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Harry Potter
& der Fluch der blauen Blume

Kapitel 9: Briefe (aus der Sicht von Severus Snape)

Ich hielt die Briefe in der Hand, die ich während meinen letzten zwei Schuljahren geschrieben hatte. Ich hatte sie nie abgeschickt, dazu fehlte mir wohl der Mut. Ich faltete den ersten auseinander:

31. Oktober 1976

Liebe Lily,

du sahst heute abend so bezaubernd aus! Ich wollte es dir auf dem Halloweenball sagen, aber ich hatte Angst du würdest mich auslachen. Ich habe dich so lange angesehen, doch du hast mich nicht bemerkt. Ich liebe dich Lily. Ich liebe deine wundervollen grünen Augen, deine wunderschönen, langen, roten Haare, dein Lächeln. Es ist strahlender als die Sonne. Deine Augen leuchtend wie Sterne. Wenn ich dich sehe geht es mir schon gut.
Dein Lachen - ich habe es heute so oft gehört - klingt für mich wie ein wundervolles Lied. Dein Kleid, du sahst einfach wunderschön aus. Als wäre ein Engel vom Himmel herabgestiegen um etwas Licht in diese graue Welt zu bringen. Wie du dich bewegst... einer Elfe gleich, die mit ihren Flügeln über den Boden schwebt. Wie du tanzt... ich würde alles geben um einmal mit dir tanzen zu dürfen. Dich einmal so nah zu spüren... Ich träume jede Nacht nur von dir. Deine rosige Haut, der Geruch deines Parfüms, der dich umgibt, wie der Duft von hunderten von Rosen.
So ein Gefühl hatte ich noch nie. Lily, ich möchte es mit dir teilen. Ich möchte dir mein Herz schenken, denn es ist wertlos, ohne deine Liebe. Ich bekomme kaum einen klaren Gedanken, wenn du in der Nähe bist. Ich kann nichts anderes schreiben als Liebesgedichte. Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen!

Dein, dich ewig liebender,
Severus Snape

*****

Sylvia hielt diese Unruhe nicht aus. Sie wollte sich mit Severus vertragen und zwar jetzt gleich. Sie stand auf und machte sich auf den Weg in die Kerker. Es war schon spät und sie war sich sicher ihn nicht mehr in seinem Büro anzutreffen. Sie war sich nicht sicher, wo sich sein Privatzimmer befand, jedoch hatte sie ihn einige Tage zuvor in einen Kerker gehen sehen, von dem sie wusste, dass es weder ein Unterrichtsraum, noch sein Büro war. Hoffentlich schlief Severus noch nicht.
Als sie klopfte gab niemand Antwort, dennoch ging sie herein. Der Raum war von einigen Kerzen schwach erhellt und nun hatte Sylvia keine Zweifel mehr, dass dies sein Zimmer war.
Neben einem Kamin, in dem wärmende Flammen loderten standen einige grüne Sessel und ein Tisch auf dem Kerzen standen. Hier gab es keine Gläser, die mit Innereien oder Zaubertrankzutaten gefüllt waren. An den Wänden hingen Regale, alle gefüllt mit alten Büchern, die in schwarzes Leder eingebunden waren und deren, in goldenen Buchstaben geschriebenen Titel, langsam abblätterten.
Als Sylvia sich umdrehte erschrak sie ein wenig. Severus lag in seiner Alltagskleidung auf seinem Bett, das neben einem kleinen Fenster stand. Sie lächelte ein wenig. Er sah so friedlich aus, wenn er schlief. Das Kopfkissen hatte er beiseite geschoben, genau wie die Decke. Beides war mit schwarzer Satinbettwäsche bezogen. Severus war eingeschlafen. In einer Hand hielt er ein Pergament, das sich bei näherem Hinsehen als Brief herausstellte.
Sylvia versuchte gegen ihre Neugier anzukämpfen. Auf dem Boden und dem Bett verstreut lagen noch mehr Briefe. Du darfst das nicht lesen, sagte ihre innere Stimme energisch. Dennoch hob Sylvia einige Briefe auf und las sie:

