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Harry Potter
& der Fluch der blauen Blume

Kapitel 6: Die Ohrfeige

Am nächsten Morgen fand nach dem Frühstück die Auswahl für das Quidditchteam statt. Die Gryffindors brauchten einen neuen Hüter und der Kapitän musste auch gewählt werden.
Die Bewerber waren zahlreich: Ginny Weasley, Seamus Finnigan sowie Colin und Dennis Creevey waren nur einige.
Nachdem Angelina einstimmig zum neuen Kapitän gewählt wurde trat sie auf die Bewerber zu und erklärte ihnen was sie tun sollten. Als das Team sich die mehr oder weniger vorhandenen Flugkünste der Bewerber angesehen hatte lieferten Harry und der Rest der Mannschaft sich eine ziemliche heftige Diskussion. Keiner schien die richtige Besetzung zu sein. Doch zum Schluss kamen sie doch noch zu einer Entscheidung.
"Alle mal herhören!", rief Angelina den Bewerbern zu, die über das ganze Feld verteilt waren. Sofort kamen alle erwartungsvoll angerannt. "Wir haben uns entschieden... und zwar für Ron als Hüter." Ron fing an zu jubeln, während der Rest niedergeschlagen drein sah.
"Macht euch nichts draus.", versuchte Angelina den besagten Rest aufzumuntern. "Es besteht doch immer noch die Chance ins Reserveteam aufgenommen zu werden. Und nächstes Jahr könnt ihr es ja auch noch mal versuchen." Alle nickten und dann verließ einer nach dem andern das Quidditchfeld.

*****

Hermine hatte der Mannschaft eine ganze Weile zugesehen, war aber irgendwann zurück zum Schloss gegangen. Harry und Ron hatten sie im sowohl Gemeinschaftsraum als auch in ihrer geliebten Bibliothek gesucht, aber nicht gefunden. So hatten sie den Nachmittag damit verbracht sich über Quidditch zu unterhalten und Zauberschach zu spielen. Erst jetzt, beim Abendessen, trafen Ron und Harry sie am Gryffindortisch wieder.
"Wo warst du?", fragte Ron neugierig und kippte Kürbissaft in seinen Becher.
"Ich habe Dobby besucht", sagte Hermine so beiläufig wie nur möglich.
"Du wolltest die Hauselfen doch nicht schon wieder davon überzeugen, dass sie das Recht auf Urlaub und Bezahlung haben, oder?" Ron sah Hermine an.
"Guck nicht so! Sie haben wirklich ein Recht darauf!"
"Hermine, wann kapierst du es endlich? Sie sind glücklich, so wie es ist!" Ron konnte sich darüber den ganzen Tag aufregen. Warum war Hermine nur immer so stur?
Hermine und Ron stritten sich während des ganzen Abendessens.
"Hört auf zu streiten!" sagte Harry, nachdem er seinen Teller leer gegessen hatte, und stand auf. "Kommt lieber mit, wir wollten doch noch den Brief an Schnuffel abschicken, den ich Anfang der Woche geschrieben habe."
Ron und Hermine standen ebenfalls auf und folgten ihm zur Eulerei. Als sie durch einen Gang im dritten Stock gingen, zog Harry die beiden plötzlich hinter einen Wandteppich.
"Was zum...", zischte Hermine.
"Sei still. Sieh mal", wisperte Harry und schob den Teppich so zur Seite, dass sie alle sehen konnten, was auf dem Flur geschah.
"Snape", flüsterte Ron, "was will der denn hier?"
Severus Snape stand vor einer Tür nicht weit vom Versteck der drei entfernt. Er seufzte, ging weiter, entschloss sich doch anders und ging zurück. Vorsichtig klopfte er an. Es dauerte einen Moment, dann ging er hinein und auf dem Flur war nichts mehr zu hören.

