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Anleitung zum Menschsein

Anfang vom Ende

Weltfremd

Der Roman

Unsinn

 

 

ANFANG VON ENDE

Ok. Fangen wir mal an. Mit Geschichten Schreiben. Wie macht man so etwas? Wie fabriziert man lesenswerte Worte in akzeptabler Reihenfolge, ohne dabei zu sehr in die Dimension des Dünnschiss zu geraten? Des nichtssagenden Dünnschiss, der täglich in unverantwortlich hohen Auflagen gedruckt wird?
Vielleicht hilft da ein Plan. Heutzutage muß man doch alles planen und timen, seinen Fleiß, seine Faulheit, seine Essgier und den Schlaf. Richtiges Timing macht das Leben erst lebenswert.
Probieren wir es doch aus.
Sollen die Geschichten allgemein (also seichte Philosophie) oder konkret (kann dann nur sehr persönlich werden) sein?
Entscheiden wir uns für konkret.
Soll es in der Intention was zusagen haben oder arabeske, ironisch-liebevolle Zustandbeschreibung sein?
Ich glaube ja kaum, der Welt jetzt schon etwas zu sagen zu haben, und wenn, dann soll es der Leser bei Friedrich Nietzsche oder Gottfried Benn nachlesen. Die haben es besser auf den Punkt bringen könen als ich. Dann sollte ich Links zu Weltliteratur in die Geschichten integrieren, es lesen viel zu wenige Menschen anstrengende Bücher.

Denn es ist wirklich anstrengend und demütigend, Benns „Gehirne“ zu lesen und sich bei jedem zweiten Satz zu fragen, warum kriege ich keinen Anschluß an seine Sprache, obwohl ich dasselbe denke? Aber manchmal, sehr selten, kann man den Text fühlen und sehen, in diesem Augenblick weiß ich, ich habe Einblick in DIE Wahrheit.
Und sobald auch nur den leiseste Hauch des mir Gewährten mein Bewußtsein aufzunehmen beginnt, verschwindet dieses Gefühl sofort, so, als wollte jemand mit mir spielen und sich nun eins ins Fäustchen lacht. Gemein. Aber ich kann nicht gegen den Verwalter der Wahrheit ankämpfen, dann schmeiße ich das Buch in die Ecke, obwohl die Schuld an meiner Niederlage nun wirklich am wenigsten das Buch trifft und weine.

 Ja, ich weine.
Es ist nämlich zum Heulen, die überwiegende Zeit seines Lebens hohl zu sein und hohlen Dingen nachzugehen, die letzendlich das gesellschaftliche Leben mir abverlangt. Dumpf und hohl, aber zum Glück merke ich das nicht die ganze Zeit über, man hat ja hier und da Spaß, das lenkt vom eigenen Dahinplätschern ab, ab und zu habe ich Schmerzen, die bringen zumindest wieder den Rückbezug zu meinem Körper, ab und zu glaube ich, im Gesicht eines anderen Menschen auch die Verlorenheit zu sehen, ich verliebe mich dann, aber nicht in den Menschen, sondern in das Gefühl, nicht mehr allein zu sein.
So läßt sich die Endgültigkeit der Dumpfheit oft ganz gut umgehen. Andernfalls würde ich den ganzen Tag lang mit dem Kopf gegen die Wand schlagen, bis ich Schmerzen habe, dass ich schreien muß, dass ich nur noch schreien kann, dass ich einen triftigen Grund habe, markzerreißend schreien zu dürfen.
Obwohl ich denselben Schmerz beim Anblick der Menschen habe, auf der Staße, in meinem Bekanntenkreis und bei Freunden, darf ich dann nicht so schreien.
Gehört sich nicht.

