste Aktivitaet. Ein Wasserfall. Toll dachten wir, ein Wasserfall. Was wollen wir an diesem Wasserfall? Bis uns dann der Betreuer erklaerte, wir sollen da runterklettern. Es waren so dreissig Meter nehm ich an, und ich hatte schiss ohne Ende, aber es war sowas von geil. An einem senkrechten Wasserfall rueckwaerts runterlaufen, nach 5 metern wieder klatschnass in Socken und Schuhen, aber egal. Und es war sau schwer! Ich bin dan irgendwann in so ne kleine Hoehle aberutscht, kein Plan wie aber ich war hinter dem Wasserfall im Trockenen… =)  sau cool aber letztendlich musste ich dann doch weiter das letzte Stueck auch noch runter. Und dann gings in den kleinen See, in den der Wasserfall fiel, wo sich dann einer nach dem anderen reinwarf, alles egal, mit Schuhen, Jeans und T-Shirt, man war eh schon durchnaesst vom Abseilen.

Als alle ankamen ging es weiter zur zweiten Aktivitaet. Wir mussten auf einen 18 Meter hohen Baum klettern, wo eine Plattform angebracht war. Von da oben hatte man eine hammerharte Aussicht ueber den ganzen Urwald, wo wir zweifellos mittendrin waren… In 80 Metern Entfernung war dann Baum Nummer 2 und wir mussten uns nach drueben abseilen. Wie in den ganzen Filmen. Saumaessig geil… Und drueben dann auf dem Baum ging es dann nach unten. Im freien Fall ohne irgenwelche Vorwarnung senkrecht die 15 Meter runter, von einem der Betreuer ganz knapp ueber dem Boden per Seilzug, an dem wir gesichert waren, abgefangen. Das war ein Schock!! Hab auch gleichmal nen Schrei losgelassen als es so ploetzlich da runterging. Die Fahrt hat den ganzen Nachmittag (4 Std.) gedauert und war wirklich allererste Sahne. Abens gings mal wieder in den Pool und die Nacht durch wurde noch ein bisschen gefeiert, es war ja schliesslich die letzte, morgen frueh ging es wieder zurueck. Erst 8 Stunden bis Resistencia, wo wir um 19 Uhr ankamen, und um 21 Uhr die naechsten 12 Stunden zurueck nach Colón, meiner Stadt. Der Abschied von den ganzen anderen Austauschschuelern fiel wie immer superschwer, das Wochenende war der Hammer und man will sich auf jeden Fall in den dreimonatigen Sommerferien wiedertreffen.

 

Alles in allem war es eine unvergessliche Reise, trotz langem Anfahrtsweg. Wir hatten riesig viel Spass und ich habe den bis jetzt fuer mich mit Abstand allerschoensten Fleck der Welt kennengelernt, die Wasserfaelle im “Parque Nacional Iguazú”, Provincia de Misiones, Argentina.

 

Stefan Ruh, 08. November 2003

 

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