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Vorläufige Prinzipenerklärung der Antifaschistischen Gruppe Lingen



- Antifaschismus heißt für uns „gegen den Faschismus“ zu sein

-Die Antifa Lingen betrachtet den Faschismus in all seinen Erscheinungsformen als eine verbrecherische, menschenfeindliche Ideologie. Diese ist zu bekämpfen.

-Wesentliche Merkmale dieser Ideologie sind:

  • Rassismus, Sexismus, Biologismus, Klassismus d.h. Die Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Kultur, ihrer geschlechtlichen Orientierung, ihres Geschlechts, ihrer Gesundheit, ihrer sozialen Lage...

  • Führerprinzip, d.h. Autoritäre Führung und Unterordnung statt Selbstbestimmung der Menschen

  • Idee der „Volksgemeinschaft“, d.h die Behauptung die gesamte Bevölkerung eines Landes habe gemeinsame Interessen (z.B. gegenüber anderen Ländern)

  • Nationalismus, d.h. Die Behauptung der besonderen Wertigkeit einer Nation gegenüber anderen

  • Imperialismus und Krieg, d.h. Die Durchsetzung von Interessen (der Nation oder der Wirtschaft) mit militärischen Mitteln

    -Elemente dieser Ideologie begegnen uns auch heute noch in vielfältiger Weise. Natürlich in Form von Faschisten (Parteien, Progrome, Aufmärsche...), aber auch in Form staatlicher Politik (Abschiebung, Krieg, Wirtschaftspolitik, Gesundheitspolitik...) oder gesellschaftlicher Meinung (Rassismus, Sexismus)

    -Wo immer wir die Wirksamkeit von faschistoiden Ideen feststellen, wollen wir dagegen vorgehen

    -Wie dieses Vorgehen konkret aussieht (Demos, Veranstaltungen, Aktionen) entscheiden wir in der jeweiligen Situation gemeinsam


    -Einige von uns sind der Meinung das der Faschismus im bestehenden System nicht überwunden werden kann. Sie verfolgen langfristig das Ziel der revolutionären Umwandlung in eine selbstverwaltete, herrschaftslose und gewaltfreie Gesellschaft (Anarchie). Einige von uns sind der Meinung, dass der Faschismus im bestehenden System zurückgedrängt werden kann. Ohne unsere unterschiedlichen Ansätze zu verwischen, wollen wir in der heutigen Situation zusammen aktiv werden. Wir sind offen für alle Menschen, die auf der Grundlage dieser Prinzipien mit uns zusammen arbeiten möchten





    Kritik zur Prinzipienerklärung (von Brezel):

    Ich halte unsere Prinzipienerklärung für dringend änderungswürdig, da sie meiner Meinung nach schwere inhaltliche Fehler enthält.

    Wir gehen in der Prinzipienerklärung davon aus, dass bestimmte Elemente der heutigen Gesellschaft quasi Überreste faschistischer Ideologie sind. Als Beispiele dafür gelten uns unter anderem Rassismus und Krieg. Dabei übersehen wir einen wichtigen Punkt: Rassismus und Krieg gab es vor dem Faschismus, gibt es nach dem Faschismus und auch in Ländern, die niemals faschistisch waren. Das gilt für fast alle Merkmale des Faschismus, wie wir sie benennen. Folglich können das nicht die spezifischen Eigenschaften des Faschismus sein. Wenn die SPD und die Grünen heutzutage Kriege führen oder Menschen abschieben ist das keineswegs faschistisch. Es ist aus unserer Sicht Unrecht. Aber eben Unrecht im Rahmen parlamentarisch-kapitalistischer Staaten und damit keineswegs als faschistisch oder faschistoid zu bezeichnen.

    Wir müssen daher dringend klären, was Faschismus eigentlich bedeutet. Es reicht nicht aus, die Übel des Kapitalismus in seiner parlamentarischen (politischen) Form als faschistisch zu bezeichnen. Das verharmlost den wirklichen Faschismus und macht uns unglaubwürdig.

    Ich habe im Folgenden einige Thesen aufgestellt, die Bestandteil einer neuen Prinzipienerklärung sein können, und wünsche mir Stellungsnahmen dazu.

    1) Für uns bedeutet Antifaschismus gegen den Faschismus zu sein.

    2) Die Geschichte lehrt uns, dass der Faschismus eine Krisenerscheinung des Kapitalismus ist.