*****

Sylvia saß an ihrem Schreibtisch und korrigierte die Tests, die sie in jeder Klasse hatte schreiben lassen um den Wissensstand zu überprüfen. Als es klopfte, rief sie einfach "Herein!", ohne von ihrer Arbeit aufzusehen.
"Hallo Sylvia." Severus trat zögernd einen Schritt in das Zimmer hinein.
"Severus? Was ist los?" Sylvia sah überrascht auf.
"Ich wollte mich entschuldigen. Ich habe vielleicht etwas überreagiert." Er setzte sich vor den Schreibtisch auf einen Stuhl. Warum zögerte sie so lange? Severus spielte nervös mit den Fingern.
"Etwas überreagiert? Glaubst du wirklich, dass es so einfach ist?" brachte Sylvia mit Mühe heraus, stand auf, drehte sich mit wehendem Umhang um und sah zum Fenster raus.
"Was soll ich tun Sylvia? Sag es mir!" Severus klang verzweifelt. Er wollte es wirklich versuchen. Er musste sich der Erinnerung stellen. Warum machte sie es ihm nur so schwer?
"Geh! Lass mich allein. Es hat keinen Sinn, wir verstehen uns nicht mehr. Vielleicht hast du dich wirklich zu sehr verändert. Ich verstehe einfach nicht mehr, was in dir vorgeht. Vielleicht ist es, weil du ein Todesser warst. Ich weiß es nicht..."
"Was hat das ganze denn damit zu tun, dass ich ein Todesser war? Das ist lange her Sylvia! Ich bin nicht mehr so." Nun war Severus auch aufgestanden. "Ich dachte, wir könnten noch mal in Ruhe über alles reden. Ich wollte es wirklich klären. Aber ich scheine dir ja nicht mehr sehr viel zu bedeuten."
Sylvia drehte sich um und kam einen Schritt auf Severus zu. Tränen liefen ihr über die Wangen und sie sah ihn wütend an. "Ja, du hast vollkommen Recht! Nach dieser Sache bedeutest du mir gar nichts mehr!", schrie sie und scheuerte ihm eine.
Severus atmete schwer und schnell. "Ich hasse dich, Sylvia! Du bist nicht länger meine Schwester!"
"Gut so! Dann geh jetzt! Verschwinde und lass mich in Ruhe!"
Severus drehte sich langsam um und ging hinaus. Die Tür ließ er hinter sich zuknallen.
Sylvia hörte noch, wie er den Gang entlang lief, dann wurde es still. Weinend ließ sie sich auf den Stuhl plumpsen und fuhr mit der Hand durch ihr braunes Haar. "Toll, das hast du wirklich klasse gemacht", sagte sie zu sich selbst.

*****

Am nächsten Morgen erschien Severus Snape nicht zum Frühstück. Sylvia war das ziemlich egal. Wahrscheinlich hatte er keine Lust ihr zu begegnen. Nach gestern Abend war das nur allzu verständlich.
Harry, Ron und Hermine war Snapes Fehlen nicht so egal. Sie fragten sich, ob es was mit dem Zimmer im dritten Stock zu tun hatte.
Sie diskutierten noch immer, als die Posteulen kamen. Sie hätten die Eule, die vor ihnen landete sicherlich auch nicht bemerkt, wenn sie sich nicht ausgerechnet Harrys Haferbrei als Landeplatz ausgesucht hätte.
"Das ist doch die Eule, die wir gestern zu Schnuffel geschickt haben", flüsterte Ron und wischte sich den Haferbrei aus dem Gesicht.
Harry hatte den Brief vom Bein der Eule gelöst und stand auf. "Kommt, wir nehmen ihn mit rauf und lesen ihn im Gemeinschaftsraum."
Im Gemeinschaftsraum angekommen suchten sie sich eine ruhige Ecke und setzten sich dort an den Tisch.

Hallo Harry!
Bin ich froh, dass du dich endlich gemeldet hast. Ich habe schon angefangen mir Sorgen zu machen.
Von den Sicherheitsvorkehrungen hat mir Albus selbst schon erzählt. Er hat mich und Moony während der Ferien öfter besucht.
Um als erstes deine Frage zu beantworten, nein, ich wusste nicht, dass Snape eine Schwester hat. Das klingt aber sehr interessant. Du hast mich neugierig gemacht. Wie ist sie so? Ist ihr Unterricht gut?
Freut mich übrigens, dass dir der Escular gefällt. Moony hat mich auf die Idee gebracht, schöne Grüße von ihm.
Meld dich, wenn was ist!
Bis bald
Schnuffel

Harry holte schnell ein neues Pergament und eine Feder, dann schrieb er die Antwort:

Hallo Schnuffel!
Schöne Grüße an Moony von Hermine, Ron und mir.
Sylvia Snape ist ganz nett. Sie hat ihre erste Stunde zwar, wie Lockhart, mit einem Test begonnen, aber da ging es um Dinge, die wir gelernt haben, nicht um geklaute Heldentaten.
Sie sieht ihrem Bruder nicht sehr ähnlich, deshalb glauben viele nicht, dass sie wirklich seine Schwester ist. Aber er hat es in der letzten Zaubertränkestunde selbst gesagt.
Viel mehr wissen wir auch nicht, es gibt halt nur besagte Gerüchte, du kennst das ja bestimmt...
Ich melde mich, wenn wir was Neues wissen.
Harry PS: Schöne Grüße auch an Seidenschnabel.