25. Dezember 1976

Liebe Lily,

ich wollte dich heute morgen beim Frühstück so gern fragen, ob dir mein Geschenk gefallen hat, aber du verbrachtest deine ganze Zeit mit James Potter. Du hast die Kette nicht mal getragen.
Ich habe mich nicht getraut meinen Namen unter den Brief zu schreiben, schließlich bin ich in Slytherin. Ich dachte, du würdest mich vielleicht schon allein deshalb nicht mögen. In deinem Schatten bin ich hässlicher als eine Kröte. Eigentlich habe ich so etwas schönes wie dich nicht verdient.
Du bist das schönste Mädchen der Schule. Du sahst heute morgen etwas verschlafen aus, aber das machte dich nur noch schöner. Mit dem Öffnen deiner Augen beginnt der Tag, mit deinem Lächeln geht die Sonne auf.
Es hat Stunden gedauert, bis ich mich für diese Kette entschieden habe. Es hat auch Stunden gedauert, bis ich die Rose so verzaubert hatte, dass sie so strahlend rot leuchtete. Sie ist so leuchtend rot wie deine Haare.
Ich möchte mein Leben mit dir verbringen. Lily, ich liebe dich wie nichts zuvor...
Bis bald, mein Sonnenschein
Dein Severus

22. März 1978

Liebe Lily,

ich habe dich heute morgen gesehen - mit James. Ihr gingt Hand in Hand am See spazieren. Die Sonne ging gerade auf und der Tau glänzte an den Blättern, als James dich sanft küsste. Du bist nicht vor ihm zurückgewichen. Du hast ihn in den Arm genommen. Lily, er ist der falsche. Er wird dich ausnutzen, wie all die Mädchen zuvor, denen er das Herz gebrochen hat.
Warum hast du dich in ihn verliebt. Warum liebst du nicht mich? Ich würde dein Herz nie brechen. Du wärst mir wichtiger als alles andere...

Sylvia hörte auf zu lesen. Sie hasste ihre Neugier. Severus schien diese Briefe an seine große Liebe geschrieben zu haben. Jetzt, da ihre Neugier gestillt war, spürte sie ihr schlechtes Gewissen und ihre innere Stimme sagte triumphierend: Ich habe es dir doch gleich gesagt! Du hättest diese Briefe nicht lesen dürfen!
Sylvia legte die Briefe zurück zu den anderen, die auf dem Boden verstreut lagen. Leise versuchte sie aus dem Zimmer zu schleichen. Severus schlief unruhig, sie wollte ihn nicht wecken. Sie konnte ihm mit diesem schlechten Gewissen nicht in die Augen sehen.
Langsam schlich sie die Stufen von der Eingangshalle aus hinauf. Plötzlich traf sie Peeves, den Poltergeist. Der hatte ihr gerade noch gefehlt. Bitte, dachte sie, zog instinktiv den Kopf etwas ein und schloss die Augen, bitte sei still. Als sie die Augen öffnete schwebte Peeves schelmisch grinsend vor ihr.
"Professor Snape, sie sollten aber schon längst im Bett sein. Einfach mitten in der Nacht durch das Schloss schleichen, das gehört sich aber nicht." Peeves hatte nun den Zeigefinger erhoben und sah sie strafend an.
"Ich schleiche nicht durchs Schloss Peeves. Und wann ich ins Bett muss, weiß ich selbst ganz gut." Sylvia ging weiter und seufzte erleichtert. Der Poltergeist hatte keinen unnötigen Lärm veranstaltet.
Doch sie hatte sich zu früh gefreut, denn Peeves tauchte keine Minute später wieder auf. Er hatte sich eine Handvoll Steine geholt, die er versuchte Sylvia an den Kopf zu werfen. Es gelang ihr zwar, sich zu ducken, jedoch verursachten die Steine einen ziemlichen Lärm, als sie auf der Treppe aufkamen. Geräuschvoll rollten sie noch einige Treppenstufen hinunter, bevor sie zum Stillstand kamen.
Einen Moment später erschien Argus Filch, der Hausmeister. Er kam Sylvia auf der Treppe entgegen. "Professor Snape, haben sie diesen Lärm veranstaltet?"
"Warum sollte ich das tun? Um der Wahrheit die Ehre zu geben... Peeves hat mich mit Steinen beworfen."
"Jetzt reicht es aber, Peeves hat genug angestellt! Ich werde zu Dumbledore gehen." Übelgelaunt lief Filch weiter um die Steine aufzusammeln, die noch auf der Treppe lagen.
Am nächsten Morgen war es Sylvia, die nicht zum Frühstück erschien. Ihr schlechtes Gewissen quälte sie. Sie wollte Severus nicht in die Augen sehen müssen, auch wenn er ihr aus dem Weg ging.