Früher habe ich mir immer vorgestellt, wie meine Familie sich nach meinem Selbstmord verhalten würde. Ich lag nächtelang wach, erregt von diesem sadistischen Gefühl, meine Eltern so entsetzt zu sehen, so „Wir haben doch nichts getan“, so beängstigt darüber, was wohl andere Menschen über sie denken würden. Genau das ist es. Sie hatten nur Angst davor, was andere wohl über dies und jenes tuscheln könnten, mit ihren giftspeienden Zungen zischeln könnten, überall zersetzende Scheiße freilassend. Sie hätten lieber Angst haben sollen vor dem, was sie selbst sagen, was sie selbst denken und wie sie selbst urteilen. Das ist der Urquell der Zersetzung, da gärt die Scheiße.
Sie würden sich gegenseitig zerfleischen, bis ins Mark, mit Verantwortungszuweisungen für meinen Tod, würden beide nicht verstehen, dass sie keine Kinder in die Welt mit ihren eigenen gutgetarnten Zwiespältigkeiten setzen durften, denn Kinder befreien nicht davon, sondern verstärken die eigene seelische Hin- und Hergerissenheit, Kinder sind Multiplikatoren für die Risse im Verstand und im Empfinden.
Aber Menschen werden es nie begreifen, auch wenn sie noch so hochintelektuell sind, zeugen trotzdem Kinder und verstümmeln diese dann.

Meinem Bruder konnte das Ganze zunächst nichts anhaben. Er bot schon allein mit seinem Aussehen eine genügend große Fläche für eine projezierte Wunscherfüllung meiner Mutter. Ich hasse ihn. Ich hasse seine niedliche Fresse. Nur weil er eine Komplikationsschwangerschaft gewesen ist, mußte ich schon mit 5 Jahren groß sein, ihn lieben, auf ihn aufpassen, in der Küche die Milch am Herd rühren, damit diese nicht anbrennt, für seinen Brei. Was interessiert ein 5jähriges Kind die Probleme und Bedürfnisse eines Säuglings, eines Eindringlings, eines Fremdkörpers?
Meine Eltern waren wohl der Meinung, es hat mich zu interessieren. Weil ich mich aber gegen diesen Eindringling wehrte, wurde ich von meiner Mutter regelmäßig und ausdauernd geschlagen. Mein Vater, ja, erinnere mich angestrengt, ich sehe ihn aber nirgends in meiner Erinnerung. Huhu, wo bist du?
Nur Echo, keine Antwort.

Mein treudoofer Bruder würde dann beim Begräbnis meine Mutter trösten wollen und ihr sagen, ich sei so undankbar und seine niedliche Fresse bekäme einen Anflug von geheuchelter Verachtung für mich.
Aber eben nur geheuchelt.
Denn im Stillen hast du mich bewundert, ja, ja, streite es ruhig ab, du bist nicht so handsam, wie du es dir selbst und die Familie es dir einredet. Irgendwann stürzt du ab. Mit Mitte 30, wenn du siehst, dass deine dich liebende Mutter und deine Ehefrau dich nur deshalb lieben, weil deine hübsche Fresse ihre eigene Häßlichkeit kompensiert, nicht wahr? Dass sie dich nur deshalb lieben, weil du die totale Kontrolle über dein Leben zugelassen hast und ihnen deswegen das einzige für sie zählende Gefühl verliehen hast: Macht. Sie manipulieren dich.
Indem sie ständig und immer deinen Verantwortungssinn und deine Dankbarkeit und deine Bescheidenheit unterschwellig anzweifeln, dein Ehrgefühl und dein Stolzempfinden. Dir damit permanent schlechtes Gewissen verursachen, für Sachen, die in ihr eigenes Gewissen gehören und mit dir nichts zu tun haben. Du ahnst den Betrug. Aber du strengst dich noch mehr an, ein besserer Mensch zu sein.
Und irgendwann tut das so wehe, dass du weinst. Und leise schluchzend in der Badewanne flüsterst du dann mit gepresster Stimme, warum diese ständigen Unterstellungen, Vorwürfe?
Es kränkt Dich.
Und das sollte es auch.
Aber erst mit Mitte dreißig erkennst Du, dass es ein raffinierter systematischer Zerstörungsprozess ist,  dass Du diesen Menschen einen Platz in deinem Gewissen freigeräumt hast und sie auf Kosten deiner Seelenkraft ihr Parasitenleben fristen, mit dem einzigen instinkiven Ziel, um jeden Preis ihr schäbiges Leben auf einen möglichst langen Zeitraum auszudehnen.
Dann wendest Du Dich mit Ekel von allem ab. Mit Ekel angefüllt von den Eltern, von der eigenen Familie, von den Freunden, die nichts anderes als ökonomisch taktvoll geführten Kontakte des sozialen Aufstiegs sind, mit Ekel randvoll angefüllt.
Ekel wird zum Haß auf die anderen.
Ekel wird zum Haß auf Dich selbst, aber wie kann man Schönheit hassen?
Deswegen wird Ekel langsam zu Aggression, Dein Verstand akzeptiert aber keine Aggression, schade auch, bleibt der Weg in die geschlossene Anstalt.
Das alles wünsche ich Dir so sehr, wenn ich Dich oben auf der Erde an meinem Grab stehen sehe. Wünsche es Dir so sehr, dass ich Brechreiz bekomme und meinen Sarg vollkotze.

Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden (das war ein richtiger Kraftakt), dass ich nicht dazu fähig bin, mich umzubringen. Ich kann das wirklich nicht. Also muß ich weiter hier ausharren, mir vielleicht eine Alternative für den Selbstmord überlegen. Innere Immigration oder so was, nennt man doch so, oder?
Muß mir mein Dasein dennoch irgendwie finanzieren. Innere Immigration kostet schließlich Geld. Zumindest Miete, Kleidung, Klopapier und Essen. Und viel Aspirin. Welcher Beruf läßt sich mit der Inneren Immigration am besten vereinbaren?
Schriftsteller.
Dann wären wir wieder am Anfang der Geschichte, nämlich, dass ich Geschichten schreiben möchte, aber keinen Plan habe wie. Ich habe zwar nach wie vor keinen Plan, dafür aber die erste Geschichte.

 

 

WELTFREMD

Heute seit langem ein zauberhafter Tag.
Der Himmel mit aschegrauen Wolken zugezogen, frostiger Lufthauch erfüllt meine Wohnung durch die weit geöffneten Fenster. Heute Nacht hat es geregnet, habe dem Regen zugehört. Ich dachte ja, es sei romantisch, so, wie es die ganzen melodramaturgischen Schreiberlinge der Romantik besungen haben, aber es ist langweilig. Obwohl ich mich wirklich angestrengt habe, den fallenden Tropfen eine Melodie abzugewinnen. Nichts da.
Aber lassen wir das. Will die alten Meister ja nicht schlecht machen, nur weil ICH dem Regen keine Melancholie, Erinnerungen an eine Liebe oder Sonstiges aus der Schublade SCHNULZE abgewinnen kann.
Dafür geht es mir heute zu gut. Der Tag ist eine Ode an den Tod. So endgültig ist die feuchte, kalte Luft, so endgültig kommt heute keine Sonne zum Vorschein, so endgültig kommt mich heute keiner besuchen, so endgültig klar und ohne Selbstzermürbung kann ich heute denken. Und das macht mich glücklich. Es fühlt sich an, als hätte ich ein kleines Geheimnis, das ich mit Genugtuung vor anderen verberge, so fühlt sich heute mein Glück an.