    3) Die Krise tritt ein, wenn der Lauf des Kapitalismus so weit ist, dass die Menge der produzierten Güter steigt, während der dafür notwendige Arbeitsaufwand sinkt. Das ist ein ganz normaler Prozess, der allerdings zu Problemen führt. Der Lebensstandard der freigesetzten Arbeitskräfte sinkt, da die Berechtigung zum Genuss von Gütern im Kapitalismus nur über Geld in Form von Lohn erworben werden kann. Gleichzeitig werden der Absatz der Waren und der damit verbundene Profit für die Firmen zunehmend unmöglich, da die Konsumkraft der Bevölkerung sinkt. Sozialhilfe kann nur verzögernd wirken, da sie ja nur Steuern, sie sich ebenfalls aus Löhnen und Profiten speisen, umverteilt.

    4) In der historischen Krise des Kapitalismus zum Ende der Weimarer Republik führte die Situation zu einer erheblichen Unzufriedenheit der Menschen. Auslöser waren Unzufriedenheit mit der materiellen Situation, aber auch ein verringertes Selbstwertgefühl durch den Verlust der eigenen Bedeutung als „arbeitender Mensch“. Sowohl linke Kräfte (KommunistInnen, SozialdemkokratInnen und AnarchistInnen) als auch die Nationalsozialisten gewannen durch die Krise an politischem Gewicht. Besonders die FaschistInnen boten scheinbare Auswege an: Sie formulierten den Wunsch nach dem Ende des kapitalistischen Systems, indem sie auf das mittelalterliche Bild des Wucher-Juden zurückgriffen und die Juden zur Weltverschwörung hinter dem Kapitalismus verklärten. Dadurch boten sie ein Ventil zur Entladung des allgemeinen Zorns. Gleichzeitig formulierten sie über Führung, Rassenbewusstsein und Volksgemeinschaft einen „positiven“ Sinn für die Menschen.

    5) Für die TrägerInnen des Kapitalismus war die Lage angesichts der zunehmenden linken Kräfte bedrohlich. Um das System zu retten unterstützten zahlreiche Industrielle die NSDAP und forderten von Hindenburg die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. Dieser vernichtete die linke Bedrohung und beruhigte die Bevölkerung. Durch eine enorme Nachfrage des Staates stellte er Arbeitsmöglichkeiten für die Lohnabhängigen und Gewinnmöglichkeiten für die Konzerne wieder her. Dies war nur durch die Kriegsrüstung und ähnliche Maßnahmen (Autobahnen) möglich, für die damals noch viele Menschen benötigt wurden. Die Krise konnte also durch die Vorbereitung des Krieges verzögert werden.

    6) Nach dem Krieg war die Krise überwunden. Durch die Zerstörung des technischen Standards und durch die Ermordung großer Teile der Bevölkerung, konnte nach dem Krieg die Entwicklung des Kapitalismus in Deutschland quasi neu beginnen.

    7) Das Grundtendenz des Kapitalismus (die Entwicklung einer steigenden Produktion bei sinkendem Arbeitsaufwand) konnte dadurch aber nicht aufgehoben werden. Neue heftigere Krisen, bis hin zum Zusammenbruch in der Zukunft, sind vorprogrammiert. Verzögerungen (z.B. über die Senkung von Löhnen, um Arbeitskraft wettbewerbsfähiger zu machen) sind möglich, umkehrbar ist dieser Prozess nicht.

    8) Die entscheidende Frage ist es, wie sich die faschistische Rechte und die revolutionäre Linke dazu verhalten. Während z.B. die NPD Juden, AmerikanerInnen oder „AusländerInnen“ als neue Schuldige präsentiert, muss es uns darum gehen eine andere Lösung zu finden. Diese kann meiner Meinung nach nur in einer Wirtschafsform liegen, in der Güter nach Bedarf verteilt werden und somit die Übernahme der Arbeit durch die Maschinen kein Problem darstellt. Nur die Überwindung des Kapitalismus kann dessen Krisen und damit die Gefahr eines neuen Faschismus abwenden.

    9) Unsere Aufgabe muss es vor allem sein diese Erkenntnis zu verbreiten. Dazu kann es sinnvoll sein, den Kapitalismus und den Staat nicht „nur“ aufgrund des möglichen Faschismus, sondern auch aufgrund momentaner Übel (Atomkraft, Krieg, Abschiebung) zu kritisieren, um Öffentlichkeit herzustellen.

    Die Vernichtung der Wurzeln des Faschismus bleibt unser Ziel!

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