*****

Sylvia hatte den ganzen Tag keine Ruhe gehabt. Dauernd musste sie an diese dumme Ohrfeige denken. Am Abend beschloss sie bei Dumbledore Rat zu suchen. Er war klug und kannte Severus besser als alle anderen. Sie machte sich auf den Weg in den zweiten Stock, wo Dumbledores Büro war.
Währenddessen saß Dumbledore in seinem Büro, das Gesicht zum Kamin gewandt, in dem man bei genauerem Hinsehen den Kopf von Sirius Black erkennen konnte.
"Von Severus gibt es nichts Neues. Es war schwer genug für ihn Voldemorts Vertrauen wiederzugewinnen. Die Todesser veranstalten regelmäßige Treffen, sind aber selten aktiv", erklärte Dumbledore Sirius ruhig. Seine Stirn zeigte deutliche Sorgenfalten.
Sylvia war inzwischen am Wasserspeier angelangt. Sie sagte das Passwort und betrat die Treppe, die sich langsam nach oben bewegte.
Als sie oben ankam, konnte sie durch die Tür Stimmen hören:
"... Ich denke er tut das, da er nicht sicher ist, wem er vertrauen kann."
Es war eindeutig Dumbledore Stimme gewesen. Sylvia wollte nicht lauschen, also klopfte sie vorsichtig an. Es dauerte einen Moment, dann öffnete sich die Tür und sie stand vor dem Schulleiter.
"Oh", sagte Dumbledore und er klang erleichtert, "Sie sind es, Sylvia."
"Ich hoffe, ich störe nicht, aber ich bräuchte Ihren Rat." Die Lehrerin setzte sich vor den Schreibtisch. Dumbledore setzte sich ihr gegenüber.
"Ist etwas passiert?", fragte er und lehnte sich zurück.
"Das kann man so sagen." Sylvia rieb nervös an ihren Fingernägeln. Es war offensichtlich, dass ihr die Sache etwas peinlich war. "Ich habe Severus geohrfeigt", erklärte sie schließlich.
Entgegen allem, was sie erwartet hatte, schien Dumbledore das Ganze zu belustigen. "Wie hat er denn reagiert?"
"Sie scheinen das ganze recht lustig zu finden", sagte sie etwas beleidigt.
"Oh ja", entgegnete er lächelnd, "das ist es wirklich. Wissen Sie, Sylvia, es hat ihm noch nie ein anderer Lehrer so deutlich die Meinung gesagt. Vielleicht brauchte er das. Wie hat er reagiert?", fragte er wieder, diesmal etwas ernster.
"Er hat mir gesagt, dass er mich hasst und ich für ihn nicht länger seine Schwester sei. Dumbledore, er hat sich entschuldigt und ich... ich habe ihn geschlagen." Sylvia fuhr sich durchs Haar. Sie klang wirklich verzweifelt.
"Was genau ist denn passiert? Ich meine Sie werden ja wohl kaum, sofort nachdem er sich entschuldigt hat, zugeschlagen haben, oder?"
"Natürlich nicht!", entgegnete sie und schüttelte energisch mit dem Kopf. "Ich habe ihm gesagt, dass er es sich sehr einfach macht. Ich meine, er kann doch nicht wirklich glauben, dass es mit einer einfachen Entschuldigung getan ist. Er hat daraufhin gesagt, dass er mir ja nicht viel zu bedeuten scheint. Ich war so wütend, da habe ich ihm gesagt, dass er Recht hätte und er mir nun endgültig nichts mehr bedeutet." Sylvia war den Tränen nah. "Und dann... dann habe ich ihn geohrfeigt."
"Ich vermute, dass er deshalb heute morgen nicht beim Frühstück war?"
"Nach dieser Sache kann ich es ihm nicht mal übel nehmen." Sylvia sah auf, sah direkt in Dumbledores blaue Augen.
"Entschuldigen Sie sich bei ihm. Mehr kann ich Ihnen nicht raten. Er wird sich sicher nicht sofort mit Ihnen vertragen. Aber Sie können nichts tun." Albus Dumbledore hätte ihr gern geholfen, doch er wusste selbst nicht wie. Irgendwie mochte er Severus' Schwester.
"Danke, Professor Dumbledore. Gute Nacht", sagte sie enttäuscht.
"Es tut mir Leid, dass ich Ihnen nicht besser helfen konnte. Schlafen Sie gut." Dumbledore brachte sie noch bis zur Tür, dann war er wieder allein.
Er dachte an das Gespräch mit Sirius. Beide machten sich Sorgen. Voldemort plante etwas, doch er plante es allein. Severus konnte keine Informationen bekommen; er war froh, dass Voldemort ihn nicht sofort umgebracht hatte. Er hatte ihn gefoltert und der Zaubertränkelehrer hatte es, ohne ein Wort, über sich ergehen lassen. Er setzte sich großer Gefahr aus, indem er als Spion arbeitete.
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