Ich kann sogar in die Stadt fahren.
Ich denke mir, lebte ich in Berlin, könnte ich immer in die Stadt fahren, weil Berlin immer einen morbiden Hauch hat wie ich.
Aber in München ist es anders. Ich fühle mich durch diese Stadt persönlich angegriffen, es ist alles zu proper, zu harmonisch, zu blumig, die Stadtarchitektur ist ein zusammengeklautes Gemisch aus schlecht nachgemachter Romanik, bäuerlich-adaptierten Bildungsstil und dem Beschiss der Baukunst, dem Gründerstil. Und dazu diese hohlen Menschen mit Abitur und weiterführender Hochschulausbildung, die sich gegenseitig mit Worthülsen aus Maschinengewehren beschiesen, deren Mimik immer gleich ist, die diese übertriebene Freundlichkeit mit Zähnezeigen und künstlich eingelegten Pausen beim Sprechen mit verstellten Stimmen auch ihren Kindern anerziehen. Und selbstbewußt ihr Geld präsentieren und das, was es aus ihnen gemacht hat.
Heute kann ich sie nicht weniger ausstehen als sonst, dennoch betrachte ich sie mit einer schmunzelnden Arroganz, diese Organismen.
Also mische ich mich sogar mit Absicht unter sie, ich gehe ins Café Aster hinter der Philarmonie und studiere sie stundenlang.
Zur Krönung gehe ich in die Kaufingerstraße. Suche nach passender Kleidung. Weite Palazzohosen, schwarz, Lederstiefel mit hohem Absatz, enge Pullover, pastellfarben. Gebe knapp über 500 Mark aus. Fahre nach Hause, mit vollen Einkaufstüten, sehe fast aus wie eine von ihnen, passe ganz gut in die Masse und lächle sogar selbstgefällig.
Es ist früher Abend. Habe wieder den ganzen Tag nichts gegessen, greife zum Telefon, rufe eine Bekannte an, Verabredung zum Essen, in einer Stunde, gut, klack.
Im Restaurant habe ich keine Freude am Essen, aber an meiner Begleitung. Sie stört es nicht, dass ich schweigsam bin und abwechselnd sie und meinen Teller anstarrte. Sie erzählt mir vom Leben, wie es Hunderttausende in dieser Stadt auch kennen, ich aber nicht, ich lausche neugierig und starre sie unhöflich an. Und unvermittelt fragt sie mich: „Und was machst du so?“
Ich senke unwillkürlich den Kopf, hebe ihn leicht wieder an und sage, böse bedeutungsvoll lächelnd, ich schriebe an einem Großstadtroman und recherchierte nebenbei. Dann sage ich noch gut 50 Worte, 5 davon sind auch ihr bekannte Autoren, eins davon eine große Tageszeitung, die hälfte vom Rest Schlagzeilenworte aus der BILD-Zeitung und die andere Hälfte sind Konjunktionen. Und schon wird sie morgen in ihrem Bekanntenkreis von meinem neuen Projekt erzählen, sogar ihre Freundin, die als selbständige Redakteurin der Hochglanzzeitschrift „Madame“ arbeitet, anrufen und ihr einen „heißen Tipp“ geben, für die Jungkünstler-Kollumne.
Angewidert nehme ich mir ein Taxi und lasse mich in die Nacht fahren.

 

 

Der Roman

Nun gut, Schluß mit lustig.
Schluß mit seichten Geschichten, die nichts zu sagen haben.
Ab heute wird mein Leben anders sein. Ab heute schreibe ich einen Roman. Ab heute denke ich differenziert, zielgerichtet auf meinen Roman, stelle mein ganzes Leben in den Dienst meines großen Romans.
Ich schreibe jetzt Tag und Nacht, ohne an das Essen und Trinken zu denken, ich brauche keinen Schlaf mehr, ich brauche keine tiefschlürfenden Gespräche mit meinem Freund Georg in seiner Küche mehr, ich brauche überhaupt niemanden mehr, meine Schwester nicht, meine Intimpartner nicht, meine Internetfreunde nicht, meinen Bisamhamster nicht. Denn der Roman erfüllt mich, beansprucht mich in meiner ganzen Existenz, macht mich zu seiner Sklavin.
Endlich werde ich gebraucht!
Endlich braucht mich jemand, und zwar niemand geringeres als der Roman, er braucht meinen Verstand und meine tippenden Hände, um geschrieben zu werden, um das Licht der Welt zu erblicken, um überhaupt Sein zu können. Und ich, nur ich, kann diesen Roman schreiben. Nur ich bin dieser Aufgabe gewachsen.


Was passiert aber, wenn der Roman fertig ist?
Dann wird er mich verlasen, dann braucht er mich nicht mehr, er ist auf die Welt gekommen, ich habe ihn geboren, und nun? Und nun?
Die Kehle schnürt sich zu bei dieser Vorstellung. Denn dann bin ich wieder unbrauchbar. Dann ist es genauso, als ob ich gar nicht auf der Welt wäre, so, wie es vor dem Roman gewesen ist.
Deswegen darf der Roman nie fertig werden!
Der Roman braucht mich dann auch weiterhin, damit ich ihn zu Ende schreibe und ihm einen letzten Schliff von Reife und Selbständigkeit gebe. Das wird aber nicht passieren, ich darf meinen Roman nicht erwachsen werden lassen, denn dann verläßt er mich, ich habe niemanden, der ausschließlich und fundamental MICH braucht und sonst niemanden.
Oh Gott.
Das erinnert mich an meine Mutter.
Und ich wollte doch nie so sein wie meine Mutter.
Heißt es dann, dass ich keinen Roman schreiben darf, um nicht wie meine Mutter zu werden?
Das wäre die naheliegendste Lösung.

