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Harry Potter
& der Fluch der blauen Blume

Kapitel 5: Schatten der Vergangenheit

Die erste Woche verging schnell und es kam Harry vor, als wäre er nie weg gewesen. Es hatte nicht lange gedauert bis es eine Menge Gerüchte über Snapes Schwester gab. Einige behaupteten, dass sie gar nicht die Schwester des Zaubertränkelehrers sei.
Es war Freitag mittag und sie hatten nur noch eine Doppelstunde Zaubertränke mit den Slytherins vor sich bis es Wochenende war. Die Schüler warteten wie immer im Keller vor dem Zaubertrankkeller darauf, dass Snape sie einließ.
Malfoy stand in der Mitte einer fies lachenden Gruppe Slytherins und redete auf seine ständigen, leicht verblödeten Begleiter Crabbe und Goyle ein. Hermine, Harry und Ron beachteten ihn nicht und redeten über die Quidditchauswahl, die am nächsten Tag sein sollte.
Kurze Zeit kam auch schon Snape und öffnete den Kerker. Als Snape sich vor der Klasse aufbaute um mit dem Unterricht zu beginnen, regte sich in den hinteren Reihen etwas. Es waren einige Slytherins, die sich meldeten.
"Ja", blaffte Snape genervt.
"Professor, wo kommt diese Frau plötzlich her, die behauptet ihre Schwester zu sein?"
"Diese Frau heißt Sylvia Snape und sie behauptet nicht meine Schwester zu sein, sie ist es leider! Und wenn ich nun darf, würde ich gerne mit dem Unterricht beginnen. Wir werden heute Veritaserum brauen. Wer kann mir die wichtigste Zutat nennen?"
Hermines Hand schoss in die Höhe, während Snape sich im Raum umsah.
"Sie vielleicht, Mr Longbottom.", sagte Snape und seine Lippen kräuselten sich zu einem fiesen Grinsen.
"Für... für ein Wahrheitselixier braucht man... man braucht Jobberknollfedern", antwortete Neville leise, aber dennoch laut genug um Snapes Grinsen verschwinden zu lassen.
Für eine Sekunde sah der Lehrer Neville an und dann sagte er etwas, das Hermine, Ron und Harry an ihrem Verstand zweifeln ließ: "Einen Punkt für Gryffindor... Und nun schlagt Seite 172 auf und fangt endlich an!", blaffte Snape.
Während alle ihre Zutaten abwogen und langsam begannen ihren Trank zu brauen, schlich Snape langsam durch den Kerker. Hier und da blieb er stehen und gab seine Kommentare ab.
Er sah auch in den Kessel von Harry und Ron, die gerade in ihren Trank umrührten. "Euer Trank ist viel zu dick!" Die beiden hatten schon so viel Erfahrung, dass sie wussten, dass man in solchen Fällen am besten den Mund hielt. Sie waren ziemlich erleichtert, als Snape ihnen keine Punkte abzog.
Snape schlich weiter und blieb bei Hermine und Neville stehen. Sein Mund zuckte und sicher hätte er etwas gesagt, aber Nevilles Trank war dank Hermines Hilfe völlig in Ordnung.
Nach der Zaubertrankstunde stiegen Harry, Ron und Hermine hoch in die Eingangshalle.
"Gehen wir Hagrid besuchen?", fragte Harry.
Hermine und Ron erklärten sich damit einverstanden und die drei machten sich auf den Weg zu der kleinen Hütte des Wildhüters.
"Hallo ihr drei!", begrüßte Hagrid sie, als er die Tür öffnete. "Wie war eure erste Woche?"
"Na ja, war ganz gut. Ist nicht viel passiert", sagte Harry und die drei gingen in die Hütte.
Als sie sich setzten kam etwas kleines rotes auf sie zu.
"Hagrid, das ist nicht schon wieder eins deiner verrückten Haustiere, oder?", fragte Hermine zweifelnd und musterte das Tier.
"Das is 'n junger Feuerfuchs. Isser nicht schön?" Hagrid strahlte das Tier an. Sein Fell sah aus, als würde es brennen und seine orangen Augen sahen scheu durch den Raum. "Sind sehr selten, diese Feuerfüchse", erklärte Hagrid.
"Wo hast du ihn her?", fragte Ron neugierig.
"Er is im Wald rum gestreunt und ist mir dann gefolgt. Sind sehr anhänglich, müsster wissen." Hagrid stellte einen Teller mit Keksen auf den Tisch.
"Hast du die selber gemacht?", fragte Hermine. Bisher waren Hagrids Kekse ungenießbar und steinhart gewesen.
"Nee, die sind nich von mir."
Mutig griff Hermine zu und biss in den Keks.
"Und?", fragten Harry und Ron.
"Mut", sagte Hermine mit vollem Mund.
Jetzt trauten sich auch Harry und Ron an die Kekse. "Tie smecken wirklich mut", bestätigte Ron ebenfalls mit vollem Mund.
"Woher sind die?" Harry sah Hagrid erwartungsvoll an.
"Ist doch egal... Sacht ma, wie is denn Snapes Schwester so? Wie is ihr Unterricht?"
"Ist ganz nett, es gibt auch schon 'ne Menge Gerüchte über sie", erklärte Ron.
"Woher hast du denn jetzt diese Kekse?" Harry wollte nicht aufgeben. Warum machte Hagrid so ein Geheimnis daraus, wo er sie her hatte?
"Oh, schon spät." Hagrid überging Harrys Frage einfach. Das hatte er sonst immer nur dann gemacht, wenn man ihn nach seinen Eltern gefragt hatte. "Ihr solltet gehen, sonst wird das Tor geschloss'n und ihr seid nich da." Hagrid hatte es plötzlich ziemlich eilig die drei loszuwerden, also machten sie sich auf den Weg zurück zum Schloss.