*****

Severus war am Morgen noch genauso nachdenklich wie am Abend. Er war über seinen Briefen an Lily eingeschlafen. Irgendwann in der Nacht hatten wieder die Alpträume begonnen und er war aufgeschreckt.
Jetzt, am Morgen, hätte er schwören können, dass die Briefe gestern anders gelegen hatten. Vielleicht bildete er sich das nur ein, er war sehr müde gewesen. Außerdem, wer würde ihn hier unten Besuchen? Die anderen Lehrer mochten ihn nicht besonders und Sylvia wusste gar nicht, wo sich sein Privatzimmer befand.
Langsam sammelte er die Briefe ein. Bisher war er immer unglücklich verliebt gewesen. Seine erste große Liebe Lily Evans, eine Gryffindor, hatte sich in James Potter verliebt, seine zweite Liebe hatte Voldemort umgebracht. Danach hatte Severus aufgehört Menschen zu lieben. Bisher hatten ihn alle Menschen, die er geliebt hatte verlassen.
Als er zum Frühstück ging hatte er die Sache mit den Briefen bereits vergessen. Er warf einigen Lehrern einen übelgelaunten Blick zu und setzte sich auf seinen Platz. Als er, wie jeden, morgen auch Sylvia einen solchen Blick zuwerfen wollte, fiel ihm auf, dass sie gar nicht beim Frühstück war.
Er sah von ihrem Platz fragend zu Dumbledore, der seinen Blick auffing. Doch dieser zuckte nur mit den Schultern. Severus dachte nach. Vielleicht sollte er nach dem Frühstück mal nachsehen, ob alles in Ordnung war? Er warf diesen Gedanken gleich wieder über den Haufen. Sylvia und er hatten Streit, warum sollte er nach ihr sehen?
Dennoch war ihm nicht ganz wohl. Sylvia würde sich das Frühstück doch nie ohne Grund entgehen lassen. Vielleicht war ihr etwas passiert? Aber was interessierte ihn das, sie hatte sich auch nicht darum gekümmert, ob ihm was passiert sein könnte, nachdem er nach ihrer Ohrfeige nicht zum Frühstück erschienen war. War er jetzt ungerecht? Nach langem hin und her entschloss er sich letztendlich doch zu gehen.
Nachdem er gefrühstückt hatte, stand er auf und machte sich auf dem Weg zu Sylvia. Während er die Stufen hinauf ging musste er an die alte Zeit denken, die ihn schmerzhaft verfolgte. Warum war es nicht so geblieben? Es war so schön gewesen... doch seine Entscheidung Todesser zu werden hatte alles zerstört.
Als er ankam zögerte einen Moment. Vielleicht wollte sie ihn gar nicht sehen? Du wirst es nicht erfahren, wenn du nicht klopfst, sagte seine innere Stimme.
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