 

 

Unsinn

Ich sitze gerade bei einem Freund fest, denn nach Hause kann ich nicht, Gewitter ist ausgebrochen, Sommergewitter und ich bin natürlich nicht darauf vorbereitet gewesen. Er ist in der Küche, seine Freundin kommt bald, muß was Essbares machen, also darf  ich an seinen Computer und schreibe eine Geschichte.

Es war einmal...

Aber mal im Ernst, warum schreibe ich nicht Märchen? Wahrscheinlich weil es sehr viel schwerer ist, gute Märchen mit Moral (denn das müssen sie immer haben) zu schreiben als irgendwelchen ausgedachten Humbug. Für Märchen braucht man eine feste Eingrenzung von Gut und Böse, man muß ein in sich stimmiges Weltbild vermitteln, muß auch die Vorstellung von Vorzügen, überhaupt von Wesensart der Männer und Frauen kennen, um diese in Märchen sinnvoll weiterzugeben.
Märchen zu schreiben ist eine verantwortungsvolle Aufgabe.
Ich möchte nicht Kinderbuchautor sein müssen. Ich würde kläglich versagen. Kläglichst.

Aber ein Versuch wäre es wert, würde mich sogar reizen, aber nicht jetzt, nicht jetzt, wenn ich Kochtopfgeräusche und Brutzeln von Zwiebeln in zerlassener Butter hören muß. Kann mich nicht konzentrieren.
Habe gestern eine Anzeige von einem privaten Bildungsinstitut gelesen, sie bieten Kurse für angehende Schriftsteller an. Zunächst gelacht. Aber vielleicht gar nicht so dumm, denn ich müßte viele Spielarten des Schreibens beherrschen, Essays, kleine Theaterstücke, Gedichte, Humoristisches, Dialoge schreiben (das habe ich schon probiert, wirklich schwer!), Texte für Radio, Fernsehen. Vielleicht sollte ich den Kurs belegen, ist ja eine private Fernschule, dort lerne man frei und ungezwungen und nach persönlichem Tempo. Teuer. Kann mir vorerst nicht leisten, also, muß mir selbst alles aneignen. Aber wie soll ich mir beispielsweise Gedichteschreiben selbst aneignen, wenn ich keine lesen mag und so nur mit Abscheu nach Reimen suchen könnte?
Aber vielleicht geht es bei den Gedichten nicht ums Reimen. Sondern darum, dass man ein Bild für einen Zustand schafft und das Bild wiederrum in Wort fasst. In Worten fühlen. Kann ich nicht. Ich denke immer nur in Bildern. Aber das kann ebenfalls hilfreich sein.
Zu Hause wartet mein Sybille Berg Buch auf mich, WOW.
Bin schwerst beeindruckt. Kann vielleicht im Laufe der Zeit mehr dazu schreiben.
Und von BvSB bin ich enttäuscht, aber nein, falsch. Bin ich nicht. Blackbox ist einfach nur anders. Womöglich hat Christian recht, wenn er sagt, seine Bücher machten nur Spaß, sonst nichts, und der Leser weiß ja, was das heißt, wenn Bücher lediglich Spaß machen. Obwohl ich immer noch der Meinung bin, dass seine excellente Beobachtungs- und Foccussierungsgabe auf Details einen gewissen Klassikwert hat, und zumindest als historische Quelle später einmal für das Leben in meiner Zeit herangezogen wird.
Aber nein, was schreibe ich da.
Später wird man doch keine Bücher als Quellen mehr brauchen. Es ist doch alles auf Datenträgern gespeichert, man gibt dann in die Suchmaschine „Popkultur, Jahr 2000“ ein und schon hat man Videoaufnahmen, alle Zeitungsartikel, sonstigen Müll. Aber vielleicht auch nicht.
Vielleicht werden unsere Nachkommen ihr Wissen über uns aus den Werbespots beziehen, warum soll eine Persil-Megaperls-Werbung weniger historische Aussagekraft haben als ein archeologisches Fundstück, wie beispielsweise ein Nachttopf aus den Jahren der Trojanischen Kriege?

 

 

 

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