*****

Es war Mittag und Severus Snape saß in seinem Büro. Er dachte über Sylvia nach. Warum war sie hier aufgetaucht? Nachdem sie nach Beauxbatons gegangen war hatte sie sich nur noch einmal zu seinem Abschluss gesehen. All die Jahre war er Luft für sie gewesen. Nie hatte sie auf seine Briefe geantwortet und dann, nach seinem Abschluss schickte sie plötzlich jedes Jahr ein Weihnachtsgeschenk. Und das, wo er Weihnachten so hasste. Und zu guter Letzt nahm sie ihm nun diese Stelle weg.
Er wusste nicht warum, aber er war total durch den Wind. Sylvia hatte alles durcheinander gebracht. Mit ihr kamen Erinnerungen, die er aus seinem Kopf verbannt hatte. Diese Erinnerungen rissen alte Wunden wieder auf und Severus fühlte deutlich den Schmerz, den er so lange verdrängt hatte.
Plötzlich ließ ihn ein Geräusch aus seinen Gedanken aufschrecken. Jemand klopfte an seine Tür. Wütend stand er auf. Er konnte es nicht haben, beim Nachdenken gestört zu werden.
Er öffnete die Tür und was er da sah, machte ihn noch wütender. Vor ihm stand seine Schwester. "Was willst du?", fragte er genervt und verschränkte die Arme.
"Können wir reden?" Sylvia sah ihren Bruder hoffnungsvoll an.
"Muss das sein?" Severus wollte nicht mit ihr reden. Das würde nur noch mehr schmerzhafte Erinnerungen wecken. "Lässt du mich dann in Ruhe?", fragte er nach einigen Minuten, als Sylvia immer noch ihm stand und nicht mal im Traum daran zu denken schien, zu verschwinden.
"Ich weiß nicht. Vielleicht."
"Na schön, komm rein. Du lässt dich ja doch nicht davon abbringen, egal was ich sage!"
Sylvia betrat das Büro. Im Kamin knisterten blaue Flammen, in den Regalen standen Gläser, gefüllt mit Zaubertrankzutaten und der Schreibtisch war beladen mit Büchern und Pergamenten.
"Du bist ordentlicher geworden, seit damals", stellte Sylvia fest.
"Was ist jetzt? Du wolltest reden!" Severus kam sich veralbert vor. Hatten sie sich nicht mehr zu sagen? Konnten sie nur streiten oder unwichtige Tatsachen austauschen?
"Was ist mit dir passiert? Wo ist der Severus, mit dem ich als Kind jeden Unsinn machen konnte? Wo ist der Junge, den ich so gut kannte? Den ich so gern hatte? Das kann doch nicht alles weg sein!"
"Sylvia, sieh es doch ein, diesen Severus gibt es nicht mehr! Es gibt ihn nicht und es wird ihn nie wieder geben!" Und schon wieder schrie er sie an. Er konnte einfach nicht anders.
"Warum Severus? Was ist passiert?" Sylvia klang verzweifelt. Sie wollte ihn in die Arme schließen. Mit ihm reden, wie früher, als sie noch Kinder gewesen waren. Er sollte sich um sie kümmern, ihr helfen. "Warum hast du dich nie gemeldet? Ich hätte dich gebraucht Severus! Fandest du es so schlimm, dass ich nach Beauxbatons wollte, obwohl du in Hogwarts warst?"
"Ich? Du! Du warst doch zu fein auf meine Briefe zu antworten! Und nach meinem Abschluss hieltest du es dann für nötig mir Weihnachtsgeschenke zu schicken. Ich lasse mich von dir nicht weiter auf den Arm nehmen!"
"Auf welchen Brief hätte ich antworten sollen, wenn du nicht schreibst? Weißt du was? Du kannst mich mal!" Sylvia stürmte aus dem Zimmer und Severus Snape blieb allein zurück.

*****

(aus Severus Snapes Sicht)
Ich saß am Schreibtisch, stand auf. Ich lief durch mein Büro. Es beruhigte mich nicht wirklich. Ich wollte nicht denken, wollte mich nicht erinnern, aber die Erinnerungen und Gedanken kamen trotzdem. Ich blieb stehen, dachte doch nach und die Erinnerungen stürmten schmerzhaft auf mich ein.
Sylvia hatte mich damals verlassen. Allein gelassen, als ich sie am meisten brauchte. ‚Wir verstehen uns nicht mehr, streiten uns nur noch, dabei mag ich sie.', dachte ich traurig.
Ich ging wieder auf und ab, in der Hoffnung, dass die Gedanken verschwanden. Doch die Gedanken verschwanden nicht.

*****

(aus Sylvia Snapes Sicht)
Ich fühlte mich seltsam. Ich wollte weinen, doch keine Träne verließ mein Auge. Ich wollte mich über Severus aufregen, meine Wut über ihn hinaus schreien, doch kein Ton verließ meine Kehle.
‚Er hasst mich. Ich habe doch sonst niemanden. Es gibt doch niemanden, der mir sonst die Kraft geben kann, die ich so dringend brauche.', dachte ich traurig. Ich fühlte mich einsam und leer. Das Gefühl der Leere ließ mich nicht los. 1